{"id":9262,"date":"2021-02-07T19:49:51","date_gmt":"2021-02-07T19:49:51","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9262"},"modified":"2022-09-14T08:43:22","modified_gmt":"2022-09-14T06:43:22","slug":"matthaeus-25-1-13-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-25-1-13-4\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 25, 1-13"},"content":{"rendered":"<h3 align=\"left\"><b><span style=\"color: #000099;\">2<\/span><span style=\"color: #000099;\">. Advent, 8. Dezember 2002<br \/>\nPredigt \u00fcber Matth\u00e4us 25, 1-13, verfa\u00dft von Hanne Sander (D\u00e4nemark)<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p align=\"left\">\n<p align=\"left\">Die Adventszeit ist nicht nur Wartezeit. Die Adventszeit ist auch \u00dcbergangszeit. \u00dcbergang von einem Kirchenjahr zu einem neuen, vom alten zum neuen Jahr. Advent ist der Schnittpunkt und Treffpunkt zwischen etwas, was ist, und etwas, was kommt, zwischen Zeit, die ist, und dem Ende der Zeit, zwischen Augenblick und Ewigkeit, zwischen Himmel und Erde, Gott und Mensch.<\/p>\n<p>Im Vaterunser gibt einen entsprechenden Schnittpunkt in der Wendung: Wie im Himmel, so auf Erden. &#8222;Im Schnittpunkt zwischen den Gebeten, die vom Reich Gottes reden, und den Gebeten, die vom Menschenleben reden, stehen die Worte: Wie im Himmel, so auf Erden&#8220;, hei\u00dft es in einem neueren d\u00e4nischen Katechismus von Bischof Niels Henrik Arendt aus Hadersleben. Die Worte beziehen sich auf die ersten drei Bitten: Geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe &#8211; und in der Perspektive, da\u00df der Name Gottes geheiligt wird, da\u00df sein Reich kommt und der Wille Gottes geschieht, wird dann das Menschenleben gesehen, der Alltag, den wir miteinander leben, in dem wir das t\u00e4gliche Brot brauchen und um es bitten, wie auch Vergebung, F\u00fcrsorge und Schutz.<\/p>\n<p>Wie im Himmel so auf Erden, das bringt so in einer Weise deutlich den Gedanken des Advent zum Ausdruck, da\u00df die Erde und wir als Menschen der Erde f\u00fcr etwas bestimmt sind, das noch nicht voll verwirklicht, aber auf dem Wege ist: &#8222;Der Name Gottes ist nicht heilig auf Erden, das Reich Gottes ist nicht hier auf Erden gekommen, der Wille Gottes geschieht nicht hier auf Erden &#8211; noch nicht&#8220; (Niels Henrik Arendt). Der d\u00e4nische Lyriker Benny Andersen wendet an einer Stelle, wenn ich mich recht erinnere, das Wort <i>noch nicht<\/i> hin und her (d\u00e4nisch &#8222;endnu&#8220;, w\u00f6rtlich &#8222;als jetzt&#8220;). Wenn man das &#8222;nicht&#8220; betont, kann man hier Mutlosigkeit, Aufgabe und Ungeduld h\u00f6ren: Warum wird die Welt nicht bald zu einem besseren Ort? Es gibt immer noch zuviel Finsternis, zuviel B\u00f6ses und zuviel Not. Wie lange sollen wir noch immer darauf warten, da\u00df sich etwas \u00e4ndert. Die Ungeduld klingt in dem &#8222;nicht&#8220; an. Legt man aber den Ton auf das &#8222;noch&#8220;, klingt es anders und hoffnungsvoll. Gewi\u00df ist unser Leben unsicher. Es ist stets bedroht. Die Erde ist kein sicherer Ort und das Menschenleben kein sicheres Leben &#8230; <i>noch<\/i> nicht. Dann sp\u00fcrt man, da\u00df etwas im Kommen ist, dann macht es Sinn zu warten, zu hoffen und f\u00fcr Ver\u00e4nderung zu arbeiten.