{"id":9371,"date":"2003-03-07T19:49:52","date_gmt":"2003-03-07T18:49:52","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9371"},"modified":"2025-04-27T16:44:42","modified_gmt":"2025-04-27T14:44:42","slug":"markus-12-1-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-12-1-12\/","title":{"rendered":"Markus 12, 1-12"},"content":{"rendered":"<h3 align=\"left\"><b><span style=\"color: #000099;\">Reminiscere | 16. M\u00e4rz 2003 | Markus 12, 1-12 | Peter Kusenberg |<\/span><\/b><\/h3>\n<p align=\"left\"><em>1 Und er fing an, zu ihnen in Gleichnissen zu reden: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und zog einen Zaun darum und grub eine Kelter und baute einen Turm und verpachtete ihn an Weing\u00e4rtner und ging au\u00dfer Landes.<\/em><br \/>\n<em>2 Und er sandte, als die Zeit kam, einen Knecht zu den Weing\u00e4rtnern, damit er von den Weing\u00e4rtnern seinen Anteil an den Fr\u00fcchten des Weinbergs hole.<\/em><br \/>\n<em>3 Sie nahmen ihn aber, schlugen ihn und schickten ihn mit leeren H\u00e4nden fort.<\/em><br \/>\n<em>4 Abermals sandte er zu ihnen einen andern Knecht; dem schlugen sie auf den Kopf und schm\u00e4hten ihn.<\/em><br \/>\n<em>5 Und er sandte noch einen andern, den t\u00f6teten sie; und viele andere: die einen schlugen sie, die andern t\u00f6teten sie.<\/em><br \/>\n<em>6 Da hatte er noch einen, seinen geliebten Sohn; den sandte er als Letzten auch zu ihnen und sagte sich: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen.<\/em><br \/>\n<em>7 Sie aber, die Weing\u00e4rtner, sprachen untereinander: Dies ist der Erbe; kommt, lasst uns ihn t\u00f6ten, so wird das Erbe unser sein!<\/em><br \/>\n<em>8 Und sie nahmen ihn und t\u00f6teten ihn und warfen ihn hinaus vor den Weinberg.<\/em><br \/>\n<em>9 Was wird nun der Herr des Weinbergs tun? Er wird kommen und die Weing\u00e4rtner umbringen und den Weinberg andern geben.<\/em><br \/>\n<em>10 Habt ihr denn nicht dieses Schriftwort gelesen (Psalm 118, 22-23): \u201cDer Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden.<\/em><br \/>\n<em>11 Vom Herrn ist das geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen\u201d?<\/em><br \/>\n<em>12 Und sie trachteten danach, ihn zu ergreifen, und f\u00fcrchteten sich doch vor dem Volk; denn sie verstanden, dass er auf sie hin dies Gleichnis gesagt hatte. Und sie lie\u00dfen ihn und gingen davon.<\/em><\/p>\n<p><em>\u201cUnd sie trachteten danach, ihn zu ergreifen, und f\u00fcrchteten sich doch vor dem Volk; denn sie verstanden, dass er auf sie hin dies Gleichnis gesagt hatte. Und sie lie\u00dfen ihn und gingen davon.\u201d<\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>so endet die Auseinandersetzung zwischen Jesus und seinen Gegnern aus Kirche und Politik, den Schriftgelehrten, den Hohenpriester, den \u00c4ltesten. Jesus hat sie mit Dieben und M\u00f6rdern gleichgesetzt. Und das im Tempel, in aller \u00d6ffentlichkeit. F\u00fcr sie steht au\u00dfer Frage: dieser Jesus muss beseitigt werden. Einen Weg daf\u00fcr haben sie noch nicht, denn er ist beliebt beim Volk, doch das Ziel steht fest.<\/p>\n<p>Begonnen hatte es noch vergleichsweise harmlos. Sie hatten sich mit Jesus getroffen, um mit ihm zu debattieren. Auf Streitgespr\u00e4che und Diskussionen verstanden sie sich. Vielleicht dachten sie, mit geschickten Fragen und Fangfragen seine Autorit\u00e4t untergraben zu k\u00f6nnen. Aber es kommt anders. Jesus l\u00e4sst sich nicht auf ein theoretisches, distanziertes Gespr\u00e4ch ein. Er redet auf seine gewohnte Weise, in Vergleichen, mit Bildern aus dem Alltag.