{"id":9359,"date":"2003-02-07T19:49:52","date_gmt":"2003-02-07T18:49:52","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9359"},"modified":"2025-04-26T13:57:28","modified_gmt":"2025-04-26T11:57:28","slug":"markus-4-1-20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-4-1-20\/","title":{"rendered":"Markus 4, 1-20"},"content":{"rendered":"<h3 align=\"left\"><strong>Sexagesimae | 23. Februar 2003 | Markus 4, 1-20 | Hanne Sander |<\/strong><\/h3>\n<p align=\"left\">Nun schon wieder! Wir h\u00f6ren von der Verschwendung und von einem Verhalten, das uns v\u00f6llig fremd ist. Letzten Sonntag war der Predigttext das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg, wo die Tagel\u00f6hner denselben Lohn f\u00fcr ungleiche Arbeit erhielten, ohne da\u00df jemand dadurch betrogen worden w\u00e4re. Und nun heute sehen wir das Bild eines Bauern, der in altmodischer Weise, mit einem Sack \u00fcber der Schulter und mit gro\u00dfen Armbewegungen das Korn mit vollen H\u00e4nden ausstreut. Und er nimmt es dabei nicht so genau, wo es landet.<\/p>\n<p>Und so wenig wie wir letzten Sonntag etwas \u00fcber die Regeln des\u00a0Arbeitsmarktes lernen konnten, genauso wenig k\u00f6nnen wir heute etwas\u00a0\u00fcber die Landwirtschaft lernen. Denn auch hier wird nicht nach Erw\u00e4gungen\u00a0\u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Kosten und Nutzen gearbeitet. Sonst\u00a0h\u00e4tte sich der Bauer ja damit begn\u00fcgen k\u00f6nnen, auf den\u00a0guten Boden zu s\u00e4en.<\/p>\n<p>Aber auch mit dem guten Boden ist es merkw\u00fcrdig bestellt. Es geh\u00f6rt\u00a0n\u00e4mlich nicht in den Bereich des Wirklichen, da\u00df etwas hundertf\u00e4ltig\u00a0Ertrag bringen kann, also 1:100.<\/p>\n<p>In dieser Weise enth\u00e4lt die Geschichte nichts, was man unmittelbar\u00a0wiedererkennen k\u00f6nnte. Man kann deshalb fragen, wer etwas von dieser\u00a0Geschichte haben soll. Was k\u00f6nnen wir hier h\u00f6ren? Verstehen?\u00a0Ist sie Menschen erz\u00e4hlt, die nicht meinen, da\u00df ihre Arbeit\u00a0sonderlich viel Fr\u00fcchte tr\u00e4gt, damit sie gr\u00f6\u00dfere\u00a0Unbefangenheit lernen? Oder mu\u00df man die Geschichte als Ermahnung\u00a0h\u00f6ren? H\u00f6rt ordentlich hin, wenn gepredigt wird!<\/p>\n<p>Die Auslegung, die dem Gleichnis angef\u00fcgt ist, legt jedenfalls\u00a0nahe, da\u00df hier moralisiert werden soll. Da werden Bodenproben entnommen,\u00a0und das Bild wechselt, so da\u00df das Augenmerk nun auf die Qualit\u00e4t\u00a0des Bodens gerichtet ist und nicht mehr auf die Freigiebigkeit und die\u00a0Offenheit des Bauern und sein Korn.<\/p>\n<p>Die Kirche hat immer viel Zeit darauf verwandt, den Glauben der Leute\u00a0zu erkunden. Wenn die Verk\u00fcndigung nicht anschlug, dann konnte man\u00a0nicht meinen, da\u00df dies am Wort lag, und deshalb mu\u00dfte es ja\u00a0an den Empf\u00e4ngern liegen. Hier liegt der Fehler, das war die nat\u00fcrliche\u00a0Schlu\u00dffolgerung.<\/p>\n<p>Deshalb ist das Gleichnis stets eine Provokation gewesen, denn der Bauer\u00a0streut scheinbar sorglos sein Korn und hat so gro\u00dfes Zutrauen zu\u00a0Keimf\u00e4higkeit des Korns, da\u00df er nicht hinterher l\u00e4uft\u00a0und kontrolliert, ob nun auch etwas daraus wird.<\/p>\n<p>Aber nat\u00fcrlich ist es richtig: Keineswegs wird immer etwas daraus.\u00a0Wir h\u00f6ren nicht richtig auf das, was Gott mit uns will, so da\u00df<br \/>\nwir Frucht bringen. Wir sind mit vielen anderen Dingen besch\u00e4ftigt.\u00a0In der Auslegung wird dies oft benannt: Oberfl\u00e4chlichkeit, Sorgen,\u00a0direkte Widrigkeiten des Lebens und Trauer k\u00f6nnen bewirken, da\u00df\u00a0wir uns in uns selbst einschlie\u00dfen. Das erschwert es, da\u00df\u00a0das befreiende und bewegende Wort Gottes und anderer Menschen zu uns hindurchdringt.<\/p>\n<p>Es klingt zwar hart, wenn man von vergeudetem und unfruchtbarem Leben\u00a0spricht. Aber so ist es ja, wenn wir unser Leben in seinen verschiedenen\u00a0Phasen betrachten.<\/p>\n<p>Hier ist freilich wichtig, da\u00df wir sehen, da\u00df die Scheidelinie\u00a0mitten durch das Leben des einzelnen Menschen geht und nicht zwischen\u00a0Menschen.<\/p>\n<p>Dennoch: Wir m\u00fcssen glauben, da\u00df das Leben eines Menschen\u00a0niemals vergeudet ist &#8211; das besagen die Gleichnisse vom verlorenen Sohn,\u00a0dem verlorenen Schaf und der verlorenen M\u00fcnze. Deshalb ist das wichtigste\u00a0an dem Bild dieses Gleichnisses hier, da\u00df man sieht: Das Wort Gottes\u00a0setzt sich durch trotz Widerst\u00e4nden und trotz all dem, was in der\u00a0Welt mi\u00dflingt.