{"id":9311,"date":"2003-01-07T19:49:46","date_gmt":"2003-01-07T18:49:46","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9311"},"modified":"2025-04-24T15:28:23","modified_gmt":"2025-04-24T13:28:23","slug":"lukas-4-16-21","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-4-16-21\/","title":{"rendered":"Lukas 4, 16-21"},"content":{"rendered":"<h3>Neujahr | 1. Januar 2003 | Lukas 4,16\u201321 | Gunda Schneider-Flume |<\/h3>\n<p>Universit\u00e4tsgottesdienst in der Nikolaikirche Leipzig<\/p>\n<p>Ein gutes neues Jahr, liebe Gemeinde, mit diesem Wunsch haben die meisten von uns vor wenigen Stunden das neue Jahr begonnen. Diesen Wunsch werden wir heute und in den n\u00e4chsten Tagen viele Male wiederholen, und er wird uns gesagt in Erwartung all des Guten, das wir uns w\u00fcnschen f\u00fcr das neue Jahr. Noch ganz frisch liegt das Jahr 2003 vor uns, fast unbeschrieben sind die Kalenderbl\u00e4tter. Auch wenn bei manchen schon Termine notiert sind, m\u00f6glicherweise viel zu viele, Geschehenes ist noch nicht festgehalten. Wir erwarten das noch, das Alte haben wir verabschiedet und hinter uns gelassen, und wir wollen vor allem das, was erschreckend war, hinter uns lassen.<\/p>\n<p>Es tut gut, neu anfangen zu k\u00f6nnen. Es tut gut, innezuhalten, neu zu planen, sich zu besinnen. Neujahr ist ein Anlass daf\u00fcr. Mit aller Kraft unserer W\u00fcnsche wollen wir anfangen.<\/p>\n<p>Die kalendarische Jahreswende f\u00e4llt mitten in die Weihnachtszeit, in der die Christenheit Gottes Erscheinen auf der Erde in dem Kind in der Krippe feiert, die gro\u00dfe Zeitenwende, weil mit der Geburt des Kindes Friede und Gnade, Heil und Freude verhei\u00dfen sind. Weihnachten, das Fest der Zeitenwende, weil mit der Ankunft Gottes neue Zeit anbricht, Gnadenzeit, in der Gott mit uns ist und sein Geist der Liebe und des Erbarmens, der Gerechtigkeit und Hoffnung Menschen neu in Bewegung bringt.<\/p>\n<p>Nun feiern wir kurz nach dem Weihnachtsfest den Jahreswechsel, das neue Jahr des weltlichen Kalenders, der aber tats\u00e4chlich nicht nach \u0084unserer\u0093 Zeitrechnung, wie die Machthaber der kommunistischen Ideologie glauben machen wollten, sondern nach der Zeitrechnung des historischen Geschehens des Lebens Jesu von Nazareth rechnet. 2003 post Christum natum. Eigenartig greifen da weltlich und christlich ineinander. Neujahr inmitten der Weihnachtszeit, Silvesterb\u00f6ller und Kirchenglocken, Sektempfang und Neujahrsgottesdienst.<\/p>\n<p>Ein gutes neues Jahr beginnen wir mit der Kraft aller unserer guten W\u00fcnsche, so wie wir das Leben eines Kindes mit W\u00fcnschen begleiten. Wie das Leben eines Kindes vielfach unbestimmt und ganz unverbraucht ist, so ist auch das neue Jahr noch unbestimmt und offen f\u00fcr viele M\u00f6glichkeiten.<br \/>\nEs ist alles noch Erwartung.<\/p>\n<p>Es gibt ein M\u00e4rchen vom alten Silvester, der irgendwo in himmlischen Gefilden das ganze Jahr \u00fcber schl\u00e4ft. Am letzten Tag des Jahres aber wird er geweckt, um eine neues Jahrkind zur Erde zu bringen, das er mit dem zw\u00f6lften Stundenschlag am Silvesterabend freisetzt. Voller Freude und Leichtigkeit springt es auf die Erde zu den Menschen hin und nimmt seinen Lauf. Der alte Silvester aber nimmt das Wesen auf, das er vor einem Jahr hoffnungsvoll zur Erde gebracht hat und das nun grau und abgewirtschaftet, gebeugt und m\u00fchselig, m\u00fcde und ohne Hoffnung an einer Mauer lehnend sitzt.