{"id":9397,"date":"2003-04-07T19:49:51","date_gmt":"2003-04-07T17:49:51","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9397"},"modified":"2025-04-28T09:43:52","modified_gmt":"2025-04-28T07:43:52","slug":"johannes-131-15","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-131-15\/","title":{"rendered":"Johannes 13,1-15"},"content":{"rendered":"<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Gr\u00fcndonnerstag |<\/span><span style=\"color: #000099;\"> 17. April 2003 | Johannes 13,1-15 | Hanne Sander |<\/span><\/b><\/h3>\n<p>In den Situationen, wo man auf Wiedersehen sagen und sich verabschieden mu\u00df, hat das, was gesagt wird, nat\u00fcrlich eine besondere Bedeutung, und nicht zuletzt dann, wenn ein Mensch wei\u00df, da\u00df er sterben mu\u00df, weil das dann unwiderruflich das letzte Mal ist. Wie gelingt es einem dann, wirklich das zu sagen, was man auf dem Herzen hat, so da\u00df es wirklich verstanden wird und in der Erinnerung haften bleibt? Wie kann man denen helfen, die zur\u00fcckgelassen werden? Und man kann den Eindruck bekommen, da\u00df man sich blo\u00df selbst wiederholt. H\u00f6rt euch mal selbst auf dem Bahnhof, wenn der Zug sich versp\u00e4tet und der Abschied sich verz\u00f6gert! Man hat ja schon alles gesagt.<\/p>\n<p>Und man kann das Gef\u00fchl haben, da\u00df es mehr braucht als Worte, da\u00df Worte in sich nicht deutlich genug sind. Dann kann man einander umarmen, oder der, der zur\u00fcckbleibt, kann ein Geschenk erhalten, das erst sp\u00e4ter ge\u00f6ffnet werden darf, wenn der andere fort ist. Eine Art Pfand f\u00fcr die Gegenwart des anderen &#8211; zu meinem Ged\u00e4chtnis.<\/p>\n<p>Jesus unterst\u00fctzte seine Worte durch Taten, als er am letzten Abend mit den Seinen zusammen war. Er lie\u00df Taten folgen, als er sich w\u00e4hrend des Essens erhob und seinen J\u00fcngern die F\u00fc\u00dfe wusch. Das war bekanntlich die Aufgabe des Sklaven oder des Dieners. Aber als Jesus diese Aufgabe wahrnimmt, erh\u00e4lt sie eine andere Bedeutung. Es ist nicht nur die Art und Weise, in der er sich nur f\u00fcr zu gut h\u00e4lt oder zu gro\u00df, um die notwendige dem\u00fctige Rolle auf sich zu nehmen. Versucht doch einmal, euch das vorzustellen &#8211; und ich m\u00f6chte wetten, da\u00df ihr sp\u00fcrt, wie viel F\u00fcrsorge und Z\u00e4rtlichkeit darin liegt, dem anderen die F\u00fc\u00dfe zu waschen, und wie gut einem das tut, da\u00df einer sich um mich k\u00fcmmert.<\/p>\n<p>Letztes Jahr haben wir eine Osterwanderung hier in der Kirche mit einigen dritten Klassen veranstaltet. Ich wusch nicht ihre F\u00fc\u00dfe, sondern ihre H\u00e4nde, und schon das konnte als etwas empfunden werden, das uns einander n\u00e4her brachte.<\/p>\n<p>Indem Jesus seinen Worten Taten folgen l\u00e4\u00dft, macht er deutlich, wie sehr er seine J\u00fcnger liebt, aber auch wie sehr er sich um sie sorgt. Er sieht voraus &#8211; und das mit gutem Grund &#8211; wie sie anfangen werden, um die Erbfolge zu diskutieren oder gar zu streiten, wenn er tot ist. Wer soll in der Gruppe das Sagen haben und die Gruppe f\u00fchren? Wie kann er ihnen dabei helfen, zusammenzuhalten?<\/p>\n<p>Da kommt er auf die Idee, ihre F\u00fc\u00dfe zu waschen, die Rollen des Dieners und des Herren zu vertauschen, um ihnen ein Modell und ein Vorbild zu geben, wie eine Gemeinschaft sein kann, eine herrschaftsfreie Gemeinschaft, wo es niemanden gibt, der sich \u00fcber andere stellt, weder verurteilend noch dominierend oder unterdr\u00fcckend. Aber auch die Mahlzeit, die sie gemeinsam essen, ist eine Art und Weise, den Worten Taten folgen zu lassen.<\/p>\n<p>In all dem, was an diesem Abend geschieht, ahnt Jesus, was kommen wird, den Verrat und den Tod, und er versucht, den Ereignissen zuvorzukommen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-13314 alignnone\" src=\"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/haugenkl-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"486\" height=\"274\" srcset=\"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/haugenkl-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/haugenkl-18x10.jpg 18w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/haugenkl.jpg 700w\" sizes=\"auto, (max-width: 486px) 100vw, 486px\" \/><\/p>\n<p>Ich habe mich in diesem Jahr dazu entschieden, Bilder heranzuziehen. Sie stammen von dem d\u00e4nischen Maler Arne Haugen S\u00f8rensen. Ich verwende sie sowohl heute als auch am Ostersonntag. Arne Haugen S\u00f8rensen ist ein K\u00fcnstler, der in seinen Arbeiten viel mit der Bedeutung des Osterevangeliums gearbeitet hat. Selbst meint er, da\u00df die meisten K\u00fcnstler jeder ihre eigene kleine Geschichte haben, die sie ihr ganzes Leben lang wiederholen. F\u00fcr ihn ist es &#8222;etwas \u00fcber die Liebe und die Fl\u00fcchtigkeit aller Dinge&#8220; und &#8222;etwas \u00fcber Hoffnung und die Sch\u00f6nheit einzufangen und sie festzuhalten&#8220;.