{"id":9377,"date":"2003-03-07T19:49:45","date_gmt":"2003-03-07T18:49:45","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9377"},"modified":"2025-04-27T16:52:59","modified_gmt":"2025-04-27T14:52:59","slug":"lukas-9-58","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-9-58\/","title":{"rendered":"Lukas 9,57\u201362"},"content":{"rendered":"<h3 align=\"left\">Okuli | 23. M\u00e4rz 2003 | Lukas 9,57\u201362 | Niels Thomsen |<\/h3>\n<p align=\"left\">Ein Lied von N.F.S. Grundtvig zu Lukas<br \/>\n9,58: &#8222;Die F\u00fcchse haben<br \/>\nGruben, und die V\u00f6gel unter dem Himmel haben Nester; aber des Menschen<br \/>\nSohn hat nicht, wo er sein Haupt hinlegt&#8220;.<\/p>\n<p>(128 D\u00e4nisches Gesangbuch)<\/p>\n<p>1 Nest hat ein Vogel, der Fuchs seinen<br \/>\nBau,<br \/>\nSchnecken ihr Haus mit sich tragen;<br \/>\nBettler, sie ziehn mit dem B\u00fcndel ins Blau&#8216;,<br \/>\nm\u00fcssen um Herberge fragen;<br \/>\nso geht der Herr mit dem Gnadenwort<br \/>\narm, ohne Obdach, von Ort zu Ort.<\/p>\n<p>2 Damals, als sichtbar auf Erden er ging,<br \/>\nrief unser Heiland die M\u00fcden:<br \/>\nKommt zu mir, schlagt um die Gnade den Ring,<br \/>\nich geb euch himmlischen Frieden!<br \/>\nUndank als Lohn nur der Herr erwarb,<br \/>\nbis er am Kreuze gemartert starb.<\/p>\n<p>3 Doch wo er pochet an T\u00fcr und an Tor stets mit des Wortes Goldhammer,<br \/>\nda kehrt die Freude wie niemals zuvor<br \/>\nein in die gastfreie Kammer;<br \/>\nGnade und Friede mit Himmelsfreud<br \/>\ngehn dort zu Herzen wie einst so heut.<\/p>\n<p>4 Nest hat der Vogel, der Fuchs seinen Bau,<br \/>\nSchnecke ihr Haus auf dem R\u00fccken,<br \/>\nJesus hat nichts als den Himmel so blau,<br \/>\nkann doch mit Leben begl\u00fccken.<br \/>\nJedem, der glaubt, was sein Wort verhei\u00dft,<br \/>\nschenkt er sein Leben und seinen Geist.<\/p>\n<p>128 Den Danske Salmebog<\/p>\n<p>1 Fuglen har rede, og r\u00e6ven har grav,<br \/>\nsneglen b\u00e6r&#8216; huset p\u00e5 ryggen,<br \/>\nstodderen han har kun pose og stav,<br \/>\nleder om lejet og lykken;<br \/>\ns\u00e5 g\u00e5r vor Herre med n\u00e5dens ord<br \/>\nhusvild og fattig omkring p\u00e5 jord.<\/p>\n<p>2 Dengang vor Herre gik synlig omkring,<br \/>\nkaldte p\u00e5 alle de tr\u00e6tte:<br \/>\nKommer og sl\u00e5r om Guds n\u00e5de en ring,<br \/>\nda f\u00e5r I hvilen den rette!<br \/>\nutak han fik mod al ret og skel,<br \/>\ntil han p\u00e5 korset blev pint ihjel.<\/p>\n<p>3 Men hvor han banker p\u00e5 port og p\u00e5 d\u00f8r,<br \/>\naltid med ordets guldhammer,<br \/>\nder kommer gl\u00e6de, som aldrig kom f\u00f8r,<br \/>\nind i de mildes l\u00f8nkammer;<br \/>\nder g\u00e5r til hjerte med englelyd<br \/>\nn\u00e5den og freden med Himlens fryd.<\/p>\n<p>4 Fuglen har rede, og r\u00e6ven<br \/>\nhar grav,<br \/>\nsneglen b\u00e6r&#8216; huset p\u00e5 ryggen;<br \/>\nverdsligt vor Herre har intet deraf,<br \/>\nhan har dog livet og lykken,<br \/>\ndeler dem \u00e6rlig med hver, som tror:<br \/>\n\u00c5 nden og livet er i hans ord.