{"id":9260,"date":"2021-02-07T19:49:48","date_gmt":"2021-02-07T19:49:48","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9260"},"modified":"2022-09-17T10:49:53","modified_gmt":"2022-09-17T08:49:53","slug":"lukas-21-25-33-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-21-25-33-3\/","title":{"rendered":"Lukas 21, 25-33"},"content":{"rendered":"<h3 align=\"left\"><b><span style=\"color: #000099;\">2<\/span><span style=\"color: #000099;\">. Advent, 8. Dezember 2002<br \/>\nPredigt \u00fcber Lukas 21, 25-33, verfa\u00dft von Maria Widl<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p align=\"left\"><em>&#8222;Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen, und auf der Erde werden die V\u00f6lker best\u00fcrzt und ratlos sein \u00fcber das Toben und Donnern des Meeres. Die Menschen werden vor Angst vergehen in der Erwartung der Dinge, die \u00fcber die Erde kommen, denn die Kr\u00e4fte des Himmels werden ersch\u00fcttert werden. Dann wird man den Menschensohn mit gro\u00dfer Macht und Herrlichkeit auf einer Wolke kommen sehen. Wenn all das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure H\u00e4upter; denn eure Erl\u00f6sung ist nahe.<\/em><br \/>\n<em>Und er gebrauchte einen Vergleich und sagte: Seht euch den Feigenbaum und die anderen B\u00e4ume an: Sobald ihr merkt, dass sie Bl\u00e4tter treiben, wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. Genauso sollt ihr erkennen, wenn ihr all das geschehen seht, dass das Reich Gottes nahe ist. Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis alles eintrifft. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.&#8220;<\/em> (Lk 21,25-33)<\/p>\n<p>Moderne Menschen haben kein gutes Verh\u00e4ltnis zu apokalyptischen Ereignissen, wie sie hier angedeutet sind. Schlie\u00dflich hat uns Hollywood schon etliche Male miterleben lassen, welche Schrecknisse dabei auf die Menschen kommen. Kriegswahnsinn wie in Apokalypse Now oder Weltuntergangsszenarien wie in Amargeddon lassen den Kinobesucher in Dolby Surround-Qualit\u00e4t erzittern. Keiner w\u00fcrde dabei daran denken, &#8222;sein Haupt zu erheben&#8220;, weil &#8222;die Erl\u00f6sung nahe&#8220; ist. Im Gegenteil: Wir erwarten eine heldenhafte Rettergestalt, einen \u00fcbermenschlich starken und souver\u00e4nen Erl\u00f6ser \u00e1 la James Bond, damit die Welt noch einmal davon kommen kann.<\/p>\n<p>Diese Hoffnung ist eng mit der Erfahrung verbunden, dass es der Mensch selbst ist, der diese Untergangsszenarien herbeif\u00fchrt. Unser Schicksal liegt nicht zuerst in Gottes, es liegt in des Menschen Hand. Die modernen Bedrohungen gehen nicht von der Natur, sie gehen vom Menschen aus. Und selbst gro\u00dfe Naturkatastrophen h\u00e4ngen eng mit der Un-Art zusammen, in der der Mensch die Natur in den letzten 100 Jahren bedr\u00e4ngt und missbraucht hat, von der Klimaver\u00e4nderung durch Erderw\u00e4rmung bis zur Verseuchung der Meere (wie zuletzt wieder vor der K\u00fcste Spaniens) und m\u00f6gliche atomare Super-GAUs. Menschen, die in diesen Zusammenh\u00e4ngen davon reden, Gott w\u00fcrde die Menschheit durch solche Katastrophen hindurch zu einer h\u00f6heren Bewusstseinsstufe f\u00fchren, werden zurecht als gef\u00e4hrliche Sektierer angesehen. Die Apokalypse muss ein Tabu bleiben, damit sie nicht irgendeine Macht aus religi\u00f6sem Fanatismus leichtfertig herbeif\u00fchrt.