{"id":9331,"date":"2003-01-07T19:49:46","date_gmt":"2003-01-07T18:49:46","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9331"},"modified":"2025-04-25T15:38:03","modified_gmt":"2025-04-25T13:38:03","slug":"johannes-2-1-11-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-2-1-11-3\/","title":{"rendered":"Johannes 2, 1-11"},"content":{"rendered":"<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Jesus &#8211; unsere wahre Freude | 2. Sonntag nach Epiphanias | 19. Januar 2003 | Johannes 2, 1-11 | Berthold K\u00f6ber |<\/span><\/b><\/h3>\n<p>Liebe Schwestern und Br\u00fcder!<\/p>\n<p>Am 5. und 6. Januar feierten die alten Griechen das Fest des Gottes Dionysos. Die Mythologie erz\u00e4hlte, dass Dionysos die \u00fcber Nacht leerstehenden Kr\u00fcge mit Wein f\u00fcllte. Um dieses Weinwunders willen wurde er als der Gott der Lebensfreude und der -F\u00fclle verehrt und ihm zu Ehren wurde sein Fest gefeiert. Darin dr\u00fcckte sich die Sehnsucht der damaligen Menschen nach Freude aus.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen solche Sehnsucht nach Freude verstehen. Denn unsere heutige Zeit ist nicht besonders reich an Erf\u00fcllung und an Freude, und die Aussichten auf Freude sind angesichts der Prognosen f\u00fcr dieses noch junge Jahr und der immer neuen Ank\u00fcndigungen von Kostensteigerungen und Sparzw\u00e4ngen, von noch gr\u00f6\u00dferen Arbeitslosenzahlen und drohendem Krieg nicht gerade g\u00fcnstig. Deshalb w\u00fcrden wir gerne Freude erleben, die uns das alles vergessen und uns unseres Lebens wieder froh werden l\u00e4\u00dft. Um Freude zu erleben, feiern wir gerade in diesen dunklen und tr\u00fcben Wintermonaten Karneval. Je schwieriger die Zeiten, umso ausgelassener das Feiern. So sind wir auch heute auf der Suche nach Freude, wie die alten Griechen damals.<\/p>\n<p>Dionysos konnte solche Freude schenken mit dem k\u00f6stlichen Wein, der die Menschen in Rausch und Ekstase versetzte und sie in den Orgien und Ausschweifungen des Dionysos-Festes ihre Sorgen, \u00c4ngste und N\u00f6te vergessen und sie sich ganz dem Augenblick hingeben lie\u00df. Aber einmal ging der Wein dann doch zu Ende, war das Fest aus und die Freude vor\u00fcber. Daf\u00fcr war die Ern\u00fcchterung, die darauf folgte, umso gr\u00f6\u00dfer und das Leben umso trostloser und leerer. &#8211; Wo ist wirkliche Freude zu finden?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">I.<\/p>\n<p>Eine Hochzeit ist immer ein freudiges Ereignis. Zwei Menschen, die sich lieben, vereinen sich zu einem gemeinsamen Leben. Sie freuen sich auf eine sch\u00f6ne gemeinsame Zukunft und erhoffen sich Gl\u00fcck und Erf\u00fcllung. Ihre Verwandten und Freunde nehmen an dieser Freude Anteil und feiern das Ereignis mit gutem Essen und Trinken, mit Tanz und Gesang, Geselligkeit und Fr\u00f6hlichkeit.<\/p>\n<p>Von einer solchen Hochzeit ist auch in unserem Schriftwort die Rede. Jesus nimmt zusammen mit seinen J\u00fcngern auch daran teil. Ja, damit beginnt er geradezu seine Wirksamkeit, wie uns der Evangelist Johannes berichtet. Das ist bestimmt kein Zufall, das ist vielmehr Programm. Jesus ist nicht nur bei den Leidenden und Traurigen, bei den M\u00fchseligen und Beladenen und teilt deren Sorgen, \u00c4ngste und N\u00f6te. Er ist auch bei den Feiernden und Fr\u00f6hlichen. Origines hat nicht recht, wenn er lehrt, dass f\u00fcr das irdische Leben des Christen das Lachen ausgeschlossen sei. Denn Jesus ist kein finsterer und strenger Asket, wie nicht wenige Fromme ihn auch heute noch verstehen, er ist kein Miesmacher und Spielverderber, sondern freut sich mit den Menschen und feiert mit ihnen mit.