{"id":9372,"date":"2003-03-07T19:49:47","date_gmt":"2003-03-07T18:49:47","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9372"},"modified":"2025-04-27T16:46:06","modified_gmt":"2025-04-27T14:46:06","slug":"markus-12-1-12-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-12-1-12-2\/","title":{"rendered":"Markus 12, 1-12"},"content":{"rendered":"<h3 align=\"left\"><b><span style=\"color: #000099;\">Reminiscere | 16. M\u00e4rz 2003 | Markus 12, 1-12 | Joachim Goeze |<\/span><\/b><\/h3>\n<p align=\"left\"><em>Exegetische und homiletische Vorentscheidungen (nach Predigt)<\/em><\/p>\n<p align=\"left\">Liebe Schwestern und Br\u00fcder in Christus,<\/p>\n<p>am 2.Sonntag der Passionszeit m\u00f6chte ich mit Ihnen nachdenken \u00fcber ein Gleichnis aus dem Markusevangelium. Dieser Sonntag tr\u00e4gt den lateinischen Namen Reminiscere, d.h.` \u201eErinnere Dich\u201c Gott, derer die im Elend sind,\u00b4 so der Zusammenhang aus dem Psalm 10 und Psalm 25:<\/p>\n<p>\u201eGedenke Herr an Deine Barmherzigkeit und deine G\u00fcte&#8230;gedenke nicht der S\u00fcnden meiner Jugend und meiner \u00dcbertretungen; gedenke aber mein nach deiner Barmherzigkeit&#8230;\u201c (v.6\/7).<\/p>\n<p>Daraus ist f\u00fcr den ersten Tag der Woche unser Sonntagsname abgeleitet.<br \/>\nDanach ist unser Gleichnis also eine Erinnerungsgeschichte. Einmal daran, dass Gott sich erinnert, an das, was die Handelnden in diesem Gleichnis tun und lassen. Denn jedes Gleichnis tr\u00e4gt ja die Botschaft in sich: tu\u00b4s auch so &#8211; wie z.B. beim barmherzigen Samariter oder wie in unsrer Parabel: tu\u00b4s nicht so! Zum andern aber will Gott erinnert werden, sich um seinen Weinberg zu k\u00fcmmern, d.h. nun, wie jeder Zuh\u00f6rer Jesu wusste und wie auch wir uns erinnern wollen: mit dem Weinberg sind wir, das Volk Gottes, gemeint. Ob es nun das Volk Israel ist, wie es das Weinberglied des Profeten Jesaja beschreibt, oder ob nun das neue Volk Gottes in der ganzen \u00d6kumene gemeint ist.<\/p>\n<p>Und in der Tat schildert das Markusevangelium, wie sich Gott um sein Volk, d.h. um seinen Weinberg, k\u00fcmmert, wie er sich erinnert an das, was er geschaffen hat, wie er sich um seine Sch\u00f6pfung k\u00fcmmert und sie auch zu erhalten sucht und wie er Fr\u00fcchte einfordert.<\/p>\n<p>Text: Mk 12,1-12.<\/p>\n<p>Wir sehen unschwer, dass auch in diesem St\u00fcck Weltliteratur jeder Einzelzug wichtig ist, jeder Teil des Gleichnisses einzeln \u00fcbertragen werden kann, ohne dass auf eine Gesamtbotschaft verzichtet wird.<\/p>\n<p>Richtig liebevoll richtet Gott als Weinbergbauer seinen Weinberg ein, versieht ihn mit allem, was f\u00fcr Gedeihen und Erhaltung seiner Sch\u00f6pfung wichtig ist. Jeder konnte in Israel und jeder kann heute noch verstehen, dass alle Eventualit\u00e4ten bedacht sind und Gott f\u00fcr seinen Weinberg eine nachhaltige Entwicklung plant und alles darauf ausrichtet, Sch\u00f6pfung zu bewahren und zu erhalten. Der Mensch, der einen Weinberg pflanzt, und mit dem nat\u00fcrlich Gott gemeint ist, gibt seinem Weinberg einen Zaun zum Schutz vor Wildfra\u00df \u2013 eine Anspielung auf die zehn Gebote, die die Gemeinschaft sch\u00fctzen und die sozialen \u00dcberlebensregeln einsch\u00e4rfen. Dazu wird eine Kelter gebaut und ein Turm. Und es werden Arbeiter in Gottes Weinberg eingesetzt, die als H\u00fcter und Aufseher dienen sollen. Wie heute wildlife fund in den afrikanischen Nationalparks mit Wildh\u00fctern die letzten freilebenden Wildtiere sch\u00fctzt, so setzt der Weinbergbesitzer f\u00fcr seine Gr\u00fcndung Winzer ein, damit sie bauen und bewahren und Fr\u00fcchte bringen.