{"id":9457,"date":"2003-06-07T19:49:48","date_gmt":"2003-06-07T17:49:48","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9457"},"modified":"2025-05-07T14:57:09","modified_gmt":"2025-05-07T12:57:09","slug":"johannes-14-23-27","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-14-23-27\/","title":{"rendered":"Johannes 14,23-27"},"content":{"rendered":"<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Pfingstsonntag | 8. Juni 2003 | Johannes 14,23-27 | Gerhard Sauter |<\/span><\/b><\/h3>\n<p><em>&#8222;Der Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Haben auch Sie gestutzt, als Sie das h\u00f6rten? Ist unser Ged\u00e4chtnis so schlecht geworden, da\u00df wir an Jesu Worte erinnert werden m\u00fc\u00dften? Viele von uns klagen ja dar\u00fcber, da\u00df ihr Erinnerungsverm\u00f6gen einem Sieb gleicht, das nur noch das Gr\u00f6bste festh\u00e4lt und vieles Wichtige fr\u00fcher oder sp\u00e4ter durchschl\u00fcpfen l\u00e4\u00dft und dann ist es auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Was haben wir behalten von dem, was Jesus vor so langer Zeit gesagt hat und das wir irgendwann, irgendwo vernommen haben? Was von alledem haben wir wirklich behalten, statt uns nur so obenhin von ihm ber\u00fchren lassen? Was hat sich wirklich in unser Ged\u00e4chtnis eingepr\u00e4gt, so unausl\u00f6schlich, da\u00df wir davon nie, nie mehr loskommen, da\u00df wir davon gehalten werden, auch wenn sich anderes eindr\u00e4ngen und Jesu Worte verdr\u00e4ngen wollte, ja nicht nur vorgehend verdr\u00e4ngen, sondern ganz und gar ausmerzen, was Jesus uns gesagt hat?<\/p>\n<p>Vielleicht haben wir das eine oder andere Jesuswort ins Herz geschlossen, einen fettgedruckten Satz in der Bibel oder einen Kernspruch, den wir an die Wand h\u00e4ngen oder der uns sonstwie vor Augen steht &#8211; ein Wort, das immer wieder auftaucht, wenn wir es brauchen, damit wir uns daran halten und uns von ihm tragen lassen k\u00f6nnen. Etwa die unersch\u00f6pfliche Liebe, von der Jesus im Evangelium des Johannes wieder und wieder und in immer neuen Wendungen spricht, auch in dem Pfingstevangelium, das wir eben h\u00f6rten: &#8222;Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden kommen und Wohnung bei ihm nehmen.&#8220; Oder im Kapitel zuvor hei\u00dft es: &#8222;Ein neues Gebot gebe ich euch, da\u00df ihr euch untereinander liebet, wie ich euch geliebt habe &#8230;&#8220; (13,34). Die Liebe Gottes, die Jesus verk\u00f6rpert: Wer k\u00f6nnte dies jemals vergessen, wenn er es erst einmal in sich aufgenommen hat? Und doch wiederholt Jesus sein Gebot wortw\u00f6rtlich zwei Kapitel sp\u00e4ter (15,12), so, als m\u00fcsse er f\u00fcrchten, es k\u00f6nnte inzwischen dem Ged\u00e4chtnis der J\u00fcnger entschwunden oder von anderen Worten \u00fcberlagert worden sein. Das g\u00f6ttliche Liebeswort ist so weit gespannt und birgt so viel in sich, so unerme\u00dflich viel, da\u00df alles damit gesagt zu sein scheint, wirklich alles, was wir von Gott und von Jesus Christus sagen k\u00f6nnen. Dieses Liebes-Wort ist wie eine Quelle, die wir gar nicht ged\u00e4chtnism\u00e4\u00dfig anzapfen m\u00fcssen, ein \u00fcberstr\u00f6mender Lebensquell, der uns unabl\u00e4ssig speist, ob wir es nun immer merken oder nicht. &#8222;Der Geist, der euch an alles erinnern wird, was ich euch gesagt habe&#8220;: Er k\u00f6nnte uns helfen, diese F\u00fclle zu ermessen &#8211; er k\u00f6nnte uns st\u00fctzen und beistehen, wenn wir nur kleinlich zu glauben, zu hoffen und zu lieben verm\u00f6gen &#8211; er k\u00f6nnte uns tr\u00f6sten, wenn wir meinen, nur das eine oder andere Wort Jesu w\u00fcrde f\u00fcr uns gelten, ansonsten w\u00e4ren wir auf uns selber gestellt und allein gelassen.