{"id":9370,"date":"2003-03-07T19:49:49","date_gmt":"2003-03-07T18:49:49","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9370"},"modified":"2025-04-27T16:40:15","modified_gmt":"2025-04-27T14:40:15","slug":"matthaeus-4-1-11-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-4-1-11-2\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 4, 1-11"},"content":{"rendered":"<h3 align=\"left\"><b><span style=\"color: #000099;\">Invokavit |<\/span><span style=\"color: #000099;\"> 9. M\u00e4rz 2003 | Matth\u00e4us 4, 1-11 | J\u00f8rgen Demant |<\/span><\/b><\/h3>\n<p align=\"left\">In der Fastenzeit darf man ruhig laut sagen, da\u00df wir alle, jeder von uns, von K\u00e4mpfen mit Teufeln und D\u00e4monen wissen. Es ist erlaubt, die Maske anzulegen, die zeigt, wer wir sind. Sich zu verkleiden, sich zu entkleiden, den Schleier zu entfernen.<\/p>\n<p>Auch Gott zeigt, wer er ist. Er benutzt keine Maske, sondern die Gestalt seines Sohnes. Er wurde getauft wie wir, jetzt schickt Gott ihn in die W\u00fcste, die wir auch kennen, die Gottlosigkeit &#8211; die Leere, die schnell mit teuflischen Versuchungen gef\u00fcllt werden kann. Deshalb beten wir im Vaterunser: &#8222;Und f\u00fchre uns nicht in Versuchung, sondern erl\u00f6se uns von dem B\u00f6sen&#8220;. So hat er uns Beten gelehrt, der Sohn Gottes, der wu\u00dfte, was hier auf dem Spiel stand. Die Fastenzeit betont dieses Gebet: Das B\u00f6se gibt es, la\u00df es nicht mehr Macht bekommen als es schon hat, besch\u00fctze uns vor uns selbst! Erl\u00f6se uns von dem B\u00f6sen! Denn abgeschafft wird es ja nicht, solange die Welt besteht. Steh uns bei, wenn der Feind uns versucht, wir k\u00f6nnen es, wenn es ernst wird, nicht selber! Wenn es um die Macht und die Herrlichkeit geht. Oder wenn die Sinnlosigkeit oder der Zufall uns ganz in die Ecke der Verzweiflung treibt. Dorthin, wo man in seiner Ohnmacht versucht ist, nachzugeben: selbst weh tun will, die S\u00fc\u00dfe der Rache schmecken will, Leben zerst\u00f6ren will &#8211; f\u00fcr sich, f\u00fcr andere. Die Freude im Auge des anderen ausl\u00f6schen.<br \/>\nDas B\u00f6se ist da. Zu erkl\u00e4ren ist es nicht &#8211; jedenfalls nur, wenn wir ihm damit den Ernst nehmen. Wir k\u00f6nnen es wegerkl\u00e4ren. Nicht da\u00df das sonderlich effektiv w\u00e4re. Nein, das B\u00f6se soll nicht verleugnet werden, man mu\u00df ihm entsagen, ihm abschw\u00f6ren!<\/p>\n<p><em>Wir entsagen dem Teufel und all seinen Werken und all seinem Wesen!<\/em><br \/>\nIn D\u00e4nemark ist diese Entsagung &#8211; mit gutem Grund &#8211; noch fester Bestandteil des Glaubensbekenntnisses und der Taufliturgie.<\/p>\n<p>Das ist leichter gesagt als getan. Dazu braucht man Hilfe. Von ihm, der allein den Versuchungen widerstehen kann. Ohne ihn ergeht es uns wie Adam und Eva am Anfang der Zeiten, das zeigt die Erfahrung. Es gibt Leute, die meinen, die beiden (und damit die Menschheit) seien in Wirklichkeit Opfer. Opfer des Komplotts der Schlange, der Lust Gottes, die Krone seiner Sch\u00f6pfung zu erproben. Man m\u00fcsse Mitleid haben mit ihnen, weil sie sich versuchen lie\u00dfen. Schade f\u00fcr sie, da\u00df sie sich verf\u00fchren lie\u00dfen, in der Erwartung, selbst an die Macht zu kommen und zu G\u00f6ttern zu werden. Und wo war da die Krisenhilfe, als sie da sa\u00dfen mit dem Ergebnis ihrer Grenz\u00fcberschreitung? Die Menschheit hat seit dem an posttraumatischem Stre\u00df gelitten.