{"id":9264,"date":"2021-02-07T19:49:50","date_gmt":"2021-02-07T19:49:50","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9264"},"modified":"2022-09-15T22:22:39","modified_gmt":"2022-09-15T20:22:39","slug":"lukas-21-25-36","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-21-25-36\/","title":{"rendered":"Lukas 21, 25-36"},"content":{"rendered":"<h3 align=\"left\"><b><span style=\"color: #000099;\">2<\/span><span style=\"color: #000099;\">. Advent, 8. Dezember 2002<br \/>\nPredigt \u00fcber Lukas 21, 25-36, verfa\u00dft von Hanne Sander (D\u00e4nemark)<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p align=\"left\">Ein Kollege erw\u00e4hnte neulich, da\u00df im ersten Band der neuen d\u00e4nischen Enzyklop\u00e4die, die gerade erschienen ist, der Artikel \u00fcber die Angst einer der Artikel ist, der die meisten Spalten f\u00fcllt. Da der Buchstabe G (f\u00fcr d\u00e4n. gl\u00e6de = Freude) erst sp\u00e4ter kommt, wu\u00dfte man noch nicht, wieviel Spalten die Freude bekommen wird.<\/p>\n<p>Aber dieser Artikel wird wohl nicht so viel Raum einnehmen wie der \u00fcber die Angst. Das ist symptomatisch f\u00fcr unsere Zeit, da\u00df man der Freude nicht so viel Raum gibt wie der Angst und der Sorge, der Leere und der Sinnlosigkeit.<\/p>\n<p>Merkw\u00fcrdigerweise h\u00e4lt man Schwarzseherei f\u00fcr Klarsicht &#8211; ja man mu\u00df geradezu dumm sein, um fr\u00f6hlich zu sein, jedenfalls hoffnungslos naiv.<\/p>\n<p>Denn wenn man die Welt realistisch betrachtet, wie es um sie steht, wie soll man sich da freuen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Nein, sagt der d\u00e4nische Autor und Theologe Helmut Friis: &#8222;Das Reden vom Negativen befindet sich ganz anders auf einer H\u00f6he mit dem modernen Verlust an Naivit\u00e4t und Unmittelbarkeit &#8230; Die Freude ist f\u00fcr Kinder, Pfadfinder, Toren und Naturmenschen. Man mu\u00df dumm sein, um froh zu sein, und naiv, um von der Freude zu reden&#8220;.<\/p>\n<p>Aber Helmut Friis hat dies wirklich getan, er sprach von der Freude. In der letzten Woche erschien ein kleines Buch, wo er seine Gedanken \u00dcberlegungen gesammelt hat. Er hat sich mit dem Thema in Vortr\u00e4gen und Radiosendungen jahrelang besch\u00e4ftigt &#8211; auch kurz vor seinem Tode in diesem Sommer. Jetzt liegen seine Gedanken also in einem Buch vor, das den Titel tr\u00e4gt: Die Freude. Von Lastern und Tugenden.<\/p>\n<p>Der Hauptgedanke ist der, da\u00df die Freudlosigkeit zu Recht als S\u00fcnde und Unglaube bezeichnet werden mu\u00df, das hei\u00dft als Mangel an Zutrauen zu Gott als der tragenden Macht in unserem Leben.<\/p>\n<p>Ich nehme das nun auf, weil der evangelische Ton, den ich darin h\u00f6re, an den Text aus dem Lukasevangelium erinnert.<\/p>\n<p>Die Worte Jesu best\u00e4tigen zwar das, was wir wissen und nicht bezweifeln k\u00f6nnen, da\u00df n\u00e4mlich Himmel und Erde vergehen werden.<\/p>\n<p>Als Lukas diese Worte schreibt, geschieht dies auf dem Hintergrund der Zerst\u00f6rung Jerusalems durch die R\u00f6mer eine Jahrzehnte zuvor &#8211; und die Zerst\u00f6rung des Tempels war f\u00fcr die Juden ein Zeichen daf\u00fcr, da\u00df die letzten Zeiten gekommen sind. Aber seitdem ist auch das r\u00f6mische Reich untergegangen &#8211; und andere Reiche haben sich erhoben.<\/p>\n<p>Das Ru\u00dfland der Zaren existiert auch nicht mehr &#8211; auch nicht mehr das Imperium der Sowjetunion. Die d\u00e4nische K\u00f6nigin Margrethe die Erste vereinte den Norden so wenig wie das Dritte Reich Hitlers. So werden Welten untergehen &#8211; und es ist nicht schwer, die vielen zerst\u00f6rerischen Kr\u00e4fte in unserer Welt zu erkennen, man kann deshalb viel Zeit damit verbringen, die Zeichen des Untergangs zu z\u00e4hlen und auszulegen.