<\/p>\n<p>Wir ahnen: Der Geist, der an alles erinnert, was Jesus gesagt hat, ersch\u00f6pft sich nicht darin, unsere Erinnerung wieder aufzufrischen. Wenn unser Bibelged\u00e4chtnis k\u00fcmmerlich sein sollte &#8211; es gibt Mittel genug, dem abzuhelfen. Dazu bedarf es des Geistes nicht, sondern des Griffes in den B\u00fccherschrank oder, wenn es noch rascher gehen soll, auf eine Liste im Computer. Vielleicht gibt es da schon eine Datei zum Abrufen: &#8222;Gesammelte Jesus-Worte: alles, was Jesus gesagt hat, was er unzweifelhaft sagte, was er angeblich gesagt haben soll &#8211; und einige unbekannte Jesusworte noch dazu!&#8220; Eine Ged\u00e4chtnisst\u00fctze anderer Art k\u00f6nnten unsere Gottesdienste sein. Auch wenn sie nur dazu dienen sollten, da\u00df wir unabl\u00e4ssig h\u00f6ren, was Jesus uns wirklich und wahrhaftig gesagt hat, dann w\u00e4ren sie schon allein deshalb unverzichtbar. Trotzdem k\u00f6nnen sie unerh\u00f6rt geistlos sein, so sch\u00f6ngeistig sie auch anmuten m\u00f6gen oder wenn sie so geistreich eingerichtet sind, da\u00df sie unsere Aufmerksamkeit fesseln und m\u00f6glichst lange in guter Erinnerung bleiben wollen.<\/p>\n<p>Der Heilige Geist, dessen Kommen Jesus uns verhei\u00dft, will nicht unseren m\u00fcden Erinnerungen wieder einmal auf die Spr\u00fcnge helfen oder unsere Ged\u00e4chtnisl\u00fccken schlie\u00dfen, auch wenn er sich manchmal nicht zu schade ist, sogar das zu schaffen, Gott sei Dank! Doch es ist gar nicht unser Erinnerungsverm\u00f6gen, auf das es hier entscheidend ankommt. Wenn Gott ins Ged\u00e4chtnis ruft, dann ruft er ins Leben. Sein Gedenken errettet vom Vergehen. Wessen er gedenkt, das bleibt, unverg\u00e4nglich: Gottes Verhei\u00dfungen, die Wundertaten, deren Ged\u00e4chtnis er stiftet, ein Menschenleben, das er vom Tode errettet, Worte wie die Worte Jesu, die von Gott kommen und f\u00fcr deren Bestand er selber einsteht. Und wen Gott erinnert, dem schenkt er Anteil an seinem lebenschaffenden Gedenken. Wenn Gottes Geist zu uns kommt, dann zieht er uns in Gottes ureigenes Gedenken hinein und l\u00e4\u00dft uns nicht mehr los. Er ruft uns nicht blo\u00df etwas in Erinnerung, was dort aufbewahrt w\u00e4re und nur wieder hervorgeholt werden m\u00fc\u00dfte, vielleicht ein wenig verschlafen oder verstaubt, weil es schon viel zu lange dort schlummerte. Wenn Gott selber erinnert, dann greift er in unser Ged\u00e4chtnis ein. Sein Geist animiert nicht, damit wir aus unserem Trott herausgelockt und in Schwung gebracht werden. Er gibt uns Leben: das Leben, das in Gott bewahrt bleibt und das Gottes Wirken Raum l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Vielleicht m\u00f6gen Sie l\u00e4ngst gedacht haben: Wie lange redet der da vom Heiligen Geist? Wann werden wir ihn erleben, so wie die Volksmenge damals zu Pfingsten, wann endlich werden wir seinen Hauch sp\u00fcren, wann wird er wie ein Wirbelwind auch durch unsere Kirche fahren, so heftig, da\u00df alles Morsche und Hinf\u00e4llige hinweggewirbelt wird? Wann wird er dieses Gotteshaus durchwehen, so sehr, da\u00df die T\u00fcren aufspringen und wir mit ihnen, um uns begeistern zu lassen, wom\u00f6glich gar au\u00dfer uns geraten? &#8211; Ja, dergleichen erwarten wir vom Geist Gottes, weil wir ihn uns so oder \u00e4hnlich vorstellen k\u00f6nnen. Aber erwarten wir wirklich ihn selber? Mit allen seinen \u00dcberraschungen, vielleicht nicht ohne tiefe Ersch\u00fctterung und fassungsloses Staunen, weil er Raum finden will &#8211; anders, als wir ihm Raum geben m\u00f6chten und von uns aus Raum geben k\u00f6nnen!