{"id":9312,"date":"2003-01-07T19:49:48","date_gmt":"2003-01-07T18:49:48","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9312"},"modified":"2025-04-24T15:29:52","modified_gmt":"2025-04-24T13:29:52","slug":"1-samuel-16-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-samuel-16-7\/","title":{"rendered":"1. Samuel 16, 7"},"content":{"rendered":"<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Neujahr | 1. Januar 2003 | 1. Samuel 16,7 | Ulrich Nembach |<\/span><\/b><\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>ein neues Jahr beginnt; das alte ist vergangen. Wir k\u00f6nnen dem alten Jahr nachtrauern, oder wir k\u00f6nnen uns freuen, dass das alte endlich vergangen ist und uns hoffnungsvoll dem neuen zuwenden. Vor 2 Jahren, als das Jahr 1999 zu Ende ging, konnten wir kaum erwarten, dass das Jahr 2000 beginnt. Was sagen wir dieses Mal? Trauern wir dem Jahr 2002 hinterher, oder feiern wir zuversichtlich das neue?<\/p>\n<p>Beide Aussagen haben wir in der Neujahrsnacht geh\u00f6rt und selbst gesagt. Die meisten Menschen sind diesesmal nicht so voller Erwartungen wie an der Wende 1999 \/ 2000. Ich frage mich, ob wir mit dieser Frage aber die Sache, das, um das es wirklich geht, treffen. Ist die Bewertung des alten Jahres und die Hoffnung, Freude auf das neue der Kern, um den es im in unserem Leben geht? Auf diese Frage brachte mich die Jahreslosung f\u00fcr das neue Jahr, das Jahr 2003, unser Predigttext. Sie steht in 1. Sam. 16,7:<\/p>\n<p>Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an.<\/p>\n<p>Die lateinische \u00dcbersetzung in der Vulgata wird noch deutlicher:<br \/>\nHomo enim videt ea quae parent Dominus autem intuetur cor.<br \/>\nEin Mensch sieht, das, was offen ist, alles das, was ge\u00f6ffnet ist.<\/p>\n<p>Kinder kennen diesen Satz, w\u00fcnschen sich aber mehr. In den letzten Tagen haben nicht wenige gedacht, sich gew\u00fcnscht, zu sehen, was hinter den noch verschlossen T\u00fcren des Adventskalenders verborgen ist. Andere haben sich gew\u00fcnscht, &#8222;in das Herz&#8220; der oder des Geliebten zu sehen. Ja und nicht wenige w\u00fcnschten, sich zu wissen, was der Chef, die da oben denken, die \u00fcber meinen Arbeitsplatz zu befinden haben. Werde ich weiter arbeiten k\u00f6nnen oder mu\u00df ich auch gehen?<\/p>\n<p>Damit ist klar, was die Jahreslosung sagt, aber das ist nicht alles. Wenn wir die Jahreslosung im Zusammenhang des Textes lesen, in dem sie steht, werden wir noch einiges entdecken.<\/p>\n<p>I.<br \/>\nDer Kontext des Verses ist die Erw\u00e4hlung Davids zum K\u00f6nig \u00fcber Israel. Der Text erz\u00e4hlt anschaulich, nennt Details, so dass wir richtig zuschauen k\u00f6nnen, obwohl Jahrhunderte zwischen uns und damals liegen. Die Bibel kann eben herrlich erz\u00e4hlen.<br \/>\nAm besten ich lese Ihnen die Geschichte vor. Ich kann sie gar nicht so sch\u00f6n nacherz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>1 Samuel 16,1 Und der Herr sprach zu Samuel: Wie lange tr\u00e4gst du Leid um Saul, den ich verworfen habe, da\u00df er nicht mehr K\u00f6nig sei \u00fcber Israel? F\u00fclle dein Horn mit \u00d6l und geh hin: ich will dich senden zu dem Bethlehemiter Isai; denn unter seinen S\u00f6hnen hab ich mir einen zum K\u00f6nig ersehen.