{"id":9446,"date":"2003-05-07T19:49:54","date_gmt":"2003-05-07T17:49:54","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9446"},"modified":"2025-04-28T15:05:19","modified_gmt":"2025-04-28T13:05:19","slug":"johannes-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-5\/","title":{"rendered":"Johannes 16,23b\u201328.33"},"content":{"rendered":"<h3>Rogate | 25. Mai 2003 | Johannes 16,23b\u201328.33 | Hanne Sander |<\/h3>\n<p>Es ist ein wenig \u00e4rgerlich, da\u00df die Texte aus dem Johannesevangelium<br \/>\nschwer zug\u00e4nglich sind. Sie folgen uns ja an allen Sonntagen zwischen<br \/>\nOstern und Pfingsten.<\/p>\n<p>Johannes hat sich ja nicht nur vorgenommen, die direkte Geschichte \u00fcber<br \/>\ndas Leben Jesu, seinen Tod und seine Auferstehung zu erz\u00e4hlen, er<br \/>\nwill vielmehr seine Zuh\u00f6rer und Leser mit einbeziehen in \u00dcberlegungen \u00fcber<br \/>\ndie Geschichte und eine Deutung der Geschichte. In dieser Hinsicht ist<br \/>\nJohannes mehr innerlich und nachdenklich als die drei anderen Evangelisten,<br \/>\nund seine Texte richten sich mehr an das Verstehen des Herzens als des<br \/>\nVerstandes.<\/p>\n<p>Und was er gerne will, was wir verstehen sollen, das schreibt er selbst<br \/>\nkurz am Ende seines Evangeliums: &#8222;Dies ist geschrieben, da\u00df ihr<br \/>\nglaubet, Jesus sei der Christus, der Sohn Gottes, und da\u00df ihr durch<br \/>\nden Glauben das Leben habet in seinem Namen&#8220;.<\/p>\n<p>Hier nach Ostern &#8211; wo wir wieder vom Tod und der Auferstehung Jesu<br \/>\ngeh\u00f6rt haben oder h\u00f6ren konnten, werden wir also mit hineingenommen<br \/>\nin eine \u00dcberlegung dar\u00fcber, ob die Botschaft etwas in unserem<br \/>\nLeben bedeutet und f\u00fcr die Art und Weise, wie wir uns zum Dasein<br \/>\nund zu einander verhalten.<\/p>\n<p>Macht es \u00fcberhaupt einen Unterschied, ob wir glauben, da\u00df Jesus<br \/>\nder Christus ist, Sohn Gottes und auferstanden von den Toten, das hei\u00dft,<br \/>\nglauben wir, da\u00df Ver\u00e4nderung m\u00f6glich ist vom Tod zum<br \/>\nLeben, da\u00df das Leben neu werden kann. Was denken wir, wenn wir<br \/>\nSonntag f\u00fcr Sonntag das Glaubensbekenntnis sprechen oder singen: &#8220; &#8230;<br \/>\nam dritten Tage auferstanden von den Toten &#8230;. sitzend zur Rechten Gottes,<br \/>\ndes allm\u00e4chtigen Vaters. Vor dort wird er kommen zu richten die<br \/>\nLebenden und die Toten&#8220; &#8211; und wenn wir bei jeder Taufe ja sagen,<br \/>\nda\u00df wir das glauben?<\/p>\n<p>Oder wenn wir jedes Mal, wenn wir das Abendmahl feiern, (nach der d\u00e4nischen<br \/>\nAgende) beten: &#8222;Auferstandener Herr und Heiland, der Du selbst unter<br \/>\nuns gegenw\u00e4rtig bist mit dem ganzen Reichtum deiner Liebe&#8220; &#8211;<br \/>\nso als wenn wir jedenfalls daran glauben, da\u00df Jesus von den Toten<br \/>\nauferstanden ist und da\u00df er bei uns gegenw\u00e4rtig ist.