{"id":9375,"date":"2003-03-07T19:49:45","date_gmt":"2003-03-07T18:49:45","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9375"},"modified":"2025-04-27T16:49:38","modified_gmt":"2025-04-27T14:49:38","slug":"markus-12-1-12-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-12-1-12-3\/","title":{"rendered":"Markus 12, 1-12"},"content":{"rendered":"<h3 align=\"left\">Reminiscere | 16. M\u00e4rz 2003 | Markus 12,1\u201312 | Christoph Dinkel |<\/h3>\n<p align=\"left\">Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>der heutige Predigttext steht in Markus 12 die Verse 1-12. Es ist das<br \/>\nGleichnis von den b\u00f6sen Weinbauern, ein ziemlich finsteres Gleichnis,<br \/>\nwie Sie leicht merken werden.<\/p>\n<p>&#8222;Wenn Jesus zu den Menschen redete, gebrauchte er oft Gleichnisse. So<br \/>\nerz\u00e4hlte er: \u201eEin Mann legte einen Weinberg an, z\u00e4unte<br \/>\nihn ein, stellte eine Weinpresse auf und baute einen Wachtturm. Dann<br \/>\nverpachtete er den Weinberg an einige Weinbauern und reiste ins Ausland.<\/p>\n<p>Zur Zeit der Weinlese beauftragte er einen Knecht, den vereinbarten<br \/>\nAnteil an der Ernte abzuholen. Aber die Weinbauern schlugen den Knecht<br \/>\nnieder und jagten ihn mit leeren H\u00e4nden davon. Da schickte der Besitzer<br \/>\neinen zweiten Boten. Auch den beschimpften sie und schlugen ihm den Kopf<br \/>\nblutig. Den dritten Boten des Weinbergbesitzers brachten sie um. Immer<br \/>\nwieder versuchte der Besitzer, zu seinem Ernteanteil zu kommen. Doch<br \/>\nalle, die in seinem Auftrag kamen, wurden verpr\u00fcgelt oder sogar<br \/>\nget\u00f6tet.<\/p>\n<p>Nun blieb nur noch einer \u00fcbrig: sein einziger Sohn, den er sehr<br \/>\nliebte. Ihn schickte er zuletzt. &#8218;Vor meinem Sohn werden sie Achtung<br \/>\nhaben\u2019, sagte er sich. Aber die Weinbauern waren sich einig: &#8218;Jetzt<br \/>\nkommt der Erbe! Den bringen wir um, und dann geh\u00f6rt der Weinberg<br \/>\nendg\u00fcltig uns.\u2019 Sie ergriffen sie ihn, schlugen ihn tot und<br \/>\nwarfen ihn vor den Weinberg.<\/p>\n<p>Was &#8211; meint ihr &#8211; wird der Besitzer des Weinbergs jetzt wohl tun? Er<br \/>\nwird selbst kommen, die Weinbauern t\u00f6ten und seinen Weinberg an<br \/>\nandere verpachten.<\/p>\n<p>Habt ihr nicht in der Heiligen Schrift gelesen: &#8222;Der Stein, den<br \/>\ndie Bauarbeiter weggeworfen haben, weil sie ihn f\u00fcr unbrauchbar<br \/>\nhielten, ist nun zum Grundstein des ganzen Hauses geworden. Was keiner<br \/>\nf\u00fcr m\u00f6glich gehalten hat, das tut der Herr vor unseren Augen.?&#8220;<\/p>\n<p>Am liebsten h\u00e4tten die Hohenpriester, Schriftgelehrten und f\u00fchrenden<br \/>\nM\u00e4nner des Volkes Jesus gleich festgenommen. Sie hatten verstanden,<br \/>\ndass er in diesem Gleichnis von ihnen gesprochen hatte. Aber sie wagten<br \/>\nsich nicht an ihn heran, weil sie vor dem Volk Angst hatten. So lie\u00dfen<br \/>\nsie ihn in Ruhe und gingen weg.