<br \/>\nErstaunlicherweise, ja unerwartet und quer zu solchen Vorstellungen vertraut Jesus dem &#8222;Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen&#8220; an, uns zu lehren und uns gerade dadurch an alle seine Worte zu erinnern. Als ob diese Worte nicht sonnenklar w\u00e4ren, als ob wir sie nicht schlicht und einfach begreifen k\u00f6nnten, wenn wir sie nur auf uns wirken lassen! Doch lehren k\u00f6nnen wir uns nicht selbst, jedenfalls nicht so, wie der Geist uns lehrt. Wir k\u00f6nnen nicht uns selber sagen, was er uns sagen will. Wir sollen gelehrt werden, was alles in Jesu Worten enthalten ist und was sie uns mitteilen; es soll uns so erschlossen werden, da\u00df wir es in seiner ganzen Weite und Tiefe aufnehmen k\u00f6nnen. Gute Lehre bleut ja nicht etwas ein. Sie macht uns so aufmerksam, da\u00df wir etwas, das wir neu vernehmen oder was uns aufgezeigt wird, mit alledem verbinden, was wir bereits lernen konnten und worin wir meinen, schon ge\u00fcbt zu sein. Gottes Geist will uns bei allem begleiten, was wir wahrnehmen, \u00fcberall hin, wo uns etwas angeht und andr\u00e4ngt. Mehr noch: Gottes Geist durchdringt unsere Wahrnehmung. Hier will er eintreten und hier will er mit uns zu tun bekommen: mit allem, was wir erlebt und erlitten haben, mit allem, was in unsere Erinnerung schon eingegangen ist und noch in sie eingehen wird, auch mit allem, was uns entschwunden scheint und das dann doch unvermutet wieder auftauchen mag. Er l\u00e4\u00dft sich auf unser ganzes gelebtes Leben ein und l\u00e4\u00dft sich darin ein, weder als momentaner Geistesblitz noch als Dauerbrenner, den wir gr\u00f6\u00dfer oder kleiner drehen k\u00f6nnen, je nach Bedarf. Als pr\u00fcfende, reinigende, heilende Gotteskraft d\u00fcrfen wir ihn erwarten, nichts weniger als Befreiung sollten wir von seinem Kommen erhoffen.<\/p>\n<p>&#8222;O Heiliger Geist, kehr bei uns ein und la\u00df uns deine Wohnung sein &#8230;&#8220;: so haben wir gesungen. Jetzt schauen wir uns ein wenig in dieser Behausung um und in dem, was Gottes Geist hier antreffen d\u00fcrfte!<\/p>\n<p>Was dieser Geist von Jesu Worten erinnert, trifft auf unsere Erinnerungen. Wenn er bei uns einkehrt, kehrt er in unser Ged\u00e4chtnis ein. Zwar ist dieses nur ein Teil des Gehirns, aber wenn es besch\u00e4digt wird oder verk\u00fcmmert, beeintr\u00e4chtigt das nicht blo\u00df einen Bestandteil unseres K\u00f6rpers, sondern gef\u00e4hrdet unser ganzes Selbst. Ohne Ged\u00e4chtnis w\u00e4ren wir orientierungslos. Doch wer steuert unser Ged\u00e4chtnis? Diesen riesigen Lagerraum mit unerme\u00dflicher Speicherkapazit\u00e4t f\u00fcr Wesentliches und Unwesentliches, Gutes und B\u00f6ses, Verarbeitetes und Unverarbeitetes, Ordnendes und Verwirrendes, Aufbauendes und Zerst\u00f6rendes, Hoffnungen und Entt\u00e4uschungen, Gl\u00fccksmomente und lastendes Leid! W\u00e4hrend manches Ungl\u00fcck fr\u00fcher oder sp\u00e4ter vernarbt und allm\u00e4hlich vergessen wird, k\u00f6nnen b\u00f6se Erinnerungen sich einnisten und wie ein Krebsgeschw\u00fcr wachsen. Das Ged\u00e4chtnis kann eine Schatzkammer sein, es kann aber auch zur Schreckenskammer werden, und meistens ist es eine Mischung aus beidem. Wie weit k\u00f6nnen wir in es hineinleuchten, um dieses oder jenes hervorzuholen und es wieder abzulegen, wenn wir es nicht mehr wahrhaben wollen? \u00d6fter erscheint es uns wie ein Labyrinth, in dem wir uns verlaufen und aus dem kaum mehr herausfinden, weil uns an jeder Ecke eine neue Biegung erwartet, die uns vielleicht in eine Richtung zwingt, die wir gar nicht einschlagen m\u00f6chten, weil uns da manches erwartet, mit dem wir lieber nichts zu tun haben m\u00f6chten. Und bald merken wir, da\u00df wir l\u00e4ngst nicht \u00fcber alles das verf\u00fcgen, was in unserem Ged\u00e4chtnis bewahrt wird, was wir dort aufbewahrt wissen wollten oder was sich dort ohne unser Wissen und Wollen niedergelassen hat. Unser Ged\u00e4chtnis beherrscht uns mehr, als es uns lieb ein k\u00f6nnte. Es entl\u00e4\u00dft Erinnerungen, die wir f\u00fcr l\u00e4ngst erledigt hielten, und l\u00e4\u00dft ihnen &#8211; wie es scheint &#8211; freien Lauf.