<\/p>\n<p>Aber noch einmal: Wie k\u00f6nnen wir \u00fcberhaupt von Auferstehung<br \/>\nreden? Ein fr\u00fcherer Kollege hat das einmal so formuliert: &#8222;Auferstehung<br \/>\nist nicht in erster Linie eine Art Ereignis, das nach unserem konkreten<br \/>\nTod eintrifft, Auferstehung ist ein Wort f\u00fcr eine Erfahrung des \u00dcbergangs<br \/>\naus einem Zustand von T\u00f6dlichkeit, L\u00e4hmung, Hoffnungslosigkeit<br \/>\nin einen Zustand von Aufleben, Hoffnung, Freude und neuer Einsicht. Die<br \/>\nAuferstehung ist die Auferweckung des Geistes im Fleisch, d.h. in diesem<br \/>\npers\u00f6nlichen und k\u00f6rperlich lebendigen Leben, eine Gnade, die<br \/>\nuns zuweilen widerf\u00e4hrt als eine gro\u00dfe Gabe in der liebenden<br \/>\nBegegnung zwischen Menschen und zwischen Gott und Mensch.&#8220;<\/p>\n<p>Ich stelle mir vor, da\u00df solche Gedanken den alten Johannes bewegten,<br \/>\nals er sein Evangelium schrieb &#8211; und umgekehrt, sein Evangelium veranla\u00dfte<br \/>\nzu solchen Gedanken. Wenn Johannes versucht, an den Abend des Gr\u00fcndonnerstag<br \/>\nzur\u00fcckzudenken, denkt er an diesen Abend als an den Abend, an dem<br \/>\nsich Jesus von seinen J\u00fcngern verabschiedete &#8211; dann stellt er nun<br \/>\nall das, was er von diesem Tag wei\u00df, zu einer langen Abschiedsrede<br \/>\nzusammen. Jetzt im Nachhinein kann Johannes durchaus einen roten Faden<br \/>\nin all dem sehen, was Jesus gesagt hat &#8211; aber die Auferstehung ist es,<br \/>\ndie Jesus als Sohn Gottes erscheinen l\u00e4\u00dft. Der Glaube an die<br \/>\nAuferstehung ist das, was den Unterschied ausmacht zwischen vorher und<br \/>\nnachher &#8211; wie im Text hier, wo es um das Gebet geht.<\/p>\n<p>Denn wie soll man beten k\u00f6nnen, wenn nicht von der Hoffnung her,<br \/>\nda\u00df es jemanden gibt, an den man sich wenden kann. Wenn so viele<br \/>\ndar\u00fcber klagen, da\u00df es schwer ist zu beten, oder wenn viele<br \/>\nganz aufgeh\u00f6rt haben zu beten, dann wohl von den Gef\u00fchl her,<br \/>\nin die leere Luft zu beten. Wenn das Gef\u00fchl, da\u00df das oder<br \/>\nder, dem unser Gebet gilt, keine richtige Wirklichkeit au\u00dferhalb<br \/>\nunserer selbst hat, ja dann versiegt das Gebet wohl allm\u00e4hlich.<br \/>\nOder wenn das, was wir durch unser Leben erfahren haben, uns gelehrt<br \/>\nhat, da\u00df wir nicht das bekamen, was wir uns innerlich ersehnt und<br \/>\nerhofft haben, ja was n\u00fctzt es dann zu beten?<\/p>\n<p>Mir f\u00e4llt auf, wie Johannes betonen will, da\u00df Jesus gerade<br \/>\nin der Situation des Abschieds, wo er sich von seinen J\u00fcngern trennen<br \/>\nmu\u00df, so gro\u00dfes Gewicht auf das Gebet legt. Das unterstreicht<br \/>\nja gerade, da\u00df Gebet Menschen zusammenkn\u00fcpft und Gott und<br \/>\nMenschen miteinander verbindet.<\/p>\n<p>Dann ist Gebet vielleicht nicht so sehr eine Frage, wie man seine W\u00fcnsche<br \/>\nerf\u00fcllt bekommt, sondern wie man miteinander in Verbindung bleibt.