{"id":9316,"date":"2003-01-07T19:49:47","date_gmt":"2003-01-07T18:49:47","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9316"},"modified":"2025-04-24T15:35:51","modified_gmt":"2025-04-24T13:35:51","slug":"lukas-2-41-52-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-2-41-52-3\/","title":{"rendered":"Lukas 2, 41-52"},"content":{"rendered":"<h3>2. Sonntag nach Weihnachten | 5. Januar 2003 | Lukas 2,41\u201352 | Wolfgang Petrak |<\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>in der Wohnung ist noch der weihnachtliche Schmuck. Das Licht des Baumes<br \/>\nerinnert warm an diese Tage: sch\u00f6n waren sie, wenn gleich nicht spannungsfrei,<br \/>\nin welcher Familie gibt es das schon. Doch nun sind die Eltern schon l\u00e4ngst<br \/>\nwieder abgereist an ihren heimatlichen Ort, die Kinder haben mit ihren<br \/>\nFreunden Silvester gefeiert, das neue Jahr hat begonnen. So soll es eben<br \/>\nsein. Zusammen sein k\u00f6nnen, loslassen k\u00f6nnen, den Blick nach<br \/>\nvorn richten, ohne das Gewesene zu vergessen. Wenn es doch nur so einfach<br \/>\nw\u00e4re. Doch die Zeit setzt Aufgaben.<\/p>\n<p>Der Kanzler hat zum Jahreswechsel Reformen angek\u00fcndigt und einen<br \/>\nMentalit\u00e4tswechsel eingefordert, mehr Eigenverantwortung jedes einzelnen.<br \/>\nDass wir am Beginn eines harten Weges stehen. Und dass dieses f\u00fcr<br \/>\nBetroffene schmerzlich sein kann. Jedoch: &#8222;Niemand darf blockieren<br \/>\noder hindern. Jeder sollte mit seinen M\u00f6glichkeiten vorangehen, damit<br \/>\ndas Ganze vorankommt&#8220;. Da ist es wieder: Appell zur Einsicht in die<br \/>\nZeit, Bewusstwerden des Schmerzes, Einwilligen -M\u00fcssen in Wege, die<br \/>\nvor uns liegen, ohne jemals wissen zu k\u00f6nnen, was kommen wird; ohne<br \/>\ngenau gesagt zu bekommen, was &#8222;das Ganze&#8220; bedeutet.<\/p>\n<p>Es ist kein Zufall, dass die Sprache der Politik Begriffe aus der religi\u00f6sen<br \/>\nDeutung aufnimmt, wenn es um das gemeinsame Handeln in der vor uns liegenden<br \/>\nZeit geht. Denn wir wissen, dass Zukunft letztlich nicht von uns selbstst\u00e4ndig<br \/>\nverf\u00fcgt werden kann. Das &#8222;Ganze&#8220;, das einen Zusammenhang<br \/>\nin der Vielzahl der Einzelheiten und der partikularen, oft genug auch<br \/>\nwiderspr\u00fcchlichen Interessenswelten bezeichnen will, dr\u00fcckt<br \/>\ndie Hoffnung aus, dass es ein Ganz-Sein, ein Heil- Sein gibt. In der Sprache<br \/>\nder Bibel wird dieses mit &#8222;Shalom&#8220; angesagt. Der &#8222;harte<br \/>\nWeg&#8220;, der gegangen werden muss, meint, dass Richtungen einzuschlagen<br \/>\nsind, die der pers\u00f6nlichen Freiheit und ihren W\u00fcnschen nicht<br \/>\nunbedingt entsprechen m\u00fcssen. Mit dem &#8222;Weg&#8220; kann in der<br \/>\nSchrift der Wille Gottes angesprochen werden, das Verstehen und Befolgen<br \/>\nseines Gesetzes f\u00fcr unsere Zeit. Der Weg der Gerechtigkeit meint<br \/>\naber auch die Passion Jesu, die Schmerzen, das Verlieren und: sein Gewinnen<br \/>\ndes Lebens. Ist es ein Gegensatz, dass wir aber in diesen Tagen noch vom<br \/>\nLicht des Weihnachtsfestes herkommen, um die Geschichte des Kindes wissen,<br \/>\ngeboren zu Bethlehem, vielleicht noch die Lieder im Ohr haben, und um<br \/>\nunsere Zeit wissen? H\u00f6ren wir aus der Bibel die Geschichte vom Kind,<br \/>\ndie kein Lied in unserem Gesangbuch so richtig zu besingen wei\u00df.