<\/p>\n<p>Jesus erz\u00e4hlt hiermit eine Geschichte, in der Gott nicht weltenfern hinter den Wolken thront, sondern das wird, woraus die tiefste Solidarit\u00e4t mit seinen H\u00f6rern spricht: Gott wird Mensch. Und sein Handeln betrifft den erfahrbaren und nachvollziehbaren Alltag \u2013 keine Sonderliturgie, nur Eingeweihten verst\u00e4ndlich. Und so ist die erste Botschaft dieses Gleichnisses: Gott wird Mensch: und wenn er sich das leistet also auch Ihr, meine Lieben. Mitarbeiter Gottes sein, nennt das der Apostel Paulus.<\/p>\n<p>An welcher Stelle wir und die damaligen H\u00f6rer sich sehen sollen, ist damit nat\u00fcrlich klar: Uns ist die Rolle der Arbeiter in Gottes Weinberg zugedacht, wir sind die P\u00e4chter. Was wir haben und was wir sind, ist geliehen, nicht von uns geschaffen. Nackt kommen wir auf diese Erde, nackt gehen wir auch wieder, das letzte Hemd hat keine Taschen. Unser Leben ist Leihgabe und was von uns gefragt ist, sind, wie Jesus das in der Bergpredigt auch sagt, Fr\u00fcchte, an denen wir erkannt werden. Ja, unser Bild erlaubt noch eine Weiterung und verallgemeinert: Der Mensch steht in der Verantwortung vor Gott, der abwesend ist, der aber seinen Anteil von den Fr\u00fcchten fordern wird.<\/p>\n<p>Ich bin sicher, dass Jesus an dieser Stelle, indem er Gott als allt\u00e4glichen Investor handeln l\u00e4sst, keinem Missverst\u00e4ndnis aufsitzt: Gott ist kein Kapitalist, der allen Angestellten ihren Lohn pf\u00e4ndet und seine Leute nicht leben l\u00e4sst. Es ist nicht so, wie ich in Indien gesehen habe, dass ein Schuhmacher sich t\u00e4glich sein Werkzeug erst leihen mu\u00df und es unabh\u00e4ngig, ob er damit was hat verdienen k\u00f6nnen, des abends wieder einwandfrei abgeben und daf\u00fcr bezahlen mu\u00df.<\/p>\n<p>Es ist nicht so, wie ich aus USA h\u00f6re, dass ich 30 Jahre f\u00fcr eine Firma arbeite, und binnen vierzehn Tagen arbeitslos und ohne Sozialplan bin. Zum einen fordert der Bote den durch die Investition berechtigten Anteil des Eigent\u00fcmers und nicht die ganze Ernte, und zum andern spiegelt Jesu Gleichnis einfach die damaligen sozialen Verh\u00e4ltnisse wider, um damit etwas grunds\u00e4tzliches klar zu machen: Sein ist mehr als Haben, und was wir haben, ist doch nicht unser Verdienst. In dieser Erkenntnis \u00fcber unsere Rolle als Gottes Mitarbeiter liegt nach meiner Einsch\u00e4tzung die Botschaft Nr.2 unseres Gleichnisses.<\/p>\n<p>Und hier setzen wir nun noch genauere Beobachtung ein: Wie verhalten sich die, die wissen, dass sie `nicht aufgrund eigener Vernunft noch Kraft allein\u00b4 ihr Leben und ihren Lebensunterhalt bestreiten k\u00f6nnen? Und wie verh\u00e4lt sich Gott in seiner Rolle als Weinbergbesitzer ?<\/p>\n<p>Befassen wir uns zuerst mit den P\u00e4chtern.<br \/>\nAuf die Wahrheit, dass ihnen nicht alles geh\u00f6rt, dass sie im Weinberg arbeiten d\u00fcrfen, aber keine Alleinherrscher sind, reagieren sie mit st\u00e4ndig wachsender Gewalt. Den ersten Boten verpr\u00fcgeln sie und schicken ihn weg, den zweiten verletzen sie schwer mit Steinen und beschimpfen ihn w\u00fcst. Der dritte wird schon get\u00f6tet und viele weitere werden verletzt oder umgebracht.Klar wird an diesen Reaktionen, dass es schon gar nicht mehr um irgendeinen Ertragsanteil am Weinberg geht. Sondern die Boten ersch\u00fcttern das an den vermeintlichen Besitz gekettete Selbstwertbewusstsein der Arbeiter, sie sagen, indem sie einen Anteil an den Fr\u00fcchten fordern, ihr seid nicht die Besitzer, die Welt ist nicht euer Supermarkt, in dem ihr alles kriegt.