{"id":9336,"date":"2003-01-07T19:49:55","date_gmt":"2003-01-07T18:49:55","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9336"},"modified":"2025-04-25T15:49:36","modified_gmt":"2025-04-25T13:49:36","slug":"psalm-25-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/psalm-25-6\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 8,5\u201313"},"content":{"rendered":"<h3 align=\"left\">3. Sonntag nach Epiphanias | 26. Januar 2003 | Matth\u00e4us 8,5\u201313 | Asta Gyldenk\u00e6rne |<\/h3>\n<p align=\"left\">Der Hauptmann von Kapernaum hatte gro\u00dfes Vertrauen<br \/>\nzur Macht des Wortes. Er kannte es von sich selbst, er wu\u00dfte es<br \/>\naus seinem eigenen Alltag als Offizier. Wenn er zu einem seiner Soldaten<br \/>\nsagte: &#8222;Geh!&#8220;, dann ging er, sagte er: &#8222;Komm!&#8220;, so<br \/>\nkam er. Aber der Hauptmann kannte auch die Grenzen seiner eigenen Macht.<br \/>\nEs gab Dinge, die er nicht konnte, und das wurde besonders deutlich jetzt,<br \/>\nwo sein Knecht daheim lag und krank und gel\u00e4hmt war. Er konnte den<br \/>\nKnecht nicht selber heilen. Er verf\u00fcgte nicht \u00fcber sein Leben.<br \/>\nDas tat ein anderer. Hier mu\u00dfte Gott helfen. Er, der die Macht \u00fcber<br \/>\nLeben und Tod hatte. Der Hauptmann kannte also seine eigene Macht, aber<br \/>\nauch deren Grenzen, und das machte ihn zu einem selbstbewu\u00dften,<br \/>\nzugleich aber auch dem\u00fctigen Menschen. Nicht nur dem\u00fctig in<br \/>\ndem Sinne, da\u00df er nicht wollte, da\u00df Jesus ihn in seinem Haus<br \/>\naufsuchte, denn, wie er sagte: &#8222;Herr ich bin nicht wert, da\u00df<br \/>\ndu unter mein dach gehst&#8220;, sondern er war auch dem\u00fctig gegen\u00fcber<br \/>\nseinem eigenen K\u00f6nnen und Verm\u00f6gen. Es gab eine Grenze f\u00fcr<br \/>\nseine Macht und seine Einsicht.<\/p>\n<p>Das bedeutete nicht, da\u00df der Offizier sich nicht durchaus seiner<br \/>\nMacht bewu\u00dft war, denn er wu\u00dfte sehr wohl, da\u00df er viel<br \/>\nmit seinen Worten ausrichten konnte: Wenn er den Mund aufmachte und Befehle<br \/>\nerteilte, wurden sie befolgt. Dennoch gab es eine Grenze. Das wu\u00dfte<br \/>\ner, und das machte ihn dem\u00fctig. Und damit kam in seiner Demut sein<br \/>\nGlaube zum Vorschein. Seine Demut zeigte seine Verbundenheit mit einer<br \/>\ng\u00f6ttlichen Macht. Sie machte ihn zu einem gl\u00e4ubigen Menschen.<\/p>\n<p>Demut ist eine der christlichen Tugenden, von denen wir nicht viel sprechen.<br \/>\nIhr haftet etwas Langweiliges an. Es ist eine Tugend, die nicht sehr modern<br \/>\nist. Denn wir leben in einer Zeit, wo Demut einen ungl\u00fccklichen Klang<br \/>\nhat und nach Selbstverleugnung klingt. Und sich selbst verleugnen, das<br \/>\nist fast das Schlimmste, was man tun kann. Denn was oder wer ist man dann<br \/>\nin einer Zeit, in der wir so viele Kr\u00e4fte darauf verwenden, sichtbar<br \/>\nzu sein? Wo wir so viele Kr\u00e4fte darauf verwenden, uns selbst zu exponieren,<br \/>\nuns selbst in dem Mittelpunkt zu stellen. Nein, Demut, das ist nicht etwas,<br \/>\nnach dem wir streben. Vielleicht weil wir das mit Unterdr\u00fcckung verbinden;<br \/>\nvielleicht weil wir allzu gut wissen, da\u00df Demut oft die harte Lehre<br \/>\naus einem harten Schicksal ist, oder weil wir sehr wohl wissen, da\u00df<br \/>\nwir alle durch all das, was das Leben uns antut, dem\u00fctig werden k\u00f6nnen.<br \/>\nDemut im positiven Sinne, dazu k\u00f6nnen wir uns vielleicht aufschwingen,<br \/>\nwenn wir vor gro\u00dfen gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfig entscheidenden<br \/>\nEreignissen in unserem Leben stehen wie z.B. der Geburt eines Kindes.<br \/>\nAnsonsten aber lebt die Demut ziemlich unbeachtet wie ein Relikt aus fernen<br \/>\nZeiten. Denn wozu ist sie eigentlich da?<\/p>\n<p>Die christliche Demut ist aber eng mit Glauben verbunden. Sie lebt vom<br \/>\nGlauben. Sie lebt davon, da\u00df wir uns dazu verhalten, da\u00df Gott<br \/>\nuns geschaffen hat und da\u00df Gott \u00fcber unser Leben verf\u00fcgt.