<\/p>\n<p>Wenn die Auslegung dieses Gleichnisses oft so sorgenvoll erscheint, mag\u00a0das daran liegen, da\u00df wir dem Worte Gottes Grenzen setzen, wenn\u00a0wir mit unseren Meinungen und Ohren dar\u00fcber kommen, was wachsen kann\u00a0und was nicht wachsen kann.<\/p>\n<p>Der Prophet Jesaja (Jes. 55,6-11, die alttestamentliche Lesung f\u00fcr\u00a0diesen Sonntag nach der d\u00e4nischen Ordnung) spricht stark und prophetisch\u00a0von dem Wort des Herrn und seinem Willen, sich durchzusetzen &#8230; Das Wort\u00a0Gottes und sein Wille sind also viel mehr als wir fassen k\u00f6nnen,\u00a0zugleich aber ist das Wort Gottes uns auch nahe. Es ist eine Person, ein\u00a0Mensch, der in der Zeit lebt. &#8222;Gezeugt im Herzen Gottes in alle Ewigkeit\u00a0wird es in die Welt gesandt, um unter den Menschen zu leben und zu sterben&#8220;.<\/p>\n<p>Dieser Zusammenhang wurde mir deutlich, als ich neulich eines der ber\u00fchmten\u00a0Bilder von Van Gogh vom S\u00e4emann sah. Der S\u00e4emann befindet sich\u00a0an der linken Seite des Bildes, er geht auf einem Feld, das gepfl\u00fcgt\u00a0ist &#8211; und sein Kopf ragt genau in eine leuchtende, fast blendende Sonne.\u00a0An der rechten Seite des Bildes steht ein baum, der fast verdorrt ist.\u00a0Die obersten Zweige reichen \u00fcber das Bild hinaus. Aber einer, der\u00a0dieses Bild neulich betrachtete, meinte, hier sei ein Kreuz angedeutet.<\/p>\n<p>Ob dies nun der Fall ist oder nicht, so ist es dennoch nat\u00fcrlich\u00a0hier in der Vorfastenzeit, das Bild vom S\u00e4emann mit dem Bild vom<br \/>\nSaatkorn zu vergleichen, wo Jesus sagt: Wenn das Korn nicht auf die Erde\u00a0f\u00e4llt und stirbt, bleibt es nur das eine Korn, aber wenn es stirbt,\u00a0bringt es vielf\u00e4ltig Frucht.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist dies das Geheimnis, von dem dieser Text redet: das\u00a0Geheimnis des Saatkornes, wenn man so will, das Geheimnis des Wortes Gottes.\u00a0So wie Christus nicht f\u00fcr sich lebte und sein Leben f\u00fcr das\u00a0Leben dahingab, so wird das Wort Gottes auch in unserem Leben umgesetzt\u00a0&#8211; so da\u00df es gebraucht wird im Dienst des Lebens und der Hingabe\u00a0und zu Leben f\u00fcr andere wird. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pfarrer Hanne Sander<br \/>\nPrins Valdemarsvej 62<br \/>\nDK-2820 Gentofte<br \/>\nTel.: 39 65 52 72<br \/>\n<a href=\"mailto:sa@km.dk\"> e-mail: sa@km.dk<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sexagesimae | 23. Februar 2003 | Markus 4, 1-20 | Hanne Sander | Nun schon wieder! Wir h\u00f6ren von der Verschwendung und von einem Verhalten, das uns v\u00f6llig fremd ist. Letzten Sonntag war der Predigttext das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg, wo die Tagel\u00f6hner denselben Lohn f\u00fcr ungleiche Arbeit erhielten, ohne da\u00df jemand dadurch [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8529,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[37,1,255,727,157,120,853,114,1038,149,349,3,109,671],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-9359","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-markus","category-aktuelle","category-andachten-und-kurzpredigten","category-archiv","category-beitragende","category-bes_gelegenheiten","category-bibel","category-deut","category-hanne-sander","category-kapitel-4-chapter-4-markus","category-kasus","category-nt","category-predigten","category-sexagesimae"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9359","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9359"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9359\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23417,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9359\/revisions\/23417"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8529"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9359"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9359"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9359"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=9359"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=9359"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=9359"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=9359"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}