&#8220;<br \/>\n(\u00dcbersetzung: Hoffnung f\u00fcr<br \/>\nalle &#8211; die Bibel, 2002)<\/p>\n<p>(1.) Ein finsteres und gef\u00e4hrliches Gleichnis ist uns heute als<br \/>\nPredigttext aufgegeben. Finster ist dieses Gleichnis ganz offensichtlich:<br \/>\nDie Knechte des Weinbergbesitzers, die die Pacht eintreiben wollen, werden<br \/>\nvon den Weinbauern nacheinander gequ\u00e4lt und ermordet. Dann wird<br \/>\nder Sohn des Weinbergbesitzers um die Ecke gebracht. Schlie\u00dflich<br \/>\ngreift der Besitzer selbst ein und l\u00e4sst die b\u00f6sen Weing\u00e4rtner<br \/>\numbringen, um den Weinberg dann an andere weiterzuverpachten. Eine rundum<br \/>\nunerfreuliche Geschichte ist das. Sie hat so gar nichts Tr\u00f6stliches<br \/>\nund Aufbauendes an sich.<\/p>\n<p>Aber unser Gleichnis ist nicht nur finster. In der Geschichte des Christentums<br \/>\nhat es sich auch als \u00fcberaus gef\u00e4hrlich erwiesen. Schon in<br \/>\nder Erz\u00e4hlung selbst werden die b\u00f6sen Weing\u00e4rtner mit<br \/>\nden Hohenpriestern, den Schriftgelehrten und f\u00fchrenden M\u00e4nnern<br \/>\ndes j\u00fcdischen Volkes identifiziert. Denkt man diese Identifikation<br \/>\nzu Ende, dann haben sie wie die b\u00f6sen Weing\u00e4rtner den Tod verdient,<br \/>\nweil sie Jesus ablehnen, verfolgen und schlie\u00dflich zur Hinrichtung<br \/>\nan die R\u00f6mer ausliefern. Immerhin wird in der Erz\u00e4hlung zwischen<br \/>\ndem j\u00fcdischen Volk und seinen f\u00fchrenden Vertretern unterschieden.<br \/>\nDas Volk steht auf Jesu Seite und aus Angst vor dem Volk lassen die f\u00fchrenden<br \/>\nVertreter Jesus vorl\u00e4ufig gew\u00e4hren.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter in der Geschichte der Kirche war man nicht mehr so genau<br \/>\nim Unterscheiden. Man hat das ganze j\u00fcdische Volk mit den b\u00f6sen<br \/>\nWeing\u00e4rtnern identifiziert und daraus geschlossen, dass es den Tod<br \/>\nverdient hat. Unser Gleichnis von den b\u00f6sen Weing\u00e4rtnern diente<br \/>\nin der Geschichte der Kirche immer wieder zur Rechtfertigung von Judenhass<br \/>\nund Judenverfolgung. Deshalb ist es ein gef\u00e4hrliches Gleichnis.<br \/>\nEs l\u00e4sst sich missbrauchen und es wurde missbraucht. Eine verh\u00e4ngnisvolle<br \/>\nSpur f\u00fchrt von unserem Gleichnis zu den Judenpogromen des Mittelalters<br \/>\nund zu den Gaskammern der Nationalsozialisten. Wenn wir \u00fcber das<br \/>\nGleichnis von den b\u00f6sen Weing\u00e4rtnern nachdenken, dann m\u00fcssen<br \/>\nwir uns dieser fatalen Wirkungsgeschichte bewusst sein. Ganz gewiss wollte<br \/>\nder Erz\u00e4hler des Gleichnisses nicht die Verfolgung und Ermordung<br \/>\ndes j\u00fcdischen Volkes erreichen. An solche Folgen konnte zur Zeit<br \/>\nJesu niemand denken. Aber wir Heutigen d\u00fcrfen die Wirkungen des<br \/>\nGleichnisses und seine Opfer nicht vergessen. Und wir m\u00fcssen uns<br \/>\nselbst h\u00fcten vor falschen Identifikationen und leichtfertigen Schuldzuweisungen.<\/p>\n<p>(2.) Das Gleichnis von den b\u00f6sen Weinbauern ist finster und gef\u00e4hrlich.