<\/p>\n<p>Das Ged\u00e4chtnis l\u00e4\u00dft uns auch an den Erinnerungen anderer teilnehmen. Es vernetzt, was uns gemeinsam ist oder uns gemeinschaftlich angehen sollte. In den letzten Jahren ist diese Ged\u00e4chtniskraft mehr und mehr beansprucht worden. Gedenktage h\u00e4ufen sich, Ausstellungen vom Wirken gro\u00dfer geschichtlicher Gestalten und von kulturtr\u00e4chtigen Hinterlassenschaften haben gr\u00f6\u00dften Zulauf, es gibt inzwischen Museen f\u00fcr fast alles und jedes, von der Wiege bis zur Bahre; allein in Bayern sind es 1200. F\u00fcr dies alles ist das Etikett &#8222;Ged\u00e4chtniskultur&#8220; in Mode gekommen. Doch dieses sch\u00f6nklingende Wort verdeckt die tiefen Auseinandersetzungen, die sich hier abspielen, es \u00fcberdeckt den Streit um das, was wirklich gewesen ist, und es verschweigt auch die Manipulationen, die dabei eingesetzt werden. K\u00fcrzlich war in den Kinos der Film &#8222;Good bye, Lenin&#8220; zu sehen, hochgelobt von der Kritik und auch von vielen Politikern: das M\u00e4rchen von einer Frau, die im Koma liegt, w\u00e4hrend die Berliner Mauer f\u00e4llt. Die Kranke wacht erst nach Wochen auf. Inzwischen ist so vieles grundst\u00fcrzend anders geworden, aber niemand kann ihr zumuten, dieses andere zu begreifen und zu ertragen. Ihre Kinder machen ihr weis, die DDR habe sich f\u00fcr den bankrotten Westen ge\u00f6ffnet und k\u00f6nne nun die Segnungen des Sozialismus unbegrenzt verbreiten. Was Sohn und Tochter der Mutter vorgaukeln oder ihr sogar mit optischen Tricks vor Augen stellen, das ist die DDR, wie sie sich diesen Staat gew\u00fcnscht haben. So gesteht es der Erz\u00e4hler an einem kritischen Punkte selber ein. Wieweit tr\u00e4gt ein solcher Film zur Sch\u00f6nf\u00e4rberei, ja zur Geschichtsverf\u00e4lschung bei? Er ist eine Art Vergangenheitsbew\u00e4ltigung, die endlich auch einmal die Schokoladenseite ins Bild setzen m\u00f6chte, mit Spreegurken und Rotk\u00e4ppchensekt, oder wenigstens das, wor\u00fcber verst\u00e4ndnisvoll geschmunzelt werden kann, nicht immer nur die Schwierigkeiten, von denen viele nichts mehr ungeschminkt wahrhaben wollen, sondern auch die Gemeinschaft, die sich unter schwierigen Umst\u00e4nden bew\u00e4hrte. &#8211; Was stellt die Ged\u00e4chtniskultur mit unserem Ged\u00e4chtnis an? Was kann sie uns versprechen?<\/p>\n<p>&#8222;Erinnerung ist das Geheimnis der Erl\u00f6sung&#8220;: so steht es am Ausgang von Yad Vashem eingemei\u00dfelt, der Jerusalemer Ged\u00e4chtnisst\u00e4tte f\u00fcr den Holocaust. Anders \u00fcbersetzt: &#8222;Das Geheimnis der Erl\u00f6sung hei\u00dft Erinnerung.&#8220; Viele werden diesem Spruch zustimmen, auch aus eigener Erfahrung, oder sie m\u00f6chten wenigstens seine Hoffnung teilen. Erinnerung kann jedoch auch die giftige Wurzel der Verbitterung sein. Erinnerung vermag heilsam zu \u00f6ffnen, sie kann die Bereitschaft wecken, Schlimmes nicht wieder geschehen zu lassen. Sie kann aber auch Unheil einlassen. Steht das eine mehr in unserer Hand als das andere?<\/p>\n<p>Wenn Gottes Geist kommt, um uns an alles zu erinnern und zu lehren, was Jesus gesagt hat, dann geht dieses &#8222;alles&#8220; S\u00e4mtliches an, was in unserem Ged\u00e4chtnis vor sich geht. Nichts von dem pers\u00f6nlichen und dem gemeinschaftlichen Ged\u00e4chtnis ist davon ausgenommen: nichts von dem, das hier aufbewahrt wird, das sich hervorrufen l\u00e4\u00dft oder das sich ungerufen von selber meldet. Der Geist ruft ins Ged\u00e4chtnis, da\u00df das Wort Jesu immer schon dabei war, auch unausgesprochen. Vielleicht wird der Geist einem jedem, einer jeder von uns zu bestimmten Erinnerungen ein bestimmtes Wort zu sagen haben. Wom\u00f6glich