{"id":9413,"date":"2003-04-21T19:49:49","date_gmt":"2003-04-21T17:49:49","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9413"},"modified":"2025-04-28T10:28:39","modified_gmt":"2025-04-28T08:28:39","slug":"motorradgottesdienst-ueber-psalm-139","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/motorradgottesdienst-ueber-psalm-139\/","title":{"rendered":"Psalm 139"},"content":{"rendered":"<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Motorradgottesdienst | <\/span><\/b><b><span style=\"color: #000099;\">Ostersonntag |<\/span><span style=\"color: #000099;\"> 20. April 2003 | Psalm 139 | Erich Faehling |<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>Sperrvermerk:<br \/>\nDie Predigt darf nicht &#8211; auch nicht auszugsweise &#8211; vor dem 20.4.2003, 13<br \/>\nUhr ver\u00f6ffentlicht werden. Es gilt das gesprochene Wort.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Fr\u00fcher gab es einmal eine ganz witzige Werbung: Nachdem ein Gem\u00fcselaster irgendwo in einem franz\u00f6sischen Dorf durch die Schuld eines deutschen urlaubers umgekippt war und die Menschen das Streiten anfingen, wer nun die Schuld h\u00e4tte, erhob ein kleiner schnauzb\u00e4rtiger Mann mit blauer Uniformm\u00fctze den Zeigefinger und sagte mahnend:<br \/>\n\u201e Offentlisch Alliance-versischert!\u201c<br \/>\nInzwischen haben sich die Bilder etwas ver\u00e4ndert. Sicherheit ist noch wichtiger geworden, und zugleich ist die Werbung aggressiver geworden bis hin zu dem Opa, der aus dem Raumschiff steigt, um sich bei sich selbst als jungem Mann f\u00fcr seine mickrige Rente zu bedanken. Dazwischen wird zu unserer Sicherheit das ganze Spektrum angeboten: 25 Airbags f\u00fcr sicheres Ankommen genauso wie L\u00e4tta f\u00fcr ein gesichertes Liebesleben und nicht zu vergessen Ikea, damit wir nicht mehr nur wohnen, sondern schon leben.<\/p>\n<p>Leben, sicher, sicher Leben.<br \/>\nUnd dazu selbst im Krieg die Gewissheit, die schreckliche Gewissheit, jedenfalls f\u00fcr einige, dass sie, wenn sie schon sterben m\u00fcssen, wenigstens durch die Bomben der eigenen Landsleute sterben, friendly fire, wie es unglaublich verniedlichend hei\u00dft.<\/p>\n<p>Sicher leben, Leben in Sicherheit, die Palette dessen, was wir daf\u00fcr tun ist unglaublich gro\u00df. Sie reicht von einem Angriffskrieg, der vor Waffen sch\u00fctzen soll, die es vielleicht gar nicht gibt &#8211; man h\u00e4tte doch auch weiter friedlich danach suchen k\u00f6nnen. Sie reicht von einem Angriffskrieg bis in die kleinsten Ver\u00e4stelungen unseres Privatlebens, wo wir immer noch neue Details entdecken und vermarktet bekommen, die unser Leben noch ein bisschen sicherer machen.<\/p>\n<p>Sicherheit, ein gro\u00dfes Thema unseres Lebens. Und immer wieder denke ich: Wir packen es aber am ganz falschen Ende an. Das hat Dimensionen \u00fcbrigens bis hinein in unser gemeinsames Hobby, das Motorradfahren: Da wird Sicherheit auch immer gr\u00f6\u00dfer geschrieben und perfekter umgesetzt. Bremsen werden immer gr\u00f6\u00dfer dimensioniert, Airbags gibt es auch schon im Motorrad, ABS sollte Standard werden, usw. Und dennoch, mal Hand aufs Herz, die meiste Sicherheit bringt es, wenn wir nicht wie die Wahnsinnigen heizen, sondern unter Verzicht auf manches vor allem versuchen, heil anzukommen.