{"id":9271,"date":"2021-02-07T19:49:48","date_gmt":"2021-02-07T19:49:48","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9271"},"modified":"2022-09-17T09:46:55","modified_gmt":"2022-09-17T07:46:55","slug":"lukas-1-46-55-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-1-46-55-4\/","title":{"rendered":"Lukas 1, 46-55"},"content":{"rendered":"<h3 align=\"left\"><b><span style=\"color: #000099;\">4<\/span><span style=\"color: #000099;\">. Advent, 22. Dezember 2002<br \/>\nPredigt \u00fcber Lukas 1, 46-55, verfa\u00dft von Irene Mildenberger<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p align=\"left\"><em>Meine Seele erhebt den Herrn, mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes.<\/em><\/p>\n<p>Maria singt voll Freude. Sie besingt Gottes gro\u00dfe Taten, die er nicht nur an ihr getan hat, sondern auch an all denen, die ihn f\u00fcrchten, an den Niedrigen, den Hungrigen, an seinem Volk, seinem Diener Israel!<br \/>\nGott hat gro\u00dfe Dinge getan, hat sie an mir getan, singt Maria. Er wird sie tun, und darum &#8211; wegen dem, was er an mir, durch mich tun wird &#8211; darum werden mich selig preisen alle Geschlechter.<\/p>\n<p>Gott tut gro\u00dfe Dinge, er hat sie getan, er wird sie tun &#8211; all das klingt mit im Lied der Maria; unsere deutsche Sprache kann das nicht gleichzeitig sagen, im Griechischen, gar im Hebr\u00e4ischen geht das besser. &#8211; Gottes Zeit \u00fcberschreitet unser begrenztes Ma\u00df, umgreift Vergangenheit und Zukunft. Seine Barmherzigkeit w\u00e4hrt von Geschlecht zu Geschlecht, er gedenkt seiner Verhei\u00dfungen und macht sie wahr.<br \/>\nMeine Seele erhebt den Herrn, preist ihn f\u00fcr seine barmherzigen und machtvollen Taten. Gott tut sie, diese gro\u00dfen Taten, er hat sie getan, er wird sie tun, weil er Gott ist, weil er der Gott seines Dieners Israel ist, der Gott Abrahams und der Vater Jesu Christi, unseres Herren, dessen Mutter Maria uns ihr Lied vorsingt.<\/p>\n<p>Meine Seele erhebt Gott, macht ihn gro\u00df, denn er hat gro\u00dfe Dinge getan, an mir und an allen, und er wird sie weiter tun.<\/p>\n<p>Ich singe mit Maria. Und singe zugleich im Chor der Kirche, die dieses Lied Marias aufgenommen hat in ihr t\u00e4gliches Abendgebet.<\/p>\n<p>Gott tut gro\u00dfe Dinge, er hat sie schon getan, er wird sie tun. Er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen, so singt Maria in einer Zeit, in der doch nur ihre Niedrigkeit zu sehen ist: ein junges M\u00e4dchen, verlobt, schwanger, das Kind wird unter \u00e4rmlichen, erb\u00e4rmlichen Verh\u00e4ltnissen zur Welt kommen.<br \/>\nEr st\u00f6\u00dft die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen, so singt Maria in einer Zeit, in der die M\u00e4chtigen m\u00e4chtig sind und bleiben, in der die Gewaltigen dieses Kind t\u00f6ten werden, j\u00e4mmerlich zu Tod bringen. Das Kind, das noch nicht geboren ist, als Maria ihren Lobgesang singt, das Kind, auf das sie noch wartet. Auf das wir warten, wenige Tage vor dem Christfest, vor Weihnachten..<\/p>\n<p>Gott tut gro\u00dfe Dinge, er hat sie schon getan, er wird sie tun, die Hungrigen f\u00fcllt er mit G\u00fctern und l\u00e4sst die Reichen leer ausgehen, so singt der Chor der Kirche mit Maria, in einer Zeit, in der es viele Reiche gibt und viel zu oft die Hungrigen leer ausgehen, weil niemand sie ansieht.<br \/>\nGott gedenkt seiner Barmherzigkeit, und hilft seinem Diener Israel auf, so singe ich im Chor der Kirche &#8211; und sehe auf dem Weg zur Arbeit die Zeichen meiner Zeit, die Polizisten, die Tag und Nacht die Synagoge und die R\u00e4ume der j\u00fcdischen Gemeinde hier in Leipzig bewachen.