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nist es so mit dem alten Jahr? Ist es so mit unseren W\u00fcnschen? Alle Jahre wieder? Ist die Zeit verbraucht und missbraucht, und sind die W\u00fcnsche und Hoffnungen am Ende zu einem Sack voller Entt\u00e4uschungen geworden?<\/p>\n<p>Die ersten Tage eines neuen Jahres haben f\u00fcr viele Menschen etwas von der Freude, der Erwartung und der Kraft von Kinderspr\u00fcngen, von dem Mut und der Unbefangenheit, mit der Kinder sich in ein neues Spiel st\u00fcrzen k\u00f6nnen. Danach wird die Gangart langsamer, die alten Gewohnheiten stellen sich wieder ein, die Tage nehmen ihren Lauf wie eh und je, und pl\u00f6tzlich hei\u00dft es: \u0082Es ist schon wieder halb vorbei\u0091, und man fragt sich, wo die W\u00fcnsche und Hoffnungen geblieben sind. Sind ihnen die Fl\u00fcgel gestutzt worden vom allt\u00e4glichen Realismus? Haben wir sie fallen lassen, weil wir uns hart angesto\u00dfen haben an den Zw\u00e4ngen des Alltags? Oder f\u00fchlen wir uns selbst wie fallen gelassen, m\u00fcde und schwer und nicht mehr zu gro\u00dfen Spr\u00fcngen ansetzend?<\/p>\n<p>Man kann das Bild vom alten, abgewirtschafteten Jahrkind im M\u00e4rchen wohl verstehen, und vielleicht w\u00fcrden wir uns auch gerne der Vorstellung des M\u00e4rchens hingeben, wenn es erz\u00e4hlt, dass dieses m\u00fcde Wesen des alten Jahres liebevoll aufgenommen und in einem himmlischen Jungbrunnen verj\u00fcngt wird. Zu sch\u00f6n, um wahr zu sein. Und all die guten Neujahrsw\u00fcnsche des Jahres 2002, Frieden, Gesundheit, Erfolg im Studium, Erfolg im Beruf, was ist aus ihnen geworden? Manche sind in Erf\u00fcllung gegangen, manches konnten wir verwirklichen, vieles ist unerf\u00fcllt geblieben, obwohl die Kr\u00e4fte verbraucht sind und das Jahr vorbei, wie auch immer.<\/p>\n<p>Ist die Sicht, dass das alte Jahr grau und abgewirtschaftet sei, zu pessimistisch? Manche werden das sagen und auf die Lichtblicke hinweisen, das, was erreicht wurde im vergangenen Jahr, das, was sch\u00f6n war, Unerwartetes, das sich wie ein Wunder ereignete, eine Gesundung, eine Rettung im Verborgenen, Geschehen, das so schnell vergessen wird, weil es gar nicht sensationell ist. Andere blicken entschlossen und tatkr\u00e4ftig nach vorne auf die Pl\u00e4ne und Vorhaben f\u00fcr das neue Jahr. Manche aber, die auf das alte Jahr blicken, werden sagen: Es war viel schlimmer, als es im M\u00e4rchen erz\u00e4hlt wird. Sie sehen das alte Jahr mit den Augen des Engels, den Paul Klee gemalt hat. Mit dem R\u00fccken zur Zukunft blickt er zur\u00fcck, sein Gesicht ist von Schrecken gezeichnet \u00fcber all das, was sich ihm in der Vergangenheit auftut. Er sieht die Berge von Tr\u00fcmmern, die Menschen angeh\u00e4uft haben, er sieht die Katastrophen und die Kriege, die Verw\u00fcstungen der Jahrhundert-Flut und die Zerst\u00f6rungen der Feuer, die ermordeten Sch\u00fcler und Lehrer von Erfurt, die durch Krankheit und Seuchen Hingerafften und die vielen durch Aids infizierten Kinder. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht der Engel eine einzige Katastrophe, die unabl\u00e4ssig Tr\u00fcmmer auf Tr\u00fcmmer h\u00e4uft und sie ihm vor die F\u00fc\u00dfe schleudert. Er m\u00f6chte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenf\u00fcgen. Aber ein Sturm weht vom Paradiese her, der sich in seinen Fl\u00fcgeln verfangen hat und so stark ist, dass der Engel sie nicht mehr schlie\u00dfen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den R\u00fccken kehrt, w\u00e4hrend der Tr\u00fcmmerhaufen vor ihm zum Himmel w\u00e4chst. Wahrscheinlich geh\u00f6rt auch aus unserem pers\u00f6nlichen Leben etwas zu diesen Tr\u00fcmmern. Der Philosoph Walter Benjamin hat das Bild von Klee ausgelegt und den Sturm als das interpretiert, was wir den Fortschritt nennen.