{"id":9417,"date":"2003-04-07T19:49:49","date_gmt":"2003-04-07T17:49:49","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9417"},"modified":"2025-04-28T11:10:11","modified_gmt":"2025-04-28T09:10:11","slug":"lukas-24-13-35-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-24-13-35-5\/","title":{"rendered":"Lukas 24, 13-35"},"content":{"rendered":"<h3><b><span style=\"color: #000099;\"><strong>Der Lebendige begegnet uns auf dem Weg der Hoffnungslosigkeit | <\/strong>Ostermontag | 21. April 2003 | Lukas 24, 13-35 | Berthold W. K\u00f6ber |<\/span><\/b><\/h3>\n<p>\u201eDer Herr ist auferstanden!\u201c \u2013 \u201eEr ist wahrhaftig auferstanden!\u201c<br \/>\nSo begr\u00fc\u00dfen sich am Ostertag die orthodoxen morgenl\u00e4ndischen Christen, auch diejenigen, die der Kirche nicht nahe stehen. In diesem Gru\u00df dr\u00fcckt sich die \u00fcberschw\u00e4ngliche Freude dar\u00fcber aus, dass der Herr Jesus vom Tod erstanden ist und lebt; dieser Gru\u00df teilt diese Freude mit und m\u00f6chte, dass die ganze Welt und im besonderen die Gegr\u00fc\u00dften von ihr erf\u00fcllt und getragen werden.<\/p>\n<p>Der Herr ist auferstanden! Er lebt! Er wird euch begegnen!<br \/>\nSo wird den Frauen am leeren Grab, so wird den J\u00fcngern verk\u00fcndet.<br \/>\nDoch da ist keine Freude. Ganz unerwartet ist diese Nachricht. Niemand ist darauf vorbereitet, weder die Frauen am Grab, noch die J\u00fcnger im Haus, noch sonst wer. Ihre Herzen sind verschlossen. Sie sind ganz von dem befangen, was sich in den vergangenen Tagen abgespielt hatte. Sie hatten den von ihnen geliebten und verehrten Herrn und Meister verloren, und dazu noch auf noch so schreckliche Weise. Er, der soviel Gutes gesagt und getan hatte, war als Verbrecher hingerichtet worden. Er hatte ihnen Mut und Hoffnung geschenkt. Ein Neues hatte mit ihm angefangen. Seinetwegen hatte es sich gelohnt, alles aufzugeben und ihm nachzufolgen&#8230;<br \/>\nEs sollte nicht sein. Das Vergangene war eben doch nicht vergangen. Es war mit Macht gegenw\u00e4rtig. Es hatte sie wieder eingeholt und l\u00e4hmte ihre Gedanken, ihre Herzen, ihre Blicke.<\/p>\n<p align=\"center\">*<\/p>\n<p>Und so machen sich zwei der J\u00fcnger auf, um in ihre Vergangenheit zur\u00fcckzukehren. Dorthin, von wo sie einst voller Hoffnung aufgebrochen waren. Das Vergangene bestimmt ihre Herzen, ihre Gedanken, ihre Gespr\u00e4che. Es ist ein Weg der Trauer und der verlorenen Hoffnungen, ein Weg der Ohnmacht und der Resignation. Die unerh\u00f6rte Nachricht l\u00e4\u00dft ihre Herzen kalt. F\u00fcr sie bleibt der Lebendige tot.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen sie verstehen, wir k\u00f6nnen ihnen nachempfinden. Es ergeht uns \u00e4hnlich wie diesen beiden J\u00fcngern. Ihre Gedanken und Gef\u00fchle sind uns nicht fremd. Wer hatte nicht auch gro\u00dfe Hoffnungen? Lebensmut und Zuversicht? Tr\u00e4ume von einer sch\u00f6nen, erf\u00fcllten Zukunft? Einen \u00fcberzeugten Glauben an Gott, an seine Gerechtigkeit, seine Liebe? Und dann kamen sie, die Ereignisse, die uns ersch\u00fctterten und ern\u00fcchterten. Unsere langj\u00e4hrige, und nun gescheiterte Beziehung. Das Wegziehen der Kinder. Die schwere Erkrankung. Der Verlust des Arbeitsplatzes. Die 37. erfolgslose Bewerbung. Der Unfalltod des besten Freundes. Die vergeblichen Bem\u00fchungen um den Frieden und der blutige Krieg&#8230; Ereignisse, die uns \u00fcberdeutlich bewu\u00dft werden lassen: die Vergangenheit ist nicht vergangen. Sie ist gegenw\u00e4rtig und bestimmt unser Leben.<br \/>\nDer Herr ist auferstanden? So unerh\u00f6rt neu ist diese Botschaft f\u00fcr uns nicht. Und nur zu deutlich stehen unsere negativen Lebenserfahrungen dagegen. Zu gro\u00df sind unsere Entt\u00e4uschungen, zu tief die Verletzungen, zu deutlich die Machtlosigkeit, zu stark die Zweifel. Die Zukunft ist dunkel.<br \/>\nWir befinden uns auf \u00e4hnlichem Weg wie die beiden Emmausj\u00fcnger.<\/p>\n<p align=\"center\">*<\/p>\n<p>Auf diesem Weg gesellt sich ein Fremder zu ihnen. Ein Fremder? Sie erkennen ihn nicht. Wie sollten sie es auch mit ihren verschlossenen Herzen? Da ist kein Raum f\u00fcr das Neue, f\u00fcr das Leben, f\u00fcr den Lebendigen.