{"id":9286,"date":"2021-02-07T19:49:48","date_gmt":"2021-02-07T19:49:48","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9286"},"modified":"2022-09-17T10:07:13","modified_gmt":"2022-09-17T08:07:13","slug":"lukas-2-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-2-14\/","title":{"rendered":"Lukas 2, 14"},"content":{"rendered":"<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Christvesper, 24. Dezember 2002<br \/>\nPredigt \u00fcber Lukas 2, 14, verfa\u00dft von Martin Hein<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p><b>&#8222;Ehre sei Gott in der H\u00f6he und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.&#8220;<\/b><\/p>\n<p>Es ist still geworden um uns, liebe Gemeinde. Endlich! Die Gesch\u00e4ftigkeit der letzten Tage und Stunden weicht allm\u00e4hlich dem Gef\u00fchl, da\u00df nun alles getan ist, was zu tun und vorzubereiten war. Auch in uns selbst wird es ruhig. Der Glanz der vielen Lichter in der Kirche verzaubert uns. Wir treten ein in eine andere Welt und geben uns ihr hin. Unsere Ohren \u00f6ffnen sich, unsere Herzen weiten sich. Wir h\u00f6ren die vertrauten Worte von der ersten Heiligen Nacht und ahnen: Jetzt ist Weihnachten &#8211; und mehr noch: So k\u00f6nnte es bleiben, so sch\u00f6n! Momente der Ewigkeit mitten in unserer Zeit sind das, wenn der Friede Gottes nicht nur von den Engeln verk\u00fcndet, sondern bei uns sp\u00fcrbar wird: &#8222;Ehre sei Gott in der H\u00f6he und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.&#8220; Dann wissen wir: Das ist eine einzigartige, eine wunderbare Botschaft f\u00fcr das Leben der Welt.<\/p>\n<p>Botschaften gibt es viele. Tagt\u00e4glich sind wir einer nicht mehr \u00fcberschaubaren Zahl von Meldungen ausgesetzt: Zeitung, Radio, Fernsehen, Internet liefern sie uns frei Haus. Ihre Absender haben dabei alle m\u00f6glichen unterschiedlichen Interessen. Wer kann das \u00fcberhaupt noch aufnehmen, gewichten, einordnen und verarbeiten? Wir sind mit Botschaften \u00fcberf\u00fcttert, doch unsere Sehnsucht nach verl\u00e4\u00dflichem Wissen und tragf\u00e4higer Orientierung bleibt dabei ungestillt.<\/p>\n<p>Das gilt gegenw\u00e4rtig besonders f\u00fcr uns in Deutschland. In den vergangenen Wochen ist das Stimmungsbarometer deutlich gesunken. Die allgemeine Gem\u00fctslage ist schlecht. Daf\u00fcr gibt es Gr\u00fcnde: Vieles, was wir in den vergangenen Jahrzehnten sch\u00e4tzen und nutzen lernten &#8211; sicheres Auskommen im Alter, soziale Sicherheit im Fall von Arbeitslosigkeit, Krankheit und Pflegebed\u00fcrftigkeit -, kommt auf den Pr\u00fcfstand und wird in Frage gestellt. Dies alles ist gepaart mit einer h\u00f6chst unsicheren Weltlage, die uns durchaus Angst und Schrecken einjagt. Niemand wollte es bestreiten: Das sind ernste Probleme! Unsere Welt, unser Land und unsere Gesellschaft stehen vor erheblichen Herausforderungen.<\/p>\n<p>Wir h\u00f6ren solche Meldungen fast jeden Tag. Doch wie gehen wir mit ihnen um? Mit einiger Sorge sehe ich, wie sich mehr und mehr gespielte Aufgeregtheit breit macht: Daran sind nicht nur die Botschaften aus Politik und Wirtschaft und die Medien schuld. Es gibt bei uns eine Neigung, alles, was uns negativ betreffen k\u00f6nnte, gleich als Katastrophe aufzufassen. In die berechtigten Sorgen im Blick auf die Zukunft mischen sich bedenkliche T\u00f6ne des Selbstmitleids ein: &#8222;Wir sind betrogen worden &#8211; von denen da oben&#8220;, hei\u00dft es nun. Die Schuldigen sind schnell ausgemacht, wir selbst aber halten uns heraus mit der Auskunft: &#8222;Da kann man doch nichts machen!&#8220; &#8211; und regen uns dennoch auf.