<\/p>\n<p>Gelegentlich scheint es uns so zu gehen wie dem Engel, gebannt von der \u00dcberf\u00fclle der Zerst\u00f6rung und m\u00fcde davon, dass W\u00fcnsche, Kr\u00e4fte und Hoffnungen immer wieder verbraucht sind. Im Blick auf das an Schrecken nicht arme Jahr 2002 neigen viele Menschen der Interpretation des Philosophen zu: Mit vermeintlichem Fortschritt richten Menschen sich selbst und die Welt zugrunde.<\/p>\n<p>Es tut gut, neu anzufangen. Aber k\u00f6nnen wir neu anfangen? Woher kommt die Hoffnung und die Kraft, wenn man schon wei\u00df, dass am Ende alles verbraucht ist? Der Neuanfang im Jahreskreislauf erinnert daran, dass ein neuer Zeitabschnitt, ein St\u00fcck unserer Lebenszeit ist \u0096 am Ende verbraucht und wir mit ihm. Und so immer wieder. \u0084Ein Rauch seid ihr, der eine kleine Zeit bleibt und dann verschwindet\u0093 (Jak 4, 14), so haben wir es in der Epistellesung geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Der Predigttext zum heutigen Neujahrstag sieht die Zeit anders als das M\u00e4rchen vom alten Silvester und als der Engel Paul Klees. Jesus kommt in seine Heimatstadt, geht in die Synagoge und steht, so wie es f\u00fcr j\u00fcdische M\u00e4nner Brauch ist, auf, um zu lesen. Man reicht ihm die Buchrolle, und er liest die Stelle aus dem Buch des Propheten Jesaja:<\/p>\n<p>\u0084Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verk\u00fcndigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen, zu verk\u00fcndigen das Gnadenjahr des Herrn.&#8220; Und als er das Buch zutat, gab er\u0091s dem Diener und setzte sich. Und aller Augen in der Synagoge sahen auf ihn, und er fing an, zu ihnen zu reden: Heute ist dieses Wort der Schrift erf\u00fcllt vor euren Ohren.\u0093<\/p>\n<p>Heute \u0096 das ist unerh\u00f6rt und unglaublich. Jahrhundertelang hat die alte prophetische Verhei\u00dfung Menschen getr\u00f6stet und aufgerichtet durch die Kraft der Erwartung, und jetzt hei\u00dft es \u0084heute\u0093. Gute Botschaft den Armen, frei sein, sehen, den Zerschlagenen Befreiung, heute das Gnadenjahr des Herrn. Das ist nicht gepr\u00e4gt vom gebannten Blick auf den Tr\u00fcmmerhaufen, aber auch nicht von der entschlossenen Abwendung davon, sondern von der Provokation des Heute.<\/p>\n<p>Hier ist die Zeit umgekehrt, gewendet. Da, wo wir die Kraft unserer W\u00fcnsche in die Zukunft lenken, manchmal bis zum St. Nimmerleinstag, ungewiss, ob wir hoffen d\u00fcrfen, hei\u00dft es \u0084heute\u0093. Das ist ein wahrhaft gewendeter, neuer Realismus. Es ist der Realismus, der Gott wahrnimmt hier, mit uns, heute, nicht in himmlischen Gefilden, sondern als verl\u00e4sslichen Grund eines jeden Tages. Heute ist dieses Wort erf\u00fcllt vor euren Ohren.<\/p>\n<p>Das Evangelium den Armen, gute Botschaft allen, die sich nicht selbst gute Botschaft sagen k\u00f6nnen. Und wer k\u00f6nnte das. Es w\u00e4re eine wahrhaft erschreckende Armut, wenn ich mir selbst ein gutes neues Jahr sagen m\u00fcsste oder gar meinte, ich k\u00f6nnte das, ich mit mir allein, und kein anderer sagte es mir. Heute gilt, dass Gottes gute Botschaft, das Gnadenjahr des Herrn allen gesagt wird. Und wir k\u00f6nnen es allen sagen, auch denen, die mit sich selbst allein sind.