{"id":9291,"date":"2021-02-07T19:49:47","date_gmt":"2021-02-07T19:49:47","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9291"},"modified":"2022-10-01T13:37:07","modified_gmt":"2022-10-01T11:37:07","slug":"lukas-2-1-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-2-1-14\/","title":{"rendered":"Lukas 2, 1-14"},"content":{"rendered":"<p>Als der Sohn Gottes auf die Welt kam, registrierte der Evangelist<br \/>\nsorgsam, wann dies geschah: &#8222;Und es begab sich zu der Zeit, als ein<br \/>\nBefehl vom Kaiser Augustus ausging, da\u00df alle Welt sich sch\u00e4tzen<br \/>\nlie\u00dfe&#8220;, schrieb er. Damit erz\u00e4hlte Lukas, da\u00df die<br \/>\nGeschichte Gottes eng verbunden ist mit der Geschichte der Menschen, ja<br \/>\nda\u00df die beiden Geschichten miteinander verschmelzen. Aber Lukas erz\u00e4hlte<br \/>\nnoch mehr, denn er konnte mit seinem Evangelium zeigen, da\u00df der machtvolle<br \/>\nKaiser in Rom nicht mehr der Dreh- und Angelpunkt f\u00fcr den Gang der<br \/>\nGeschichte im r\u00f6mischen Reich sein sollte. Der Dreh- und Angelpunkt<br \/>\nwar nun ein anderer. Etwas Neues war gekommen, sagte Lukas, und deshalb<br \/>\nerz\u00e4hlte er, wie die Geschichte der Weltmacht in den Hintergrund gedr\u00e4ngt<br \/>\nwird von der Geschichte der Liebe. Und Lukas gestattete es sich sogar, die<br \/>\nIronie in seine Erz\u00e4hlung einzubauen, da\u00df der m\u00e4chtige Kaiser<br \/>\nAugustus, der Weltherrscher, der von seinen Untertanen wie ein Gott verehrt<br \/>\nwurde und der nun gro\u00dfe Landstriche und V\u00f6lkerschaften in sein<br \/>\nReich einverleibt hatte, da\u00df dieser Herrscher nur eine Zeitangabe<br \/>\nin der eigentlichen Geschichte ist. Die Geschichte, die Lukas erz\u00e4hlen<br \/>\nwill.<\/p>\n<p>Lukas stellt also der Geschichte der Macht die Geschichte der Liebe<br \/>\ngegen\u00fcber. Kaiser Augustus mit seinem gut organisierten Heer gegen<br \/>\nein neugeborenes, ohnm\u00e4chtiges Kind in der fernen Provinz Juda. Aber<br \/>\nLukas erh\u00e4lt in seiner Weise Recht, die Geschichte des Augustus fiel<br \/>\ndem Vergessen anheim. Zwar stehen noch S\u00e4ulen und Trumphb\u00f6gen<br \/>\nf\u00fcr ihn und die Siege, die ihm seine Heere errungen haben. Aber f\u00fcr<br \/>\ndie Nachwelt schrumpfte er zu etwas, was nur in den Geschichtsb\u00fcchern<br \/>\nerscheint.<\/p>\n<p>Aber die Geschichte der Liebe dauerte an, sie war z\u00e4hlebiger als<br \/>\nes unmittelbar den Anschein hatte, und sie hat die Nachwelt gepr\u00e4gt,<br \/>\nsie wurde Teil unseres Denkens.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Monat Dezember ist eine umtriebige Zeit, viel ist zu erledigen. Es<br \/>\nerfordert gro\u00dfe Teile der wachen Zeit und der Aufmerksamkeit eines<br \/>\nKindes, allein all das wahrzunehmen, was im Fernsehen gezeigt wird an<br \/>\nWeihnachtssendungen und Weihnachtsfilemen, w\u00e4hrend sich die Erwachsenen<br \/>\nin das Weihnachtsgesch\u00e4ft werfen, die Weihnachtsfeiern, alle Weihnachtsvorbereitungen<br \/>\nund all das, was sonst noch die Zeit vor Weihnachten f\u00fcllt. Jedes<br \/>\nJahr nehmen sich