{"id":9360,"date":"2003-02-07T19:49:50","date_gmt":"2003-02-07T18:49:50","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9360"},"modified":"2025-04-26T13:55:50","modified_gmt":"2025-04-26T11:55:50","slug":"lukas-84-15","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-84-15\/","title":{"rendered":"Lukas 8,4-15"},"content":{"rendered":"<h3 align=\"left\"><b><span style=\"color: #000099;\">Sexagesima |<\/span><span style=\"color: #000099;\"> 23. Februar 2003 | Lukas 8,4-15 | J\u00fcrgen Berghaus |<\/span><\/b><\/h3>\n<p align=\"left\">Liebe Gemeinde !<\/p>\n<p>\u201eH\u00f6rt, ihr Leut\u00b4, und la\u00dft euch sagen: unsre Glock\u00b4 hat vier geschlagen!<br \/>\nVierfach ist das Ackerfeld \u2013 Mensch, wie ist dein Herz bestellt?\u201c<\/p>\n<p>Wer mag diese Worte wohl geh\u00f6rt haben damals, als der Nachtw\u00e4chter seine Runden zog und zu jeder Stunde mit Versen von erheblichem Tiefgang die Zeit ansagte? Vier Uhr nachts \u2013 da findet sich kaum noch jemand auf den Stra\u00dfen, und allenfalls der B\u00e4cker beginnt schon wieder mit seiner Arbeit. Im Ferienjob als Student hatte ich auch Nachtschicht zu leisten, und gegen vier Uhr war so ziemlich der absolute Nullpunkt erreicht: bereits etliche Stunden geschuftet, aber noch lange 120 Minuten bis zum Feierabend. Und wer nicht einschlafen kann, der ahnt jetzt bitter, da\u00df er bis zum Morgengrauen kaum mehr Erholung finden wird.<\/p>\n<p>\u201eVierfach ist das Ackerfeld \u2013 Mensch, wie ist dein Herz bestellt?\u201c H\u00f6ren wir als Predigttext nun Jesu Gleichnis vom S\u00e4mann mit anschlie\u00dfender Erkl\u00e4rung; es ist der biblische Hintergrund f\u00fcr die Worte des Nachtw\u00e4chters. (Lk 8, 4 \u2013 15 verlesen)<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, drei Entt\u00e4uschungen mu\u00df der S\u00e4mann im Gleichnis Jesu erfahren: Die K\u00f6rner auf dem Weg werden von V\u00f6geln weggepickt; der felsige Boden hat nicht genug Muttererde; und was unter die Dornen gefallen ist, wird vom Unkraut erstickt.<\/p>\n<p>Eigentlich keine sonderlich spektakul\u00e4ren Ereignisse, die hier eine Kette von Entt\u00e4uschungen bilden. So ist es eben in unserer Welt, da\u00df nicht alles so glatt l\u00e4uft wie erhofft, da\u00df nicht alle unsere W\u00fcnsche in Erf\u00fcllung gehen. Gewi\u00df k\u00f6nnte jede und jeder von uns eine ganz pers\u00f6nliche Reihe von Entt\u00e4uschungen aufz\u00e4hlen: Spannungen innerhalb der eigenen Familie; Verletzungen durch Menschen, auf die man sich meinte verlassen zu k\u00f6nnen; politische Entscheidungen, die ich f\u00fcr durch und durch falsch halte; Kriege, die an verschiedenen Ecken unserer Welt Zerst\u00f6rung und Tod verursachen.<\/p>\n<p>Schon viele Menschen sind unter der dr\u00fcckenden Last ihrer Entt\u00e4uschungen zusammengebrochen. Vielleicht kann es uns da ein wenig tr\u00f6sten, da\u00df nach Jesu Worten auch dem Reich Gottes Entt\u00e4uschungen nicht erspart bleiben. Ja, selbst Gott erlebt Entt\u00e4uschungen bei der Durchsetzung seines heilsamen Willens auf Erden. Gottes Wort hat es schwer, sich als machtvoll zu erweisen gegen all jene anderen M\u00e4chte und Gewalten, die in der Politik und in der Wirtschaft, die zwischen Volksgruppen und ganzen V\u00f6lkern wirksam sind.<\/p>\n<p>Schauen wir uns noch etwas genauer die Erkl\u00e4rung des S\u00e4mann-Gleichnisses an: <em>Die auf dem Weg <\/em>\u2013 wohl nicht so sehr Menschen, die wir als \u201eoberfl\u00e4chlich\u201c abtun, sondern es geht vielmehr um die tats\u00e4chliche Macht des B\u00f6sen. Sie steckt in uns allen und tr\u00e4gt zerst\u00f6rerische Z\u00fcge. So wird uns das geh\u00f6rte Gute wieder weggenommen, ehe es seine heilsame Wirkung entfalten kann. <em>Die auf dem Felsen<\/em> \u2013 Menschen, die eine geh\u00f6rte Botschaft mit Freuden aufnehmen; doch blo\u00df f\u00fcr den Augenblick, ohne auch nur einen Hauch nachhaltiger Wirkung; ein Strohfeuer, das bald wieder verl\u00f6scht. <em>Das unter die Dornen Gefallene <\/em>\u2013 Menschen, bei denen die Frucht des guten Anfangs nicht zur Reife gelangt, sondern erstickt wird; Sorgen und Freuden des Alltags machen sich bisweilen so breit im Leben, da\u00df es neben ihnen nichts Anderes mehr zu geben scheint. Eigentlich ein Wunder, da\u00df es bei all diesen Gef\u00e4hrdungen <em>das auf dem guten Land <\/em>gibt \u2013 Sch\u00f6nheit und G\u00fcte des menschlichen Daseins kommen erst dort wirklich zur Vollendung, wo Gottes Wort im Leben eines Menschen zum Ziel kommt; hier folgt auf das H\u00f6ren ein ganz pers\u00f6nliches Behalten.