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\ndas Gnadenjahr Gottes gilt nicht erst dann, wenn wir unsere Pl\u00e4ne vollbracht haben. Das Evangelium hat, wenn es geh\u00f6rt wird, eine in die Gegenwart dr\u00e4ngende Kraft schon vor der Erf\u00fcllung unserer W\u00fcnsche. Es l\u00e4sst sich nicht verschieben, es ist jetzt da. Und es l\u00e4sst nicht auf sich warten, bis die Wolken aller gegenw\u00e4rtigen Bedrohungen verzogen sind, es leuchtet jetzt auf wie ein Stern im Dunkel, der pl\u00f6tzlich sichtbar wird. Deshalb geh\u00f6rt es zu unserem Neujahrstag, deshalb ist es Neuanfang heute.<\/p>\n<p>Heute gilt: Es ist Gnadenjahr, angenehmes Jahr des Herrn. Was Gott angenehm ist, was er wohlwollend anblickt, das k\u00f6nnen Menschen nicht zunichte machen. Wie wohltuend sind schon unsere guten Neujahrsw\u00fcnsche. Nun werden diese W\u00fcnsche inmitten der weihnachtlichen Festzeit ausgesprochen, ganz im Blick des Geschehens, in dem Gott in dem Kind in der Krippe mit uns ist.<br \/>\nEin neugeborenes Kind weckt nicht nur unsere W\u00fcnsche und Hoffnungen, es fordert auch unsere gegenw\u00e4rtige Aufmerksamkeit und F\u00fcrsorge, jetzt; seine Bed\u00fcrfnisse m\u00fcssen bemerkt und gestillt werden, und die Freude \u00fcber sein Leben gilt heute schon. So ist es mit Gott.<\/p>\n<p>Licht, Leben, Liebe, so umschrieb der Arzt Kurt Reuber vor 60 Jahren die Skizze der Madonna, die er im Kessel von Stalingrad gezeichnet hat. Das Weihnachtsgeschehen hat ihm auch dort im Kessel von Gewalt und Aussichtslosigkeit einen Freiraum geschaffen im gn\u00e4digen Blick Gottes: Licht, Leben, Liebe im notd\u00fcrftigen Unterstand. Wie viel Kraft, Mut und Zuversicht gehen davon aus, damals und heute, einen jeden Tag neu.<\/p>\n<p>In den Realismus von Angst und Aussichtslosigkeit, in die festgef\u00fcgten Urteile: \u0082realistisch ist da gar nichts mehr zu machen\u0091, bricht eine Perspektive ein, Mut \u0096 den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, den Blinden, dass sie sehen sollen. \u0096<\/p>\n<p>Es ist, als ob ein neues Heute einf\u00e4llt in das Heute des Neujahrstages, wenn wir das beginnende Jahr aus der Perspektive des Evangeliums, des Gnadenjahres des Herrn ansehen.<\/p>\n<p>Gnade ist Wohlwollen, und wie wir uns f\u00fchlen und wie wir uns aufrichten k\u00f6nnen unter einem wohlwollenden Blick, das wissen wir.<\/p>\n<p>Ein wohlwollender Blick schafft den Spielraum, den wir brauchen, um vertrauensvoll leben zu k\u00f6nnen. Wenn ein Kind uns bittet, \u0084Spiel mit mir\u0093, und wir dieser Bitte nicht ausweichen, sondern nachgeben, dann tut sich ein Spielraum auf, der augenblicklich gef\u00fcllt ist mit Freude und Aktivit\u00e4t, mit Ideen und Begeisterung. So gibt Gottes Evangelium uns Raum, es ist der Spielraum, den wir haben, weil die Zeit nicht nur abl\u00e4uft. Wohl sind wir vergesslichen Menschen gef\u00e4hrdet und gefangen darin, dass wir uns immer wieder verlieren im Ablauf von Routine und Hetze, so sehr, dass wir nicht einmal Kindern den Spielraum mehr gew\u00e4hren, den wir auch selbst so dringend brauchen. Zu kleinen Erwachsenen machen wir sie vor der Zeit. Die Zeit der Kindheit wird immer k\u00fcrzer, wir nehmen Kindern die Zeit weg, in der sie als Kinder spielen k\u00f6nnen, weil wir uns selbst auf das Heute nicht einlassen.