<\/p>\n<p>Luk 9,58.<br \/>\nN. F. S. Grundtvig 1856.<br \/>\nMelodie: Th. Laub. 1921.<\/p>\n<p>Derselbe Grundtvig, der dar\u00fcber gedichtet hat, da\u00df der Vogel<br \/>\nsein Nest hat und der Fuchs seinen Bau, hat in einem Lehrgedicht \u00fcber<br \/>\nBibel und den Gebrauch der Bibel die Pfarrer dazu angehalten, die Bibel<br \/>\nzu verschlingen, so wie Johannes im Buch der Offenbarung dazu aufgefordert<br \/>\nwird, das kleine Buch zu verschlingen, da\u00df der Engel in Kapitel<br \/>\n10 bringt. Wer das tut, wird kein Exeget, sondern ein Prophet und Seher.<\/p>\n<p>So ist Grundtvig selber Prediger, und so gebraucht er die Bibel in<br \/>\nseinen Liedern. Es hat sie in sich aufgenommen; sie ist Fleisch von seinem<br \/>\nFleisch und Blut von seinem Blut geworden, und er redet biblisch weiter<br \/>\nvon der biblischen Nahrung, die er erhalten hat.<\/p>\n<p>So macht er das auch mit dem Worte Jesu von den F\u00fcchsen, die ihren<br \/>\nH\u00f6hlen haben und den V\u00f6geln, die Nester haben &#8211; im Unterschied<br \/>\nzum Menschensohn, der nicht wei\u00df, wo er sein Haupt hinlegen soll.<br \/>\nEr interessiert sich in seinem biblischen Lied nicht f\u00fcr korrekte<br \/>\nBibelexegese, sondern es geht ihm darum, biblisch das weiterzugeben,<br \/>\nwas er biblisch in sich aufgenommen hat.<\/p>\n<p>Deshalb denkt er auch nicht daran, ein Fest aus den Worten \u00fcber<br \/>\ndie Situation des Menschensohnes zu machen, die bei Lukas hart klingen.<br \/>\nSicher: Den Gegensatz zwischen F\u00fcchsen und V\u00f6geln &#8211; und den<br \/>\nSchnecken, die er hinzuf\u00fcgt und dem Herrn l\u00e4\u00dft er so<br \/>\nstehen. Er verschweigt auch nicht, da\u00df der Lohn, den der Herr Christus<br \/>\nvon den M\u00e4chtigen erhielt, der war, da\u00df er am Kreuz zu Tode<br \/>\ngemartert wurde. Viel mehr Raum nimmt aber in dieser Liedpredigt die<br \/>\nFreude ein, die der Herr durch das Wort der Gnade gebracht hat, mit dem<br \/>\ner umherging.<\/p>\n<p>Mag sein, da\u00df die M\u00e4chtigen sich daf\u00fcr ereiferten,<br \/>\nda\u00df sich die Vorstellung, da\u00df Haus und Eigentum nicht das<br \/>\nwichtigste sind, sich nicht verbreiten sollte und die Macht und den Einflu\u00df untergraben<br \/>\ndurfte, die mit Besitz folgt. Das wird nicht vergessen. Aber das Lied<br \/>\nsingt viel mehr von denen, die sich dar\u00fcber freuten, die Einladung<br \/>\nzu h\u00f6ren, einen Ring um die Gnade zu schlagen und in ihr zu ruhen.<br \/>\nDar\u00fcber steht nicht viel im Text bei Lukas. Aber wenn man dieses<br \/>\nLied singt, wird man daran erinnert, da\u00df das selbstverst\u00e4ndlich<br \/>\ndie Voraussetzung ist.<\/p>\n<p>Und das ist deshalb so, weil es dort gut ist, wo der Herr ist, damit<br \/>\nman lernen kann, da\u00df Leben und Gl\u00fcck mehr ist als Haus und<br \/>\nEigentum.<\/p>\n<p>So wendet Grundtvig das Thema des Lukas. Nicht asketische Strenge bleibt<br \/>\nda, wenn man das Lied zuende gesungen hat, sondern Gnade, Leben und Gl\u00fcck.