die meisten von uns in dieser Weise die Zeit eines Monats,<br \/>\nallein, um das Weihnachtsfest vorzubereiten. Das allein d\u00fcrfte zu<br \/>\ndenken geben, da\u00df Weihnachten in unserem Bewu\u00dftsein einen<br \/>\nso gro\u00dfen Raum einnimmt. Denn wozu das alles eigentlich? Das bedeutet<br \/>\ndenn auch, da\u00df jedes Jahr besorgte Stimmen zu h\u00f6ren sind, die<br \/>\nsagen, da\u00df das Weihnachtsfest nun wohl endg\u00fcltig ertrunken<br \/>\nist in Geschenkerausch, verlogener Gem\u00fctlichkeit und Stre\u00df.<br \/>\nDenn wieviel bedeutet Weihnachten eigentlich im Grunde f\u00fcr uns, welchen<br \/>\nWert hat dieses Fest f\u00fcr uns? Wenn man einmal von den 1\u00bd Milliarden<br \/>\nEuros absieht, die allein die D\u00e4nen in einem Jahr f\u00fcr dieses<br \/>\nFest aufwenden. Vor einigen Jahren mischte sich Nikolaj Cederholm, ein<br \/>\nTheatermann in D\u00e4nemark, der wesentlich zur Erneuerung des Theaters<br \/>\nin D\u00e4nemark in den letzten Jahren beigetragen hat, in diese Diskussion<br \/>\nein und behauptete, da\u00df Weihnachten f\u00fcr die meisten D\u00e4nen<br \/>\nein wesentlich gr\u00f6\u00dferes Fest sei, als die meisten es sich eingestehen<br \/>\nwollten. Es mag sein, da\u00df die meisten Leute heute nur wenig vom<br \/>\nChristentum wissen und auch kein enges Verh\u00e4ltnis zum Glauben haben,<br \/>\naber Weihnachten ist zweifellos das gr\u00f6\u00dfte Fest f\u00fcr die<br \/>\nD\u00e4nen, wo wir merkw\u00fcrdige Dinge tun mit gro\u00dfartigem Symbolwert:<br \/>\n&#8222;Wir flechten Herzen ineinander und h\u00e4ngen sie auf. Wir setzen<br \/>\neinen Stern an die Spitze eines Baumes. Wir nehmen unsere Familie an die<br \/>\nHand, gehen um den Weihnachtsbaum und singen von Erl\u00f6sung, Vergebung<br \/>\nund Freude \u00fcber das Leben und mehr als das&#8220;. So weit Nikalaj<br \/>\nCederholm. Und dann kann man sich ja dar\u00fcber wundern, warum das so<br \/>\nist.<\/p>\n<p>Die Erkl\u00e4rung, die Nikolaj Cederholm gibt, und darin hat er meines<br \/>\nErachtens Recht, ist die, da\u00df wir in einem solchen Ma\u00dfe von<br \/>\nder Weihnachtsgeschichte ergriffen sind, von der Geschichte der Liebe,<br \/>\nda\u00df es uns schwer f\u00e4llt, uns selbst ohne sie zu verstehen.<br \/>\nSie ist so grundlegend f\u00fcr uns, behauptet er, da\u00df wir nicht<br \/>\neinmal etwas so Einfaches wie einen gew\u00f6hnlichen amerikanischen Film<br \/>\nverstehen k\u00f6nnten, wenn wir nicht die christliche Geschichte kennten<br \/>\nund uns in sie eingelebt h\u00e4tten. Denn in solchen Filmen wird gerade<br \/>\ndie Geschichte lebendig vom Sieg der Liebe und des Guten \u00fcber die<br \/>\nb\u00f6sen und lebensbedrohenden M\u00e4chte.<\/p>\n<p>&#8222;Weihnachten ist&#8220;, schlie\u00dft Nikolaj Cederholm, &#8222;vor<br \/>\nallem das Fest, an dem wir feiern, da\u00df die Liebe in der Welt ist.