<br \/>\n2 Samuel aber sprach: Wie kann ich hingehen? Saul wird&#8217;s erfahren und mich t\u00f6ten. Der Herr sprach: Nimm eine junge Kuh mit dir und sprich: Ich bin gekommen, dem Herrn zu opfern.<br \/>\n3 Und du sollst Isai zum Opfer laden. Da will ich dich wissen lassen, was du tun sollst, da\u00df du mir den salbest, den ich dir nennen werde.<br \/>\n4 Samuel tat, wie ihm der Herr gesagt hatte, und kam nach Bethlehem. Da entsetzten sich die \u00c4ltesten der Stadt und gingen ihm entgegen und sprachen: Bedeutet dein Kommen Heil?<br \/>\n5 Er sprach: Ja, es bedeutet Heil! Ich bin gekommen, dem Herrn zu opfern; heiligt euch und kommt mit mir zum Opfer. Und er heiligte den Isai und seine S\u00f6hne und lud sie zum Opfer.<br \/>\n6 Als sie nun kamen, sah er den Eliab an und dachte: F\u00fcrwahr, da steht vor dem Herrn sein Gesalbter.<br \/>\n7 Aber der Herr sprach zu Samuel: Sieh nicht an sein Aussehen und seinen hohen Wuchs; ich habe ihn verworfen. Denn nicht sieht der HERR auf das, worauf ein Mensch sieht. Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an.<br \/>\n8 Da rief Isai den Abinadab und lie\u00df ihn an Samuel vor\u00fcbergehen. Und er sprach: Auch diesen hat der Herr nicht erw\u00e4hlt.<br \/>\n9 Da lie\u00df Isai vor\u00fcbergehen Schamma. Er aber sprach: Auch diesen hat der Herr nicht erw\u00e4hlt.<br \/>\n10 So lie\u00df Isai seine sieben S\u00f6hne an Samuel vor\u00fcbergehen; aber Samuel sprach zu Isai: Der Herr hat keinen von ihnen erw\u00e4hlt.<br \/>\n11 Und Samuel sprach zu Isai: Sind das die Knaben alle? Er aber sprach: Es ist noch \u00fcbrig der j\u00fcngste; siehe, er h\u00fctet die Schafe. Da sprach Samuel zu Isai: Sende hin und la\u00df ihn holen; denn wir werden uns nicht niedersetzen, bis er hierher kommt.<br \/>\n12 Da sandte er hin und lie\u00df ihn holen. Und er war br\u00e4unlich, mit sch\u00f6nen Augen und von guter Gestalt. Und der Herr sprach: Auf, salbe ihn, denn der ist&#8217;s.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, wie es Ihnen beim Zuh\u00f6ren erging. Der Text wurde mir richtig langweilig. Da kommt einer nach dem anderen. Sieben S\u00f6hne hat Isai! Sechs sind schon gekommen. Wie lang, ja, peinlich mu\u00df dieser Vorgang f\u00fcr Samuel gewesen sein? Dazu kommt die Tatsache, dass er immer nein sagen mu\u00df! Ja und dann, dann ist Schlu\u00df der Vorstellung. Nun mu\u00df Samuel nachfragen, er erf\u00e4hrt, dass noch ein Sohn existiert, aber der ist nicht anwesend &#8211; leider. Da darf Samuel den her beordern lassen. Der ist es! Der soll K\u00f6nig \u00fcber Israel werden. Der Kleine! Dabei ist schon der erste ein stattlicher Mann. Der ist es, denkt darum Samuel. Schon sein \u00c4u\u00dferes empfiehlt ihn als stark, als geeignet, ein Volk zu f\u00fchren. Nein. Nein, sagt Gott und gibt eine Begr\u00fcndung, unseren Predigttext, die Jahreslosung.<\/p>\n<p>II.<br \/>\nDamit sind wir schon beim Zweiten der Jahreslosung. Die Erw\u00e4hlung Davids zum K\u00f6nig ist eine Weichenstellung f\u00fcr die Zukunft. Dieser Kleine soll Israel in die Zukunft f\u00fchren! Ich denke, dass wir zu Beginn eines neuen Jahres uns klar machen sollen, d\u00fcrfen, was das bedeutet.