<\/p>\n<p>Wieso lesen wir dann einen solch befremdlichen und bedrohlichen Text ausgerechnet in der Vorweihnachtszeit, wo wir eine friedlich-heimelige Stimmung suchen? Der Text spiegelt die Situation der Urgemeinde und ihre Naherwartung. Die ersten Christen waren davon \u00fcberzeugt, dass ihnen in Jesus Christus das Reich Gottes ganz nahe gekommen war. Ihr Meister und Herr war in Auferstehung und Himmelfahrt zum Vater zur\u00fcckgekehrt und w\u00fcrde sehr bald wiederkommen, um sein Erl\u00f6sungswerk zu vollenden und die Seinen zu sich zu holen.<\/p>\n<p>Doch es kam anders, als erwartet. F\u00fcr Gott sind tausend Jahre wie ein Tag, er unterliegt nicht unseren Vorstellungen von Zeit. So hat sich die Kirche nach und nach darauf eingestellt, dass es bis zur Wiederkunft Christi offenbar etwas l\u00e4nger dauert. Um all die Ereignisse nicht zu vergessen und sie inmitten des kurzen Erdenlebens gegenw\u00e4rtig zu halten, hat sie das Kirchenjahr eingerichtet: Heilsgeschichte im Rhythmus der Jahreszeiten. Der Advent am Beginn der dunklen und kalten Jahreszeit l\u00e4sst uns sp\u00fcren, wie unwirtlich die Welt sein kann. Wir z\u00fcnden Kerzen an, weil sie Licht, W\u00e4rme und Behaglichkeit verbreiten. Als ChristInnen bringen sie uns neu in Erinnerung, dass wir das Kommen Gottes erwarten, der das eigentliche Licht unseres Lebens ist.<\/p>\n<p>Bevor wir es uns in dieser Vorstellung allzu bequem machen, erinnert unser Text daran, dass das Kommen Gottes mit gro\u00dfen Ersch\u00fctterungen verbunden ist. Das Reich Gottes ist inmitten des normalen menschlichen Alltags wie ein Erdbeben und eine Sintflut zugleich. Es ersch\u00fcttert all unsere Vorstellungen davon, was ein gutes Leben ist. Normalerweise suchen Menschen nach Reichtum, Macht und Ansehen. Sie versprechen ein gutes Leben in der Welt, die den Spielregeln nach dem paradiesischen S\u00fcndenfall gehorcht. Ihre Kehrseite sind Ausbeutung, Selbstherrlichkeit und Ignoranz, mit denen wir einander das Leben zur H\u00f6lle machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>ChristInnen ist zu w\u00fcnschen, dass ihnen das Reich Gottes mit seinen ganz anderen Spielregeln nahe gekommen ist, sodass es ihnen nahe geht und sie nicht mehr losl\u00e4sst. Es ist ein Leben in Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit, mit gelassener Arbeit und in freudiger Lebensbalance trotz aller M\u00fchen und Br\u00fcche des Lebens. Gerade die vorweihnachtliche Zeit mit ihrer Hektik, ihrem Konsumdruck und der Arbeitslast des Jahresabschlusses ist ein guter Test daf\u00fcr, wie nahe einem das Reich Gottes und seine Spielregeln bereits gekommen sind.<\/p>\n<p>F\u00fcr diejenigen, denen sich die Freuden der Kinder Gottes erschlie\u00dfen, ist das Kommen seines Reiches keine Bedrohung, keine Ersch\u00fctterung, kein Weltuntergang. Es ist wie die freudige Erwartung auf den Fr\u00fchling, wenn die ersten Bl\u00e4tter sprie\u00dfen, wie es unser Text andeutet. Es ist wie ein kleines Kind, das alle Herzen durch seine unschuldige Hilflosigkeit zu bewegen vermag, wie wir es zu Weihnachten feiern werden.<\/p>\n<p>M\u00f6ge ihnen das Reich Gottes in dieser Adventszeit nahe kommen; so oder so!<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Univ.- Doz. Dr.habil. Maria Widl<br \/>\nPastoraltheologin in Wien<br \/>\nwissenschaftl. Leiterin des Pastoraltheologischen<br \/>\nInstituts der Pallottiner in Friedberg (Bay)<br \/>\n<a href=\"mailto:maria.widl@utanet.at\">E-Mail: maria.widl@utanet.at<\/a><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2. Advent, 8. Dezember 2002 Predigt \u00fcber Lukas 21, 25-33, verfa\u00dft von Maria Widl &#8222;Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen, und auf der Erde werden die V\u00f6lker best\u00fcrzt und ratlos sein \u00fcber das Toben und Donnern des Meeres. 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