{"id":9398,"date":"2003-04-07T19:49:50","date_gmt":"2003-04-07T17:49:50","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9398"},"modified":"2025-04-28T09:45:02","modified_gmt":"2025-04-28T07:45:02","slug":"johannes-131-15-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-131-15-2\/","title":{"rendered":"Johannes 13,1-15"},"content":{"rendered":"<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Gr\u00fcndonnerstag |<\/span><span style=\"color: #000099;\"> 17. April 2003 | Johannes 13,1-15 | Christian Tegtmeier |<\/span><\/b><\/h3>\n<p>\u201eMit gutem Beispiel vorangehen!\u201c Wer h\u00e4tte das nicht schon einmal geh\u00f6rt oder gesagt. Und unsere Erfahrung best\u00e4tigt die Richtigkeit dieses Aussage. So wie in der Schule oder w\u00e4hrend der Lehre der Lehrer oder Meister durch sorgf\u00e4ltige Anleitung und Begleitung den Sch\u00fcler bef\u00e4higt, das gesteckte Ziel zu erreichen oder ein bestimmtes Werkst\u00fcck zu erstellen, will es Jesus uns und seine J\u00fcnger ebenso lehren. Auch er sagt: \u201eEin Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr so wie ich es getan habe, auch tun k\u00f6nnt.\u201c Und dieser Vorgabe, diesem Vorbild in der Praxis des Glaubens, in der gelebten Fr\u00f6mmigkeit also m\u00f6chten und sollen wir folgen.<br \/>\nUm welches Beispiel geht es? Worin sind wir bef\u00e4higt und in der Lage, ihm, dem Meister und Lehrer des Glaubens, zu folgen?<\/p>\n<p>Nur der Evangelist Johannes berichtet von dieser Begebenheit aus dem Leben Jesu kurz vor Ostern. Nach dem gemeinsamen Mahl wechselt der Meister seine Kleider und w\u00e4scht seinen J\u00fcngern die F\u00fc\u00dfe. Das ist f\u00fcr alle eine ungew\u00f6hnliche und \u00fcberraschende Tat. Der Meister dient seinen Sch\u00fclern \u2013 und nicht umgekehrt. Was sonst die Sch\u00fcler ihrem Lehrmeister, die Diener f\u00fcr ihren Herrn zu leisten haben, was zu ihren ureigensten Pflichten geh\u00f6rt, vollzieht beim letzten Mahl Jesus Christus selbst. Er tut dies ohne vorherige Ank\u00fcndigung, ohne Worte, eher schweigend, aber bestimmt. Und er tut es als der, der jetzt ganz unten bei den Menschen ist, einer wie das Gros, die Menge und ist doch schon zugleich der, der dann bei seinem Vater, ihm zur Rechten des Thrones sitzen wird. Noch einmal klingt der Wechsel an, den die weihnachtliche Botschaft uns ank\u00fcndigt:<\/p>\n<p>\u201eEr wechselt mit uns wunderlich, Fleisch und Blut nimmt er an und gibt uns in seins Vaters Reich die klare Gottheit dran.<br \/>\nEr wird ein Knecht und ich ein Herr, das mag ein Wechsel sein!\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnerh\u00f6rt! So geht das nicht!\u201c f\u00e4llt Petrus ein. \u201e Das ist nicht richtig. Der, der mit unserem Vater besonders verbunden ist, der uns lehrt und unterweist, zu dem wir aufblicken und der \u00fcber uns steht, wie wir meinen, dieser Jesus w\u00e4scht uns die F\u00fc\u00dfe. Das k\u00f6nnen, nein, das wollen wir nicht zulassen \u2013 er darf sich nicht sich erniedrigen und dem\u00fctigen, soll uns nicht dienen. Wir haben zu dienen, wir haben es f\u00fcr ihn zu tun. Und wir h\u00e4tten und m\u00fc\u00dften\u2026..\u201c<\/p>\n<p>Worte, die verklingen, eine Vorstellung, die berechtigt sein mag, die aber jetzt keinen Wert hat, da Jesus sie nicht weiter annimmt und bedenkt. Denn ihm ist jetzt etwas anderes wichtig: eine Gemeinschaft, in der jeder jedem dient und hilft, in der sich sichtbar und sp\u00fcrbar mitteilt, was er schon benannt hat, wenn er auf die Menge sah und sie als guter Hirte zu seiner Herde machte: im Bild vom Weinstock und den Reben oder dort, wo vom Leib und den Gliedern gesprochen wurde. Um diese Gemeinschaft, die aus Liebe, G\u00fcte und Barmherzigkeit dem N\u00e4chsten dient und sich bedienen l\u00e4sst, geht es ihm.<\/p>\n<p>Drei Gedanken haben mich besonders ber\u00fchrt und besch\u00e4ftigt, liebe Gemeinde:<\/p>\n<p>*die Worte \u201ereinigen\u201c, \u201ewaschen\u201c und \u201ezu meinem Ged\u00e4chtnis\u201c<br \/>\n*der verwunderte Petrus, der in einem zweiten Einwand sein Recht vorbringen will, und<br \/>\n*die lapidare Bemerkung \u201eWer glaubt, wird selig.\u201c<\/p>\n<p>ad 1) Die Worte vom \u201ewaschen\u201c, \u201ereinigen\u201c und \u201ezu meinem Ged\u00e4chtnis\u201c erinnern mich an eine andere Begebenheit aus dem Leben Jesu, eine Begebenheit, die sich zeitlich mit dem Geschehen der Fu\u00dfwaschung verbindet: mit dem heiligen Abendmahl. Dort lese, h\u00f6re und bemerke ich die gleichen Worte, denn es hei\u00dft: \u201e\u2026mein Blut vergossen zur Vergebung der S\u00fcnden\u2026\u201c und \u2026.