<br \/>\nAber stammt es \u00fcberhaupt von Jesus? Diese Frage stellt sich einem,<br \/>\nweil vieles in diesem Gleichnis merkw\u00fcrdig konstruiert wirkt. Bei<br \/>\ngenauem Hinsehen dr\u00e4ngt sich die Idee auf, dass hier wohl ein sp\u00e4ter<br \/>\nAnh\u00e4nger Jesu versucht hat, Jahre nach Jesu Tod das Geschick Jesu<br \/>\nund der biblischen Propheten in ein Gleichnis zu pressen. Dabei hat er<br \/>\nvielleicht auf ein Gleichnis Jesu zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen. Vielleicht<br \/>\nhat ihm als Vorlage aber auch das Weinberglied aus dem Buch des Propheten<br \/>\nJesaja gen\u00fcgt, das wir vorhin als Schriftlesung geh\u00f6rt haben.<\/p>\n<p>Die meisten Forscher gehen jedenfalls davon aus, dass das Gleichnis<br \/>\nso, wie wir es in der Bibel haben, nicht von Jesus stammt. F\u00fcr diese<br \/>\nMeinung spricht auch das erz\u00e4hlerisch m\u00e4\u00dfige Niveau des<br \/>\nGleichnisses. Die Gleichnisse Jesu sind sonst sehr raffiniert gebaut,<br \/>\nsie enthalten \u00fcberraschende Wendungen und originelle Konstellationen.<br \/>\nNirgends sonst versucht Jesus einen schon bekannten Sachverhalt wie das<br \/>\nSchicksal des Sohnes Gottes und der biblischen Propheten in eine Allegorie<br \/>\nzu verwandeln wie es im Gleichnis von den b\u00f6sen Weing\u00e4rtnern<br \/>\ngeschieht. Und zuletzt: Was ist das f\u00fcr ein Weinbergbesitzer, der<br \/>\ngeistig so beschr\u00e4nkt ist, einen Knecht nach dem anderen von den<br \/>\nWeinbauern misshandeln und abschlachten zu lassen, und der dann seinen<br \/>\nSohn in den Tod schickt, obwohl er jederzeit selbst machtvoll nach dem<br \/>\nRechten h\u00e4tte sehen und seine Pacht eintreiben k\u00f6nnen. Figuren<br \/>\nvon solch unwahrscheinlichem Unverstand hat Jesus sonst jedenfalls nicht<br \/>\nerfunden.<\/p>\n<p>(3.) Was sollen wir nun mit diesem Gleichnis von den b\u00f6sen Weing\u00e4rtnern<br \/>\nanfangen? Es hat auf den ersten Blick nichts Erfreuliches und Aufbauendes<br \/>\nan sich. Wir haben gesehen, dass es, gewiss ungewollt, der Judenverfolgung<br \/>\nden Weg bereitet hat. Und schlie\u00dflich m\u00fcssen wir annehmen,<br \/>\ndass es wohl gar nicht von Jesus sondern von einem Sp\u00e4teren stammt,<br \/>\nnoch dazu von einem mit begrenztem erz\u00e4hlerischen Talent. Insgesamt<br \/>\nalso keine guten Voraussetzungen f\u00fcr eine positive Aneignung dieses<br \/>\nGleichnisses. Nun steht das Gleichnis aber in der Bibel und ist uns als<br \/>\nPredigttext aufgetragen. Irgendetwas an diesem Gleichnis hat es vergangenen<br \/>\nGenerationen also so wertvoll gemacht, dass sie es an uns weitergegeben<br \/>\nund uns als Predigttext anempfohlen haben. Diesen von uns noch unentdeckten<br \/>\nSeiten des Gleichnisses m\u00f6chte ich nun nachgehen.<\/p>\n<p>(4.) Lassen wir uns auf die im Gleichnis angelegte Allegorisierung ein<br \/>\nund identifizieren den Besitzer des Weinbergs mit Gott, dann kann man<br \/>\ndessen Verhalten auch als Ausdruck gro\u00dfer Gutm\u00fctigkeit betrachten.