{"id":9275,"date":"2021-02-07T19:49:51","date_gmt":"2021-02-07T19:49:51","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9275"},"modified":"2022-09-15T11:18:36","modified_gmt":"2022-09-15T09:18:36","slug":"lukas-1-46-55-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-1-46-55-3\/","title":{"rendered":"Lukas 1, 46-55"},"content":{"rendered":"<h3 align=\"left\"><b><span style=\"color: #000099;\">4<\/span><span style=\"color: #000099;\">. Advent, 22. Dezember 2002<br \/>\nPredigt \u00fcber Lukas 1, 46-55, verfa\u00dft von Hanne Sander (D\u00e4nemark)<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p align=\"left\"><a href=\"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-1-46-55-2\/\">go to the Danish version of the sermon<\/a><\/p>\n<p align=\"left\">Es ist etwas Besonderes, den Lobgesang der Maria in der Adventszeit zu h\u00f6ren. F\u00fcr mich hat dieser Lobgesang immer einen ganz besonderen Klang. Eigentlich geh\u00f6rt er ja in die Fastenzeit am Tag der Verk\u00fcndigung Mariae &#8211; aber auch hier in die Adventszeit mit ihrer ganz breiten Spannweite der Bedeutung. Es ist, als wolle der Lobgesang der Maria uns einen Augenblick einhalten lassen &#8211; und uns auf das vorbereiten, was kommen soll.<\/p>\n<p>Denn wir sollen vom G\u00f6ttlichen h\u00f6ren und vom Wunder, das durch die Panzer der Welt und allen Verstandes hindurchbricht.<\/p>\n<p>Je nach dem, wie man es auffa\u00dft, kann sich die Schale als bedenklich d\u00fcnn oder auch als erfreulich durchl\u00e4ssig und offen erweisen. Das G\u00f6ttliche zeigt sich eben gerade als das Erschreckende und als das Erfreuliche, das Lebenschenkende und das Vernichtende.<\/p>\n<p>Die Begegnung Marias mit dem g\u00f6ttlichen Leben zeigt mit aller Deutlichkeit: Wenn Gottesglaube etwas bedeuten soll, wenn \u00fcberhaupt in der Welt Ver\u00e4nderung geschehen soll, dann gen\u00fcgen Meinungen und noch so gute Haltungen nicht, dann geh\u00f6rt Fleisch und Blut dazu, dann kann man sich nicht selbst heraushalten. Gottesglaube ist Engagement, er mu\u00df das ganze Leben einbeziehen.<\/p>\n<p>Der Lobgesang der Maria l\u00e4\u00dft denn auch daran keinen Zweifel, da\u00df Marias Erfahrung mit dem Heiligen sie in ein Leben einweist, das eine Tiefe hat, die tiefer und wahrer ist als das, was wir sonst so aus dem Leben machen. Und das ist nat\u00fcrlich erschreckend, weil es so viel gr\u00f6\u00dfer ist als unser kleines Leben. Wenn Maria deshalb zun\u00e4chst erschrickt, ist das verst\u00e4ndlich. Wenn das Dasein ernsthaft etwas von uns verlangt, wenn Menschen so viel aufgeb\u00fcrdet bekommen, das es untragbar erscheint, weichen wir am liebsten zur\u00fcck und lehnen dankend ab. Dann lieber ein \u00fcberschaubares und leichteres Leben.<\/p>\n<p>Nun weicht Maria nicht zur\u00fcck vor dem, was Gott ihr auferlegen will &#8211; und deshalb k\u00f6nnen wir auch das in Maria sehen: Ein ansonsten anonymer Mensch aus einer fernen Provinz, den Gott sehen kann, n\u00e4mlich menschliche Gr\u00f6\u00dfe.<\/p>\n<p>In der Begegnung mit dem g\u00f6ttlichen Leben verzichtet Maria auf ihr eigenes, verzichtet auf ihre eigenen Gedanken davon, was m\u00f6glich ist und was unm\u00f6glich, und gibt in dieser Weise Platz f\u00fcr die sch\u00f6pferischen Kr\u00e4fte Gottes &#8211; und das Wunder geschieht.<\/p>\n<p>Sie erf\u00e4hrt, da\u00df Gott etwas mit ihr vor hat, da\u00df ihr Leben einen Sinn und eine Bedeutung hat, die von wo anders her kommen als von ihr selbst.<\/p>\n<p>Und sie sagt ja dazu, ihren eigene Leib einzusetzen, damit Gott in der Welt sichtbar werden kann &#8211; ihr Leben und ihr Leib werden eine Werkst\u00e4tte Gottes, wo er mit dem Plan weiterarbeiten kann, den er mit seiner Welt hat &#8211; hin zur Vollendung.<\/p>\n<p>Maria kann nur schwer das beschreiben, was sie erf\u00e4hrt, aber angesichts des Wunderbaren und Unbegreiflichen beginnt sie zu singen. Und nun singt sie von dem Gott, den sie nicht begreifen kann, von dem sie sich aber ergreifen l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Maria singt mit einem Selbstgef\u00fchl und einer Demut zugleich, denn sie hat die Aufgabe erhalten, etwas zu tragen. Das Selbstgef\u00fchl ist auff\u00e4llig und nat\u00fcrlich zugleich, denn es entspringt der Tatsache, da\u00df sie nun wei\u00df, da\u00df eine Bedeutung in ihr Leben gelegt ist, die sie ihm selbst nicht geben kann, und diese Bedeutung reicht \u00fcber ihr Leben hinaus.<\/p>\n<p>Und die Demut hat nichts zu tun weder mit einer k\u00fcnstlichen oder kriecherischen Demut, sie bedeutet vielmehr, da\u00df sie frei ist von der menschlichen Grundeinbildung, da\u00df das Leben uns geh\u00f6rt und da\u00df wir uns dieses Leben bem\u00e4chtigen sollten.<\/p>\n<p>Maria bringt mit ihrem Lobgesang eine Dankbarkeit zum Ausdruck, die der ganz gegenteiligen Haltung entspringt, der n\u00e4mlich, da\u00df das Leben zu uns kommt und sich unserer bem\u00e4chtigt.<\/p>\n<p>Ihr Lobgesang besteht aus Bruchst\u00fccken von Psalmen aus dem Alten Testament und Worten von den Propheten, zusammengesetzt so, wie es ihr einf\u00e4llt.<\/p>\n<p>Einstimmig aber erz\u00e4hlen sie von der Gr\u00f6\u00dfe Gottes, die in jeder Hinsicht unsere Vorstellungen sprengt, sowohl, wenn er die zerstreut, die in ihren Herzen hochm\u00fctig sind, wenn er die M\u00e4chtigen vom Thron st\u00fcrzt und wenn er die Niedrigen erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>Wir werden durch das Leben Marias Zeugen des neuschaffenden Willens und der sch\u00f6pferischen Kr\u00e4fte Gottes &#8211; im Kind Marias erneuert Gott seine Verhei\u00dfung an uns, und deshalb kann das Kind, das sie geb\u00e4ren wird, Immanuel hei\u00dfen: Gott mit uns.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Hanne Sander<br \/>\nPrins Valdemarsvej 62<br \/>\nDK-2820 Gentofte<br \/>\nTel.: 39 65 52 72<br \/>\n<a href=\"mailto:sa@km.dk\">e-mail: sa@km.dk<\/a><\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>4. 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