\u201csolches tut, so oft ihr\u2019s trinket, zu meinem Ged\u00e4chtnis.\u201c<\/p>\n<p>Mir scheint, da\u00df Jesus zum Ende seines Lebens f\u00fcr den engsten Kreis seiner Freunde, f\u00fcr die, die nicht nur ihre Sympathie bekennen und Glauben vorgeben, sondern f\u00fcr die, die bekennen, Zeichen setzen will: Zeichen seiner Verbundenheit, seiner Liebe und Zeichen f\u00fcr seinen Einsatz. Wo er sich f\u00fcr die Menschen einbringt, ihnen dient, z.B. mit der Fu\u00dfwaschung, reinigt er sie, macht sie frei von der Last des Lebens, von S\u00fcnde und Schuld, von Gottesferne und der erlittenen Schmach durch andere. So wird darin sein Dienst, sein Einsatz uns, zum Wohle deutlich.<\/p>\n<p>ad 2) Da ist der verwunderte Petrus, der in einem weiteren Einwand sein Recht vorbringt. Vielleicht ist Petrus nicht nur mit eigenem Anliegen dabei, m\u00f6glicherweise spricht er auch f\u00fcr die anderen J\u00fcnger, wenn er zu bedenken gibt: Soll das mit den F\u00fc\u00dfen reichen? M\u00fc\u00dftest du uns nicht auch die H\u00e4nde und den Kopf waschen? M\u00fc\u00dften wir nicht ganz und gar von dir gereinigt werden? Reicht ein Teil f\u00fcr das Ganze? &#8211; Petrus begegnet mir als einer, der nicht mit dem zufrieden ist, worin ihm sein Meister dient. Noch reicht es nicht aus, noch wei\u00df er es seinem Lehrer gegen\u00fcber besser. Noch will er es verbessert wissen, bevor er sagen kann: \u201eGut gemacht mein Lieber, jetzt erkenne ich deine Kompetenz an!\u201c Petrus ist also ein Mensch, der Gott berichtigt, korrigiert, es ganz genau nimmt. Bei Gott darf um Himmels Willen nichts fehlen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Jesus hingegen reicht ein Teil, ein Teil f\u00fcr das Ganze &#8211; pars pro toto \u2013 wie die Leute sagen. Wer dabei dann den Glauben an ihn hat, der ist gerettet, weil sich der Sinn und die Absicht, die in der Geste der Fu\u00dfwaschung liegen mit der Vergebung der S\u00fcnden im Abendmahl verbinden.<\/p>\n<p>ad 3) Ja, soweit reicht die Liebe Jesu: wer glaubt, der wird selig. Sie umgreift jeden, der voller Vertrauen seiner Einladung folgt, sie umgreift auch den, der zum Verrat entschlossen ist. Wer \u00f6ffentlich f\u00fcr Jesus eintritt, hat bereits Teil an der neuen Welt. Selbstlos, aufopfernd verschenkt er sich, l\u00e4\u00dft erfahren, was jetzt bereits beginnt und morgen endet: am Passahabend seinen Anfang nimmt und bis zum Abend der Kreuzigung reicht: Kreuz und Lieben, Urteil und Vergebung, beides zusammen in Jesus Christus.<\/p>\n<p>Wer hier glaubt, der wird selig werden! Wer hingegen nicht glaubt, den l\u00e4\u00dft auch Christi Liebe unber\u00fchrt, so wie Judas Ischariot, der trotz aller Zuwendung und Liebe andere Pl\u00e4nen, W\u00fcnschen und Absichten folgt.<br \/>\n\u201e Denn er wusste, dass ihn einer verraten werden. Deswegen sagte er, da\u00df nicht jeder rein sei.\u201c<\/p>\n<p>Von selbst und ohne meine innere Zuwendung und Offenheit kann diese Liebe, Gottes G\u00fcte , mich nicht erreichen. Es w\u00e4re ein Irrtum zu meinen, wenn Gottes Liebe mich umfa\u00dft, dann bin ich seiner Gnade ein f\u00fcr alle Male sicher. Im Gegenteil, ein Geschenk will auch mit offenen H\u00e4nden und frohem Herzen angenommen werden, sonst bleibt es kein Geschenk. Am Beispiel des Verr\u00e4ters wird das deutlich: ein jeder darf, kann und soll um Gottes Willen teilhaben an seiner Liebe, an seinem Dienst f\u00fcr den anderen. Wer sich verschlie\u00dft, wer sich im Herzen verweigert und ablehnend die Geste zur\u00fcckweist, hat nicht teil an der Gnade. Gott l\u00e4\u00dft ihm je neu und je anders die Chance zur Umkehr, nur mu\u00df ich sie ergreifen, um gerettet zu werden.<br \/>\n\u201e Wer es glaubt, der wird selig. Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich es auch getan habe.\u201c<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Christian Tegtmeier<br \/>\nPfarrer in Kirchberg<br \/>\nTelefon: 05381-8602<br \/>\n<a href=\"mailto:gabriele.tegtmeier@t-online.de\">E-Mail: gabriele.tegtmeier@t-online.de<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gr\u00fcndonnerstag | 17. April 2003 | Johannes 13,1-15 | Christian Tegtmeier | \u201eMit gutem Beispiel vorangehen!\u201c Wer h\u00e4tte das nicht schon einmal geh\u00f6rt oder gesagt. Und unsere Erfahrung best\u00e4tigt die Richtigkeit dieses Aussage. 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