<\/p>\n<p>Mitten in dieser F\u00fclle schlechter Nachrichten, in der wir uns derzeit zu verlieren drohen, leuchtet auch an diesem Heiligen Abend die Weihnachtsbotschaft auf. Sie hat es schwer, <i>gegen uns <\/i>anzukommen und <i>bei uns<\/i> anzukommen. Und dennoch: Alle Meldungen, die uns \u00e4ngstigen oder \u00e4rgern, sind nichts gegen diesen einen einzigen Satz, da\u00df Gott uns in der Geburt Jesu seinen Frieden schenkt. Unsere Welt, die von einem wirklichen Frieden weit entfernt zu sein scheint, unsere ruhelose, sensationsgierige Gesellschaft, wir selbst &#8211; hin und her gerissen, wie wir sind &#8211; haben diese Botschaft n\u00f6tig. Denn sie ist es, die unserem Leben die alles entscheidende Ausrichtung gibt und sicheren Halt schenkt.<\/p>\n<p>Die Weihnachtsbotschaft der Engel blendet das Dunkel der Welt nicht einfach aus. Im Gegenteil! Sie richtet sich von jeher an Menschen, die von Sorgen erf\u00fcllt sind: vom Kampf um die n\u00f6tige menschliche Achtung und Anerkennung, um ein ertr\u00e4gliches Miteinander, um das t\u00e4gliche Auskommen. Schon damals in der Nacht zu Bethlehem galt diese Botschaft einer wenig friedlichen und kaum gerechten Welt: Zuerst h\u00f6rten sie die Hirten, Leute ohne jedes gesellschaftliche Ansehen und ohne jeden Einflu\u00df. Denen war l\u00e4ngst klar, da\u00df sie im Wettstreit der M\u00e4chtigen wenig ausrichten w\u00fcrden. Aber ausgerechnet zu ihnen kommt die Menge der himmlischen Heerscharen und sagt ihnen, was auch wir glauben sollen: Der Frieden auf Erden bricht an, weil Himmel und Erde zusammengeh\u00f6ren. Gott erf\u00fcllt beide. Wir Menschen mit unseren \u00c4ngsten und Unzul\u00e4nglichkeiten, unserem Versagen und unserer Schuld sind ihm so viel wert, da\u00df er sich zu uns auf den Weg macht und uns nahekommt. Er begegnet uns freundlich und liebevoll in dem Kind mit Namen Jesus, um uns aus unserer Selbstverstrickung zu befreien, damit endlich Frieden wird auf dieser Welt.<\/p>\n<p>In Augenblicken wie diesen hier in der Kirche m\u00f6chten wir das glauben! Es w\u00e4re fast zu sch\u00f6n, um wahr zu sein: eine Welt ohne Kriege, Kriegsdrohungen und Massenvernichtungsmittel, eine gerechte Verteilung der G\u00fcter, die unsere Erde immer noch im \u00dcberflu\u00df bietet, eine Gesellschaft, in der Worte wie &#8222;Solidarit\u00e4t&#8220;, &#8222;Respekt&#8220; und &#8222;Auss\u00f6hnung&#8220; nicht zu Unw\u00f6rtern werden! Das w\u00e4re ein St\u00fcck &#8222;heile&#8220; Welt, Erf\u00fcllung unserer Hoffnung und unserer Tr\u00e4ume.<\/p>\n<p>Die Weihnachtsbotschaft sagt uns, da\u00df diese heile Welt kein Phantom ist, sondern mit Jesu Geburt begonnen hat. Gott meint es gut mit uns, in diesen Worten l\u00e4\u00dft sich zusammenfassen, was Weihnachten f\u00fcr uns bedeutet. Er nimmt uns als seine Gesch\u00f6pfe in unserer Sehnsucht nach Frieden und Gl\u00fcck ernst. Und er tut das, indem er uns als verantwortungsvolle Menschen achtet und von uns erwartet, da\u00df wir sein gro\u00dfes Geschenk annehmen. Weihnachten f\u00e4ngt &#8222;oben&#8220; an, gewi\u00df, bei Gottes Ehre &#8211; aber gewinnt hier &#8222;unten&#8220; auf Erden Gestalt. Das Weihnachtsgeschehen ist von Anfang an darauf angelegt, uns einzubeziehen: Wie schon die Hirten werden auch wir aus der blo\u00dfen Betrachterrolle herausgeholt. Die Botschaft der Engel vom Frieden auf Erden will geglaubt und dann, soweit es in unseren Kr\u00e4ften steht, auch getan werden.