{"id":9383,"date":"2003-03-07T19:49:47","date_gmt":"2003-03-07T18:49:47","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9383"},"modified":"2025-04-27T19:02:02","modified_gmt":"2025-04-27T17:02:02","slug":"johannes-12-20-26-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-12-20-26-3\/","title":{"rendered":"Johannes 12, 20-26"},"content":{"rendered":"<h3 align=\"left\"><b><span style=\"color: #000099;\">L\u00e4tare |<\/span><span style=\"color: #000099;\"> 30. M\u00e4rz 2003 | Johannes 12, 20-26 | J\u00f6rg Egbert Vogel |<\/span><\/b><\/h3>\n<p align=\"left\"><em>20 Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest.<\/em><br \/>\n<em>21 Die traten zu Philippus, der von Betsaida aus Galil\u00e4a war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollten Jesus gerne sehen.<\/em><br \/>\n<em>22 Philippus kommt und sagt es Andreas, und Philippus und Andreas sagen&#8217;s Jesus weiter.<\/em><br \/>\n<em>23 Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Zeit ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde.<\/em><br \/>\n<em>24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde f\u00e4llt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.<\/em><br \/>\n<em>25 Wer sein Leben lieb hat, der wird&#8217;s verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird&#8217;s erhalten zum ewigen Leben. <\/em><br \/>\n<em>26 Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren.<\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\neinige Griechen, nichtj\u00fcdische Sympathisanten des j\u00fcdischen Glaubens wollen Jesus sehen.<br \/>\nSie wenden sich mit der Bitte um Vermittlung dieses Wunsches an Philippus, der gemeinsam mit Andreas diese Bitte an Jesus weitergibt.<br \/>\nDabei geht es den Griechen freilich nicht um ein einfaches Sehen von Jesus, dazu h\u00e4tten sie ja nicht der Vermittlung der beiden J\u00fcnger bedurft, dazu h\u00e4tten sie sich einfach nur an den Strassenrand zu stellen brauchen, wenn Jesus vor\u00fcbergeht.<br \/>\nEs geht ihnen vielmehr um eine Begegnung mit Jesus.<br \/>\nSie wollen Jesus kennen lernen, mit ihm bekannt werden.<br \/>\nSie m\u00f6chten seine N\u00e4he erfahren.<br \/>\nDazu brauchen sie die Vermittlung der J\u00fcnger. Ohne deren Hilfe k\u00f6nnen sie Jesus nicht kennen lernen.<br \/>\nIn seiner Antwort geht Jesus scheinbar \u00fcberhaupt nicht auf die Bitte der Griechen, bzw. der J\u00fcnger ein, sondern spricht davon, dass die Zeit, oder besser die Stunde gekommen sei, dass der Menschensohn verherrlicht werde.<\/p>\n<p>Indirekt gibt Jesus aber doch eine klare Antwort an die Griechen.<br \/>\nSie k\u00f6nnen mit Jesus bekannt werden, sie k\u00f6nnen nur mit Jesus bekannt werden, indem sie ihm nachfolgen.<br \/>\nDer Weg der Nachfolge wird allen Menschen durch Jesu Tod erm\u00f6glicht.<br \/>\nWie die Frage vermittelt an Jesus herangetragen wird, so wird nach Ostern die Antwort in umgekehrter Richtung erfolgen. Die J\u00fcnger machen durch ihre Verk\u00fcndigung die Menschen mit Jesus bekannt, Juden wie Griechen.<br \/>\nUnd dann werden auch nicht mehr nur Einige mit Jesus bekannt gemacht, wie zu seinen Lebezeiten, sondern Viele.<\/p>\n<p>Wenn Jesus von der Stunde spricht, die gekommen ist, nimmt er damit Bezug auf seine Passion und seinen Tod. Allerdings spricht er davon nicht direkt, sondern durch die Umschreibung \u201edass der Menschensohn verherrlicht werde\u201c.<br \/>\nNiemand w\u00fcrde normalerweise vom Tod als Verherrlichung reden. Hier wird damit die Besonderheit des Todes Jesu herausgestellt. Gott identifiziert sich mit Jesu Tod, Gott ist in diesem Tod pr\u00e4sent. Es ist deshalb kein vergeblicher Tod. In diesem Tod zeigt Gott seine Herrlichkeit, indem daraus neues Leben entsteht. Neues Leben f\u00fcr Jesus selbst, neues Leben aber auch f\u00fcr alle, die an ihn glauben, die ihm nachfolgen. Sie alle leben aus der Verherrlichung des Menschensohns.<br \/>\nSo bringt Jesu Tod viel Frucht, wie das Weizenkorn, das in die Erde f\u00e4llt und stirbt, von dem Jesus im folgenden Bildwort spricht.<\/p>\n<p>Aus Jesu Tod w\u00e4chst als Frucht die Gemeinde.<br \/>\nSeine Nachfolger erkennen in seinem Tod die sich selbst hingebende Liebe Gottes.<br \/>\nAuf diese Liebe lassen sie sich ein und sie nehmen sie als tragende Kraft ihres Lebens an.