{"id":9430,"date":"2003-05-07T19:49:53","date_gmt":"2003-05-07T17:49:53","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9430"},"modified":"2025-04-28T11:38:13","modified_gmt":"2025-04-28T09:38:13","slug":"johannes-10-11-16","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-10-11-16\/","title":{"rendered":"Johannes 10, 11-16"},"content":{"rendered":"<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Miserikordias Domini<\/span><span style=\"color: #000099;\"> | 4. Mai 2003 | Johannes 10, 11-16 | Friedrich Seven |<\/span><\/b><\/h3>\n<p><em>11 Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte l\u00e4\u00dft sein Leben f\u00fcr die Schafe. 12 Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, des die Schafe nicht eigen sind, sieht den Wolf kommen und verl\u00e4\u00dft die Schafe und flieht &#8211; und der Wolf erhascht und zerstreut die Schafe- 13 denn er ist ein Mietling und k\u00fcmmert sich nicht um die Schafe. 14 Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich, 15 wie mich mein Vater kennt, und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben f\u00fcr die Schafe. 16 Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie mu\u00df ich herf\u00fchren, und sie werden meine Stimme h\u00f6ren, und es wird eine Herde und ein Hirte werden.<\/em><\/p>\n<p>Hirten, liebe Gemeinde,<br \/>\nkennen wir inzwischen auch auf den D\u00f6rfern eher vom Krippenspiel oder vielleicht aus dem Urlaub. Zwar erleben wir in den D\u00f6rfern noch, da\u00df Schafherden hindurch getrieben werden und den Verkehr aufhalten, aber der, der sie treibt, den w\u00fcrden wir kaum einen Hirten nennen. Ist er doch wahrscheinlich einer von denen, die vor Jahren mit mehreren aufs Land gezogen sind und sich an einem Jugendtraum abarbeiten, den im Dorf schon keiner mehr recht tr\u00e4umen wollte.<\/p>\n<p>Wer einmal durch die Heide oder bis an die Nordseek\u00fcste gefahren ist, der kann freilich noch gro\u00dfe Schafherden sehen, aber die mit Handy und Kleintransporter ausger\u00fcsteten Sch\u00e4fer, die uns viel von den Tieren, mehr aber noch \u00fcber Schafhaltung und landwirtschaftliche Kalkulation erz\u00e4hlen k\u00f6nnen, f\u00fcgen sich kaum noch in unser sehns\u00fcchtiges Bild vom Hirten.<\/p>\n<p>Diese Bild stammt mehr aus Erz\u00e4hlungen, aus Geschichten, Liedern und aus der Weihnachtsgeschichte, als da\u00df es mit unseren wirklichen Erfahrungen noch zusammenhinge. Nur aus einer ziemlichen Ferne, etwa beim Blick aus dem Autofenster im Vorbeifahren auf der Landstra\u00dfe gelingt es uns vielleicht, die Gestalten, die wir bei den gro\u00dfen Herden zur Linken oder zur Rechten erkennen k\u00f6nnen, f\u00fcr Hirten zu halten- so wie wir sie uns vorstellen und w\u00fcnschen. Aus der N\u00e4he betrachtet, verlieren diese Hirten und ihre Herde schnell ihre Beschaulichkeit.<\/p>\n<p>Selten n\u00e4mlich kann solch ein Hirte nur der traute Geselle sein, dem die Tiere willig folgen und der Tag und Nacht bei ihnen wacht. Inzwischen wachen andere \u00fcber beide, \u00fcber Mensch und Tier, in \u00c4mtern und h\u00f6heren Hausern. Und bis tief in die Nacht wird so mancher Hirte \u00fcber Unbezahltem und Unbezahlbarem wach bleiben und sich f\u00fcrchten vor der Stunde des Wolfs.<\/p>\n<p>Bei der Wache \u00fcber die Tiere helfen ihm Hunde, Hunde \u00fcbrigens, auf die Kinder besser nicht zugehen. Immer ist der Hirte auch der, der ausw\u00e4hlt unter den Tieren- ist ein Mann \u00fcber Leben und Tod seiner Tiere. Gut freilich erinnere ich mich noch an Grausamkeiten, mit denen die Herdentiere schnell von den Halbw\u00fcchsigen unter uns zusammengetrieben wurden, wenn wir meinten, dem Sch\u00e4fer helfen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Sch\u00e4fer, Sennen, Hirten, sie leben mit ihren Tieren einen harten Beruf in einer anscheinend immer noch