{"id":9299,"date":"2002-12-07T19:49:50","date_gmt":"2002-12-07T18:49:50","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9299"},"modified":"2025-04-24T15:08:28","modified_gmt":"2025-04-24T13:08:28","slug":"johannes-11-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-11-14\/","title":{"rendered":"Johannes 1,1\u20135.9\u201314"},"content":{"rendered":"<h3>Christfest II | 25. Dezember 2002 | Johannes 1,1\u20135.9\u201314 | Johannes Neukirch |<\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Weihnachten, das muss man doch irgendwie in den Griff bekommen. Immerhin<br \/>\n&#8211; wir haben schon mal die Heilige Nacht &#8211; mehr oder weniger gut &#8211; hinbekommen,<br \/>\nsonst w\u00e4ren wir nicht hier. Der Tannenbaum, der Stall, die Krippe,<br \/>\ndas Jesuskind, die Weihnachtslieder, gesungen und geh\u00f6rt, die Weihnachtsgeschichte<br \/>\n&#8211; das hat schon was. Ich kenne Familien, die darf man zwar nicht auf Kirche<br \/>\nund Glauben ansprechen, aber f\u00fcr den Heiligen Abend \u00fcben sie<br \/>\nmit ihren Kindern ein Krippenspiel ein, singen wie entfesselt Weihnachtslieder<br \/>\nund lesen &#8211; nat\u00fcrlich &#8211; die Weihnachtsgeschichte. Sie inszenieren<br \/>\nWeihnachten, sie f\u00fchren Weihnachten auf der Familienb\u00fchne auf.<\/p>\n<p>Weihnachten, das muss man doch irgendwie in den Griff bekommen. Die Gef\u00fchle,<br \/>\ndie R\u00fchrung, die Erinnerung, besonders wenn man nicht von Kindern<br \/>\nabgelenkt wird und alles f\u00fcr die Kinder inszeniert, die sind oft<br \/>\nam schwierigsten. &#8222;Ich steh an deiner Krippe hier, o Jesu, du mein<br \/>\nLeben; ich komme, bring und schenke dir, war du mir hast gegeben. Nimm<br \/>\nhin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Mut, nimm alles hin und<br \/>\nla\u00df dir&#8217;s wohlgefallen.&#8220; Ich w\u00fcnsche wirklich allen Menschen,<br \/>\ndass ihnen bei diesem Lied ein paar Tr\u00e4nen in die Augen schie\u00dfen.<br \/>\nSo viel Gef\u00fchl und R\u00fchrung muss sein.<\/p>\n<p>Von den Evangelisten Matth\u00e4us und Lukas haben wir das Vokabular<br \/>\nf\u00fcr Weihnachten. &#8222;Es begab sich aber zu der Zeit&#8230;.&#8220;.<br \/>\nUnd die Hirten und die Engel und Maria und Josef und die Krippe und die<br \/>\ndrei Weisen aus dem Morgenland und alles was so dazugeh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Der Evangelist Johannes hat dieses Vokabular nicht. Er f\u00e4ngt ganz<br \/>\nanders an als Matth\u00e4us und Lukas, n\u00e4mlich so:<\/p>\n<p><em>&#8222;Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war<\/em><br \/>\n<em>das Wort.\u00a0Dasselbe war im Anfang bei Gott.<\/em><br \/>\n<em>Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht,<\/em><br \/>\n<em>was gemacht ist.<\/em><br \/>\n<em>In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.<\/em><br \/>\n<em>Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat&#8217;s nicht<\/em><br \/>\n<em>ergriffen.<\/em><br \/>\n<em>Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt<\/em><br \/>\n<em>kommen.<\/em><br \/>\n<em>Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn gemacht; aber die Welt<\/em><br \/>\n<em>erkannte ihn nicht.<\/em><br \/>\n<em>Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf.<\/em><br \/>\n<em>Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden,<\/em><br \/>\n<em>denen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut noch aus dem<\/em><br \/>\n<em>Willen des Fleisches noch aus dem Willen eines Mannes, sondern von Gott<\/em><br \/>\n<em>geboren sind.<\/em><br \/>\n<em>Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit,<\/em><br \/>\n<em>eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade<\/em><br \/>\n<em>und Wahrheit.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Geht es mit diesen Worten besser, bekommen wir Weihnachten so in den<br \/>\nGriff? Ein Krippenspiel kann man daraus jedenfalls nicht machen. R\u00fchrselig<br \/>\nsind diese Verse auch nicht. Weihnachtlich sind sie aber schon. Denn ohne<br \/>\nDrumherum kommen sie direkt zur Sache: Gott ist richtiger Mensch geworden.