ist es ein scharfes Wort, das Wunden aufrei\u00dfen mu\u00df, um heilen zu k\u00f6nnen. Oder der Geist wird sich \u00e4u\u00dfern, indem er das heillose Durcheinander in unserem Ged\u00e4chtnis so ordnet, da\u00df es auf alles ausgerichtet wird, was Jesus uns im Namen Gottes zugesagt hat. Wenn Gott will, wird der Geist uns ein Vergessen schenken, das nichts einfach wegwischt. Vielmehr hebt er eine untragbare Last auf, weil sie zu Gottes Sache geworden ist. Vielleicht werden wir &#8211; und sei es nur f\u00fcr einen erl\u00f6senden Moment &#8211; dessen inne, da\u00df ohne Gottes Geist die Millionen Impulse, die unseren Geist bilden, ein rettungsloses Chaos w\u00e4ren. Ohne Gottes Geist gibt es keine wirklich tragf\u00e4higen Zusammenh\u00e4nge unseres Lebens, keine begehbare Br\u00fccke von der Vergangenheit zur Zukunft. Vor allem gibt es ohne den Geist Gottes keinen Neuanfang, der nicht von vornherein schon an unsere Erinnerungen gefesselt w\u00e4re, so sehr wir uns auch anstrengen, uns davon zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Jesus verhei\u00dft, da\u00df Gottes Geist zu uns kommt. Dasselbe sagt er mit anderen Worten, wenn er uns seinen Frieden hinterl\u00e4\u00dft: &#8222;Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.&#8220; Es ist der Friede, der unser Ged\u00e4chtnis mit Gottes Gedenken vers\u00f6hnt und der uns auch mit unseren Erinnerungen vers\u00f6hnt. Sie sind zu Gottes Sache geworden, ohne da\u00df unser Ged\u00e4chtnis dabei abhanden k\u00e4me. So tritt Gott uns ganz nahe. Er wartet nur noch auf unsere Bitte: &#8222;Komm, Gott Sch\u00f6pfer, Heiliger Geist, besuch das Herz der Menschen dein&#8220; &#8211; tritt ein in unser \u00fcberf\u00fclltes und doch so armes Ged\u00e4chtnis, heile seine Zerrissenheit, erf\u00fclle es mit deinem Frieden, den ihm niemand schenken kann denn du allein.<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Prof. Gerhard Sauter<br \/>\nUniversit\u00e4t Bonn<br \/>\n<a href=\"mailto:g.sauter@uni-bonn.de\">g.sauter@uni-bonn.de<\/a><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pfingstsonntag | 8. Juni 2003 | Johannes 14,23-27 | Gerhard Sauter | &#8222;Der Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.&#8220; Haben auch Sie gestutzt, als Sie das h\u00f6rten? Ist unser Ged\u00e4chtnis so schlecht geworden, da\u00df wir an Jesu Worte [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":7917,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[39,1,727,157,120,853,114,121,1712,345,349,3,124,387,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-9457","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-johannes","category-aktuelle","category-archiv","category-beitragende","category-bes_gelegenheiten","category-bibel","category-deut","category-festtage","category-gerhard-sauter","category-kapitel-14-chapter-14-johannes","category-kasus","category-nt","category-pfingsten","category-pfingstsonntag","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9457","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9457"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9457\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23600,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9457\/revisions\/23600"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7917"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9457"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9457"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9457"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=9457"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=9457"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=9457"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=9457"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}