<\/p>\n<p>Das Abendmahlsbild, das er 1997 malte, ist ein Altarbild f\u00fcr die Kirche in Hindborg auf der Halbinsel Salling in Nordj\u00fctland. Das Osterlamm haben sie gegessen, sie wenden sich nun Fr\u00fcchten und N\u00fcssen zu. Auf dem Tisch sind noch immer Brot und Wein. Arne Haugen S\u00f8rensen hat Jesus nicht in das Licht oder in den Mittelpunkt gestellt. Aber die Gestalt Jesu zieht dennoch klar die Aufmerksamkeit auf sich. Wir brauchen blo\u00df der Blickrichtung der J\u00fcnger zu folgen.<\/p>\n<p>Aber ich lasse den Maler selbst das Bild kommentieren: &#8222;Es dunkelt allm\u00e4hlich. Die Mahlzeit ist fast vorbei. Die blaue Stunde. Man sitzt und knabbert an einer Frucht oder einer Nu\u00df. Auf dem Tisch liegen St\u00fccke einer Wassermelone und andere Fr\u00fcchte. Die Stimmung ist etwas gedr\u00fcckt. Schicksalsschwer. Eine Person erhebt sich und geht aus der T\u00fcr ganz links. Das ist Judas. Er hat mich immer interessiert. Seine Person und das undankbare Schicksal, das ihm von Gott aufgezwungen wurde. Sicher sind dem viele lange und traurige \u00dcberlegungen vorausgegangen, ehe er sich aus der Gemeinschaft entfernt. Um seine schwere gesellschaftliche Pflicht zu erf\u00fcllen &#8211; so wie Brutus gegen\u00fcber Caesar. Die undeutliche, etwas doppelte Figur auf der Bank am Ausgang ist vielleicht derselbe Judas, nur etwas vor der Zeitrechnung, wo er unruhig beginnt, sich selbst klarzumachen, da\u00df er nicht mehr mitmachen will &#8230; Das ist der Augenblick, wo Jesus die gewaltigen Worte spricht, die das Abendmahl einsetzen. Dieselben schockierenden Worte, die \u00fcber alle Zeiten hindurch in unserer Kirche heute erklingen. Die J\u00fcnger werden \u00fcberw\u00e4ltigt, da es ihnen richtig klar wird, da\u00df das Ende naht. Einige protestieren, anderer greifen nach dem Brot, das er ihnen reicht. Ein einzelner erhebt sich best\u00fcrzt, und ein anderer sitzt noch mit dem Messer in der Hand, w\u00e4hrend er versucht, die Reichweite dessen zu verstehen, was hier geschieht&#8220;.<\/p>\n<p>Es ist deutlich, da\u00df das, was Jesus sagt und tut, Best\u00fcrzung hervorruft: Nehmt nun Brot und Wein. Das ist mein Leib und Blut, das ist mein Leben, das ich euch reiche. Die Worte werden Fleisch, und es wird zu einem Teil derer, die es empfangen. Die J\u00fcnger sehen und machen Erfahrungen mit dem, was Jesus meinte.<\/p>\n<p>Mit der Fu\u00dfwaschung und der gemeinsamen Mahlzeit will Jesus so deutlich wie m\u00f6glich die Vorstellung bek\u00e4mpfen, da\u00df eine Gemeinschaft zwischen Menschen stets durch Machtk\u00e4mpfe und Illoyalit\u00e4t gepr\u00e4gt sein mu\u00df. Nicht weil er sich dar\u00fcber Illusionen macht, da\u00df das aufh\u00f6rt &#8211; im engeren Freundeskreis ist es ja nicht nur Judas, der sich der Gemeinschaft entzieht und das Leben und die Liebe verr\u00e4t. Auch die anderen J\u00fcnger leugnen seit dem, da\u00df sie Freunde Jesu sind, sie verlassen ihn und fl\u00fcchten.<\/p>\n<p>Aber Jesus gibt die Gemeinschaft deswegen nicht auf. Er mi\u00dftraut der Liebe nicht. Auch wenn sie wieder und wieder verraten wird. Er resigniert nicht gegen\u00fcber dem Leben, auch wenn es immer wieder \u00dcbergriffen ausgesetzt ist.<\/p>\n<p>Er besteht vielmehr darauf, da\u00df die J\u00fcnger als seine Nachfolger daran erinnert werden: Das, was sie von ihm empfangen haben, sollen sie nun selbst in der Welt sein. Sie sollen den Gedanken Gottes verk\u00f6rpern, sie sollen der K\u00f6rper Christi in der Welt sein und sich selbst geben, wie er sich selbst gab, lieben, wie er liebte. Amen<\/p>\n<p>(Die Gemeinde bekommt eine kleine Kopie des Abendmahlsbildes von Arne Haugen S\u00f8rensen)<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Hanne Sander<br \/>\nPrins Valdemarsvej 62<br \/>\nDK-2820 Gentofte<br \/>\nTel.: 39 65 52 72<br \/>\n<a href=\"mailto:sa@km.dk\">E-Mail: sa@km.dk<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gr\u00fcndonnerstag | 17. 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