<\/p>\n<p>Und die H\u00f6rer verstehen sofort, was er mit der Erz\u00e4hlung von den b\u00f6sen Weing\u00e4rtnern sagen will. Der Eigent\u00fcmer, der den Weinberg gepflanzt hat, ist Gott. Mit den P\u00e4chtern sind sie gemeint. Die Jahre vergehen \u2013 es dauert, bis ein neu angelegter Weinberg Fr\u00fcchte tr\u00e4gt \u2013 und mit den Jahren verblasst die Erinnerung an den Besitzer, der dazu noch im Ausland lebt.<\/p>\n<p>Doch dann, als sich die harte Arbeit endlich in Ertr\u00e4gen auszahlt, meldet er sich wieder und verlangt seinen Anteil. Doch die P\u00e4chter weigern sich. Sie wollen nun selbst die Besitzer sein. So sehr steigern sie sich in diese Vorstellung hinein, dass sie die Abgesandten des Eigent\u00fcmers misshandeln, sogar t\u00f6ten.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich wissen die H\u00f6rer, dass Jesus hier von den Propheten der Vergangenheit redet, von Gottes Boten, die er in unerm\u00fcdlicher Geduld ausgesandt hatte, das Volk Israel von seinen Irrwegen zur\u00fcckzuf\u00fchren. Auch sie waren verh\u00f6hnt, bedroht, geschlagen worden.<\/p>\n<p>Doch dann wechselt Jesus in die Gegenwart. Der Sohn, den der Besitzer als Letzten schickt \u2013 das ist er selbst. Und er spricht offen aus, was in den K\u00f6pfen seiner Widersacher als Plan reift: auch den, sogar den werden sie t\u00f6ten. Sie werden es tun in der grotesken Annahme, der Weinberg w\u00e4re ihrer, wenn sie den Erben t\u00f6teten.<\/p>\n<p>\u201cWas wird nun der Herr des Weinbergs tun?\u201d fragt Jesus. Und z\u00f6gert nicht mit der Antwort: \u201cEr wird kommen und die Weing\u00e4rtner umbringen und den Weinberg andern geben.\u201d Gottes Geduld ist gro\u00df, aber nicht unendlich. So hart das Wort klingt, es steckt auch Hoffnung darin. Es hei\u00dft nicht: \u201cEr wird kommen, die Weing\u00e4rtner umbringen und den Weinberg verdorren lassen.\u201d Sondern: \u201cEr wird den Weinberg anderen geben.\u201d<\/p>\n<p>Eine neue Chance. Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Jesus sagt: Ich bin dieser Eckstein. Ihr Schriftgelehrten, Hohenpriester und \u00c4lteste k\u00f6nnt mich wegwerfend behandeln und totzukriegen suchen, doch ich werde anderen zum Fundament, zum Grundstein ihres Lebens werden.<\/p>\n<p>Aber auch das Psalmwort, das Jesus hier am Schluss zitiert, \u00e4ndert nichts mehr an der Haltung seiner Gegner. \u201cUnd sie trachteten danach, ihn zu ergreifen, und f\u00fcrchteten sich doch vor dem Volk; denn sie verstanden, dass er auf sie hin dies Gleichnis gesagt hatte. Und sie lie\u00dfen ihn und gingen davon.\u201d Die Passionsgeschichte nimmt ihren Lauf.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, dieses Gleichnis von den b\u00f6sen Weing\u00e4rtnern ist aber nicht nur ein bildhafter Hinweis auf das Leiden Jesu. Das Gleichnis geht auch uns heute an. Denn die Erinnerung an den eigentlichen Herrn des Weinbergs ist auch eine mahnende Frage, wer denn eigentlich Herr meines Lebens ist.