<\/p>\n<p>Der Weinbergturm ist nicht das Cafe Gr\u00f6ssenwahn, in dem die Welt als Wille und Vorstellung eingeteilt wird in gut und b\u00f6se und selbstherrliche Richter in eigener Sache \u00fcber Tod und Leben entscheiden. Nichts wird in solcher abgeschirmten Selbst\u00fcberheblichkeit mehr gef\u00fcrchtet als die Wahrheit. Diese Neigung, die Welt in gute, das sind wir, und b\u00f6se einzuteilen, das sind die anderen, ist ja nicht auf die P\u00e4chter beschr\u00e4nkt. Woran da in Bagdad und Washington mit t\u00f6dlichem Ernst gearbeitet wird, ist ja Ausdruck einer selbstgewissen \u00dcberheblichkeit, obwohl wir doch wissen m\u00fcssten, dass B\u00f6ses nicht nur bei den anderen liegt, sondern geht mitten durch unser Herz.<\/p>\n<p>Gerade dem, der einem das sch\u00f6ne Bild von sich selbst ersch\u00fcttert, sind ja die meisten Menschen besonders gram wenn nicht feindselig. Insofern spiegeln die P\u00e4chter etwas B\u00f6ses, an dem wir alle Anteil haben. Wer die Wahrheit geigt, dem wird der Fiedelbogen um die Ohren geschlagen.<\/p>\n<p>Gibt es nicht genug Beispiele daf\u00fcr, dass allein die Wahrheit auszusprechen, in den Augen der M\u00e4chtigen todesw\u00fcrdig ist ? Das war doch der Hauptgrund, warum Bonhoeffer nicht \u00fcberleben durfte. Und wie war das mit Martin Niem\u00f6ller nach dem Krieg, der die Verkrustungen des Antikommunismus \u00f6ffentlich kritisierte ? \u201cGeh doch nach dr\u00fcben\u201c habe ich auch selbst oft genug geh\u00f6rt, wenn ich von meiner demokratischen Pflicht Gebrauch machte, Besseres als das behauptete Bestehende zu wollen. Und warum war der Hals-Nasen Ohrenarzt aus Bitterfeld, dem luftverpesteten Industriedreieck, reif f\u00fcr das Zuchthaus in Bautzen, wenn er hilflos in seiner Praxis bemerkte: `Hier kann ich jetzt mit meiner Heilkunst nichts mehr ausrichten.\u00b4 Nichts wird mehr gef\u00fcrchtet als die Wahrheit.<\/p>\n<p>Und so bleibt es auch hier in letzter Konsequenz: auch der Erbe des Weinbergs, der ja einen andern Anspruch verk\u00f6rpert, den Anspruch Gottes auf unser selbstherrliches Leben, auch er mu\u00df sterben: \u201cund sie nahmen ihn und t\u00f6teten ihn und warfen ihn hinaus vor den Weinberg\u201cv.8.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens hier ist klar, dass der innere Rahmen des Gleichnisses gesprengt wird. Helmut Thielicke merkt in seiner Auslegung richtig an, die P\u00e4chter ben\u00e4hmen sich ja schlimmer als jeder Angestellte seiner Firma gegen\u00fcber(Bilderbuch Gottes). Auch die Annahme, durch die T\u00f6tung des Erben das Besitzproblem zu ihren Gunsten zu l\u00f6sen, zeigt den Wahn der Selbstbehauptung gegen\u00fcber dem Weinbergbauer, der Gott ist.<\/p>\n<p>Die Urgemeinde deutet die Situation auf Jesus als Boten Gottes und sein Schicksal der Kreuzigung vor Jerusalem, durch die F\u00fchrenden Israels. Und hier liegt denn auch die dritte Botschaft dieses Gleichnisses: wir Menschen k\u00f6nnen unser Sein als Mitarbeiter Gottes verfehlen, vielleicht gerade dann, wenn wir glauben, in seinem Namen gerecht zu handeln. Da gibt es nicht nur das Volk Israel, das seine Chance nicht begriff, da gab und da gibt es viele Kirchen, die sich zuerst um ihr eigenes Wohl und nicht um das des ihnen anvertrauten Weinbergs k\u00fcmmern. Auch das w\u00e4re ein eignes Kapitel zur Passionszeit.