h\u00e4rter werdenden Zeit. Keiner wird es ihnen verdenken k\u00f6nnen, wenn auch sie sich mit dem Gedanken tragen, ihren Hirtenhut an den Nagel zu h\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Vielleicht aber sind es gerade die romantischen Bilder in uns, die Philosophen dazu verleitet haben, den Menschen \u201eeinen Hirten des Seins\u201c zu nennen, und damit zu behaupten, der Mensch k\u00f6nne selbst das Leben in seine Hut nehmen. Da ist es gar nicht verwunderlich, wenn vor nicht allzu langer Zeit ein Philosoph sogar meinte, diesen Hirten in einen Menschenpark setzen zu k\u00f6nnen, um hier auch Menschen zu z\u00fcchten. In der Tat kann die Zucht von Tieren auch zu den Aufgaben eines Hirten geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Welchem Hirten aber kann sich da der Einzelne anvertrauen, wenn Menschen sich dem Menschen gegen\u00fcber solche Aufgaben anma\u00dfen? \u201eIch bin der gute Hirte\u201c, was wie eine schnelle \u00fcberhebliche Antwort klingt, erkl\u00e4rt dieser Hirte aber sogleich: \u201cDer gute Hirte l\u00e4\u00dft sein Leben f\u00fcr die Schafe.\u201c Er selbst wird auch das Lamm sein, das zur Schlachtbank gef\u00fchrt wird.<\/p>\n<p>Dieser Hirte, den wir nicht suchen m\u00fcssen, sondern der sich uns vorstellt und in dem wir Jesus von Nazareth, den Sohn Gottes, erkennen k\u00f6nnen, will nicht \u00fcber Leben und Tod entscheiden, sondern seinLeben f\u00fcr uns geben. Er hat sich keine Menschen herangezogen, die ihm genehm sein konnten. Wer ihm wirklich folgen wollte, der lie\u00df alles stehen und liegen und folgte ihm nach. Dann hat sich der Hirte in die H\u00e4nde derer begeben, denen er selber nicht genehm war, und dahin mochte und konnte ihm auch von seine Freunden keiner mehr folgen.<\/p>\n<p>Denen, die ihn in seinem Sterben allein lie\u00dfen, hat er die Treue gehalten und wird sie heimf\u00fchren zu seinem Vater und ihrem Herrn. Er hat es nicht f\u00fcr Lohn getan, wer von uns h\u00e4tte ihn auchf\u00fcr sein Leib und Leben entlohnen k\u00f6nnen; und f\u00fcr Gotteslohn h\u00e4tte der Gottessohn nicht dienen m\u00fcssen. Uns ganz allein wollte er dienen. Wer m\u00f6chte da nicht zu seiner Herde geh\u00f6ren. Doch er kennt seine Schafe.<\/p>\n<p>Es gen\u00fcgt nicht, sich zu seiner Herde zu halten und geduldig und heimlich mitzutrotten. Nur wer seinen Ruf h\u00f6rt und seinem Wort folgt, der geh\u00f6rt auch zu ihm und folgt ihm nach.<\/p>\n<p>Sein Ruf ergeht immer wieder und klingt weit \u00fcber die H\u00fcrden hinaus. Die H\u00fcrden sollen uns nicht trennen von den anderen drau\u00dfen, sondern uns sehen und sp\u00fcren lassen, bis wohin wir gekommen sind und wor\u00fcber hinaus er uns noch f\u00fchren mag.<\/p>\n<p>Auch ich soll ihm folgen, auf seine Stimme warten, bis ich sie heraush\u00f6re aus all den Stimmen, die auf mich einreden und mir einfl\u00fcstern wollen, wohin die Reise schon lange gehen k\u00f6nnte und wohin sie ohne sie schon lange gegangen w\u00e4re. Stimmen die mir so lange in den Ohren liegen, bis ich daran glaube, da\u00df ich ohne sie schon ganz von gestern w\u00e4re, mit ihnen jedoch das morgen endlich erreichte.<\/p>\n<p>Aber die freundliche Stimme meines guten Hirten erkenne ich wohl, so wie er mich in der Herde erkennt hat und gerade zu mir spricht: \u201eIch bin der gute Hirte\u201c. Auf diesen Augenblick warte ich und vertraue meinem guten Hirten.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Dr. Friedrich Seven<br \/>\nIm Winkel 6<br \/>\n37412 Scharzfeld<br \/>\nTel: 05521\/2429<br \/>\n<a href=\"mailto:friedrichseven@compuserve.de\">E-Mail: friedrichseven@compuserve.de<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Miserikordias Domini | 4. Mai 2003 | Johannes 10, 11-16 | Friedrich Seven | 11 Ich bin der gute Hirte. 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