{"id":9455,"date":"2003-06-07T19:49:47","date_gmt":"2003-06-07T17:49:47","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9455"},"modified":"2025-05-07T14:52:18","modified_gmt":"2025-05-07T12:52:18","slug":"johannes-161-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-161-4\/","title":{"rendered":"Johannes 15,26\u201316,4"},"content":{"rendered":"<h3>Exaudi | 1. Juni 2003 | Johannes 15,26\u201316,4 |<strong> Asta Gyldenk\u00e6rne |<\/strong><\/h3>\n<p>Zwischen Ostern und Pfingsten sind die Predigttexte aus dem Johannesevangelium, in denen Jesus sich von seinen J\u00fcngern verabschiedet. Jesus gibt in seinen Abschiedsreden den J\u00fcngern ein Bild davon, wer sie im Verh\u00e4ltnis zu ihm und zur Welt sind. Er will sie aufbauen. Er will, da\u00df sie verstehen, wer sie selbst sind. So da\u00df sie den Widerspruch ertragen k\u00f6nnen, den er f\u00fcr den Tag voraussieht, an dem er nicht mehr bei ihnen ist.<\/p>\n<p>Worauf Jesus sie vorbereitet, ist der Widerspruch, den sie in der Welt\u00a0erleben werden. Sie werden durch ihren Glauben an Christus andere Menschen\u00a0sein. Sie werden nicht mehr einfach zu dem zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen,\u00a0woher sie kamen. Sie werden vielleicht sogar verfolgt werden, auch von\u00a0Leuten, die sie zu den Ihren z\u00e4hlten. Vielleicht sogar gerade von\u00a0denen. Denn ihr Glaube hat seinen Preis. Sie werden Trennungen erleben.\u00a0Zu der Welt, aus der sie durch ihren Glauben gerissen sind, in der sie\u00a0aber auch k\u00fcnftig noch leben m\u00fcssen. Der Widerspruch wird hart\u00a0sein, so hart, da\u00df sie vielleicht nicht mehr imstande sein werden,\u00a0an dem festzuhalten, was er ihnen gesagt hat, weil sie in ihrem Alltag\u00a0so vieles finden, was dem widerspricht und sie in eine andere Richtung\u00a0weist.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich spiegeln die Reden den Konflikt wieder, in dem die ersten\u00a0Christen in bezug auf die j\u00fcdische Tradition standen. Aber es ist\u00a0zugleich auch ein Konflikt, in dem sich viele im Laufe der Geschichte\u00a0des Christentums haben wiederfinden k\u00f6nnen. Nicht zuletzt die, die\u00a0im Laufe der Zeiten versucht haben, die kirchliche Tradition zu reformieren\u00a0oder zu erneuern, haben die Erfahrung gemacht, da\u00df die Tradition,\u00a0in der sie selbst zu stehen glaubten und in deren Nachfolge sie selbst\u00a0zu stehen meinten, sich gegen sie wandte und dies als Verrat auffa\u00dfte.\u00a0So kommt es, da\u00df oft das, was eigentlich als Erneuerung gemeint\u00a0war, zum Streit oder gar zum Bruch f\u00fchrte.<\/p>\n<p>In unserer Zeit und unserem Teil der Welt geschieht es nur selten,\u00a0da\u00df man verfolgt wird, weil man sich zum Christentum bekennt. Hier\u00a0ist es eher so, da\u00df der christliche Glaube meist auf Gleichg\u00fcltigkeit\u00a0oder Unverst\u00e4ndnis st\u00f6\u00dft. Denn warum soll man sein Leben\u00a0ausgerechnet vom Christentum her deuten, wenn sich so viele andere Lebensanschauungen\u00a0anbieten? Kann die eine Lebensanschauung nicht genauso gut sein wie die\u00a0andere? Und wahrlich, wenn man in Indien geboren w\u00e4re unter Hindus,\u00a0w\u00e4re man wohl ein Hindu geworden. Aber das Zuf\u00e4llige, das darin\u00a0liegt, bedeutet ja nun nicht notwendigerweise, da\u00df die christliche\u00a0Taufe, mit der wir nun einmal getauft sind, und der christliche Glaube,\u00a0mit dem wir aufgewachsen sind, f\u00fcr uns ohne Bedeutung sind. So einen\u00a0Schlu\u00df kann man nicht unmittelbar ziehen. Auch nicht in seinem\u00a0eigenen Leben. Denn Glaube ist etwas, in das man hineinw\u00e4chst, in\u00a0dem man sein Leben wiederfindet, mit dem man sein Leben verbindet, so\u00a0da\u00df Glaube im Leben des einzelnen genauso grundlegend werden kann\u00a0wie der Atem.<\/p>\n<p>Dieser enge Zusammenhang und diese enge Verwobenheit liegt auch in\u00a0den Worten, die Jesus zu seinen J\u00fcngern spricht, die Worte \u00fcber\u00a0den Heiligen Geist, den Geist der Wahrheit, der von ihm gegen\u00fcber\u00a0den J\u00fcngern zeugen wird, so wie die J\u00fcnger selbst von ihm zeugen\u00a0sollen, denn sie haben ihn von Anfang an gekannt. Er ist schon lange\u00a0in ihren Leben gewesen. Sie haben bereits eine gemeinsame Geschichte.