<\/p>\n<p>Genauso im pers\u00f6nlichen Leben. Die Angst ist wohl begr\u00fcndet, weil wir die Aufl\u00f6sung und die Verwirrung und den Zusammenbruch ganz hautnah erleben.<\/p>\n<p>Allein in der Art und Weise, wie die Zeit arbeitet &#8211; und uns das nimmt, was wir lieben: Gesundheit, Jugend, Kr\u00e4fte &#8211; auch in dieser Weise ist unsere Welt immer auf dem Weg in den Untergang.<\/p>\n<p>Mit dem heutigen Text w\u00e4re es deshalb nicht sehr schwer, eine Untergangsstimmung hervorzurufen &#8211; aber war niemals die Aufgabe des Evangeliums und wird es nie sein.<\/p>\n<p>Aber so etwas brauchen wir auch nicht &#8211; die Bedrohungen und die Zeichen sind ja unter allen Umst\u00e4nden da und waren immer da, sie waren eigentlich nie zu \u00fcbersehen.<\/p>\n<p>Nein, was wichtig ist an diesen Worten, sind die wunderbar trostreichen und verhei\u00dfungsvollen Worte. Mitten im Zusammenbruch, der Verwirrung, der Angst &#8211; mitten in der Finsternis macht sich eine andere Wirklichkeit bemerkbar: &#8222;&#8230; so sehet auf und erhebet eure H\u00e4upter, darum da\u00df sich eure Erl\u00f6sung naht &#8230; wisset, da\u00df das reich Gottes nahe ist &#8230;. meine Worte vergehen nicht&#8220;. Diese Worte Jesu entwerfen einen Horizont, der sowohl die Freude als auch ihren Gegensatz umfa\u00dft, ihr Wachsen und ihr Verschwinden. Der Zweideutigkeit entkommen wir nicht &#8211; alles andere w\u00e4re L\u00fcge &#8211; und f\u00fcr die Freude m\u00fcssen wir stets k\u00e4mpfen und auf ihr bestehen.<\/p>\n<p>Es gibt eine alte Schilderung dieses dramatischen Kampfes zwischen Christus als dem Befreier und Erl\u00f6ser auf der einen Seite und dem Teufel und dem Untergang auf der anderen Seite. Sie wird Gregor dem gro\u00dfen zugeschrieben, der im 6. Jahrhundert lebte &#8211; und er beschreibt den Kampf, als sei es ein Volksm\u00e4rchen:<\/p>\n<p>Die Menschen waren in die Gewalt des Teufels geraten, weil sie ges\u00fcndigt hatten. Das tat Gott leid f\u00fcr die Menschen, aber was war zu tun? Der Teufel war ja in seinem guten Recht, die S\u00fcnder geh\u00f6rten ihm. Da fand der liebe Gott eine List: &#8222;Herr Teufel, k\u00f6nnte es nicht m\u00f6glich sein, mit dir zu handeln und die Menschen zur\u00fcckzugewinnen. Ich kann dir statt dessen meinen Sohn anbieten&#8220;. Der Teufel fand das Angebot gut. K\u00f6nnte er Gottes Sohn in seine Macht bringen, das war mehr verlockend als die Macht \u00fcber die Menschen. Aber in seiner Begeisterung hier\u00fcber ging er zu weit. Er qu\u00e4lte und peinigte den Sohn und lie\u00df ihn schlie\u00dflich einen qualvollen Tod sterben. Zur Strafe verlor der Teufel alles. Die Menschen hatten er verloren durch den Handel, den er eingegangen war, und als Christus von den Toten auferstand, verlor er auch ihn. Trotz seiner Schl\u00e4ue war der Teufel \u00fcberlistet.<\/p>\n<p>In dieser Geschichte liegt eine tiefe Wahrheit &#8211; und sie strotzt geradezu vor Freude \u00fcber den &#8222;dummen Teufel&#8220;, der sich t\u00e4uschen l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Eben dieses \u00dcberma\u00df an Freude schenkt uns das Evangelium mit den Worten: Sehet auf, erhebet eure H\u00e4upter &#8211; wendet Euch zum Advent, zu Christus. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Pfarrer Hanne Sander<br \/>\nPrins Valdemarsvej 62<br \/>\nDK-2820 Gentofte<br \/>\nTel.: 39 65 52 72<br \/>\n<a href=\"mailto:sa@km.dk\">e-mail: sa@km.dk<\/a><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2. Advent, 8. 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