<\/p>\n<p>Meine Seele erhebt den Herren, der da m\u00e4chtig ist und dessen Name heilig ist.<\/p>\n<p>Maria singt. Gegen den Augenschein singt sie, aber im Vertrauen auf das, was ihr Gott durch seinen Engel Gabriel verk\u00fcndigt hat. Der Sohn, den du erwartest, <i>er wird gro\u00df sein und Sohn des H\u00f6chsten genannt werden, er wird K\u00f6nig sein \u00fcber das Haus Jakob in Ewigkeit und sein Reich wird kein Ende haben <\/i>(Lukas 1,32-33). So wird Gott tun, wie er geredet hat zu den V\u00e4tern, zu Israels V\u00e4tern, Abraham und seinen Kindern.<\/p>\n<p>Gegen den Augenschein singt Maria, gegen den Augenschein singt die Kirche, singe ich, lobe Gott f\u00fcr die m\u00e4chtigen Taten, die er vollbringt. Wir singen. Und wir warten zugleich darauf, dass der Sohn der Maria kommt, dass der K\u00f6nig kommt und mit ihm sein Reich der Gerechtigkeit und des Friedens.<\/p>\n<p>Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes.<\/p>\n<p>Mit Maria singe ich, mit Maria singt die Kirche Gott einen Lobgesang, Tag f\u00fcr Tag, Abend f\u00fcr Abend &#8211; aber in diesen Tagen kurz vor Weihnachten, da tut sie es noch einmal in einer ganz besonderen Weise. Da w\u00e4chst die Erwartung auf das, was noch aussteht, was noch kommen soll. Die Erwartung auf den, der noch aussteht, auf den Messias, den Christus, auf den, dessen Verhei\u00dfung und nahende Geburt ja auch Maria den Mund ge\u00f6ffnet hat, Gott zu loben.<br \/>\nUnd so wird Gott nicht nur ger\u00fchmt und erhoben. In diesen Tagen vor Weihnachten, da wird er bedr\u00e4ngt, angerufen, erinnert an das, was er getan hat, erinnert an das, was er verhei\u00dfen hat und was noch aussteht. Genauer, da wird der angerufen, auf den wir mit Maria warten, der Sohn des H\u00f6chsten, der K\u00f6nig, das Kind.<br \/>\nIn den sieben Tagen vor Weihnachten, da rahmen im Chor der Kirche ganz besondere Antiphonen das Magnifikat, den Lobgesang der Maria, Verse, die den Christus anrufen und ihn um sein Kommen bitten. Sie geben ihm Namen, diese Verse, Namen, die an Gottes gewaltige Taten erinnern, an seine vergangenen und seine zuk\u00fcnftigen: O Spro\u00df aus Isais Wurzel! O Morgenstern, Sonne der Gerechtigkeit! O Immanuel! O komm, befreie uns, errette uns, schaffe uns Hilfe, s\u00e4ume nicht l\u00e4nger!<br \/>\nDie Antiphonen geben so dem Lobgesang Marias, dem Lobgesang der Kirche, unserem Lobgesang, einen flehenden, einen sehns\u00fcchtigen, einen adventlich-weihnachtlichen Klang.<\/p>\n<p><i>O K\u00f6nig aller V\u00f6lker, ihre Erwartung und Sehnsucht;<br \/>\nSchlu\u00dfstein, der den Bau zusammenh\u00e4lt:<br \/>\no komm und errette den Menschen, den du aus Erde gemacht hast.<\/i> (O-Antiphon zum 22.12.)<br \/>\n&#8211; So singen wir heute, zwei Tage vor Weihnachten, im Chor der Kirche.<br \/>\nMeine Seele erhebt den Herrn, meinen Sch\u00f6pfer. Der H\u00f6chste hat gro\u00dfe Dinge an mir getan, der da m\u00e4chtig ist, und des Name heilig ist. Mit Maria singen wir und rufen zugleich zu dem Kind, das sie erwartet: K\u00f6nig nicht nur des Hauses Jakob, K\u00f6nig aller V\u00f6lker, Sohn des H\u00f6chsten, komm, damit wir es sehen: Gottes Barmherzigkeit w\u00e4hrt von Geschlecht zu Geschlecht, bei denen, die ihn f\u00fcrchten. Komm, errette uns, deine Menschen.