<\/p>\n<p>Das gilt auch f\u00fcr uns hier und heute. Jesus m\u00f6chte, dass wir uns unseres Lebens freuen. Er bejaht das Leben und er g\u00f6nnt uns die Freude. Darum d\u00fcrfen wir als Christen mit gutem Gewissen feiern und fr\u00f6hlich sein und uns miteinander freuen und d\u00fcrfen dessen gewi\u00df sein: Jesus nimmt teil an unserer Freude.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">II.<\/p>\n<p>Eine Hochzeitsfeier ohne Wein k\u00f6nnen wir uns gar nicht vorstellen. Darf man aber als Christ \u00fcberhaupt trinken? Nicht wenige Menschen verneinen das und scheuen sich sogar vor dem Schluck Wein aus dem Abendmahlskelch. Die Bibel dagegen spricht sehr unbefangen vom Wein. Sie preist ihn als gute Gabe Gottes, die des Menschen Herz erfreut, wie es v\u00f6llig unbefangen das Psalmwort (Ps 104,15) bekennt. Der Wein hebt die Stimmung und das Wohlbefinden des Menschen und ist sogar seiner Gesundheit zutr\u00e4glich, wie das schon Paulus sagt. Wein wurde schon von den Israeliten als ein Zeichen von F\u00fclle und Segen verstanden. Jesus hat mit seinen J\u00fcngern auch Wein getrunken und mit ihnen gefeiert, so dass ihn seine Gegner sogar als Fresser und Trinker schm\u00e4hten.<\/p>\n<p>Doch nun geht w\u00e4hrend der Hochzeitsfeier pl\u00f6tzlich der Wein aus. Die Gastgeber haben sich wohl verrechnet. Dadurch ist der Fortgang der Feier gef\u00e4hrdet. Das ist zugleich ein Bild daf\u00fcr, wie schnell sich alles verzehrt, was Leben, Gl\u00fcck und Freude verspricht und wie rasch einen der Alltag einholt. Und was bleibt?<\/p>\n<p>F\u00fcr die Gastgeber ist das eine gro\u00dfe Blamage. Verzweifelt wird nachgedacht, was da zu machen sei. Man denkt an Jesus; vielleicht k\u00f6nnte er helfen. Aber: wer bringt den Mut auf, ihn zu bitten? Wohl jemand, der ihm besonders nahesteht. Und das ist seine Mutter. So kommt sie zu ihm und bittet ihn um seine Hilfe.<\/p>\n<p>Jesu schroffe Antwort ist nicht leicht zu verstehen. Die Mutter denkt an sofortige Hilfe. Jesus aber geht es um mehr. Er ist nicht gekommen, um den Menschen in kleinen Verlegenheiten zu helfen, wie es in einer Predigt hie\u00df, der das Weinwunder Jesu anscheinend selbst gro\u00dfe Verlegenheit bereitet. Er hilft nicht, damit es danach so weitergeht, wie vorher, als sei nichts geschehen. Jesus m\u00f6chte nicht nur kleine und schnell verg\u00e4ngliche Freuden schenken, die alsbald vergessen sind. Ihm geht es um mehr. Das zeigt der Fortgang der Geschichte.<\/p>\n<p>Da stehen sechs steinerne Wasserkr\u00fcge. Ihr Wasser diente nach damaligem j\u00fcdischen Brauch der rituellen Waschung vor dem Mahl. Jesus l\u00e4\u00dft diese Kr\u00fcge mit Wasser f\u00fcllen. Als der Speisemeister davon kostet, ist es k\u00f6stlicher Wein, unvergleichlich besser als der erste, &#8211; und dazu noch in einer riesigen Menge. Das Fest kann umso fr\u00f6hlicher weitergehen.<\/p>\n<p>Was hier geschehen ist, ist zugleich ein Bild. Der geschenkte Wein ist Bild und Ausdruck f\u00fcr eine weitere wichtige Botschaft dieser Geschichte. Jesus nimmt nicht nur teil an unserer Freude. Jesus schenkt Freude.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">III.