<\/p>\n<p>Aber hier mu\u00df man nein sagen. Wir d\u00fcrfen uns nicht zu alledem noch dazu verf\u00fchren lassen, da\u00df uns Adam und Eva leid tun, weil sie, learning by doing, herausfanden, da\u00df das B\u00f6se der Preis der Freiheit ist. Wir d\u00fcrfen sie nicht zu Schablonen unseres eigenen Selbstmitleids mi\u00dfbrauchen. Dann lieber, ganz n\u00fcchtern, sie als Spiegel benutzen, in dem sich jeder S\u00fcnder sehen kann, ein freudiges und schreckliches Wiedererkennen.<\/p>\n<p>Gew\u00f6hnlich sind wir wohl auch stolz darauf, da\u00df wir nicht ein St\u00fcck geschlossene und vorherbestimmte Natur sind wie W\u00f6lfe, Schweine und Schimpansen, deren Tun schon im Voraus festgelegt ist. Da\u00df wir nicht nur Natur sind, sondern Kultur &#8211; und da\u00df wir das Unbehagen ertragen k\u00f6nnen, das sie bereitet.<br \/>\nWir sollen uns zu der Freiheit bekennen, zu der uns Gott geschaffen hat. Obwohl &#8211; nein weil Freiheit Verantwortung fordert, weil Freiheit mit Wahl und M\u00f6glichkeit verbunden ist.<br \/>\nDer Baum der Erkenntnis war tabu f\u00fcr Adam und Eva. Aber die F\u00e4higkeit, zwischen Gut und B\u00f6se zu unterscheiden, richtig oder falsch zu handeln, die hatten sie schon, bevor sie ihre Z\u00e4hne in den Apfel bissen. Sie lag im g\u00f6ttlichen Verbot. Die Freiheit kam aus dem Nein Gottes, die Freiheit zu w\u00e4hlen, ein Nein als Nein zu akzeptieren oder sich dar\u00fcber hinwegzusetzen.<br \/>\nAdam und Eva sind keineswegs arme Naivlinge. Sie w\u00e4hlten, und sie wurden schuldig. Sie lernten den Unterschied zwischen Gut und B\u00f6se kennen, wie Gott. Sie lernten, verantwortlich zu sein. Und damals wurde das erfunden, sich als Opfer zu f\u00fchlen! Ich war es nicht! Ich war nur ein Opfer der Schlange, der Frau, der Gesellschaft, der Herkunft, der Umwelt. Ich habe nur meine Pflicht getan, sagte der Henker von Auschwitz. Ich bin eigentlich das Opfer! Solche \u00c4u\u00dferungen f\u00fchren selten in die Erkenntnis von Ohnmacht und Unabh\u00e4ngigkeit. Sie verschlie\u00dfen einen in das eigene Beleidigtsein.<br \/>\nDarin h\u00fcllt man sich ein, und dabei bereitet man sich auf die n\u00e4chste Versuchung vor, welche die W\u00fcnsche und Tr\u00e4ume einem bringen &#8211; letztlich um sich die Macht zu sichern, sein eigener Grund zu werden und sein eigenes Ziel: ein Individuum, das in sich selbst ruht, ganz seine eigene Insel, losgel\u00f6st vom Festland, unabh\u00e4ngig von Gott und dem N\u00e4chsten.<\/p>\n<p>Spring los, l\u00e4chelt der Teufel entgegenkommend &#8211; es gelten doch wohl besondere Regeln f\u00fcr dich! Du kannst sie selbst zusammenstellen und ganz dein eigenes Gut und B\u00f6se schaffen!<\/p>\n<p><em>F\u00fchre uns nicht in Versuchung &#8211; sondern erl\u00f6se uns von dem B\u00f6sen!<\/em><\/p>\n<p>Auch Jesus wurde in Versuchung gef\u00fchrt, gar vom Geist seines eigenen Vaters. Er sollte Mensch sein unter menschlichen Bedingungen, unser Bruder. Kein Wundert\u00e4ter oder Weltverbesserer. Er sollte es wagen, nichts zu sein, der Nicht-Angebetete, der Nicht-Bewunderte, der, dessen K\u00f6rper den Schmerz und dessen Seele die Angst kannte.