<br \/>\nEs gibt vielleicht einen Grund, da\u00df der Mensch, der alle seine<br \/>\nW\u00fcnsche erf\u00fcllt bekommen hat und niemanden um etwas zu bitten<br \/>\nbraucht, sich allein f\u00fchlen wird. Oder der Mensch, der niemanden<br \/>\num etwas bitten will, um seine Unabh\u00e4ngigkeit zu bewahren, kann<br \/>\nso unabh\u00e4ngig werden, da\u00df er einsam wird. Aber das gilt auch<br \/>\numgekehrt. Der, der nicht um etwas gebeten wird, kann auch einsam werden,<br \/>\ndenn dann wird man ja wie einer behandelt, der nichts zu geben hat. Das<br \/>\ngilt zwischen Menschen, und das gilt zwischen Gott und Menschen.<\/p>\n<p>Gebet bindet uns also zusammen, Gebet kann Gespr\u00e4ch werden und<br \/>\neine neue Gegenwart, wo wir von einander etwas wollen, wie Gott etwas<br \/>\nvon uns will.<\/p>\n<p>Und in Jesus hat Gott ein Gesicht und einen Namen bekommen, so da\u00df wir<br \/>\nuns an ihn wenden und zu ihm beten k\u00f6nnen im Namen Jesu und nicht<br \/>\nin die leere Luft.<\/p>\n<p>Das Leben, das wir in Jesus sehen, k\u00f6nnen wir deshalb als die<br \/>\nVersicherung oder Best\u00e4tigung Gottes an uns sehen, da\u00df es<br \/>\nunserem Wunsch entgegenkommt, dort wieder eine Verbindung herzustellen,<br \/>\nwo sie abgebrochen ist.<\/p>\n<p>Das wird noch mehr betont, wenn wir singen:<\/p>\n<p>Nun die Seele ist erstanden,<br \/>\nChristus ist f\u00fcr uns das Licht,<br \/>\nalltags ist sein Wort vorhanden<br \/>\nt\u00e4glich Brot ist, was er spricht &#8230;<\/p>\n<p>Immer willst du bei uns bauen,<br \/>\nwenn wir deinem Wort vertrauen,<br \/>\nwie es lebt trotz Todesnacht,<br \/>\nwie es klingt, zu uns gesagt.<\/p>\n<p>So ist es: Wir k\u00f6nnen ins Leben gerufen werden, zur Besinnung gerufen<br \/>\nwerden auf uns selbst in der Begegnung mit dem Leben und dem Wort Christi.<br \/>\nAmen<\/p>\n<p>(Das Liedzitat ist aus einem Lied von Grundtvig von 1836 aus dem d\u00e4nischen<br \/>\nGesangbuch, Nr. 373, Str. 1 und 3), hier nach der \u00dcbersetzung der<br \/>\nGrundtvigwerkstatt von 1983 wiedergegeben. Der d\u00e4nische Originaltext<br \/>\nlautet:<\/p>\n<p>Nu st\u00e5r sj\u00e6len op af d\u00f8de,<br \/>\nfor os lyser Christus nu,<br \/>\ndaglig kan vi Herren m\u00f8de,<br \/>\nkommende hans r\u00f8st i hu &#8230;<\/p>\n<p>Du er med os alle dag,<br \/>\nn\u00e5r vi dig p\u00e5 ordet tage,<br \/>\nsom det lever, d\u00f8d til trods,<br \/>\nsom det lyder, sagt til os.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pfarrer Hanne Sander<br \/>\nPrins Valdemarsvej 62<br \/>\nDK-2820 Gentofte<br \/>\nTel.: 39 65 52 72<br \/>\n<a href=\"mailto:sa@km.dk\"> e-mail: sa@km.dk<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rogate | 25. Mai 2003 | Johannes 16,23b\u201328.33 | Hanne Sander | Es ist ein wenig \u00e4rgerlich, da\u00df die Texte aus dem Johannesevangelium schwer zug\u00e4nglich sind. Sie folgen uns ja an allen Sonntagen zwischen Ostern und Pfingsten. 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