<\/p>\n<p>Das Evangelium, das Lukas erz\u00e4hlt, schenkt Zeit: nicht in einem himmlischen Sanatorium, sondern hier und heute, so wie Jesus anhielt und mit Menschen redete. Seine Anrede lie\u00df Menschen aufblicken und aufatmen. Die Zeit h\u00e4lt an, wenn ein wenig Menschlichkeit sie f\u00fcllt. Das ereignet sich \u00fcberall, wo Abl\u00e4ufe von Zeit und Arbeit nicht nur funktionieren, sondern durch Erbarmen erf\u00fcllt werden: auf Intensivstationen und in Pflegeheimen \u0096 den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen \u0096 Wo wir versucht sind zu sagen, das lohnt nicht mehr, da ereignet sich durch liebevolle Pflege und Begleitung noch einmal Aufatmen, und wo wir nicht wegsehen, richten Menschen sich auf, wenn wir sie anblicken.<\/p>\n<p>Das Evangelium, die gute Botschaft h\u00e4lt uns an, unsere Zeitflucht wird unterbrochen und auch der Sturm, der Fortschritt genannt wird, damit wir in der schnell ablaufenden Zeit die F\u00fclle geschenkter Zeit bemerken, ein geschenkter Augenblick an diesem ersten Januar 2003 post Christum natum, Gott mit uns.<\/p>\n<p>Und die entt\u00e4uschten W\u00fcnsche, die zerbrochenen Hoffnungen?<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nsie werden nicht weggezaubert, auch die drohende Kriegsgefahr nicht. Aber der Spielraum des wohlwollenden Blickes macht die Last der zerbrochenen W\u00fcnsche und entt\u00e4uschten Hoffnungen ertr\u00e4glich, so dass die Zerschlagenen sich aufrichten k\u00f6nnen.<br \/>\n\u0084Noch manche Nacht wird fallen auf Menschen Leid und Schuld.<br \/>\nDoch wandert nun mit allen der Stern der Gotteshuld.\u0093<br \/>\nWir m\u00fcssen uns nicht mehr unter den Bergen von Tr\u00fcmmern ducken. Aufrecht sieht man die Berge anders, und man kann sogar einiges abtragen von den Tr\u00fcmmern.<\/p>\n<p>Der Spielraum, den der wohlwollende Blick schenkt, verschafft die Distanz und die N\u00fcchternheit, um beharrlich an L\u00f6sungen f\u00fcr Konflikte und Probleme zu arbeiten \u0096 den Blinden, dass sie sehen sollen \u0096. In diesem Spielraum k\u00f6nnen wir auch das, was Fortschritt genannt wird, noch einmal neu bedenken. Segen und Fluch liegen da nahe beieinander. Vieles ist m\u00f6glich, sehr vieles, sollte es da nicht auch m\u00f6glich sein zu heilen, ohne auf dem Weg zur vermuteten Heilung Leben zu verbrauchen und zu t\u00f6ten? Fortschritt muss nicht immer zerst\u00f6rerisch sein.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nGottes wohlwollender Blick wirkt so: Er gibt Raum f\u00fcr Licht, Leben und Liebe, er nimmt Not scharf wahr und Zerst\u00f6rung und Schuld, er blickt nicht daran vorbei, sondern er geht darauf ein bis zur Hingabe. Das ist Hoffnung genug f\u00fcr ein Neues Jahr. L\u00e4sst es uns doch in den Tr\u00fcmmerbergen und in den Ansammlungen von Schuld und Vers\u00e4umnis das Kreuz Jesu Christi entdecken \u0096 auch da, wo alles zu zerbrechen droht oder zerbrochen ist, Gott selbst \u0096 und das Schaffen Gottes, der die Gebrochenen aufhebt und die Zerschlagenen zusammenf\u00fcgt und uns alle neu heute das Gnadenjahr des Herrn 2003 beginnen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Der Friede Gottes, welcher h\u00f6her ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Prof. Dr. Gunda Schneider-Flume, Leipzig\/Dresden<br \/>\n<a href=\"mailto:gdrschn@attglobal.net\">gdrschn@attglobal.net<\/a><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neujahr | 1. Januar 2003 | Lukas 4,16\u201321 | Gunda Schneider-Flume | Universit\u00e4tsgottesdienst in der Nikolaikirche Leipzig Ein gutes neues Jahr, liebe Gemeinde, mit diesem Wunsch haben die meisten von uns vor wenigen Stunden das neue Jahr begonnen. 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