<br \/>\nIn der Krippe liegt nicht ein besonderer Mensch, besonders barmherzig,<br \/>\nbesonders lieb, sondern Gott selbst. Aber nicht verkleidet, sondern als<br \/>\nrichtiges Fleisch. Deshalb haben wir es nicht nur mit dem s\u00fc\u00dfen<br \/>\nJesuskind zu tun, sondern mit Gott selbst und mit seinem Wort.<\/p>\n<p>Was ist das f\u00fcr ein Wort? Nicht irgendein Wort aus unserem Sprachschatz,<br \/>\nsondern das Wort mit der Kraft, die etwas aus dem Nichts erschaffen kann.<br \/>\nDas Wort, wie wir es aus der Sch\u00f6pfungsgeschichte kennen: &#8222;Und<br \/>\nGott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht!&#8220;.<\/p>\n<p>Wort &#8211; Leben &#8211; Licht, das ist der weihnachtliche Akkord. &#8222;In ihm<br \/>\nwar das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen&#8230;. Und das Wort<br \/>\nward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit&#8220;.<\/p>\n<p>Bekommen wir so Weihnachten besser in den Griff? Ich wei\u00df nicht<br \/>\nso recht, denn diese Weihnachtsbotschaft sagt ganz klar: Du kannst mich<br \/>\nnicht in den Griff bekommen, ich bin nicht nur f\u00fcr den 24.-26. Dezember<br \/>\ngemacht. Denn in der Krippe liegt das lebendige, Leben-schaffende Wort,<br \/>\nso m\u00e4chtig, dass es aus dem Nichts die Welt erschaffen konnte.<\/p>\n<p>Es sagt: Ich bleibe nicht in der Krippe liegen. Ich bin da, um Licht<br \/>\nin die Finsternis der Welt, um Klarheit und Wahrheit zu bringen. Ich bin<br \/>\nschon immer da und werde am Ende immer noch da sein.<\/p>\n<p>Es sagt: Ich greife dich, ich packe dich, ich halte dich fest, wenn Du<br \/>\nan der Krippe stehst. Ich mache dich zu einem Kind Gottes. Du stehst in<br \/>\nmeinem Lichtkegel und nimmst die Worte Jesu in dich auf, der sagt: &#8222;Ich<br \/>\nbin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der<br \/>\nFinsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.&#8220;<\/p>\n<p>Weihnachten &#8211; das muss man doch irgendwie in den Griff bekommen. M\u00f6glich<br \/>\nist das, wir k\u00f6nnen es abfeiern. Wir k\u00f6nnen aber auch sagen:<br \/>\nWeihnachten ist unberechenbar. Denn wenn ich mich an die Krippe stelle,<br \/>\nsehe ich die Herrlichkeit des lebendigen Wortes. Ich werde in die Krippe<br \/>\nhineingezogen und mein Leben wird durch das m\u00e4chtige Wort neu, n\u00e4mlich<br \/>\nvon Gott geboren. &#8222;Denn also hat Gott die Welt geliebt, da\u00df<br \/>\ner seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht<br \/>\nverloren werden, sondern das ewige Leben haben.&#8220;<\/p>\n<p>Wenn die Kost\u00fcme der Krippenspiele eingepackt sind, wenn die letzten<br \/>\nWeihnachtsengel wieder im Karton liegen, wenn die verdorrten Tannenb\u00e4ume<br \/>\nabgeholt sind &#8211; dann lasst uns daran denken: Weihnachten hat uns im Griff,<br \/>\nWeihnachten ist unberechenbar. Gott ist richtig Fleisch geworden, damit<br \/>\ndas Licht in der Finsternis der Welt ununterbrochen leuchtet und wir seine<br \/>\nHerrlichkeit sehen und damit wir anfangen, selbst zu leuchten! &#8222;Wer<br \/>\nan mich glaubt&#8220;, sagt Jesus, &#8222;von dessen Leib werden Str\u00f6me<br \/>\nlebendigen Wassers flie\u00dfen.&#8220;<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Dr. Johannes Neukirch, Hannover<br \/>\n<a href=\"mailto:johannes.neukirch@evlka.de\">johannes.neukirch@evlka.de<\/a><br \/>\n<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christfest II | 25. Dezember 2002 | Johannes 1,1\u20135.9\u201314 | Johannes Neukirch | Liebe Gemeinde, Weihnachten, das muss man doch irgendwie in den Griff bekommen. Immerhin &#8211; wir haben schon mal die Heilige Nacht &#8211; mehr oder weniger gut &#8211; hinbekommen, sonst w\u00e4ren wir nicht hier. 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