<\/p>\n<p>Das Christentum ist in den letzten Jahrhunderten im protestantischen<br \/>\nTeil Europas so sehr verinnerlicht und privatisiert worden, da\u00df<br \/>\nes f\u00fcr uns nahezu unsichtbar geworden ist. Es ist als h\u00e4tten<br \/>\nwir etwas zu w\u00f6rtlich das Christentum angenommen, so da\u00df der<br \/>\nGlaube nun zu etwas geworden ist, das wir f\u00fcr uns behalten. Wir zeigen<br \/>\nihn nicht, ja am liebsten verstecken wir ihn ganz. Verstecken ihn in unseren<br \/>\nHerzen und sorgen dann daf\u00fcr, die T\u00fcr hinter ihm nachdr\u00fccklich<br \/>\nzuzumachen, so da\u00df er sich nicht allzu sehr bemerkbar macht und<br \/>\nuns Schwierigkeiten bereitet. Aber ein solcher Glaube schwindet, er verwelkt,<br \/>\ner bekommt Atemnot, er ist nicht am Leben zu erhalten. Er wird geschw\u00e4cht,<br \/>\nweil wir etwas von dem Wichtigsten von dem vergessen haben, was Glaube<br \/>\nist. Darum ist es vielleicht an der Zeit, die T\u00fcr aufzusto\u00dfen,<br \/>\nso da\u00df der Glaube wieder ins Freie kommen kann.<\/p>\n<p>Denn Glaube ist nicht etwas, was man f\u00fcr sich selbst oder in sich<br \/>\nselbst hat. Glaube ist nicht eine pers\u00f6nliche Eigenschaft, die mit<br \/>\nunserer Person verkn\u00fcpft ist. Glaube ist auch nicht eine der heutzutage<br \/>\nso gefragten psychischen Ressourcen. Glaube ist eine Offenheit, eine Aufmerksamkeit,<br \/>\nGlaube hei\u00dft, sich verbunden wissen, und ja, wir kommen nicht darum<br \/>\nherum, Glaube hei\u00dft dem\u00fctig sein, die Grenzen seiner Macht<br \/>\nkennen. Glaube ist &#8211; anders gesagt &#8211; die Herzenst\u00fcr offenhalten.<br \/>\nF\u00fcr Gott und f\u00fcr den Mitmenschen. Denn Glaube hat auch mit Gemeinschaft<br \/>\nzu tun.<\/p>\n<p>Das wu\u00dfte der Hauptmann, und deshalb war es auch gar nicht notwendig,<br \/>\nda\u00df Jesus in sein Haus kam. Jesus brauchte nicht in dieser Weise<br \/>\nzu zeigen, wie er das Heil in das Haus des Offiziers brachte. Er brauchte<br \/>\nnicht zu zeigen, da\u00df er imstande war, die Grenze zwischen dem G\u00f6ttlichen<br \/>\nund dem Menschlichen zu \u00fcberschreiten. Das war bereits gegeben. Denn<br \/>\nder Hauptmann wu\u00dfte, was Glaube ist. &#8222;Sprich nur ein Wort&#8220;,<br \/>\nsagte er zu Jesus. Die Aufmerksamkeit, die Offenheit und die Verletzbarkeit<br \/>\nwaren da. Die T\u00fcr stand offen. Weit offen.<\/p>\n<p>Aber wir anderen, wir sind so verge\u00dflich geworden. Zwar haben<br \/>\nwir das Wort Gottes Generation f\u00fcr Generation geh\u00f6rt. Die Worte<br \/>\nund die Erz\u00e4hlungen haben ihre Wirkung getan und unsere Kultur gepr\u00e4gt,<br \/>\naber das ist noch lange nicht dasselbe wie die herzenst\u00fcr offenzuhalten,<br \/>\nwerden viele sagen. Und das ist wohl wahr. Denn wir haben es nicht vermocht,<br \/>\ndaran festzuhalten, da\u00df Glaube etwas ist, das wir gemeinsam haben.<br \/>\nWir haben nicht vermocht festzuhalten, da\u00df Glaube eine gemeinsame<br \/>\nAufmerksamkeit und Demut ist. Aber auch in einer verge\u00dflichen und<br \/>\nvon sich selbst eingenommenen Zeit spricht Gott mit seinem Wort. Es ergeht<br \/>\nimmer wieder. das Wort, das die verschlossenen T\u00fcren \u00f6ffnet.<br \/>\ndas Wort, das uns den Glauben gibt, da\u00df Gott uns in unserem leben<br \/>\ntr\u00e4gt. Den Glauben daran, da\u00df Gott uns eine Zukunft er\u00f6ffnet.<br \/>\nDa\u00df Gott uns aus der Finsternis ruft. Deshalb ist unser gebet dasselbe<br \/>\nwie das des Hauptmanns: &#8222;Sprich nur ein Wort&#8220;, denn dann ist<br \/>\nunser Leben wieder m\u00f6glich. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Asta Gyldenk\u00e6rne<br \/>\nSkoven<br \/>\nDK-J\u00e6rgerspris<br \/>\nTel: ++ 45 &#8211; 47 53 00 33<br \/>\n<a href=\"mailto:agy@km.dk\">E-mail: agy@km.dk<\/a><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3. Sonntag nach Epiphanias | 26. Januar 2003 | Matth\u00e4us 8,5\u201313 | Asta Gyldenk\u00e6rne | Der Hauptmann von Kapernaum hatte gro\u00dfes Vertrauen zur Macht des Wortes. Er kannte es von sich selbst, er wu\u00dfte es aus seinem eigenen Alltag als Offizier. 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