<\/p>\n<p>Weil Gott an uns Wohlgefallen hat, weil er uns liebt, erfahren wir eine gro\u00dfe Freiheit von den Sorgen und \u00c4ngsten, die uns bedr\u00fccken. Und wir gewinnen Phantasie und Kraft, uns mitten in dieser Welt daf\u00fcr einzusetzen, da\u00df Gottes Frieden zu allen Menschen gelangt. Wer die Geburt Jesu an Weihnachten feiert, hat Hoffnung! Und wer Hoffnung hat, wei\u00df auch zu handeln. Es w\u00e4re darum ein Zeichen unseres Unglaubens und unseres mangelnden Vertrauens gegen\u00fcber Gott, wollten wir angesichts aller anstehenden Aufgaben verzagen oder gar resignieren.<\/p>\n<p>Fangen wir doch, um uns nicht gleich entmutigen zu lassen, ganz klein an &#8211; so wie Gott in Bethlehem auch. Der Bogen spannt sich dann wie von selbst immer weiter. Das Zusammenleben etwa mit anderen Menschen in Partnerschaft, Ehe und Familie ist ein t\u00e4glicher Ort der Ein\u00fcbung und der Bew\u00e4hrung des Friedens, wo doch heutzutage die Tendenz nahe liegt und es anscheinend leichter ist, aneinander vorbei zu leben und &#8211; wie es so bitter hei\u00dft &#8211; in lauter kleine Ich-AGs zu zerfallen.<\/p>\n<p>Den Frieden Gottes aber k\u00f6nnen wir nie allein f\u00fcr uns haben. Er verweist uns stets in die Gemeinschaft mit anderen Menschen! Weil das so ist, h\u00f6rt die Verhei\u00dfung vom Frieden auf Erden auch nicht an unseren eigenen Grenzen auf. Schon damals in der Heiligen Nacht ging sie weit \u00fcber das kleine Dorf Bethlehem hinaus. Sie galt mit den Hirten zugleich allen Menschen, an denen Gott Wohlgefallen hat &#8211; weltweit! Dabei ist es geblieben. Die Weihnachtsbotschaft ist eine wahrhaft \u00f6kumenische Botschaft. Sie umfa\u00dft die ganze Erde und verbindet uns in der Verantwortung f\u00fcreinander. Die Wirklichkeit Gottes in Jesus Christus begegnet der Wirklichkeit unserer Welt &#8211; auch dort, wo wir selbst kaum Hoffnung haben. Bethlehem hat viele Namen: Irak und Tschetschenien hei\u00dfen sie, Afghanistan, Israel und Pal\u00e4stina, Simbabwe, Nordirland oder Baskenland. Im Licht von Weihnachten erkennen wir den notvollen Zustand der Welt &#8211; und zugleich die gro\u00dfe Zukunft, die ihr verhei\u00dfen ist.<\/p>\n<p>Wenn wir der Weihnachtsbotschaft voller Ernst und Freude vertrauen, dann geht es also um viel mehr als um eine sch\u00f6ne, aber kurzlebige Verzauberung der Welt im Schein der Kerzen. Es geht um das Heil und das Wohl der Welt! Noch immer ist die Weihnachtsbotschaft unverbraucht wie in jener ersten Nacht, noch immer ist sie die entscheidende Nachricht der Weltgeschichte. Sie betrifft uns auch heute, sie bewegt uns, etwas dazu beizutragen, da\u00df das friedliche Zusammenleben gelingt, sie schenkt uns mitten in den Unsicherheiten und Bedrohungen, denen wir uns ausgesetzt f\u00fchlen, Zuversicht f\u00fcr unser eigenes Leben und f\u00fcr unsere Welt.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfen Worte der Engel st\u00e4rken und begleiten uns. So kann es bei uns Weihnachten werden: &#8222;Ehre sei Gott in der H\u00f6he und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.&#8220;<\/p>\n<p>Und der Friede Gottes, der alles menschliche Begreifen \u00fcbersteigt, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus.<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Bischof Dr. Martin Hein, Kassel<br \/>\n<a href=\"mailto:bischof@ekkw.de\">e-mail: bischof@ekkw.de<\/a><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christvesper, 24. Dezember 2002 Predigt \u00fcber Lukas 2, 14, verfa\u00dft von Martin Hein &#8222;Ehre sei Gott in der H\u00f6he und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.&#8220; Es ist still geworden um uns, liebe Gemeinde. Endlich! 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