<\/p>\n<p>Die Ablehnung Gottes und seiner Boten jedenfalls ist in unendlichen Variationen im Alten Testament und eben auch in der Reaktion der H\u00f6rer auf diese Erz\u00e4hlung zu beobachten. Jesus als der Bote Gottes wird abgelehnt und get\u00f6tet. Und die einzigen Boten, die Gottes Volk nun als Antwort zu Gottes Abgesandten schickt, nachdem die unangenehme Wahrheit \u00f6ffentlich gesagt ist, sind Boten, die ihn \u00f6ffentlich auf\u00b4s Glatteis locken sollen, damit er beseitigt werden kann, wie unsere Folgegeschichte im Markusevangelium zeigt. \u201eUnd sie sandten zu ihm etliche von den Pharis\u00e4ern und den Dienern des Herodes, dass sie ihn fingen mit Worten.\u201c v.13. Nach vielen Boten schickt Gott endlich sein bestes, sein Kind, den Erben in sein Eigentum, um Anteil an den Fr\u00fcchten seiner Sch\u00f6pfung zu nehmen. Aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Die von ihm selbst bestimmten Arbeiter im Weinberg verkennen ihr Leben, f\u00fchren sich auf, als seien sie Herren \u00fcber die Sch\u00f6pfung, \u00fcber Erkenntnis und Wahrheit \u00fcber Leben und Tod.<\/p>\n<p>Die Wahrheit aber, dass unser Leben Leihgabe ist, darf um keinen Preis ans Licht. Dass aller Besitz und alles Erbe, Zeitgut ist, das darf nicht unter die Leute kommen. Im Licht dieser Erkenntnis k\u00f6nnten sich ja alle Massst\u00e4be ver\u00e4ndern, alle Wichtigkeiten verschieben und die eigene Macht und Selbst\u00fcberheblichkeit gef\u00e4hrdet sein. Da ist sie, die Grunderkenntnis, die uns \u00fcberheblich macht: wir wollen sein wie Gott und sind doch nur P\u00e4chter, nicht Eigent\u00fcmer unserer Lebenswelt. Aus dieser Grenz\u00fcberschreitung, zu sein zu wollen wie Gott, folgt aller \u00dcbermut.<\/p>\n<p>Wie reagiert nun Gott ?<br \/>\nL\u00e4ngst ist klar, dass auch hier die innere Logik der Geschichte \u00fcberboten wird. Kein vern\u00fcnftiger Besitzer wird seinen Sohn in die Gefahr bringen, sich derart schamlosen Leuten auszuliefern.<\/p>\n<p>Unser Gleichnis ist zu einer Passionsgeschichte der unendlichen Liebe Gottes geworden, mit der er um uns wirbt, die Welt nicht in Gut und B\u00f6se einzuteilen \u2013 selbst wenn uns das m\u00e4chtige Diktatoren und Pr\u00e4sidenten vormachen. Das endlich ist mein vierter und letzter Teil der Gleichnisbotschaft, Gottes G\u00fcte ist da unendlich, wo die unsre l\u00e4ngst ersch\u00f6pft ist. Um uns hoffnungslos in Selbstbehauptung Verstrickte wirbt Gott wieder und wieder mit dem Einsatz seiner Selbst bis zum Kreuz.<\/p>\n<p>\u201eGott l\u00e4sst sich,\u201c so hat es D.Bonhoeffer formuliert, \u201eaus der Welt herausdr\u00e4ngen ans Kreuz. Gott ist ohnm\u00e4chtig und schwach in der Welt und gerade und nur so ist er bei uns und hilft uns&#8230;<\/p>\n<p>Nur der leidende Gott kann helfen&#8230;das ist die Umkehrung von allem, was der religi\u00f6se Mensch von Gott erwartet. Der Mensch wird aufgerufen, das Leiden Gottes an der gottlosen Welt mitzuleiden.