<\/p>\n<p>In diesem Schnittpunkt oder Brennpunkt kann man das Gleichnis von den Jungfrauen sehen. Das Gleichnis wird zu einem Bild, das um diesen Punkt kreist bzw. pendelt: Schon und noch nicht. Sie sind schon zur Hochzeit eingeladen. Die Geladenen haben lange in der Erwartung gelebt und gemerkt, was Erwartung an einem tut. Man bereitet sich vor, denkt nach und \u00fcberlegt, wie das Fest wohl werden wird, und durch die Festvorbereitungen &#8211; wenn Kleidung besorgt wird, Geschenke eingekauft werden, Reden und Lieder geschrieben werden, sind die Geladenen schon dabei, das Fest zu verwirklichen und dazu beizutragen, da\u00df es wirklich ein fest wird. Die Freude kann schon Wurzeln schlagen, wenn die Einladung kommt, sie kann wachsen und sich ausbreiten, lange bevor das Fest stattfindet, um dann am Tage selbst vollendet und verwirklicht zu werden.<\/p>\n<p>Aber so gl\u00fccklich ist dieses Bild nicht. Das Fest verz\u00f6gert sich so lange, da\u00df sich zeigt, da\u00df f\u00fcnf der Brautjungfrauen nicht so voll von Erwartung waren, da\u00df dies ihre Vorbereitung, ihr Leben gepr\u00e4gt h\u00e4tte &#8211; sie werden allm\u00e4hlich beleidigt.<\/p>\n<p>Sie sind beleidigt, weil sie das Gef\u00fchl haben, betrogen zu werden: Wie konnten wir wissen, da\u00df alles so schwierig ist? Es ist jedenfalls nicht unsere Schuld, wenn das Fest, das Leben nicht gelingt. Sie sind beleidigt und verlangen umgehend, da\u00df die anderen daf\u00fcr sorgen sollen, da\u00df die Dinge in Ordnung gebracht werden.<\/p>\n<p>Aber die f\u00fcnf, die wir die klugen nennen, k\u00f6nnen sich \u00fcber die Einladung zur Hochzeit freuen, das gibt ihnen Lebensfreude und, m\u00f6chte ich meinen, auch Heiterkeit bei ihren Vorbereitungen. Auch wenn sie dem Fest entgegensehen, verliert der Augenblick f\u00fcr sie nicht seine Bedeutung, im Gegenteil: Wie im Himmel, so auf Erden. Die Hoffnung und die Erwartung auf das, was kommen wird, gibt Kr\u00e4fte, Freude und Heiterkeit in all dem, was jetzt ist.<\/p>\n<p>Im Bild der Brautjungfrauen spiegelt sich in diesem Gleichnis unser Leben, und es wird deutlich, da\u00df wir unser Leben leben m\u00fcssen bzw. d\u00fcrfen in der Spannung zwischen dem, was jetzt ist, und dem, was kommen wird.<\/p>\n<p>Das Gleichnis zeigt, da\u00df wir weder den Augenblick zugunsten der Ewigkeit verraten noch umgekehrt die Perspektive der Ewigkeit zugunsten des Augenblicks verlieren d\u00fcrfen. Es gibt keinen Widerspruch zwischen dem intensiven Leben im Jetzt, dem Ausf\u00fcllen des Augenblicks, und der Freude auf die F\u00fclle der Zeit.<\/p>\n<p>Das wird auch in dem alten d\u00e4nischen Lied aus dem d\u00e4nischen Gesangbuch zum Ausdruck gebracht:<\/p>\n<p align=\"center\">La\u00df die Lampe meines Herzens brennen bereit,<br \/>\nin Glaube, Hoffnung und Liebe.<br \/>\nIch schlafe oder wache, da bin ich dein,<br \/>\nich lebe oder sterbe, da bist du mein.<br \/>\nUnd wenn du kommst, komm mild und gut,<br \/>\nund mach mich selig in Ewigkeit.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Pfarrer Hanne Sander<br \/>\nPrins Valdemarsvej 62<br \/>\nDK-2820 Gentofte<br \/>\nTel.: 39 65 52 72<br \/>\n<a href=\"mailto:sa@km.dk\">e-mail: sa@km.dk<\/a><\/b><b><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2. Advent, 8. Dezember 2002 Predigt \u00fcber Matth\u00e4us 25, 1-13, verfa\u00dft von Hanne Sander (D\u00e4nemark) Die Adventszeit ist nicht nur Wartezeit. 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