<\/p>\n<p>Aber bevor das jetzt nach einer Predigt klingt, die den Spa\u00df verderben will, m\u00f6chte ich Euern Blick noch auf etwas Anderes lenken:<br \/>\nSicherheit f\u00fcr unser Leben, und was wir so daf\u00fcr tun, bzw. bereit sind in Kauf zu nehmen &#8211; nehmt das doch noch einmal besonders wahr als ein Thema am Osterfest.<br \/>\nOstern, dieses Fest, das schon vor den Ostereiern und Osterhasen begann, als damals dieser Mensch Jesus, dieser Sohn Gottes, diese schier unfassbare Figur der Weltgeschichte ganz auf Sicherheit in seinem Leben verzichtete, sehenden Auges seinen Weg bis in den Tod am Kreuz ging, starb unter unw\u00fcrdigen Bedingungen, gefoltert, gequ\u00e4lt, verendet. Und &#8211; und das ist das Geniale &#8211; tief drinnen sicher war, dass er nicht verloren gehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Er hat gezweifelt der Jesus \u201emein Gott, warum hast du mich verlassen\u201c, er hat gerungen mit seinem Schicksal \u201ewenn es m\u00f6glich ist, dann lass diesen Kelch an mir vor\u00fcbergehen\u201c, aber er ist dennoch auf der Spur geblieben. Und heute ist er im Himmel, am Ziel, so sicher, wie man im Leben nur sein kann.<br \/>\nEr war ganz ohne Alliance-Versischerung, ganz ohne Airbag, ganz ohne ABS und Zeitgeistmargarine. Ich will sagen, er war ohne komplette Kontrolle seines Lebens, er war alle Zeit dem Leben und den Menschen ein geh\u00f6riges St\u00fcck weit ausgeliefert. Und doch, das ist das Wunderbare, war er tief drinnen sicher, sicher, dass er nicht verloren gehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Dass das so war, soll kein einmaliger Fall gewesen sein. Jesus ist kein Museumsst\u00fcck hinter Panzerglas, kein Denkmal zum Bewundern.<br \/>\nSondern er war und ist Vorl\u00e4ufer, Vorausg\u00e4nger, einer, der die Richtung zeigen will.<br \/>\nDas hei\u00dft: Wir alle, jede und jeder von uns hat die Chance, dieselbe Lebenserfahrung zu machen wie Jesus.<br \/>\nNehmen wir mal uns Biker: Alles, was uns begegnet im Leben auf zwei R\u00e4dern und im Leben vor und nach dem Motorrad, k\u00f6nnen wir sehen und stellen unter das Versprechen Gottes, allezeit an unserer Seite zu sein. Wir k\u00f6nnen davon ausgehen, dass genau wir damals dieser Jesus am Kreuz wir an keiner Stelle unseres Lebens verlassen sind. Wir k\u00f6nnen sicher sein, dass Gott mit uns Lust und Last des Lebens teilt, unsere Kurvenlage mit genie\u00dft, unsere geheimen \u00c4ngste kennt und unsere Trauer im Leben mit tr\u00e4gt.<br \/>\nEr wei\u00df &#8211; noch genauer als wir selbst &#8211; warum wir manchmal so besinnungslos am Gasgriff drehen, er wei\u00df, was wir an Mangel im Leben ersetzen, wenn wir den Vorderreifen hochrei\u00dfen, er sieht, was in uns brennt, so dass Hinterreifen qualmen m\u00fcssen. Er sieht die weichen Seiten in unserer Seele, die wir mit rauhen Spr\u00fcchen und coolem Gehabe tarnen, und er wei\u00df vor allem, wie gerne wir leben, wirklich echt und gl\u00fccklich leben wollen.<br \/>\nUnd wo wir es zuweilen so vergeblich versuchen, bietet er sich als Alternative an.<br \/>\n\u201e Bau mich ein\u201c, schl\u00e4gt er vor. \u201eSprich mit mir, bevor Du Entscheidungen triffst. Teil mit mir, was Dich bewegt. Auf der Maschine h\u00f6rt Dich keiner, aber ich h\u00f6r Dir zu, falls Du still betest, mir sagst, was Du auf dem Herzen hast.\u201c<br \/>\nGott ist da. Das ist ganz real gemeint.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df, dass viele Menschen das nicht h\u00f6ren wollen oder vielleicht auch nur nicht zu glauben wagen.