{"id":9419,"date":"2003-04-07T19:49:53","date_gmt":"2003-04-07T17:49:53","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9419"},"modified":"2025-04-28T11:14:02","modified_gmt":"2025-04-28T09:14:02","slug":"lukas-24-13-35-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-24-13-35-2\/","title":{"rendered":"Lukas 24, 13-35"},"content":{"rendered":"<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Ostermontag | 21. April 2003 | Lukas 24, 13-35 | Johannes Neukirch |<\/span><\/b><\/h3>\n<p>Unser Predigttext ist die Geschichte von den Emmausj\u00fcngern, die wir vorhin als Lesung geh\u00f6rt haben. Ich lese noch einmal einen Teil aus der Geschichte:<\/p>\n<p><em>27 Und Jesus (er) fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in der ganzen Schrift von ihm gesagt war. 28 Und sie kamen nahe an das Dorf, wo sie hingingen. Und er stellte sich, als wollte er weitergehen. 29 Und sie n\u00f6tigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben. 30 Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch sa\u00df, nahm er das Brot, dankte, brach&#8217;s und gab&#8217;s ihnen. 31 Da wurden ihre Augen ge\u00f6ffnet und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen. 32 Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift \u00f6ffnete?\u201c<\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Besonders hervorgetan haben sich die J\u00fcnger Jesu, seine Sch\u00fcler, diejenigen, die mit ihm gegangen sind, ja so gut wie nie. Oft verstanden sie Jesus nicht und wurden mutlos. Bei der Gefangennahme, das haben wir ja in den letzten Tagen in der Passionsgeschichte wieder geh\u00f6rt, lie\u00dfen sie Jesus im Stich, sie hatten Angst. Es waren eben ganz normale Leute.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr ein Gl\u00fcck f\u00fcr uns! Gerade an Ostern, wo es um die Auferstehung geht, sind wir auf ganz normale Menschen angewiesen, bei denen wir ablesen k\u00f6nnen, wie sie das denn verstanden und verarbeitet haben. Stellen Sie sich vor, die J\u00fcnger w\u00e4ren v\u00f6llig abgehoben und durchgeistigt gewesen. Und wir w\u00fcrden in der Bibel lesen, dass wir nach nur nach mehrw\u00f6chigem Fasten und Meditieren eine gewisse Ahnung davon bekommen k\u00f6nnten, was die Auferstehung Jesu bedeutet \u2013 wir w\u00fcrden wahrscheinlich dankend ablehnen.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr ein besonderes Gl\u00fcck, dass es die Geschichte von den Emmausj\u00fcngern gibt, ganz normale Menschen treffen den Auferstandenen. Als die beiden J\u00fcnger von Jerusalem aus zu dem Ort Emmaus gehen, war schon alles passiert. Jesus ist drei Tage vorher gekreuzigt worden. Dann sind die Frauen zum Grab gegangen und stellten fest, dass das Grab leer ist. Zwei M\u00e4nner mit gl\u00e4nzenden Kleidern sagten zu ihnen: \u201eWas sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.\u201c Die Frauen sagten das den J\u00fcngern weiter, die ihnen aber nicht glaubten. Ganz normale Menschen eben.<\/p>\n<p>Und nun der Marsch der beiden Weggenossen Jesu nach Emmaus, selbstverst\u00e4ndlich unterhielten sie sich \u00fcber die Ereignisse. Sie waren entt\u00e4uscht, traurig, mutlos. So viel Hoffnung hatten sie in den neuen K\u00f6nig Israels gesetzt, offensichtlich ganz umsonst.<\/p>\n<p>Jetzt passiert das, was die L\u00f6sung aller ihrer Probleme sein k\u00f6nnte: der auferstandene Jesus kommt und schlie\u00dft sich den beiden auf ihrem Weg an. Nur: Sie erkannten ihn nicht! Stellen sie sich das mal aus der Sicht von Jesus vor: Der Superstar wird auf offener Stra\u00dfe nicht erkannt! Das ist normalerweise das Ende einer Karriere \u2013 wenn ein Star nicht mehr erkannt, sondern wie jeder andere normale Mensch auch behandelt wird.<\/p>\n<p>Hier war das so gewollt. In unserer Geschichte steht: \u201eAber ihre Augen wurden gehalten, dass sie ihn nicht erkannten\u201c. Zum Gl\u00fcck, kann ich wieder nur sagen. Wir brauchen kein Bild von Jesus, er h\u00e4ngt nicht als Poster in unseren Kirchen und Wohnungen. Wir m\u00fcssen ihn nicht sympathisch oder toll finden, es gibt keinen Personenkult um Jesus. Die Emmausj\u00fcnger haben ihn nicht einmal erkannt. Gut so<\/p>\n<p>Dann erz\u00e4hlen sie ihrem neuen Weggef\u00e4hrten was alles passiert ist, auch von den Frauen, die vor dem leeren Grab standen.