<\/p>\n<p>(Verlesen von Lk.2,41-50)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ach es ist so schwer zu verstehen, denn Gottes Zeit ist anders. Drei<br \/>\nTage in Jerusalem, zum Passafest. Wie die Zeit des Auferstandenen sich<br \/>\nmit der Zeit des Kindes ber\u00fchren. Und wer damit konfrontiert wird,<br \/>\ndem ist nicht nach Jubeln zu Mut, sondern zum F\u00fcrchten. Der Dank<br \/>\nbezieht sich immer auf das, was in der Vergangenheit gegeben , widerfahren<br \/>\nund erwiesen worden ist. Die Begegnung mit der Zeit Gottes l\u00e4sst<br \/>\ndie Menschen jedoch au\u00dfer sich sein. Nach unseren Ma\u00dfst\u00e4ben<br \/>\nwar damals Samuel ein Kind, als er zum Propheten erw\u00e4hlt wurde und<br \/>\ndem Eli die Wahrheit \u00fcber die Taten seiner S\u00f6hne ins Gesicht<br \/>\nsagte. Und Salomo war wohl 12 Jahre alt, als er K\u00f6nig wurde. Genauso<br \/>\nist Jesus. Prophet und K\u00f6nig. Und der Tempel, der Ort des Lernens<br \/>\nund Disputierens, vermittelt zugleich die N\u00e4he seines priesterlichen<br \/>\nAmtes. Denn es geht um die Zeit Gottes, die in die Zeit des Menschen hineinbricht.<\/p>\n<p>Wir sagen so gern: &#8222;Nein, wie die Zeit vergeht&#8220;, weil man am<br \/>\nliebsten die Zeit festhalten willen. &#8222;Was bist du aber gro\u00df<br \/>\ngeworden&#8220;, weil man im Bewundern von Wachstum und Entwicklung eigentlich<br \/>\netwas anderes h\u00e4tte: bleib doch so wie fr\u00fcher, ein Kind. Doch<br \/>\nJesus bleibt nicht, sondern geht. Oder besser umgekehrt: seine Eltern<br \/>\ngehen und er muss bleiben, in Jerusalem. Deshalb suchen seine Eltern ihn<br \/>\nmit Schmerzen solange, wie die Zeit seines Sterbens in das neue Leben<br \/>\nf\u00fchrt. Drei Tage .Zu verstehen ist das nicht. Deshalb muss seine<br \/>\nMutter nach dem Warum fragen, vielleicht so \u00e4hnlich, wie die Mutter<br \/>\nfragte, wenn ich beim Fu\u00dfball oder beim Rodeln auf den Tr\u00fcmmergrundst\u00fccken,<br \/>\nwo man sich \u00fcberdies so gut verstecken konnte, &#8211; wenn sie dann kam<br \/>\nund sagte: &#8222;Kind, wie kannst du nur&#8220;, mir dann auch eine langte:<br \/>\nach in der Kinderkirche des sonntags drauf konnte ich den zw\u00f6lfj\u00e4hrigen<br \/>\nso gut verstehen, denn er war so nah, doch heute&#8230; &#8222;Seine Mutter<br \/>\naber sprach: Mein Sohn&#8220;. Sie spricht damit an (ohne es auszusprechen-),<br \/>\ndass der Sohn einen anderen zum Vater hat. Sie spricht sein K\u00f6nnen<br \/>\nan und unserer Fragen, das sich immer wieder daran aufwirft. Sie benennt<br \/>\nschlie\u00dflich die Schmerzen; als Antwort erh\u00e4lt sie nur Fragen:<br \/>\n&#8222;Was ist&#8217;s, dass ihr mich gesucht habt? Wisset ihr nicht, dass ich<br \/>\nsein muss in dem, das meines Vaters ist&#8220;? Die Richtung ist zu ahnen,<br \/>\ndoch offen bleibt der Ort; wir werden immer weiter fragen m\u00fcssen..