<br \/>\nAber ich frage Euch, und gebt Euch selbst die Antwort auf diese Frage:<br \/>\nWenn das mit Gott wirklich nur erfunden w\u00e4re, w\u00e4re es dann denn nicht gro\u00dfer Quatsch, dass wir an den Nahtstellen unseres Lebens, Taufe, Konfirmation, Hochzeit, Beerdigung z.B. immer wieder zu ihm kommen? Und ist es nicht so, dass wir immer wieder, und zwar gerade an entscheidenden Stellen unseres Lebens, sehr sp\u00fcren, dass da mehr ist, als wir fassen und kontrollieren k\u00f6nnen?<br \/>\nHat nicht fast jeder schon das Leben von einer Seite kennen gelernt, die uns vermuten l\u00e4sst, dass da mehr im Spiel ist, als Menschen allein tun k\u00f6nnen? Ich habe schon gesehen, wie Kinder auf die Welt glitten, und ich war schon dabei, wenn die Seele im Sterben den K\u00f6rper eines Menschen verlassen hat. Beides sind heilige Augenblicke, in den wir nicht alleine sind.<\/p>\n<p>Und ich will Euch vorschlagen, dass Ihr Euch aus diesem Bewusstsein heraus durch m\u00f6glichst nicht mehr verunsichern lasst, sondern Gottes Dabeisein genie\u00dft, Mut daraus sch\u00f6pft, Euch mit einbringt in ein Leben und in Zusammenh\u00e4nge des Lebens, die weit gr\u00f6\u00dfer sind, als unser Verstand und unser \u00dcberblick reichen.<br \/>\nUnd ich m\u00f6chte Euch vorschlagen, aus Gottes Anwesenheit ein ganzes St\u00fcck Sicherheit zu gewinnen, viel mehr, als je eine Versicherung, jeder Zeitgeist, oder jede menschliche Kontrolle es k\u00f6nnten.<br \/>\nAnders gesagt: Lasst Euch ein St\u00fcck weit in Gottes Segen fallen. Er kann gut f\u00fcr uns sorgen, besser als viele, die das versprechen und dabei in Wirklichkeit blo\u00df einen Markt schaffen und sich selbst bedienen.<br \/>\nOstern ist das Fest der Sicherheit, die noch nicht einmal durch den Tod aufgehoben wird. Gott l\u00e4sst sich nicht vertreiben. Und wer ihm vertraut, den macht er frei, frei von Angst, frei zum Leben, frei, die eigenen Wege zu gehen in dem Bewusstsein: \u201eIch bin nie allein, Gott geht mit mir.\u201c<br \/>\nH\u00f6rt zum Abschied noch ein kurzes St\u00fcck aus einem wunderbaren Gebet, dass in der Bibel steht, Psalm 139.<\/p>\n<p>HERR, du erforschest mich und kennest mich. 2 Ich sitze oder stehe auf, so wei\u00dft du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. 5 Von allen Seiten umgibst du mich und h\u00e4ltst deine Hand \u00fcber mir. 8 F\u00fchre ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da. 9 N\u00e4hme ich Fl\u00fcgel der Morgenr\u00f6te und bliebe am \u00e4u\u00dfersten Meer, 10 so w\u00fcrde auch dort deine Hand mich f\u00fchren und deine Rechte mich halten.<\/p>\n<p>Nehmt es als Geschenk zu Ostern, dass wir das glauben d\u00fcrfen. Und versucht, sicher zu sein, tief drinnen, dass niemand von uns verloren zu gehen braucht, nicht an das Leben, nicht an den Tod, an nichts und niemanden, niemals.<br \/>\nAmen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Erich Faehling<br \/>\n<a href=\"mailto:KircheBokhorst@t-online.de\">E-Mail: KircheBokhorst@t-online.de<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Motorradgottesdienst | Ostersonntag | 20. April 2003 | Psalm 139 | Erich Faehling | Sperrvermerk: Die Predigt darf nicht &#8211; auch nicht auszugsweise &#8211; vor dem 20.4.2003, 13 Uhr ver\u00f6ffentlicht werden. Es gilt das gesprochene Wort. 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