{"id":9332,"date":"2003-01-07T19:49:48","date_gmt":"2003-01-07T18:49:48","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9332"},"modified":"2025-04-25T15:42:29","modified_gmt":"2025-04-25T13:42:29","slug":"matthaeus-85-13-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-85-13-3\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 8,5-13"},"content":{"rendered":"<h3 align=\"left\"><b><span style=\"color: #000099;\">3<\/span><span style=\"color: #000099;\">. Sonntag nach Epiphanias | 26. Januar 2003 | Matth\u00e4us 8,5-13 | Ulrich Wiesjahn |<\/span><\/b><\/h3>\n<p align=\"left\">Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p align=\"left\">Ich erinnere mich noch sehr deutlich, wie eine alte Freundin vor vielen Jahren von einer Israelreise zur\u00fcckkam und besonders ergriffen von der Ausgrabungsst\u00e4tte Kapernaum erz\u00e4hlte. Die Reste einer sp\u00e4tantiken Synagoge sind heute noch sehr beeindruckend, und die unteren Steinlagen stammen gewi\u00df aus der Zeit Jesu. &#8222;\u00dcber diese Steine ist er gegangen&#8220;, sagte sie tief bewegt.<\/p>\n<p>Kapernaum war vielleicht die wichtigste Stadt im Leben Jesu. Er nannte sie &#8222;meine Stadt&#8220;. Dort befand sich auch das Haus des Petrus. Dort hat er gewohnt, gepredigt und geheilt. \u00dcber Kapernaum hat er sich gefreut und ge\u00e4rgert. &#8222;Bis in den Himmel bist du erhoben&#8220;, sagte er, &#8222;bis in die H\u00f6lle wirst du fallen&#8220;.<\/p>\n<p>Das starke innere Gef\u00fchl, an einem historischen Ort zu stehen, geh\u00f6rt zu unserem Glauben. Denn es sagt uns: Das Berichtete ist kein M\u00e4rchen, sondern wirklich geschehen. Hier also hat er wirklich gelebt, geredet und geheilt. Und dann lesen wir in der Bibel die Geschichten nach, stellen sie uns vor und lassen uns von ihnen anr\u00fchren, vielleicht sogar aufw\u00fchlen. Denn Jesusgeschichten sind niemals glatt und problemlos, sondern es sind immer Nachdenkgeschichten, Nachahmungsgeschichten und Entscheidungsgeschichten. Und jetzt h\u00f6ren wir solch eine Geschichte und sie spielt in Kapernaum:<br \/>\n(Verlesung von Matth\u00e4us 8,5-13.)<\/p>\n<p>Das ist eine der ber\u00fchmten Begegnungsgeschichten: Jesus steht einem Mann Aug in Auge gegen\u00fcber, und es kommt zu einem ergreifenden Gespr\u00e4ch. Was verbindet die beiden, den r\u00f6mischen Hauptmann und den j\u00fcdischen Rabbi? Es ist das Mitleid. Und damit sind wir schon ganz nah am Herzen Jesu. Er ist der Meister des Mitleids, des Heilens, des Tr\u00f6stens und des Rettens. Genau dort wird er erkannt und angetroffen. Und weil auch der Hauptmann ein Mitleidiger ist, l\u00e4uft er zu Jesus.<\/p>\n<p>Mitleid, so ahnen wir &#8211; und zwar durch Jesus -, Mitleid kann zur tiefsten Verbundenheit werden. Sofort versteht man sich. Alles ist klar. Da braucht jemand Hilfe. Alles mu\u00df jetzt und sofort getan werden. Das mitleidige Herz ist erst das menschliche Herz.<\/p>\n<p>Und nun folgt die Geschichte nicht einer Machtdemonstration, sondern eines Angebots: &#8222;Ich will kommen und ihn gesund machen&#8220;, Was aber soll da noch dieses Zaudern und Z\u00f6gern des Bittenden? Es soll dem Leser und H\u00f6rer klarmachen, da\u00df wir es mit einem Erlebnis des Glaubens, des Vertrauens und des blinden \u00dcberlassens in die H\u00e4nde des Gesegneten geht. Heilung verlangt Glauben und Vertrauen und Demut ohne Hader. &#8222;Herr, ich bin nicht wert, da\u00df du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund.&#8220; In ergreifender Weise sagen die katholischen Gl\u00e4ubigen diesen Satz, ehe sie zum Empfang der Eucharistie gehen.<\/p>\n<p>Ja, auch wir k\u00f6nnen nur wie aus einer gro\u00dfen Entfernung heraus beten und zu Gott kommen. Da ist alles Vertrauen, alles ist Glauben und innige Hingabe.<\/p>\n<p>Doch nun h\u00f6ren wir noch eine sehr strenge und erschreckende Rede Jesu. Und ich glaube, sie ist durchaus auf uns gem\u00fcnzt, damit wir den Entscheidungscharakter das Lebens entdecken. Es gibt keine anderen Sicherheiten als deine Wahl, deinen Glauben, dein Bekenntnis. Abraham, Isaak und Jakob garantieren noch l\u00e4ngst nicht die Seligkeit und die Rettung ihrer Nachkommen. Eine gute Vergangenheit und Herkunft ist keine Garantie f\u00fcr eine gute Zukunft. Die Entscheidung zu glauben und zu Jesus hinzulaufen, um mit ihm zu gehen, mu\u00df jeder selbst treffen.<\/p>\n<p>Das ist der Individualismus Jesu und der Individualismus unserer Religion: &#8222;Du kannst w\u00e4hlen. Es gibt Licht und es gibt Finsternis. Du kannst dich verlaufen. Pa\u00df auf dich auf! Entscheide dich!&#8220; &#8222;Aber wozu und f\u00fcr wen soll ich mich entscheiden?&#8220; &#8222;F\u00fcr den Barmherzigen, f\u00fcr den Mitleidigen, f\u00fcr den Arzt. Und entscheide dich f\u00fcr die echte F\u00fcrbitte. Die echte F\u00fcrbitte ist ein Gebet, in dem Gott gepriesen wird, und kein Handel in Selbstgerechtigkeit.&#8220;<\/p>\n<p>Und so l\u00e4uft auch bei dieser Krankheits- und Heilungsgeschichte alles auf den Dreiklang hinaus: Glaube, Hoffnung, Liebe. Das sind die einzigen Kr\u00e4fte, die dem Leben Leben geben, Das gilt sehr wohl k\u00f6rperlich-medizinisch wie auch seelisch-mental. Aber K\u00f6rper und Seele sind ja eins in Glaube, Hoffnung und Liebe.<\/p>\n<p>Und da hat sich bis heute nichts ge\u00e4ndert. Deshalb kommen wir in dieser Geschichte auch vor: mal als Herr, mal als Knecht, mal als Mitleidige, mal als solche, die das Glauben ausprobieren.<\/p>\n<p>An den Schlu\u00df m\u00f6chte ich ein Gebet des franz\u00f6sischen Philosophen Blaise Pascal stellen, das andeutet, worum es in der Begegnung mit Gott und Jesus und dem Heiligen Geist geht:<\/p>\n<p>&#8222;Vater im Himmel,<br \/>\nich bitte weder um Gesundheit, noch um Krankheit,<br \/>\nweder um Leben noch um Tod,<br \/>\nsondern darum, da\u00df du \u00fcber meine Gesundheit und meine<br \/>\nKrankheit, \u00fcber mein Leben und meinen Tod verf\u00fcgst<br \/>\nzu deiner Ehre und zu meinem Heil.<br \/>\nDu allein wei\u00dft, was mir dienlich ist.<br \/>\nDu allein bist der Herr, tue, was du willst.<br \/>\nGib mir oder nimm mir,<br \/>\naber mache meinen Willen dem deinen gleich.&#8220;<br \/>\nAmen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Ulrich Wiesjahn, Goslar<br \/>\nTel.: 05321-22647<br \/>\nFax: 05321-42594<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3. 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