{"id":9405,"date":"2003-04-07T19:49:49","date_gmt":"2003-04-07T17:49:49","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9405"},"modified":"2025-04-28T10:15:51","modified_gmt":"2025-04-28T08:15:51","slug":"matthaeus-27-57-61","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-27-57-61\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 27, 57 &#8211; 61"},"content":{"rendered":"<h3>Karsamstag | 19. April 2003 | Matth\u00e4us 27, 57 &#8211; 61 | Paul Kluge |<\/h3>\n<p><strong>Jesu Grablegung<\/strong><\/p>\n<p><em>57 [a] Am Abend aber kam ein reicher Mann aus Arimath\u00e4a, der hie\u00df Josef\u00a0und war auch ein J\u00fcnger Jesu.<\/em><br \/>\n<em>a) (57 und 58) 5. Mose 21,22-23\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>58 Der ging zu Pilatus und bat um den\u00a0Leib Jesu. Da befahl Pilatus, man sollte ihm ihn geben.<\/em><br \/>\n<em>59 Und Josef nahm\u00a0den Leib und wickelte ihn in ein reines Leinentuch<\/em><br \/>\n<em>60 und legte ihn in\u00a0sein eigenes neues Grab, das er in einen Felsen hatte hauen lassen, und\u00a0w\u00e4lzte einen gro\u00dfen Stein vor die\u00a0T\u00fcr des Grabes und ging davon.<\/em><br \/>\n<em>61 Es waren aber dort Maria von Magdala\u00a0und die andere Maria; die sa\u00dfen\u00a0dem Grab gegen\u00fcber.<\/em><\/p>\n<p>Liebe Geschwister,<\/p>\n<p>als Jesus gestorben war, verzogen sich die Schaulustigen allm\u00e4hlich,<br \/>\nund mit ihnen verzogen sich die J\u00fcnger. Die beiden Frauen waren<br \/>\nauf Golgatha geblieben, um zu klagen, wie es Sitte war. Vor allem aber,<br \/>\nweil ihren Herzen nach Klagen war. Der, von dem sie so viel erwartet<br \/>\nhatten, war wie ein Verbrecher, ja, als Verbrecher hingerichtet worden.<br \/>\nF\u00fcr sie war eine Welt zusammengebrochen, ihre Hoffnung hatten sie<br \/>\nverloren. Nun f\u00fchlten sie sich verloren, waren es wohl auch: Alle<br \/>\nVerbindungen zu ihren Familien und Freunden hatten sie und hatten jene<br \/>\nabgebrochen, sie konnten nicht zur\u00fcck. Und wie es weitergehen k\u00f6nnte,<br \/>\nsahen sie nicht. Schmerz, Trauer, Dunkel f\u00fcllte sie aus. Mal sa\u00dfen<br \/>\nsie schweigend auf der Erde, dann wieder sch\u00fcttelte sie tiefes Schluchzen,<br \/>\ndas in lautes Klagen \u00fcberging.<\/p>\n<p>Sie waren die einzigen auf dem H\u00fcgel. Um die anderen Hingerichteten<br \/>\nklagte niemand; einsam, au\u00dferhalb der Gemeinschaft hatten sie gelebt<br \/>\nund einsam waren sie gestorben. Arme Menschen. Doch die beiden Frauen<br \/>\ndachten nicht \u00fcber sie nach, sondern \u2013 soweit ihr Schmerz<br \/>\ndas zulie\u00df \u2013 dar\u00fcber, wie es ohne Jesus weitergehen<br \/>\nk\u00f6nnte. Doch solche Gedanken erzeugten ein Gef\u00fchl gro\u00dfer,<br \/>\ndunkler Leere. Sie sprachen dar\u00fcber miteinander, Tr\u00e4nen begannen<br \/>\nzu flie\u00dfen, sie umarmten einander, um sich an einander zu tr\u00f6sten.<\/p>\n<p>So bemerkten sie nicht die kleine Schar, die den H\u00fcgel hinaufkam.