<\/p>\n<p>In unserer Zeit haben es Einrichtungen wie Vereine und Verb\u00e4nde,<br \/>\nKirchen und Gewerkschaften schwer. Konnte fr\u00fcher Max Weber sagen,<br \/>\ndass die Werte, die wir zum gemeinsamen Leben brauchen, an die Bedeutung<br \/>\nder Institutionen gebunden sind, so gilt heute die Verwirklichung eigener<br \/>\nLebensvorstellungen als erstrebenswertes Ziel. Dieses schlie\u00dft Eigenverantwortung<br \/>\nnicht aus, schw\u00e4cht aber die Mitverantwortung an den Lebenszusammenh\u00e4ngen<br \/>\nab. Es schmerzt deshalb, wenn im Zusammenhang mit n\u00f6tigen Reformen<br \/>\nEinschnitte im sozialen Netz gefordert werden und Solidarit\u00e4t zum<br \/>\naltmodischen Fremdwort zu werden droht. Dennoch werden wir danach suchen<br \/>\nm\u00fcssen, nach dem Christus, der als Richtender sagt: &#8220; Was ihr<br \/>\ngetan habt einem unter diesen meinen geringsten Br\u00fcdern, das habt<br \/>\nihr mir getan&#8220;. Die Suche nach dem Christus ist immer die Suche nach<br \/>\ndem Menschen, der uns braucht.<\/p>\n<p>Es schmerzt zu sehen, dass in unserer Zeit aus der Geschichte nichts<br \/>\ngelernt worden ist. Wie selbstverst\u00e4ndlich die Kriegsvorbereitungen<br \/>\ngegen den Irak weiter laufen und zur gleichen Zeit Nordkorea seine Atomreaktoren<br \/>\nwieder in Betrieb nimmt. Sagte nicht Christus, der Prophet: &#8222;Wer<br \/>\ndas Schwert nimmt, soll durch das Schwert umkommen&#8220;. So hart ist<br \/>\nes uns gesagt, damit wir endlich Christus suchen: damit der Weg des Friedens<br \/>\nnicht verloren geht. Sicherlich muss Recht durchgesetzt werden k\u00f6nnen.<br \/>\nDer Weg der Gerechtigkeit darf aber nicht vom Weg des Friedens getrennt<br \/>\nwerden, weil dann Christus selbst zerteilt wird.<\/p>\n<p>Die Eltern suchen Jesus, damit die Einheit des gemeinsamen Lebens nicht<br \/>\nverloren ist. Sie finden ihn zuletzt im Tempel. Das Heilige ist der Ort<br \/>\nf\u00fcr eine Antwort, die das Leben in der profanen Welt nicht zu geben<br \/>\nvermag. Das mag das s\u00e4kulare Bewusstsein, das sich wie ein Kind \u00fcber<br \/>\nseine Autonomie zu freuen vermag, schmerzen und kr\u00e4nken. Doch priesterlich,<br \/>\nm\u00fctterlich sagt dieser Christus: &#8222;Kommt her zu mir alle, die<br \/>\nihr m\u00fchselig und beladen seid; ich will euch erquicken.&#8220; Denn<br \/>\ner gibt, was kein anderer geben kann, sich selbst. Auf ihn zu sehen hei\u00dft:<br \/>\nnicht zur\u00fcckzusehen, sondern teilzuhaben an einer neuen Zeit.<\/p>\n<p>Lied: Such, wer da will (EG 346)<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Wolfgang Petrak<br \/>\nSt.Petri G\u00f6ttingen-Weende<br \/>\nSchlagenweg 8a<br \/>\n37077 G\u00f6ttingen<br \/>\nTel: 0551\/31838<br \/>\n<a href=\"mailto:W.Petrak@gmx.de\">e-mail: W.Petrak@gmx.de<\/a><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2. Sonntag nach Weihnachten | 5. Januar 2003 | Lukas 2,41\u201352 | Wolfgang Petrak | Liebe Gemeinde, in der Wohnung ist noch der weihnachtliche Schmuck. Das Licht des Baumes erinnert warm an diese Tage: sch\u00f6n waren sie, wenn gleich nicht spannungsfrei, in welcher Familie gibt es das schon. 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