<br \/>\nTats\u00e4chlich wurde sein ganzes Leben eine lange Versuchung. Er h\u00e4tte sich dem entziehen k\u00f6nnen. Er hatte die M\u00f6glichkeit, diese furchtbare, verlockende M\u00f6glichkeit, sich selbst und seinen Mitmenschen Linderung zu verschaffen. So war es drau\u00dfen in der W\u00fcste; so war es, als die Leute ihn zum K\u00f6nig machen wollten, als seine Freunde ihn dazu \u00fcberreden wollten, den bequemen Weg zu gehen. So war es am Gr\u00fcndonnerstag im Garten Gethsemane und am Karfreitag auf Golgatha. Aber Jesus hielt stand, er erlag nicht der Versuchung.<br \/>\nWelch eine Solidarit\u00e4t! Nichts anderes sein zu wollen als unsere Schuld und Schande. Er kam nicht, um sich n\u00fctzlich zu machen, Wohlstand zu mehren, so zu tun, als lie\u00dfe sich Leiden abschaffen. Er ist hier als der, die sich Gott anheimgibt und sich an seiner Gnade gen\u00fcgen l\u00e4\u00dft.<br \/>\nUnd wir? Ja, wir sind dazu getauft, an seinem Leben teilzuhaben, seinem Tod und seiner Auferstehung. Aber wollen wir uns damit begn\u00fcgen? Ist uns das genug. Fordern wir nicht mehr vom Leben als nur von Gott, seinem Willen und seiner Macht abh\u00e4ngig zu sein, nur sein Schuldner zu sein? Sind wir nicht freie Menschen?<\/p>\n<p>Frei geschaffen zum B\u00f6sen &#8211; aber nicht f\u00fcr das B\u00f6se!<\/p>\n<p>Ach Herr, erl\u00f6se uns von dem B\u00f6sen, wir k\u00f6nnen uns nicht selbst von ihm befreien!<\/p>\n<p>Lob, Dank und Ehre sei dir, unserm Gott,<br \/>\nVater Sohn und Heiligem Geist,<br \/>\nder da war, und der ist und der da bleibt,<br \/>\nder eine wahre dreieinige Gott,<br \/>\nhochgelobt von Anfang an,<br \/>\njetzt und in alle Ewigkeit.<br \/>\nAmen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pfarrer J\u00f8rgen Demant<br \/>\nHjortek\u00e6rsvej 74<br \/>\nDK-45 88 40 Lyngby<br \/>\nTel.: ++ 45 &#8211; 45 88 40 75<br \/>\n<a href=\"mailto:j.demant@wanadoo.dk\">e-mail: j.demant@wanadoo.dk<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Invokavit | 9. M\u00e4rz 2003 | Matth\u00e4us 4, 1-11 | J\u00f8rgen Demant | In der Fastenzeit darf man ruhig laut sagen, da\u00df wir alle, jeder von uns, von K\u00e4mpfen mit Teufeln und D\u00e4monen wissen. Es ist erlaubt, die Maske anzulegen, die zeigt, wer wir sind. Sich zu verkleiden, sich zu entkleiden, den Schleier zu entfernen. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":12894,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[36,1,727,185,157,853,114,680,1039,211,349,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-9370","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-matthaeus","category-aktuelle","category-archiv","category-aus-dem-daenischen","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-invokavit","category-jorgen-demant","category-kapitel-4-chapter-4-matthaeus","category-kasus","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9370","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9370"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9370\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23434,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9370\/revisions\/23434"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12894"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9370"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9370"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9370"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=9370"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=9370"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=9370"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=9370"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}