{"id":9245,"date":"2021-02-07T19:49:57","date_gmt":"2021-02-07T19:49:57","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9245"},"modified":"2022-08-08T19:55:04","modified_gmt":"2022-08-08T17:55:04","slug":"johannes-1621","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-1621\/","title":{"rendered":"Johannes 16,21"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<table border=\"0\" width=\"550\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\">\n<p><a name=\"top\"><\/a><b><a href=\"http:\/\/www.predigten.uni-goettingen.de\/\">G\u00f6ttinger <\/a><\/b><\/p>\n<p>Predigten im Internet<\/p>\n<p>hg. von U. Nembach, Redaktion: R. Schmidt-Rost<\/p>\n<\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\">\n<p><b><span style=\"color: #000099;\">Taufansprache \u00fcber Johannes 16,21 &#8211; 2002<br \/>\n<\/span><\/b><b><span style=\"color: #000099;\">V<\/span><span style=\"color: #000099;\">erfa\u00dft<br \/>\nvon Enno Junge<br \/>\n<\/span><\/b><\/p>\n<\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Liebe Eltern, liebe Paten!<\/p>\n<p>Heute sind Ihre Gedanken bei Ihrem Kind \u0096 noch mehr und noch st\u00e4rker<br \/>\nals an den vorigen Tagen. Sie denken an alle die kleinen und gro\u00dfen<br \/>\nVer\u00e4nderungen, die sich seit der Geburt dieses kleinen Menschen in<br \/>\nIhrem Leben vollzogen haben. Aber Ihre guten W\u00fcnsche, Ihre Vorstellungen<br \/>\nund Ihre Hoffnungen eilen der Zeit, eilen Ihrem Kind auch voraus. Ob Ihr<br \/>\nKind dort einmal ankommen wird, wo Ihre Gedanken heute m\u00f6glicherweise<br \/>\nschon sind?<\/p>\n<p>Im 16. Kapitel des Johannesevangeliums lautet der 21. Vers:<br \/>\nEine Frau, wenn sie gebiert, so hat<br \/>\nsie Schmerzen, denn ihre Stunde ist gekommen. Wenn<br \/>\nsie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht<br \/>\nmehr an die Angst um der Freude willen, dass ein<br \/>\nMensch zur Welt gekommen ist.<\/p>\n<p>Ein Mensch ist geboren. Wir freuen uns. Trotz der Belastungen w\u00e4hrend<br \/>\nder Schwangerschaft und der Geburt. Trotz der Ver\u00e4nderungen im bisherigen<br \/>\nTagesablauf, die auch V\u00e4ter zu sp\u00fcren bekommen. Trotz alledem:<br \/>\nDie Freude erweist sich als st\u00e4rker. Warum ist das so?<\/p>\n<p>Ein neuer Mensch ist da. Er erweckt durch seine r\u00fchrende Hilflosigkeit<br \/>\nunsere Liebe. Immer wieder erfahren wir es. Da ist jemand, der auf mich,<br \/>\nder auf uns wartet, der auf Hilfe und F\u00fcrsorge angewiesen ist. Wir<br \/>\nerleben Stunden eines erf\u00fcllten Lebens. Wir erfahren die Liebe, die<br \/>\nbereit ist zu verzichten, aufzugeben: die Ruhe der Nacht und manches andere.<br \/>\nWir erfahren die Liebe, die hingibt und die trotzdem nicht \u00e4rmer<br \/>\nwird, sondern reicher: Wir freuen uns.<\/p>\n<p>Heute taufen wir Ihr Kind. Wir folgen der alten \u00dcberlieferung, die<br \/>\nbesagt, dass wir durch die Taufe unsere Kinder Gott \u00fcbergeben. Ihm<br \/>\nsollen sie geh\u00f6ren, nicht uns. Auch die Taufe ist also ein Akt der<br \/>\nHingabe: Wir verzichten auf unsere Besitzanspr\u00fcche dem Kind gegen\u00fcber.<br \/>\nWir lassen unsere elterliche Autorit\u00e4t, unser Macht begrenzen, die<br \/>\nkleine Kinder meistens als eine Art Allmacht erleben. Aber wir sparen<br \/>\ngerade diese Stelle aus, besetzen sie nicht durch uns selber. Wir lassen<br \/>\nsie frei f\u00fcr Gott: Die einseitige Abh\u00e4ngigkeit des Kindes von<br \/>\nden Eltern wird in eine gemeinsame Abh\u00e4ngigkeit von beiden Gott gegen\u00fcber<br \/>\nverwandelt. Wir lernen, unser hilfsbed\u00fcrftiges Kind mit neuen Augen<br \/>\nzu sehen. Es ist, was wir sind: ein Mensch, Gottes Gesch\u00f6pf, unser<br \/>\nkleinster Partner und Lebensgef\u00e4hrte.