<br \/>\nIst das eine Abmilderung des Evangeliums, ist das eine Verdrehung? Oder<br \/>\nsieht die Askese eben so aus &#8211; von innen gesehen? Das letztere k\u00f6nnen<br \/>\nviele bezeugen, die asketisch gelebt haben.<\/p>\n<p>Bei uns gibt es ein Volksm\u00e4rchen von dem Gl\u00fccklichen ohne<br \/>\nHemd: Ein K\u00f6nig war krank, ihm wurde gesagt, er k\u00f6nne wieder<br \/>\ngesund werden, wenn er sich das Hemd eines gl\u00fccklichen Mannes anziehe.<br \/>\nEr schickte seine Diener aus in Ost und West und Nord und S\u00fcd, um<br \/>\neinen gl\u00fccklichen Mann zu finden und sein Hemd zu kaufen. Aber wo<br \/>\nimmer sie auch Leute fanden, die gl\u00fccklich zu sein schienen, war<br \/>\nschlie\u00dflich immer irgendetwas im Wege, da\u00df sie doch nicht<br \/>\nganz gl\u00fccklich waren. Schlie\u00dflich fand der letzte Diener,<br \/>\nder an sich schon aufgegeben hatte und selbst mi\u00dfmutig auf dem<br \/>\nHeimweg war mit der traurigen Botschaft an seinen K\u00f6nig, dennoch<br \/>\neinen Holzf\u00e4ller. Es war leicht zu sehen, da\u00df er arm war,<br \/>\naber er schien v\u00f6llig vergn\u00fcgt zu sein. Der Diener fragte ihn<br \/>\nnach allem, Frau und Kinder, Arbeit, aber er konnte nicht den kleinsten<br \/>\nRi\u00df im Gl\u00fcck des Mannes finden. da bat er ihn, ob er nicht<br \/>\nsein Hemd kaufen k\u00f6nne. Das konnte er nicht. Was fehlte, war nicht<br \/>\nder gute Wille &#8211; sondern das Hemd! Der Mann hatte keines.<\/p>\n<p>In dieser Weise gibt das Volksm\u00e4rchen das Evangelium wieder. Wo<br \/>\ndie Gnade Gottes scheint, sieht man nicht, da\u00df das Hemd fehlt.<br \/>\nDas ist gesellschaftssch\u00e4dlich f\u00fcr die, die meinen, da\u00df das<br \/>\nGl\u00fcck darin besteht, viele Hemden zu haben &#8211; ob sie nun schon viele<br \/>\nhaben oder ob sie gerne viele haben m\u00f6chten. Aber das ist eine gute<br \/>\nBotschaft in der gastfreien Kammer, in die Kammer der Milden, wie man<br \/>\nw\u00f6rtlich \u00fcbersetzen kann.<\/p>\n<p>Das ist zu einfach, werden viele sagen. Mit so einem System kann die<br \/>\nWelt ja nicht bestehen. Nein, in der Tat. Aber immer mehr deutet darauf<br \/>\nhin, da\u00df die Welt auch nicht mit dem System bestehen kann dessen<br \/>\nsich die M\u00e4chtigen nun bedienen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Rektor Niels Thomsen<br \/>\n\u00d8sterende 8, Ballum<br \/>\nDK-6261 Bredebro<br \/>\nTel.: ++ 45 &#8211; 74 71 64 01<br \/>\ne-mail: <a href=\"mailto:Niels_Thomsen@get2net.dk\">Niels_Thomsen@get2net.dk<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Okuli | 23. M\u00e4rz 2003 | Lukas 9,57\u201362 | Niels Thomsen | Ein Lied von N.F.S. Grundtvig zu Lukas 9,58: &#8222;Die F\u00fcchse haben Gruben, und die V\u00f6gel unter dem Himmel haben Nester; aber des Menschen Sohn hat nicht, wo er sein Haupt hinlegt&#8220;. 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