<br \/>\nEr begleitet sie auf diesem Weg. Er h\u00f6rt sie an, l\u00e4\u00dft sie ihr Herz aussch\u00fctten,<br \/>\nihre Entt\u00e4uschung, ihre Ratlosigkeit, ihre Hoffnungslosigkeit.<br \/>\nEr redet mit ihnen. Er l\u00e4\u00dft das Wort der Schrift zu ihnen sprechen&#8230;<br \/>\nIhr Herz beginnt, sich zu \u00f6ffnen. Zun\u00e4chst f\u00fcr seine Worte. Dann f\u00fcr ihn.<br \/>\n\u201e Bleibe bei uns, denn es will Abend werden\u201c, bitten sie ihn. Und er bleibt.<br \/>\nSie setzen sich zu Tisch.<br \/>\nDa nimmt er das Brot, und bricht es und gibt es ihnen. Wie vor wenigen Tagen, als er sich ihnen im Brot schenkte&#8230; Da erkennen sie ihn! Er lebt! Er war mit uns auf unserem Weg! Er hat zu uns geredet. Und unser Herz brannte. Er ist es wirklich!<\/p>\n<p>Da macht es nichts mehr aus, dass er ihren Blicken entschwindet. Wie weggewischt sind Trauer, M\u00fcdigkeit und Hoffnungslosigkeit. Sie eilen, Dunkelheit und Gefahren nicht achtend, zur\u00fcck, um auch den anderen die Freude zu bringen. Das neue Leben ist angebrochen. Ein Zur\u00fcck in die Vergangenheit gibt es nicht mehr.<\/p>\n<p>\u201eDer Herr ist wahrhaftig auferstanden!\u201c So begr\u00fc\u00dfen sich die J\u00fcnger in kaum fa\u00dfbarer Freude \u00fcber das Unerh\u00f6rte. Etwas ganz Neues ist Wirklichkeit geworden. Das es noch nicht gegeben hat \u2013 sie erleben es. Die verlorenen Hoffnungen, die zerst\u00f6rten Illusionen, die Furcht und die Resignation, die ihre Herzen in den schrecklichen letzten Tagen in Bann geschlagen hatten \u2013 sie m\u00fcssen der Freude weichen. Die Zukunft ist angebrochen. &#8211; Und pl\u00f6tzlich ist es dann der Auferstandene selbst, der bei ihnen ist.<\/p>\n<p>Auch wir sind auf den Wegen unseres Lebens nicht allein, und m\u00f6gen sie noch so hoffnungslos sein. Unser lebendiger Herr Jesus geht mit uns \u2013 auch wenn er uns ferne scheint, auch wenn unser verschlossenes Herz ihn nicht wahrnimmt. Wenn wir nur noch Leiden und Kreuz sehen. Und eine dunkle Zukunft. Wir k\u00f6nnen mit ihm reden, uns ihm anvertrauen mit allem, was uns bedr\u00e4ngt und bedr\u00fcckt, was uns zweifeln und verzweifeln l\u00e4\u00dft: unsere Entt\u00e4uschungen und unsere Trauer, unsere Macht- und Mutlosigkeit, unsere Verzweiflung und unsere Zweifel; unsere Resignation.<br \/>\nEr spricht zu uns. Er m\u00f6chte uns aufrichten, tr\u00f6sten, ermutigen, er m\u00f6chte unser Herz f\u00fcr das neue Leben \u00f6ffnen, in dem das Vergangene vergangen und die Zukunft gegenw\u00e4rtig ist. Er spricht zu uns, im Wort der Schrift, durch andere Menschen.<br \/>\nUnd er schenkt sich uns selbst \u2013 in dem Brot, das wir brechen, in dem Wein, den wir trinken \u2013 im Heiligen Abendmahl, das er mit uns feiert und in dem er uns seine N\u00e4he leib-haftig erfahren l\u00e4\u00dft.<br \/>\nIm Gebet, im Wort der Schrift, im Heiligen Abendmahl schenkt uns unser lebendiger Herr seine Gemeinschaft mit ihm; er schenkt uns sich selbst. Wo das geschieht, da ist Gottesdienst. Die besondere Weise, in der uns der lebendige Herr gegenw\u00e4rtig ist, wo er uns begegnet, uns anspricht, die Herzen \u00f6ffnet und uns Zuversicht und Freude schenkt. Da ist Ostern.<\/p>\n<p>Das geschah damals, auf dem Weg nach Emmaus. Der erste Gottesdienst, den der Auferstandene mit den Seinen feierte.<br \/>\nUnd es geschieht seither immer wieder aufs Neue.<\/p>\n<p>M\u00f6gen wir ihn immer wieder als den Lebendigen erfahren, der uns aus der Vergangenheit herausf\u00fchrt zur Hoffnung, aus der Trauer zur Freude, aus dem Tod zum Leben. Denn:<\/p>\n<p>Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Prof. Dr. Berthold W. K\u00f6ber<br \/>\nPfarrer am Altenberger Dom (bei K\u00f6ln)<br \/>\nBl\u00fctenweg 24<br \/>\n42799 Leichlingen<br \/>\nTel. 02174-894974<br \/>\n<a href=\"mailto:bwkoeber@hotmail.com\">E-Mail: bwkoeber@hotmail.com<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Lebendige begegnet uns auf dem Weg der Hoffnungslosigkeit | Ostermontag | 21. April 2003 | Lukas 24, 13-35 | Berthold W. 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