<\/p>\n<p>Wir taufen Ihr Kind heute. Wir \u00fcbergeben es Gott. Und wir erhalten<br \/>\nes zur\u00fcck als Geschenk, f\u00fcr das wir Gott verantwortlich bleiben:<br \/>\nWir nennen den Namen Jesu Christi \u00fcber Ihrem Kind. \u0096 Jenen Namen,<br \/>\nder f\u00fcr die Liebe steht, die nicht besitzen will, sondern die sich<br \/>\nhingibt und verschenkt bis zur Selbstaufopferung am Kreuz. K\u00f6nnen<br \/>\nwir diese Liebe weitergeben an unsere Kinder?<\/p>\n<p>Kleine Kinder machen uns unsere Liebe normalerweise leicht. Denn sie<br \/>\nk\u00f6nnen noch nicht reden, uns noch nicht widersprechen. Aber sp\u00e4ter?<\/p>\n<p>Nicht ohne Grund sagt man: \u0084 Kleine Kinder, kleine Sorgen; gro\u00dfe<br \/>\nKinder, gro\u00dfe Sorgen.\u0093 Der eigene Wille des Kindes meldet sich.<br \/>\nEs kommt zum Konflikt. Die Grunds\u00e4tze unserer Erziehung zerbrechen<br \/>\nan der Eigenart unseres Kindes. Wir stehen hilflos da und wissen nicht,<br \/>\nwas wir tun sollen.<\/p>\n<p>K\u00f6nnen wir auch dann noch gute, d.h. liebende Eltern bleiben? Eltern,<br \/>\ndie um der Kinder willen ihre Erziehungsgrunds\u00e4tze auch aufzugeben<br \/>\nbereit sind, weil dieses Kind anders erzogen werden muss als wir erzogen<br \/>\nworden sind, als wir uns die Erziehung eines Kindes vorgestellt haben?<\/p>\n<p>Die Taufe meint nun:<\/p>\n<p>Angst und Sorge werden von der Freude vertrieben. Denn: Die Liebe Jesu,<br \/>\ndie nichts festh\u00e4lt, um es zu besitzen, die sich nicht behaupten<br \/>\nwill, diese Liebe l\u00e4sst uns nicht los. Wir k\u00f6nnen auf diese<br \/>\nLiebe h\u00f6ren, wir k\u00f6nnen unser Tun an dieser Liebe pr\u00fcfen<br \/>\n\u0096 gerade auch in der Erziehung. Dann werden wir den Kindern die Freiheit<br \/>\nder Liebe lassen: Wir werden unsere Vorstellungen und W\u00fcnsche nicht.<br \/>\nWir werden von ihnen lernen, uns ver\u00e4ndern lassen. Wir werden es<br \/>\nihnen gestatten, anders zu sein, andere Wege zu gehen \u0096 selbst solche,<br \/>\ndie unseren Erwartungen nicht immer entsprechen. Wir sollen unsere Kinder<br \/>\nnicht laufen lassen, wohl aber k\u00f6nnen wir sie freigeben, auch wenn<br \/>\nes uns schwer f\u00e4llt.<\/p>\n<p>Schwierigkeiten, Sorgen, Hilflosigkeit \u0096 all das wird bestimmt auf<br \/>\nuns warten in den Tagen, die auf diesen Tauftag folgen. Die Freude kann<br \/>\ntrotzdem das letzte Wort behalten. Ein neuer Mensch ist in unsere Welt<br \/>\nhineingeboren, voller heimlicher und noch unentwickelter M\u00f6glichkeiten.<br \/>\nWir k\u00f6nnen ihm helfen, ein erf\u00fclltes Leben zu lernen: durch<br \/>\nLiebe, die nicht besitzen, die sich nicht selbst durchsetzen will,, sondern<br \/>\ndie hingibt und schenkt.<\/p>\n<p>Von dieser Liebe Jesu sind wir umgeben. Sie will uns nicht \u00e4rmer<br \/>\nmachen, sondern reicher. Wir wollen sie weitergeben an unsere Kinder.<br \/>\nDenn sie sind Gottes Eigentum. Sie tragen wie wir den Namen Jesu Christi.<br \/>\nDarum wird die Freude das letzte Wort behalten und alle Angst \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><b>Pastor Enno Junge<br \/>\nAn der Kirche 4<br \/>\n29348 Eschede<br \/>\n<a href=\"mailto:enno@junge-net.com\"> enno@junge-net.com<\/a><br \/>\n<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><noscript><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1\" height=\"1\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=1&amp;bn=neukirch&amp;f=taufansprache-junge.html&amp;r=r1\"\/><\/noscript><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von U. Nembach, Redaktion: R. Schmidt-Rost Taufansprache \u00fcber Johannes 16,21 &#8211; 2002 Verfa\u00dft von Enno Junge Liebe Eltern, liebe Paten! Heute sind Ihre Gedanken bei Ihrem Kind \u0096 noch mehr und noch st\u00e4rker als an den vorigen Tagen. 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