<\/p>\n<p>Jesus ist immer noch extrem zur\u00fcckhaltend. Er sagt nicht \u201eich bin\u2019s\u201c oder irgend etwas in dieser Richtung. Er greift auf die Schriften zur\u00fcck, vor allem auf die Propheten und das, was sie vom Messias, vom Retter der Welt gesagt haben. Er wollte ihnen damit erkl\u00e4ren, dass der Tod von Jesus, also sein eigener Tod, n\u00f6tig gewesen ist, um den Plan Gottes zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Er muss wohl eine Weile die heiligen Schriften ausgelegt haben, w\u00e4hrend sie weiter marschierten. Gegen Abend kamen sie nach Emmaus. Es sah so aus, als wollte Jesus weiter gehen. Da sagten die beiden zu ihm: \u201eBleibe bei uns; denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt\u201c. Sie haben angebissen, sie haben gemerkt, dass sie einen besonderen Begleiter haben, der f\u00fcr sie wichtig ist.<\/p>\n<p>In unserer Geschichte hei\u00dft es dann: \u201eUnd es geschah, als er mit ihnen zu Tisch sa\u00df, nahm er das Brot, dankte, brach\u2019s und gab\u2019s ihnen. Da wurde ihre Augen ge\u00f6ffnet und sie erkannten ihn.\u201c Beim Abendessen, beim Abendmahl, mit denselben Worten wie beim letzen Abendmahl mit den J\u00fcngern, gibt er sich zu erkennen: er ist auferstanden, er ist da, er ist bei ihnen.<\/p>\n<p>Wohltuend, finde ich. Kein Donnerschlag, kein Licht vom Himmel, er schl\u00e4gt nicht ein wie ein Blitz. Nichts besonderes: nur die Gemeinschaft.<\/p>\n<p>Jesus teilt sich mit, indem er das Brot austeilt. Er gibt sich zu erkennen \u2013 in einer allt\u00e4glichen Situation, in der Gemeinschaft an einem Tisch.Und nun? Gleich im n\u00e4chsten Satz, nach \u201eund sie erkannten ihn\u201c steht: \u201eUnd er verschwand vor ihnen.\u201c<\/p>\n<p>Ist das nicht grandios erz\u00e4hlt? Stundenlang l\u00e4uft Jesus mit ihnen und legt ihnen die Bibel aus. Sie unterhalten sich, die J\u00fcnger ahnen etwas und bitten ihn zu bleiben. Endlich, nach langem Anlauf kommt der Augenblick, in dem sie ihn erkennen und sofort ist er wieder weg. Der Auferstandene ist nicht fassbar und nicht greifbar.<\/p>\n<p>Keine Zeit f\u00fcr ein Interview, keine Zeit f\u00fcr \u00dcberpr\u00fcfungen \u2013 war er\u2019s wirklich oder haben wir uns vielleicht doch get\u00e4uscht? \u2013 keine Zeit f\u00fcr Heldenverehrung, keine Fragen an den Auferstandenen, wie denn die Auferstehung funktioniert, keine Antworten. \u201eUnd sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen\u201c.<\/p>\n<p>Die J\u00fcnger haben ihn erkannt, ihre Augen sind ge\u00f6ffnet und im selben Augenblick ist er wieder weg. Kein Ansatzpunkt f\u00fcr Spekulationen, und das ist gut so. Denn ich kann den Auferstandenen auch nicht mit meinen Augen sehen. Ich kann mir auch nicht vorstellen, in welchem Zustand er jetzt ist. Ich wei\u00df nicht, wie das aussieht, wenn er, wie es im Glaubensbekenntnis hei\u00dft, zur Rechten des Vaters sitzt.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr ein Gl\u00fcck, dass wir die Emmausj\u00fcnger haben. Ganz normale Menschen, denen der Auferstandene begegnet. Sie erkennen ihn nicht und als sie ihn erkennen ist er auch schon wieder weg. Sie haben den Auferstandenen nicht mehr als wir. Wir k\u00f6nnen ihn auch nicht greifen und nicht festhalten.<\/p>\n<p>Aber er war bei ihnen, hat sie begleitet und ihnen die Augen ge\u00f6ffnet \u2013 waren sie nicht doch im Vorteil?<\/p>\n<p>31 Da wurden ihre Augen ge\u00f6ffnet und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen. 32 Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift \u00f6ffnete?\u201c<\/p>\n<p>Im <strong>R\u00fcckblick<\/strong> erkennen die J\u00fcnger, was sie eigentlich erlebt haben: Der Auferstandene hat durch die Auslegung der Schriften zu ihnen geredet. Dabei, so sagen sie, hat ihnen das Herz gebrannt. Der Moment des Erkennens beim Abendmahl war wichtig, aber er wirft letzten Endes nur ein Licht auf das, was auf dem Weg nach Emmaus passiert ist.<\/p>\n<p>Glauben und erfahren wir das nicht auch, liebe Ostergemeinde? Dass der Auferstandene durch die Bibel zu uns spricht \u2013 dass uns durch eine Geschichte, durch einen Satz, durch ein bestimmtes Wort ein Licht aufgeht und noch mehr: dass unser Herz brennt. Glauben und erfahren wir nicht auch die Momente, in denen wir in der Tiefe unseres Herzens sp\u00fcren: er ist auferstanden, er ist bei uns, er hat den Tod \u00fcberwunden?<\/p>\n<p>Der Auferstandene redet mit uns. Er hat den Emmausj\u00fcngern die Schrift ge\u00f6ffnet und ihr Herz in Brand gesetzt. Das tut er heute noch genau so bei uns. Wenn Gottes Wort zu uns redet und unser Herz \u00f6ffnet und uns bewegt, dann gehen wir mit den beiden J\u00fcngern von Jerusalem nach Emmaus, dann ist der Auferstandene bei uns.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Dr. Johannes Neukirch, Hannover<br \/>\n<a href=\"mailto:johannes.neukirch@evlka.de\">E-Mail: johannes.neukirch@evlka.de<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ostermontag | 21. 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