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, das Gleichnis vom S\u00e4mann ist eine Rede gegen Mutlosigkeit und Verzweiflung. Viele sehen ihr Leben als endlosen Fall von einer Niederlage zur n\u00e4chsten; es will nichts Rechtes werden, weder im Gro\u00dfen noch im Kleinen kommt etwas Gutes heraus. Doch es gibt eben auch das Andere: Menschen, die schon alles verloren glaubten, gewinnen neue Zuversicht; sie sp\u00fcren auf einmal wieder Vertrauen in sich, und \u00fcber den Fortgang der Dinge kann man nur staunen.<\/p>\n<p>Was h\u00e4lt uns am Leben? Was l\u00e4\u00dft uns die Hoffnung auf ein gutes Ende festhalten? Wir wissen von Niederlagen, Zerst\u00f6rung und Ungerechtigkeit \u2013 was bleibt da \u00fcberhaupt noch? In solche Fragen hinein ist Jesu Gleichniserz\u00e4hlung geredet; sie richtet sich an Menschen, die zutiefst entmutigt sind. Wo k\u00f6nnen sie verl\u00e4\u00dflichen Halt finden ?<\/p>\n<p>\u201eEs ging ein S\u00e4mann aus, zu s\u00e4en seinen Samen.\u201c Das ist das erste und wichtigste Bild unseres Gleichnisses. Da geht einer seines Weges mit sicheren Schritten, und er verteilt mit vollen H\u00e4nden aus der F\u00fclle seiner Samenk\u00f6rner. Sein Blick l\u00e4\u00dft sich nicht schrecken von den Gef\u00e4hrdungen des Wegs, des Felsens und der Dornen. Er sieht es schon wachsen und bl\u00fchen und Frucht tragen aus dem guten Boden heraus \u2013 ein hundertfacher Gewinn.<\/p>\n<p>Wer diesem S\u00e4mann \u00fcber die Schulter blickt, gewinnt eine neue Sicht der Dinge: Statt Entt\u00e4uschungen an allen Ecken und Enden sehen wir auf einmal eine Reihe sich steigernder Erfolge: Auf dem felsigen Boden kommt immerhin ein kleines Pfl\u00e4nzchen zum Vorschein. Unter den Dornen kann der Same aufgehen und bl\u00fchen, er bringt blo\u00df noch keine Frucht. Doch auf dem guten Land ist sogar die Fruchtbarkeit gew\u00e4hrleistet, in \u00fcberreicher F\u00fclle.<\/p>\n<p>Ach, lie\u00dfen wir uns doch mitrei\u00dfen von dieser freudigen Steigerung, liebe Gemeinde! Gottes Reich setzt sich letztendlich durch, und wir d\u00fcrfen durchaus die erfreulichen Kleinigkeiten unseres Alltags ins Licht jenes wachsenden Gottesreiches stellen: Wenn ich es schaffe, ein gutes Gespr\u00e4ch mit Menschen zu f\u00fchren, die mir eigentlich unsympatisch sind; wenn mich nach erfolgreicher Reparatur eines Spielzeugs zwei strahlende Kinderaugen belohnen; wenn ein Tag voller Termindruck auf einmal Spa\u00df macht statt Verdru\u00df.<\/p>\n<p>Da\u00df Gottes Reich sich durchsetzt, diese Hoffnung will Jesu Sa\u00e4mann-Gleichnis in uns entz\u00fcnden. Zugleich werden wir eingeladen, uns nicht durch R\u00fcckschl\u00e4ge entmutigen zu lassen, sondern sorgf\u00e4ltig Ausschau zu halten nach positiven Anzeichen. Wir Menschen k\u00f6nnen Gottes Reich weder verhindern noch selbst aufbauen. Aber wir k\u00f6nnen und sollen dem sich durchsetzenden Reich Gottes in unserer Lebensf\u00fchrung entsprechen \u2013 auf da\u00df unter uns schon jetzt Wirklichkeit werde, was wir in herrlicher Vollendung erst f\u00fcr die Zukunft erwarten!<\/p>\n<p>\u201eVierfach ist das Ackerfeld \u2013 Mensch, wie ist dein Herz bestellt?\u201c<br \/>\nG\u00f6nnen wir unserem Nachtw\u00e4chter mit seiner knappen, aber treffenden Zusammenfassung des S\u00e4mann-Gleichnisses seine wohl verdiente Ruhe. Und vertrauen wir auf die Wahrheit seiner die ganze Nacht hindurch wiederholten Worte: \u201eMenschenwachen kann nichts n\u00fctzen. Gott mu\u00df wachen. Gott wird sch\u00fctzen!\u201c Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pfarrer J\u00fcrgen Berghaus<br \/>\n51377 Leverkusen-Manfort<br \/>\nScharnhorststra\u00dfe 38<br \/>\nTel.\/Fax : 0214 \/ 8707091<br \/>\n<a href=\"mailto:berghaus@ekir.de\">berghaus@ekir.de <\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sexagesima | 23. 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