<\/p>\n<p>Dieser Zusammenhang von Tod Jesu und Leben der Gemeinde bleibt nicht auf Jesus beschr\u00e4nkt.<br \/>\nIn der Konsequenz der Nachfolge gilt dieser Zusammenhang auch f\u00fcr die Nachfolger.<br \/>\n\u201e Wer sein Leben lieb hat, der wird&#8217;s verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird&#8217;s erhalten zum ewigen Leben.<br \/>\nWer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren.\u201c<\/p>\n<p>Besonders der erste Satz: \u201eWer sein Leben lieb hat, der wird&#8217;s verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird&#8217;s erhalten zum ewigen Leben\u201c, klingt sehr schroff und extrem in unseren Ohren.<br \/>\nAllerdings nur, wenn wir ihn losgel\u00f6st vom vorhergehenden Bildwort vom Weizenkorn h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Mit denen, die ihr Leben lieben, sind zum Beispiel diejenigen gemeint, die alles auf Selbstverwirklichung setzen, die nichts anderes als ihre eigenen Interessen im Sinn haben, ihre Karriere, ihr Wohlergehen, ihren Wohlstand, ihre Lebensqualit\u00e4t, ihre \u00d6lquellen, ihre Macht, ihre Herrschaft.<br \/>\nMit ihrer atemlosen Suche nach Selbstverwirklichung und Lebenssinn verfehlen sie gerade ihr Leben.<br \/>\nSie gehen \u00fcber andere Hinweg, sie \u00fcbersehen den, der am Wegrand sitzt, global gesprochen gehen sie \u00fcber Leichen, wie wir es zur Zeit t\u00e4glich miterleben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Diejenigen, die ihr Leben hassen, sind dann beispielsweise die, die nicht nur die Durchsetzung ihrer eigenen Interessen im Blick haben.<br \/>\nEs sind die, die ihre Lebenserf\u00fcllung auch darin finden, indem sie sich f\u00fcr andere einsetzen.<\/p>\n<p>Dieses Wort vom Hassen des eigenen Lebens wird sehr leicht missverstanden. Es kann nur im engen Zusammenhang mit dem Weizenkorn, das durch sein Sterben viel Frucht bringt richtig verstanden werden.<\/p>\n<p>Jesus r\u00fchmt hier nicht Menschen, die ihr Leben hassen und verachten, weil ihre Lebensentw\u00fcrfe gescheitert sind, weil ihre Beziehungen zerbrochen sind und die frustriert aufgegeben haben, ihr Leben zu gestalten.<\/p>\n<p>Er r\u00fchmt vielmehr die Menschen, die bereit sind, sich f\u00fcr andere einzusetzen, die die Not anderer sehen und zu helfen versuchen.<\/p>\n<p>Und es gibt Menschen, die das unter Einsatz ihres eigenen Lebens tun. Gerade sah ich einen Bericht \u00fcber Rotkreuz-Helfer in Bagdad, die jetzt, mitten im Krieg, versuchen den Menschen dort zu helfen, wo es auch f\u00fcr sie am gef\u00e4hrlichsten ist. Sie tun das nicht, weil sie ihr Leben hassen und ihnen ihr Leben nichts wert ist. Sie tun das, weil ihnen das Leben der vom Krieg betroffen Menschen genauso wichtig ist, wie ihr eigenes Leben.<br \/>\nIch denke, das ist eine m\u00f6gliche Form der Nachfolge, von der Jesus spricht.<\/p>\n<p>Oder die Frau aus der Gemeinde, die mir erz\u00e4hlte, dass sie sich ganz regelm\u00e4ssig um Menschen k\u00fcmmert, die alt und allein sind, oder die in schwierigen pers\u00f6nlichen Verh\u00e4ltnissen leben. Sie tut das ganz unspektakul\u00e4r. Keiner weiss etwas davon. Sie sagt: \u201ees ist ja nur ein bisschen Zeit, die ich dazu brauche; eben ein paar Termine mehr\u201c.<\/p>\n<p>Diesen Formen der Nachfolge gilt die Verheissung, die Jesus am Ende unseres Abschnittes ausspricht: \u201ewer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren.\u201c<\/p>\n<p>Das ist die Antwort Jesu an die Griechen, die ihn sehen, ihn kennen lernen wollen.<br \/>\nWenn sie mit Jesus wirklich bekannt werden wollen, dann sollen sie ihm nachfolgen. Ihm nachfolgen in seinem Einsatz f\u00fcr andere. Indem sie die Erfahrung von Leben machen, die sich in der Hingabe an andere einstellt, sind sie Jesus nahe, begegnen sie Jesus selbst.<\/p>\n<p>Philippus und Andreas sind die Vermittler zu Jesus.<br \/>\nWir sind in ihrer Nachfolge seitdem berufen, Menschen mit Jesus bekannt zu machen, indem wir sie in die Nachfolge Jesu rufen in der und durch die wir selbst leben.<br \/>\nAmen.<\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"left\"><strong>J\u00f6rg Egbert Vogel<br \/>\n<a href=\"mailto:j.e.vogel@gmx.ch\">j.e.vogel@gmx.ch<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>L\u00e4tare | 30. 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