<br \/>\nDem Weinbergbesitzer liegt viel daran, die P\u00e4chter auf friedlichem<br \/>\nWeg f\u00fcr sich zu gewinnen. Immer wieder schickt er seine Boten. Immer<br \/>\nwieder erhalten die Weinbauern eine neue Chance. So betrachtet erz\u00e4hlt<br \/>\ndas Gleichnis von der Geduld Gottes. Das Ziel des Gleichnisses ist es<br \/>\ndann, die Zuh\u00f6rer zu warnen, dass die Geduld Gottes auch einmal<br \/>\nein Ende, ein schreckliches Ende haben kann. So verstanden ruft uns unser<br \/>\nGleichnis also zur Umkehr und zur Bu\u00dfe auf. Und damit kn\u00fcpft<br \/>\nes an das Weinberglied des Propheten Jesaja an, der mit seiner Erz\u00e4hlung<br \/>\nsein Volk im 8. Jahrhundert vor Christus ebenfalls zu Umkehr aufrief.<\/p>\n<p>Unser Gleichnis mahnt uns, die Geduld Gottes nicht \u00fcberzustrapazieren,<br \/>\nsondern die zahlreichen von Gott gew\u00e4hrten Chancen endlich zu ergreifen<br \/>\nund zu nutzen. Langmut und Geduld Gottes sind keine unbegrenzten Ressourcen,<br \/>\nauf die man jederzeit zur\u00fcckgreifen kann. Es gibt ein zu sp\u00e4t<br \/>\nund mit den Folgen des zu sp\u00e4t muss man dann leben.<\/p>\n<p>Umkehr und Bu\u00dfe und die Chancen, die Gott gew\u00e4hrt, ergreifen \u2013 was<br \/>\ndies f\u00fcr Ihr oder f\u00fcr Euer Leben bedeutet, wei\u00df ich im<br \/>\nEinzelnen nicht. Jede und jeder von Ihnen und Euch muss sich das selbst \u00fcberlegen.<br \/>\nEs kann um Beziehungen gehen, die gef\u00e4hrdet sind, und wo die letzte<br \/>\nChance zur Rettung besteht. Es kann um ein wichtiges Gespr\u00e4ch, um<br \/>\neine vers\u00f6hnende Geste gehen. Es kann erforderlich sein, Verantwortung<br \/>\nwahrzunehmen, wo man bislang nachl\u00e4ssig war. Es kann n\u00f6tig<br \/>\nsein zu verzeihen oder im Gegenteil auch n\u00f6tig sein, endlich mutig<br \/>\nzu widersprechen, wenn Menschen Freunde, Mitsch\u00fcler oder Fremde<br \/>\nklein gemacht und erniedrigt werden.<\/p>\n<p>Es gibt ein zu sp\u00e4t und die Folgen von verpassten Chancen k\u00f6nnen<br \/>\nkatastrophal sein. Immer wieder, so stand es in diesen Tagen in der Zeitung<br \/>\nzu lesen, wurde das Jugendamt in Saarbr\u00fccken darauf hingewiesen,<br \/>\ndass eine Frau das ihr anvertraute Pflegekind qu\u00e4lt und misshandelt.<br \/>\n(Quellen: Stuttgarter Zeitung, Spiegel Online, Saarbr\u00fccker Zeitung<br \/>\nOnline) Schlie\u00dflich konnte erreicht werden, dass das Pflegekind,<br \/>\nein Junge, in eine andere Pflegefamilie kam. Dort fasste er nach einem<br \/>\nJahr allm\u00e4hlich Vertrauen und erz\u00e4hlte, was ihm wiederfahren<br \/>\nist. Er selbst wurde von einer Bande von Kindersch\u00e4ndern vielfach<br \/>\nsexuell missbraucht und von seiner Pflegemutter zur Prostitution gezwungen.<br \/>\nAber noch schlimmer: Der Junge berichtete von seinem Freund Pascal, der<br \/>\nseit eineinhalb Jahren als vermisst gilt. Er wurde, wie man inzwischen<br \/>\nwei\u00df, von der Kindersch\u00e4nderbande bei ihrem Treiben ermordet.