<br \/>\nSie wird als ein Kind geboren, und die Liebe nimmt trotz aller Widrigkeiten<br \/>\nden Kampf auf gegen die Kr\u00e4fte, die das Leben bedrohen. Es gibt deshalb<br \/>\nnicht nur gem\u00fctliche und sentimentale Gr\u00fcnde daf\u00fcr, da\u00df<br \/>\nwir Weihnachten feiern. Wir feiern das Weihnachtsfest auch, weil die Geschichte<br \/>\nder Liebe ihre eigene Macht \u00fcber uns gewonnen hat. Sie hat uns gepr\u00e4gt,<br \/>\nin unserer Auffassung von uns selbst und in unserem Verh\u00e4ltnis zu<br \/>\nanderen Menschen.&#8220;<\/p>\n<p>Das ist sicher wahr, aber man k\u00f6nnte auch einwenden, da\u00df<br \/>\nman unterscheiden mu\u00df zwischen der Geschichte auf der einen Seite<br \/>\nund der Liebe selbst auf der anderen Seite &#8211; die hat es schwer in der<br \/>\nWelt, wo die Macht sich immer bedrohlich breit macht und wo menschliche<br \/>\nHoffnungslosigkeit oft bis zur Selbstaufgabe zu wachsen scheint. Der Gegensatz<br \/>\nzwischen der Weltmacht und dem Kind in der Krippe ist denn auch menschliche<br \/>\ngesehen genauso hoffnungslos, wie er aussieht. Es endet ja auch in den<br \/>\nEvangelien mit Verrat, einer furchtbaren Niederlage und bitterer Verzweiflung<br \/>\nam Karfreitag. Aber das Weihnachtsevangelium erz\u00e4hlt ja mit dem Bericht<br \/>\nvon Maria, Joseph und dem Kind im Stall von Bethlehem und dem ganzen Aufgebot<br \/>\nvon Engeln und armen Hirten auf dem Felde seinen Teil der Geschichte der<br \/>\nLiebe: Dort, wo die Hoffnungslosigkeit am gr\u00f6\u00dften ist, wo menschlich<br \/>\ngesehen nichts zu erwarten ist als die Macht, die das Leben zerst\u00f6rt,<br \/>\ngerade dort spricht Gott in unsere Herzen von seiner Liebe, die keine<br \/>\nunmenschliche Weltmacht aus der Welt schaffen kann, weil sie die Liebe<br \/>\nGottes ist, ja, weil sie Gott selbst ist.<\/p>\n<p>Deshalb konnte Lukas eine neue Geschichte schreiben, und wir k\u00f6nnen<br \/>\ndiese Geschichte zu der unsrigen machen. Denn mit dem, was in der Heiligen<br \/>\nNacht in einem ansonsten von der Macht und der Ehre \u00fcbersehen allt\u00e4glichen<br \/>\nEreignis geschehen ist, beginnt eine neue Geschichte, die nach Lukas eigentliche<br \/>\nGeschichte, und dies ist nicht die Geschichte der Macht, es ist die Geschichte<br \/>\nder Liebe. Es ist die g\u00f6ttliche Geschichte von einem Licht, das angez\u00fcndet<br \/>\nwurde. Ein Licht, mit dem eine Hoffnung in die Welt gesetzt wurde und<br \/>\neine Freude in jedes &#8211; menschlich gesehen &#8211; hoffnungslose Leben hineingeboren<br \/>\nwurde, mitten in einer der Macht verfallenen Welt. Das ist unsere Freude,<br \/>\ndas ist die Freude der Weihnacht. Das ist die frohe Geschichte, an der<br \/>\nwir alle teilhaben &#8211; und das ist wohl wert gefeiert zu werden. Frohe Weihnachen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Asta Gyldenk\u00e6rne<br \/>\nSkoven<br \/>\nDK-J\u00e6rgerspris<br \/>\nTel: ++ 45 &#8211; 47 53 00 33<br \/>\n<a href=\"mailto:agy@km.dk\">E-mail: agy@km.dk<\/a><\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als der Sohn Gottes auf die Welt kam, registrierte der Evangelist sorgsam, wann dies geschah: &#8222;Und es begab sich zu der Zeit, als ein Befehl vom Kaiser Augustus ausging, da\u00df alle Welt sich sch\u00e4tzen lie\u00dfe&#8220;, schrieb er. 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