<br \/>\nErst als sie ged\u00e4mpfte Stimmen h\u00f6rten und die Tritte eines<br \/>\nEsels, blickten sie auf. Auf dem Esel sa\u00df ein gut gekleideter Mann,<br \/>\nzwei andere in sch\u00e4bigen Fetzen liefen nebenher. Der Mann auf dem<br \/>\nTier kam ihnen bekannt vor, auf ihrer Wanderung mit Jesus mu\u00dften<br \/>\nsie ihn irgendwo getroffen haben. Er gr\u00fc\u00dfte, nannte seinen<br \/>\nNamen: Joseph aus Arimath\u00e4a. Sie erinnerten sich. Der Mann war einmal<br \/>\nzu Jesus gekommen, nachdem er in einer Synagoge gepredigt hatte. War<br \/>\nvon dem Geh\u00f6rten so beeindruckt gewesen, da\u00df er am liebsten<br \/>\nmitgezogen w\u00e4re. Doch weil er diesen Schritt nicht wagte, hatte<br \/>\ner eine gro\u00dfz\u00fcgige Spende \u00fcberreicht. In Jerusalem hatten<br \/>\nsie ihn wiedergetroffen, und wom\u00f6glich war es eines seiner H\u00e4user<br \/>\ngewesen, in dem sie das Passahmahl gefeiert hatten. Was wollte der jetzt<br \/>\nhier?<\/p>\n<p>Die Frauen erwiderten seinen Gru\u00df, und als ob er ihre Fragen ahnte,<br \/>\nsagte Joseph, er wolle Jesus begraben. Schlie\u00dflich m\u00fcsse man<br \/>\neinen Hingerichteten vor Sonnenuntergang begraben, so sage es die Schrift.<\/p>\n<p>Inzwischen hatten die beiden anderen M\u00e4nner den Leichnam Jesu vom<br \/>\nKreuz genommen und in ein Leinentuch gewickelt, dann legten sie ihn auf<br \/>\nden Esel. Er habe ein Felsengrab, erz\u00e4hlte Joseph, dort wolle er<br \/>\nJesus bestatten. Ob sie ihn begleiten wollten, fragte er die Frauen.<\/p>\n<p>So setzte sich ein kleiner Trauerzug in Bewegung, Joseph f\u00fchrte<br \/>\nden Esel, dahinter die beiden M\u00e4nner, von Joseph gedungene Tagel\u00f6hner,<br \/>\nund dann die beiden Frauen. \u201eIch erinnere mich, unter welchem Jubel<br \/>\nJesus vor wenigen Tagen in die Stadt eingezogen ist,\u201c sagte Joseph<br \/>\nmehr zu sich als zu den anderen, \u201eund jetzt tragen wir ihn fast<br \/>\nheimlich zu Grabe. ..\u201c Die Frauen schluchzten auf. Schweigend ging<br \/>\nder Zug weiter, bis er das Familiengrab des Joseph erreicht hatten. Die<br \/>\nbeiden M\u00e4nner legten den Leichnam auf eine steinerne Bank, Joseph<br \/>\nund die beiden Frauen standen in der H\u00f6hle und beteten still. Dann<br \/>\nstimmte Joseph ein Lied an. Mit leiser, klarer Stimme sang er:<\/p>\n<p>\u201eDer Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich<br \/>\nauf einer gr\u00fcnen Aue und f\u00fchret mich zum frischen Wasser. Er<br \/>\nerquicket meine Seele. Er f\u00fchret mich auf rechter Stra\u00dfe um<br \/>\nseines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, f\u00fcrchte<br \/>\nich kein Ungl\u00fcck; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab tr\u00f6sten<br \/>\nmich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du<br \/>\nsalbest mein Haupt mit \u00d6l und schenkest mir voll ein. Gutes und<br \/>\nBarmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben<br \/>\nim Hause des Herrn immerdar.\u201c<\/p>\n<p>Es wurde still im Grab, und mit der Stille kam Ruhe in die Trauernden.<br \/>\nDer Psalm tat seine Wirkung. Maria aus Magdala k\u00fc\u00dfte den Leichnam<br \/>\ndurch das Tuch, die andere Maria ber\u00fchrte ihn zart mit der Hand,<br \/>\nJoseph verfluchte die r\u00f6mischen Besatzer. Die drei verlie\u00dfen<br \/>\ndas Grab, und die beiden M\u00e4nner verschlossen es mit dem Rollstein.<br \/>\nJoseph dr\u00fcckte ihnen einen guten Lohn in die Hand, dann hatte er<br \/>\nes pl\u00f6tzlich eilig, und auch die beiden M\u00e4nner gingen davon.