<\/p>\n<p>Da Gott ins Herz sieht, sich nicht vom \u00c4u\u00dferen abhalten l\u00e4sst, wird in der Tat ein Junge gesalbt, der wirklich ein K\u00f6nig werden wird. Er wird Israel gro\u00df machen. Er gilt noch heute, Jahrhunderte sp\u00e4ter, als ein Gro\u00dfer.<\/p>\n<p>Das neue Jahr beginnt nicht rosig. Im Land haben wir Arbeitslosigkeit, wirtschaftliche Perspektivlosigkeit, politischen Streit anstatt Handlungen. Drau\u00dfen droht ein Krieg im Irak; ein zweiter kann leicht dazu kommen in Nordkorea. Die Kriege in Afghanistan, in Pal\u00e4stina, Tschetschenien dauern an. Ein Ende ist nicht abzusehen.<\/p>\n<p>Diese Situation m\u00fcssen wir heute, zu Beginn des Jahres, auf der Basis unserer Jahreslosung stellen. Wer nun messerscharf folgert: wenig hoffnungsvoll, also kann das Jahr nur gut werden, der Kleine wird zum gro\u00dfen K\u00f6nig, der missversteht den Text. Gott ist es, der tiefer schaut, als wir sehen k\u00f6nnen. Wir m\u00fcssen den Text genauer lesen. Dabei erkennen wir diese Fakten: Der Text will nicht eine Prognose f\u00fcr 2003 geben. Das wollen auch nicht die, die diesen Text f\u00fcr diese Jahr als Jahreslosung benannt haben. Die <i>\u00f6kumenische Arbeitsgemeinschaft f\u00fcr Bibellesen<\/i> hat den Text vorgeschlagen. Text und Vorschlagende zeigen uns Gott. Sie erkl\u00e4ren uns, dass Gott handelt und wie er handelt. Die Jahreslosung stellt uns Gott vor Augen. Wir, die wir mit Augen sehen, die das erkennen, was vor ihnen liegt, f\u00fcr uns sichtbar ist. Gott sieht aber weiter. Gott sieht besser. Und Gott nutzt sein Sehen, um zu helfen, Gutes zu tun!<\/p>\n<p>Der Text gibt uns Vertrauen. Als unsere Jahreslosung von der <i>\u00d6kumenischen Arbeitsgemeinschaft f\u00fcr Bibellesen<\/i> vor \u00fcber einem Jahr ausgesucht wurde, sah die Welt besser aus. Es gab zwar auch schon damals Probleme, aber von 3 Kriegen war und konnte nicht die Rede sein. Offenbar passte aber bereits damals der Text, unsere Jahreslosung, in diese Welt. Die Losung passte schon vor Jahrhunderten, als David gew\u00e4hlt wurde.<\/p>\n<p>Unser Text macht eine grundlegende Aussage \u00fcber Gott. Unser Gott hat den Durchblick und den Fernblick! Diesen Blick benutzt er, um zu helfen! Diese Tatsache gibt uns Hoffnung. Diese Hoffnung auf der Basis von Gottes F\u00e4higkeiten des Sehens und sein Gebrauch der F\u00e4higkeiten erklingen in einem Weihnachtslied. Wie haben es erst vor wenigen Tagen gesungen. Wir kommen von Weihnachten her:<\/p>\n<p>Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsere Nacht nicht traurig sein! (EG56).<br \/>\nSein F\u00e4higkeit zu sehen, l\u00e4sst ihn die Nacht, die tiefste Nacht erkennen und w\u00e4hlen, als Kind in dies Welt zu kommen, um uns zu helfen, damals und mit Fernwirkung f\u00fcr 2003.<\/p>\n<p>Lassen Sie uns nun dieses Lied singen, zumal die weihnachtliche Freudenzeit noch andauert. Sie reicht laut unseres Kalenders bis zum Epiphaniastag.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p>Lied 56<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Prof. Dr. Dr. Ulrich Nembach, G\u00f6ttingen<br \/>\n<a href=\"mailto:unembac@gwdg.de\">unembac@gwdg.de<\/a><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neujahr | 1. Januar 2003 | 1. 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