<br \/>\nTrotz mancher einschl\u00e4giger Hinweise und Warnungen war das Jugendamt<br \/>\nnicht eingeschritten. Die Pflegemutter, die den Kindsmissbrauch organisierte,<br \/>\nwar \u00fcber drei Jahre sogar als Jugendsch\u00f6ffin t\u00e4tig, auch<br \/>\nin mehreren Sexualstraff\u00e4llen.<\/p>\n<p>Es gibt ein zu sp\u00e4t und das zu sp\u00e4te Handeln des Jugendamts<br \/>\nin Saarbr\u00fccken hat Pascal das Leben gekostet, so ist jedenfalls<br \/>\nder derzeitige Informationsstand. Wenn die bekannt gewordenen Ermittlungsergebnisse<br \/>\nder Staatsanwaltschaft und die Recherchen der Journalisten tats\u00e4chlich<br \/>\nzutreffen, dann haben hier Menschen in ihrem Amt katastrophal versagt.<br \/>\nEs gibt ein zu sp\u00e4t und das kann t\u00f6dlich sein.<\/p>\n<p>Unser Gleichnis von den b\u00f6sen Weing\u00e4rtnern will uns auf unsere<br \/>\nVerantwortung hinweisen und uns mahnen, dort, wo wir stehen, unsere Pflicht<br \/>\nals Christenmensch zu tun. Zum Gl\u00fcck haben unsere Vers\u00e4umnisse<br \/>\nund unser Versagen in den meisten F\u00e4llen keine so tragischen Konsequenzen<br \/>\nwie in dem geschilderten Fall. Aber in dem Bereich, in dem wir verantwortlich<br \/>\nsind, ist uns unser N\u00e4chster anvertraut und wir haben darauf zu<br \/>\nschauen, dass er nicht missachtet wird, sondern dass es ihm, so weit<br \/>\nes in unserer Macht steht, gut geht.<\/p>\n<p>Du sollst nicht t\u00f6ten \u2013 so lautet das f\u00fcnfte Gebot,<br \/>\ndas die Konfirmandinnen und Konfirmanden bei der Vorbereitung auf die<br \/>\nKonfirmation auswendig lernen. Martin Luther hat das Gebot in zweifacher<br \/>\nWeise erkl\u00e4rt: Zum einen will uns das Gebot daran hindern, \u201edass<br \/>\nwir unserem N\u00e4chsten an Leib und Leben keinen Schaden noch Leid<br \/>\ntun.\u201c \u2013 Das ist die negative Seite des Gebots. F\u00fcr Luther<br \/>\nhat das Gebot aber auch eine positive Seite. Mit dieser fordert es uns<br \/>\nauf, unserem N\u00e4chsten \u201ezu helfen und ihm beizustehen in allen<br \/>\nN\u00f6ten und Gefahren\u201c, wie Luther erkl\u00e4rt. Es ist nicht<br \/>\ndamit getan, dass wir selbst unserem N\u00e4chsten nichts B\u00f6ses<br \/>\ntun. Es kommt auch darauf an, dass wir das Wohlergehen unseres N\u00e4chsten,<br \/>\nso weit wir das k\u00f6nnen, f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>(5.) Noch ein anderer Aspekt unserer Erz\u00e4hlung von den b\u00f6sen<br \/>\nWeing\u00e4rtnern verdient es, positiv hervorgehoben zu werden. Zur Erkl\u00e4rung<br \/>\ndes Gleichnisses verweist der Jesus der Erz\u00e4hlung auf ein Wort aus<br \/>\nPsalm 118 (Verse 22f): \u201eDer Stein, den die Bauarbeiter weggeworfen<br \/>\nhaben, weil sie ihn f\u00fcr unbrauchbar hielten, ist nun zum Grundstein<br \/>\ndes ganzen Hauses geworden. Was keiner f\u00fcr m\u00f6glich gehalten<br \/>\nhat, das tut der Herr vor unseren Augen.