<\/p>\n<p>Die Hochzeitsg\u00e4ste haben von alledem kaum etwas bemerkt. Wohl aber die J\u00fcnger: Da ist mehr geschehen, als was \u00e4u\u00dferlich wahrzunehmen war. Was da geschehen ist, weist \u00fcber sich selbst hinaus. Es \u00fcbertrifft die menschlichen Vorstellungen. Es ist ein Zeichen, das auf etwas ganz Neues hinweist, auf eine neue Wirklichkeit: Gott selbst ist da. In Jesus schenkt sich Gott selbst den Menschen. In Jesus nimmt Gott selbst Teil an unserem Leben.<\/p>\n<p>Wo Gott bei den Menschen ist, da ist Freude. Von daher spricht die Bibel vom Kommen Gottes oft im Bild der Hochzeitsfeier. Wo Gott ist, da wird der Alltag zum Fest. Da wandelt sich das Leid zur Freude; Verzagtheit wird zur Zuversicht. Besonders deutlich wird das dort, wo Jesus die verschiedensten Menschen zu sich gerufen und Tischgemeinschaft mit ihnen gefeiert hat. Diese Tischgemeinschaft ist ein Zeichen der N\u00e4he, der geschehenen Zuwendung und Liebe Gottes. Im Blick und im Vertrauen darauf beten wir bei Tisch: &#8222;Komm Herr Jesus, sei unser Gast&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Auch wir sind zu dieser Tischgemeinschaft mit Jesus eingeladen &#8211; jedesmal, wenn wir das Heilige Abendmahl feiern. Hier erleben und erfahren wir die besondere Zuwendung und N\u00e4he Jesu. Hier schenkt er sich selbst im Brot und im Wein. Diese Gemeinschaft mit ihm bedeutet Vergebung und Rettung; sie er\u00f6ffnet Zukunft und neues Leben &#8211; mit ihm und miteinander &#8211; und f\u00fchrt zur Freude.<\/p>\n<p>Kehren wir noch einmal kurz zur Hochzeit zu Kana zur\u00fcck. Sechs steinerne Kr\u00fcgen voll k\u00f6stlichen Weins sind da. Kluge K\u00f6pfe haben errechnet, dass so ein Krug um die 100 Liter fa\u00dfte &#8211; das w\u00e4ren zusammen bei 600 Liter Wein. Das ist ein Vielfaches von dem, was auf einer gro\u00dfen Hochzeit getrunken wird. Wozu dann diese gro\u00dfe Menge? Vom Kirchenvater Hieronymus wird diese kleine Anekdote erz\u00e4hlt. Ein Sp\u00f6tter fragte ihn, ob denn die Hochzeitsleute diese ungeheure Menge Weins ausgetrunken h\u00e4tten. Darauf antwortete Hieronymus: &#8222;Nein, wir trinken alle noch davon.&#8220; Darin kommt sehr pr\u00e4gnant zum Ausdruck, dass dieses Geschehen \u00fcber sich hinausweist.<\/p>\n<p>Wo Jesus ist, da ist die F\u00fclle. Sie ist es, die alles \u00fcberbietet und die auf die k\u00fcnftige Erf\u00fcllung weist. Dadurch wird die irdische Tischgemeinschaft mit Jesus zum Zeichen und zur Vorwegnahme der eschatologischen Tischgemeinschaft, dem Bild f\u00fcr das Leben in der Vollendung. Warum wird wohl auch dieses kommende Leben in unmittelbarer Gemeinschaft mit dem Herrn gerade im Bild der himmlischen Hochzeit dargestellt? Bestimmt deshalb, weil der Inhalt dieses verhei\u00dfenen Lebens unverg\u00e4ngliche Freude und Erf\u00fcllung als F\u00fclle ist.<\/p>\n<p>So ist bei Jesus die wahre Freude zu finden. Er selbst ist die Freude. Darin wird seine Herrlichkeit offenbar.<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Prof. Dr. Berthold K\u00f6ber<br \/>\nPfarrer am Altenberger Dom (bei K\u00f6ln)<br \/>\nUferweg 1<br \/>\n51519 Odenthal<br \/>\nTel.\/Fax: 02174-894973<br \/>\n<a href=\"mailto:bwkoeber@hotmail.com\">E-Mail: bwkoeber@hotmail.com<\/a><br \/>\n<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jesus &#8211; unsere wahre Freude | 2. Sonntag nach Epiphanias | 19. Januar 2003 | Johannes 2, 1-11 | Berthold K\u00f6ber | Liebe Schwestern und Br\u00fcder! Am 5. und 6. Januar feierten die alten Griechen das Fest des Gottes Dionysos. Die Mythologie erz\u00e4hlte, dass Dionysos die \u00fcber Nacht leerstehenden Kr\u00fcge mit Wein f\u00fcllte. 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