<br \/>\nDie Frauen waren wieder allein.<\/p>\n<p>Doch jetzt, nach dem Begr\u00e4bnis, waren sie ruhiger. Sie setzen sich<br \/>\ndem Rollstein gegen\u00fcber auf einen Stein und blickten auf das verschlossene<br \/>\nGrab. Das hatte etwas erschreckend Endg\u00fcltiges, trennte sie f\u00fcr<br \/>\nimmer von Jesus. Nur die Erinnerung blieb ihnen, die Erinnerung an das,<br \/>\nwas er f\u00fcr sie gewesen war, was sie von ihm gelernt, mit ihm erlebt<br \/>\nhatten. Sie begannen, einander davon zu erz\u00e4hlen, auch, wie sich<br \/>\nihr Leben durch ihn ver\u00e4ndert hatte und wie sie vor der Begegnung<br \/>\nmit Jesus gelebt hatten. Manches wu\u00dften sie von einander, anderes<br \/>\nhatten sie bisher lieber f\u00fcr sich behalten. Doch hier, am Grab dieses<br \/>\ngeliebten Menschen, wuchs eine neue Vertrautheit zwischen ihnen. Sie<br \/>\nsp\u00fcrten, da\u00df sie sich auf einander verlassen konnten.<\/p>\n<p>Mit dem Erz\u00e4hlen kam auch die eine oder andere Erinnerung an heitere<br \/>\nErlebnisse mit Jesus, und sie merkten, da\u00df sie wieder schmunzeln<br \/>\nkonnten. Das tat ihnen gut, erhellte die dunkle Leere in ihnen ein wenig.<br \/>\nSie konnten den Gedanken an ein Leben ohne den Verstorbenen wenigstens<br \/>\nf\u00fcr Momente aushalten, obwohl sie noch keine Vorstellungen davon<br \/>\nhatten. Das verschlossene Grab aber zeigte es ihnen fast schmerzhaft<br \/>\ndeutlich, da\u00df sie nun auf sich gestellt waren.<\/p>\n<p>\u201eWir haben so viel von Jesus gelernt, haben so viel von ihm geh\u00f6rt<br \/>\nund gesehen \u2013 das ist unser Erbe. La\u00df es uns gut verwalten!\u201c sagte<br \/>\nMaria aus Magdala etwas unerwartet in ein friedliches Schweigen hinein, \u201ela\u00df uns<br \/>\nzu den anderen gehen und mit ihnen dar\u00fcber reden, wie es nun weitergeht.\u201c Die<br \/>\nandere Maria konnte sich noch nicht trennen, wollte noch bleiben und<br \/>\ndem Vergangenen nachtrauern, w\u00e4hrend die aus Magdala begann, sich<br \/>\num die anderen J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger zu sorgen. Schlie\u00dflich<br \/>\nschlug sie vor, gleich am n\u00e4chsten Morgen wieder zum Grab zu gehen.<br \/>\nMit einem Seufzer erhob sich die andere Maria, und beide gingen wie gute<br \/>\nSchwestern zur\u00fcck zu den anderen. Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p>M\u00f6gliche Ges\u00e4nge: Wir danken dir, Herr Jesu Christ, EG 79;<br \/>\nNun geh\u00f6ren unsre Herzen, EG 93; M\u00f6gliche Ges\u00e4nge: Ich<br \/>\nsteh vor dir mit leeren H\u00e4nden, EG 382; Meinen Jesus la\u00df ich<br \/>\nnicht, EG 402<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Paul Kluge, Provinzialpfarrer im Diakonischen Werk<br \/>\nin der Kirchenprovinz<br \/>\nSachsen<br \/>\n<a href=\"mailto:Paul.Kluge@t-online.de\">E-Mail:<br \/>\nPaul.Kluge@t-online.de<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Karsamstag | 19. April 2003 | Matth\u00e4us 27, 57 &#8211; 61 | Paul Kluge | Jesu Grablegung 57 [a] Am Abend aber kam ein reicher Mann aus Arimath\u00e4a, der hie\u00df Josef\u00a0und war auch ein J\u00fcnger Jesu. a) (57 und 58) 5. Mose 21,22-23\u00a0 58 Der ging zu Pilatus und bat um den\u00a0Leib Jesu. 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