<\/p>\n<p>Vergangenheit und Zukunft vermischen sich, denn Gott hat gro\u00dfe Dinge getan und wird sie tun:<br \/>\n<i>O Adonai, Herr und F\u00fchrer des Hauses Israel &#8211;<br \/>\nim flammenden Dornbusch bist du dem Mose erschienen<br \/>\nund hast ihm auf dem Berge das Gesetz gegeben.<br \/>\nO komm und befreie uns mit deinem starken Arm!<\/i> (O-Antiphon zum 18.12.)<br \/>\n\u00dcbe Gewalt mit deinem Arm, zerstreue die Hoff\u00e4rtigen, befreie die Niedrigen, erhebe sie, wie du damals deinen Diener Israel aus der Knechtschaft befreit hast.<br \/>\n<i>O komm und \u00f6ffne den Kerker der Finsternis und die Fessel des Todes.<\/i> (aus der O-Antiphon zum 20.12.)<\/p>\n<p>Lob und Bitte vermischen sich in sehns\u00fcchtiger, dr\u00e4ngender Erwartung. Wir rufen zu dir:<br \/>\n<i>O Immanuel, unser K\u00f6nig und Lehrer, du Hoffnung und Heiland der V\u00f6lker:<br \/>\no komm, eile und schaffe uns Hilfe, du unser Herr und unser Gott!<\/i> (O-Antiphon zum 23.12.)<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Erg\u00e4nzende Texte und Liedvorschl\u00e4ge:<\/b><\/p>\n<p>Als Predigtlied, das den Duktus der O-Antiphonen aufnimmt, eignet sich EG 7: &#8222;O Heiland, rei\u00df die Himmel auf&#8220;<br \/>\n(Im Gotteslob findet sich au\u00dferdem ein Lied, das die O-Antiphonen nachdichtet: GL 112: &#8222;Herr, send herab uns deinen Sohn&#8220;)<\/p>\n<p>Der vollst\u00e4ndige Text der O-Antiphonen:<\/p>\n<p>17.12.<br \/>\nO Weisheit, hervorgegangen aus dem Munde des H\u00f6chsten &#8211;<br \/>\ndie Welt umspannst du von einem Ende zum andern,<br \/>\nin Kraft und Milde ordnest du alles:<br \/>\no komm und offenbare uns den Weg der Weisheit und Einsicht!<\/p>\n<p>18.12.<br \/>\nO Adonai, Herr und F\u00fchrer des Hauses Israel &#8211;<br \/>\nim flammenden Dornbusch bist du dem Mose erschienen<br \/>\nund hast ihm auf dem Berge das Gesetz gegeben:<br \/>\no komm und befreie uns mit deinem starken Arme!<\/p>\n<p>19.12.<br \/>\nO Spro\u00df aus Isais Wurzel, gesetzt zum Zeichen f\u00fcr die V\u00f6lker &#8211;<br \/>\nvor dir verstummen die Herrscher der Erde,<br \/>\ndich flehen an die V\u00f6lker:<br \/>\no komm und errette uns, erhebe dich, s\u00e4ume nicht l\u00e4nger!<\/p>\n<p>20.12.<br \/>\nO Schl\u00fcssel Davids, Zepter des Hauses Israel &#8211;<br \/>\ndu \u00f6ffnest, und niemand kann schlie\u00dfen,<br \/>\ndu schlie\u00dft, und keine Macht vermag zu \u00f6ffnen:<br \/>\no komm und \u00f6ffne den Kerker der Finsternis und die Fessel des Todes!<\/p>\n<p>21.12.<br \/>\nO Morgenstern, Glanz des unversehrten Lichtes,<br \/>\nder Gerechtigkeit strahlende Sonne:<br \/>\nkomm und erleuchte, die da sitzen in Finsternis und Schatten des Todes!<\/p>\n<p>22.12.<br \/>\nO K\u00f6nig aller V\u00f6lker, ihre Erwartung und Sehnsucht;<br \/>\nSchlu\u00dfstein, der den Bau zusammenh\u00e4lt:<br \/>\no komm und errette den Menschen, den du aus Erde gebildet!<\/p>\n<p>23.12.<br \/>\nO Immanuel, unser K\u00f6nig und Lehrer,<br \/>\ndu Hoffnung und Heiland der V\u00f6lker:<br \/>\no komm, eile und schaffe uns Hilfe, du unser Herr und unser Gott!<\/p>\n<p>(Evangelisches Tagzeitenbuch, hg. von der Evangelischen Michaelsbruderschaft, 4. v\u00f6llig neu gestaltete Auflage, M\u00fcnsterschwarzach\/G\u00f6ttingen 1998, S.486-489)<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Pfarrerin Irene Mildenberger<br \/>\nLiturgiewissenschaftliches Institut der VELKD<br \/>\nOtto-Schill-Stra\u00dfe 2<br \/>\n04109 Leipzig<br \/>\n<a href=\"mailto:liturgie@uni-leipzig.de\">liturgie@uni-leipzig.de<\/a><\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>4. 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