\u201c<\/p>\n<p>Auch dieser Hinweis auf den Psalm passt am ehesten in die Zeit nach<br \/>\nJesu Tod. Denn mit diesem Psalm versuchen die fr\u00fchen Christen zu<br \/>\nbegreifen und zu erkl\u00e4ren, was ihnen an Ostern Wunderbares widerfahren<br \/>\nist. Der ermordete Jesu, oder auf der Ebene der Allegorie des Gleichnisses,<br \/>\nder ermordete Sohn des Weinbergbesitzers bleibt nicht im Tod. Der Plan<br \/>\nder b\u00f6sen Weing\u00e4rtner, sich das Erbe unter den Nagel zu rei\u00dfen,<br \/>\nscheitert. Gott l\u00e4sst seinen Sohn nicht im dem Verderben. Gott gibt<br \/>\ndie Menschen, das Leben, seine Sch\u00f6pfung und das Reich Gottes nicht<br \/>\nauf. Dort, wo wir als Menschen nur das Scheitern und den Tod, das Elend<br \/>\nund die Vernichtung sehen, da schafft Gott neue M\u00f6glichkeiten. Angesichts<br \/>\ndes grausamen Todes Jesu am Kreuz ist das eigentlich nicht zu glauben.<br \/>\nDass auf Karfreitag dennoch Ostern folgt, ist ein Wunder Gottes und im<br \/>\nGlauben an dieses Wunder der Liebe Gottes kann uns das Gleichnis von<br \/>\nden b\u00f6sen Weing\u00e4rtnern und das Wort aus den Psalmen best\u00e4rken.<\/p>\n<p>Angesichts des Leidens in der Welt, angesichts der Millionen ermordeter<br \/>\nJuden, angesichts des Leids der missbrauchten Kinder und angesichts der<br \/>\nTodesqualen des kleinen Pascal f\u00e4llt es schwer von Ostern und vom<br \/>\nVertrauen in Gottes Liebe zu sprechen. Vollmundige Hoffnungsbekenntnisse<br \/>\nwirken hier allzu leicht zynisch. Aber vielleicht kann man es so sagen:<br \/>\nDass der Stein, den die Bauarbeiter verworfen haben, bei Gott zum Grund-<br \/>\nund Eckstein werden kann, dass der gequ\u00e4lte Christus bei Gott ein<br \/>\nneues, unzerst\u00f6rbares, ewiges Leben erh\u00e4lt, das kann uns ermutigen,<br \/>\nauch die ermordeten Juden, auch die gequ\u00e4lten und missbrauchten<br \/>\nKinder, auch den ermordeten kleinen Pascal der Liebe Gottes anzuvertrauen<br \/>\nund f\u00fcr sie zu beten. Das ist das eine, was wir tun k\u00f6nnen,<br \/>\nund das ist nicht viel. Das andere, was wir tun k\u00f6nnen, ist auf<br \/>\nGottes Gebot zu achten: Du sollst nicht t\u00f6ten, das hei\u00dft:<br \/>\nWir sollen Gott f\u00fcrchten und lieben, dass wir unserm N\u00e4chsten<br \/>\nan Leib und Leben keinen Schaden noch Leid tun, sondern ihm helfen und<br \/>\nihm beistehen in allen N\u00f6ten und Gefahren. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Dr. Christoph Dinkel<br \/>\nPfarrer, Privatdozent<br \/>\nG\u00e4nsheidestra\u00dfe 29<br \/>\n70184 Stuttgart<br \/>\n<a href=\"mailto:christoph.dinkel@arcor.de\">christoph.dinkel@arcor.de<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reminiscere | 16. M\u00e4rz 2003 | Markus 12,1\u201312 | Christoph Dinkel | Liebe Gemeinde, der heutige Predigttext steht in Markus 12 die Verse 1-12. Es ist das Gleichnis von den b\u00f6sen Weinbauern, ein ziemlich finsteres Gleichnis, wie Sie leicht merken werden. &#8222;Wenn Jesus zu den Menschen redete, gebrauchte er oft Gleichnisse. 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