<\/p>\n<p>Ich bin ja oft schon genug mit dem Inhalt meines Lebens besch\u00e4ftigt. Beruf, Familie, Auskommen \u2013 das fordert Zeit, Gedanken, Kraft. Schlie\u00dflich m\u00f6chten wir ja, dass unser Leben auch sichtbaren Erfolg hat. Und wir wissen, dass dieser Erfolg nicht leicht ist und dass wir in Konkurrenz mit anderen Menschen stehen.<\/p>\n<p>Dagegen ist auch gar nichts einzuwenden. Flei\u00df, Tatkraft, gute Ideen sind positive Kr\u00e4fte, die unser Leben f\u00f6rdern und es zur Entfaltung bringen. Die Frage ist aber, ob ich meine, damit selbst Eigent\u00fcmer und Herr meines Lebens zu sein \u2013 oder, anders gefragt, wie halte ich es mit dem ersten Gebot: \u201cIch bin der Herr, dein Gott.\u201d?<\/p>\n<p>Das Gleichnis Jesu macht deutlich: Es kommt in meinem Leben entscheidend darauf an, dass ich Gott den Ertrag meines Lebens nicht schuldig bleibe. Dass die weit verbreitete Grundeinstellung \u201cIch will mein eigener Herr sein und bleiben\u201d ein Leben voller Neid und Spannungen schafft und die Wurzel darstellt, aus der Egoismus und Ellenbogen-Mentalit\u00e4t sprie\u00dfen.<\/p>\n<p>Eine Haltung, die uns auf Schritt und Tritt begegnet. Es ist doch traurige Wirklichkeit, dass wir in unserer pers\u00f6nlichen Umgebung, im Machtspiel der Interessengruppen in der Gesellschaft und ebenso in der Politik der V\u00f6lker untereinander beinahe selbstverst\u00e4ndlich davon ausgehen, dass wir Menschen die Herren seien.<\/p>\n<p>\u201cIch bin der Herr, dein Gott.\u201d Ich frage mich: Gilt das f\u00fcr mein Leben? Oder finde ich es l\u00e4stig oder gar zum \u00c4rgern, wenn ich daran denken soll, dass der Weinberg, in dem ich arbeite und ernte, dass der Acker, den ich bestelle, nicht mein Eigentum ist? Wie begegne ich den Boten, die mich erinnern? Verstopfe ich mir die Ohren? M\u00f6chte ich sie zum Verstummen, zum Schweigen bringen?<\/p>\n<p>Und wie trete ich dem letzten Boten gegen\u00fcber, dem Sohn, wenn er zu mir kommt? Begreife ich in der Passionsgeschichte Jesu die unglaubliche Liebe und Geduld, mit der Gott um mich, um uns wirbt?<\/p>\n<p>In Jesu Leben, einem Leben, das voller Liebe war ohne Feindschaft, voller Selbstlosigkeit ohne Vorbehalt, voll von Gemeinschaft ohne Ausgrenzung \u2013 in Jesu Leben offenbart Gott, was er unter dem \u201cErtrag des Lebens\u201d versteht. Jesus lebt diesen Ertrag vor \u2013 so, dass ich es begreifen kann, dass ich ihm folgen kann. Was Gott erwartet als Ertrag meines Lebens, soll mich nicht erschrecken oder \u00e4rgerlich machen. Es unterstreicht nur das Ausma\u00df und die Ernsthaftigkeit, mit der er sagt: \u201cIch bin der Herr, dein Gott.\u201d<\/p>\n<p>Gott ist bei denen, die ihr Leben als sein Geschenk verstehen \u2013 und den Ertrag dieses Lebens nicht f\u00fcr sich behalten wollen, sondern weitergeben an andere Menschen. Jesus will auf diesem Weg mit uns gehen. Es ermutigt, dies zu h\u00f6ren. Ich wei\u00df, dass ich seine Hilfe brauchen werde. Ich kenne mich und wei\u00df, wie schwer es mir manchmal f\u00e4llt, Ohren und Augen offen zu halten f\u00fcr Gottes Erinnerung. Aber es ist wichtig, dass ich nicht vergesse, in wessen Auftrag ich unterwegs bin. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Peter Kusenberg, Pastor und freier Journalist<br \/>\nAdelebsen-Erbsen<br \/>\n<a href=\"mailto:pekusenb@aol.com\">E-mail: pekusenb@aol.com<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reminiscere | 16. 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