\u201c (Widerstand und Ergebung S.242ff) Nun verstehen wir, warum diese Geschichte eine Parabel f\u00fcr die unendliche G\u00fcte Gottes mit seinem Volk ist, das sich immer wieder mit Gewalt verweigert. So haben wir schon immer im Buch der Erfahrung mit Gott seine Geschichte mit seinem Volk sehen m\u00fcssen, so ging es und geht es zu allen Zeiten mit den Boten und Profeten Gottes. Dass Gottes Boten sprechen, entdecken wir doch oft genug erst nach ihrem Tode. Glauben wir doch ja nicht, dass Bonhoeffer seinerzeit in seiner Kirche nicht weitgehend isoliert war&#8230;<\/p>\n<p>Die Verwerfung Israels ist wie die dunkle Seite unserer Erw\u00e4hlung, die Empf\u00e4nger dieser selbstlosen Liebe Gottes zu sein. Und so ist unser Gleichnis wahrhaftig eine Passionsgeschichte, die Geschichte einer nicht lassenden Liebe Gottes um die Seinen, die sich immer wieder verirren, und die er doch nicht l\u00e4sst. Im gro\u00dfen wie im Kleinen, im Sozialen wie im Pers\u00f6nlichen verspricht uns Jesus mit diesem Gleichnis immer auf\u00b4s Neue die G\u00fcte Gottes.<\/p>\n<p>Unter dem Anschein des Gegenteils wird das Verworfene n\u00fctzlich, das Unerwartete kriegt Gestalt: (v.11f) Herr Du denkst an uns nach Deiner G\u00fcte, die ohne Ende ist. Daf\u00fcr hat Dein Sohn gelitten und seinen Tod in Kauf genommen, dass wir in unserm Leid nicht allein sind. Schenk uns Kraft und Einsicht, an Jesu Seite zu stehen, in Deinem Weinberg mit zu sein.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"left\"><strong><a name=\"ex\"><\/a>Exegetische und homiletische Vorentscheidungen<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Die erste Entscheidung, ich traue der Bibel zu, dass sie meint, was sie sagt (Barth): also lasse ich dem Gleichnis seine Gestalt und seinen Schlu\u00df \u2013 auch wenn die nach\u00f6sterliche Gemeinde exegetisch ab vers 10 eine Deutung auf Christus angef\u00fcgt haben mag. \u201eDer Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden .\u201cPs 118,22f. Sie spiegelt historisch sicherlich die Zerst\u00f6rung Jerusalems wider, theologisch aber die Auferstehung Jesu.<\/p>\n<p>Die zweite Entscheidung: das Gleichnis werte ich als Sprachgeschehen (E.Fuchs) zwischen Erz\u00e4hler(n) und H\u00f6rern, als Parabel, die zugleich Allegorien erlaubt. Die Reaktion der Zuh\u00f6rer zur Zeit Jesu, vgl.v12, beruht nat\u00fcrlich darauf, dass allen aus der hebr\u00e4ischen Bibel das Weinberglied Jes 5 bekannt ist. Dadurch gelingt die Gleichsetzung Israels und seiner F\u00fchrung mit dem Weinberg und dessen P\u00e4chtern und die Zuspitzung auf die T\u00f6tung des Erben als Deutung des Todes Jesu. Und nat\u00fcrlich l\u00e4sst sich dies auch heute antijudaistisch ausbeuten. (vgl.Matth.21).<\/p>\n<p>Die dritte Entscheidung: der homiletische Rahmen der Auslegung f\u00fcr heute ist die Passionszeit: das Leiden Gottes in unserer Welt angesichts menschlicher \u00dcberheblichkeit. Dabei ist mir wichtig, darauf zu achten, keiner Rechtfertigung bestehender Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnisse zu dienen: Stichwort, Mk 12 kein `Kapitalistengleichnis\u00b4.<\/p>\n<p><strong>Dr. Joachim Goeze, Wolfsburg<br \/>\n<a href=\"mailto:joachim.goeze@web.de\">joachim.goeze@web.de<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reminiscere | 16. M\u00e4rz 2003 | Markus 12, 1-12 | Joachim Goeze | Exegetische und homiletische Vorentscheidungen (nach Predigt) Liebe Schwestern und Br\u00fcder in Christus, am 2.Sonntag der Passionszeit m\u00f6chte ich mit Ihnen nachdenken \u00fcber ein Gleichnis aus dem Markusevangelium. 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