\u00a0Es handelt sich nicht um eine neue Bekanntschaft. Sie sind schon lange\u00a0zusammen ihren Weg gegangen und letzt an den Punkt angelangt, wo er sie\u00a0bald verlassen wird. Deshalb will er ihnen ein Bild geben, wer sie sind\u00a0im Verh\u00e4ltnis zu ihm und im Verh\u00e4ltnis zu der Welt, die sie\u00a0umgibt.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher nannte er sie seine Diener, aber jetzt nennt er sie seine\u00a0Zeugen, ja sogar seine Freunde. Das Besondere an einer Freundschaft ist\u00a0u.a. gerade dies, da\u00df man einander begleitet hat, gemeinsam Zeuge\u00a0war von den Ver\u00e4nderungen, die das Leben des jeweils anderen mit\u00a0sich gebracht haben mag. Man hat einander gekannt, Vertraulichkeit geteilt\u00a0und vielleicht einander in vielen entscheidenden Situationen geholfen.\u00a0Ein so enges und vertrauliches Band kn\u00fcpft Jesus zu seinen J\u00fcngern,\u00a0seinen Freunden, zwischen ihnen und sich, dem Gekreuzigten und Auferstandenen\u00a0selbst, und in diesem Engen Band sollen sie ihre Verankerung finden,\u00a0wenn sie dem Widerspruch begegnen. Wenn sie in der unvermeidlichen Spaltung\u00a0stehen zwischen dem, was sie in ihrem Alltag erleben, und ihrem Glauben.<\/p>\n<p>In einer der vorgeschlagenen Einleitungen zum Abendmahl in der d\u00e4nischen\u00a0Volkskirche wendet sich der Pfarrer an die Gemeinde mit den Worten &#8222;Liebe\u00a0Freunde Christi&#8220;. Diese Einleitung wird nicht sehr oft angewendet.\u00a0Man kann sich dar\u00fcber wundern, warum man sie so selten h\u00f6rt\u00a0&#8211; es k\u00f6nnte daran liegen, da\u00df einige meinen k\u00f6nnten,\u00a0da\u00df die Gemeinde etwas verlegen werden w\u00fcrde, wenn man diese\u00a0Einleitung verwenden w\u00fcrde: &#8222;Liebe Freunde Christi&#8220;. Aber\u00a0warum eigentlich nicht? Denn als Gemeinde haben wir doch gerade Teil\u00a0an dem engen und vertraulichen Band der Freundschaft, das Christus mit\u00a0seiner Gemeinde verbindet. Es soll ja nicht als Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung\u00a0oder Selbstgen\u00fcgsamkeit verstanden werden, wenn man als Freude Christi\u00a0angeredet wird, denn er ist ja die Hauptperson, nicht wir. Vielmehr werden\u00a0wir so ja nur daran erinnert, da\u00df alle Getauften etwas Besonderes\u00a0empfangen haben, indem sie an diesem engen Band zu Christus selbst teilhaben.<\/p>\n<p>Es k\u00f6nnte ja sein, da\u00df es oft wichtig f\u00fcr uns ist,\u00a0daran erinnert zu werden &#8211; da\u00df wir Freunde Christi sind, daran\u00a0erinnert zu werden, da\u00df er uns so hoch achtet. So eng hat er uns\u00a0an sich gebunden. Als der wahre Freund, der er ist, kennt er uns als\u00a0die, die wir sind. Das vergessen wir oft leicht. Wir glauben, da\u00df wir\u00a0uns selbst \u00fcberlassen sind und unserem eigenen Streben nach einem\u00a0gelungenen dasein. Wir vergessen leicht, da\u00df auch mitten in im\u00a0Widerspruch und der Einsamkeit unserer Zeit ein Wort ergeht, das uns\u00a0mit dem Leben, dem Tod und der Auferstehung Christi verbindet. Ein Wort\u00a0von dem g\u00f6ttlichen Band, das uns wie ein Band der Freundschaft bindet.<br \/>\nAmen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pfarrer Asta Gyldenk\u00e6rne<br \/>\nSkovkirkevej 21<br \/>\nDK-3630 J\u00e6rgerspris<br \/>\nTel: ++ 45 &#8211; 47 53 00 33<br \/>\n<a href=\"mailto:agy@km.dk\"> E-mail: agy@km.dk<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Exaudi | 1. Juni 2003 | Johannes 15,26\u201316,4 | Asta Gyldenk\u00e6rne | Zwischen Ostern und Pfingsten sind die Predigttexte aus dem Johannesevangelium, in denen Jesus sich von seinen J\u00fcngern verabschiedet. Jesus gibt in seinen Abschiedsreden den J\u00fcngern ein Bild davon, wer sie im Verh\u00e4ltnis zu ihm und zur Welt sind. Er will sie aufbauen. 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