{"id":9458,"date":"2003-06-07T19:49:50","date_gmt":"2003-06-07T17:49:50","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9458"},"modified":"2025-05-07T15:01:45","modified_gmt":"2025-05-07T13:01:45","slug":"johannes-1323-27","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-1323-27\/","title":{"rendered":"Johannes 14,23-27"},"content":{"rendered":"<h3>Pfingstsonntag | 8. Juni 2003 | Johannes 14,23-27 | Wolfgang Butz |<\/h3>\n<p><em>&#8222;Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebt, der wird mein<\/em><br \/>\n<em>Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen<\/em><br \/>\n<em>und Wohnung bei ihm nehmen. Wer aber mich nicht liebt, der h\u00e4lt<\/em><br \/>\n<em>meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr h\u00f6rt, ist nicht mein Wort,<\/em><br \/>\n<em>sondern das des Vaters, der mich gesandt hat. Das habe ich zu euch geredet,<\/em><br \/>\n<em>solange ich bei euch gewesen bin. Aber der Tr\u00f6ster, der heilige<\/em><br \/>\n<em>Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles<\/em><br \/>\n<em>lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Den Frieden<\/em><br \/>\n<em>lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie<\/em><br \/>\n<em>die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und f\u00fcrchte sich nicht.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Euer Herz erschrecke nicht und f\u00fcrchte sich nicht! Das ist ja mal<br \/>\neine merkw\u00fcrdige Einleitung f\u00fcr eine Pfingstpredigt. Warum,<br \/>\num Gottes Willen, sollen wir uns denn f\u00fcrchten? Pfingsten, das ist<br \/>\ndoch Heiliger Geist, frischer Wind, Brausen, feurige Zungen, Zungenreden<br \/>\n&#8211; das kennen wir doch, Apostelgeschichte, Kapitel 2, die Pfingstpredigt<br \/>\ndes Petrus: Auf einmal wird alles klar und alle verstehen Petrus und<br \/>\nverstehen einander. Schalom, umfassender Friede und Freude und Singen<br \/>\nund Tanz, das ist doch Pfingsten, wovor sollten wir da erschrecken oder<br \/>\nAngst haben?<\/p>\n<p>Nun, vielleicht ist da doch eine Angst? Nicht auf den ersten Anlauf<br \/>\ngreifbar? Ganz tief drinnen. Die Angst davor, drau\u00dfen zu bleiben.<br \/>\nAu\u00dfen vor. Vielleicht kennen Sie die Pfingstgeschichte nach Lukas<br \/>\nja seit Ihrer Kindheit. Aber was sie mit Ihnen und Ihrem Leben zu tun<br \/>\nhaben soll, das ist Ihnen bis heute nie klar geworden. Vielleicht haben<br \/>\nSie auch schon ganz viele Pfingstpredigten geh\u00f6rt \u00fcber den<br \/>\nZustand der Kirche und teilweise mit eingestimmt und teilweise das Gef\u00fchl<br \/>\ngehabt, dass das ja alles vielleicht ganz richtig ist, aber ist das schon<br \/>\nPfingsten? Oder ist das Pfingsten, wie es eigentlich war oder ist Pfingsten<br \/>\nnicht noch etwas ganz anders, was Ihnen irgendwie eben auch Angst macht?<br \/>\nVielleicht sp\u00fcren Sie deshalb so etwas wie Furcht? Weil Pfingsten,<br \/>\nso wie Sie es lesen oder empfinden, noch etwas ganz anderes ist oder<br \/>\nbesser sein m\u00fcsste. Aber was? Und wird es, wenn es wirklich kommt,<br \/>\nvielleicht so ganz anders kommen, wie wir es erwarten, so dass uns H\u00f6ren<br \/>\nund Sehen vergeht und wir und ich vielleicht mit? Kennen Sie das Gef\u00fchl,<br \/>\ndass Sie etwas kennen und doch eigentlich nicht kennen? Dass da etwas<br \/>\nFremdes ist und bleibt bei aller Vertrautheit und Sie Angst haben, ganz<br \/>\ntief drinnen, dass einmal alles ganz pl\u00f6tzlich ganz anders sein<br \/>\nk\u00f6nnte, weil das Fremde die Oberhand gewinnt und auf einmal nichts<br \/>\nmehr ist, wie es war.<\/p>\n<p>Das Wort f\u00fcr die heutige Predigt ist so ganz anders als die Pfingstgeschichte<br \/>\naus der Apostelgeschichte. Es ist ein ruhiges, beschwichtigendes Wort.<br \/>\nLeise T\u00f6ne statt Brausen und Zungenreden. Ein Wort zum Abschied.<br \/>\nEin Verm\u00e4chtnis. Euer Herz erschrecke nicht und f\u00fcrchte sich<br \/>\nnicht. Dieses Wort heute will uns Mut machen, Zutrauen geben. Du wirst<br \/>\nnicht irgendwann eine unangenehme \u00dcberraschung erleben und wie ein<br \/>\nDummkopf dastehen. Du wirst nicht irgendwann drau\u00dfen stehen vor<br \/>\nder T\u00fcr mit leeren H\u00e4nden. Du wirst \u00fcberhaupt niemals<br \/>\nau\u00dfen vor sein und bist es auch jetzt nicht.<\/p>\n<p>Hab Vertrauen. Du bist es wert, dass der Heilige Geist Wohnung in dir<br \/>\nnimmt. Ja, Gott und Jesus Christus wohnen in dir, wenn du nur willst.<br \/>\nEs braucht nichts anderes als dass du Gottes Wort ernst nimmst und versuchst,<br \/>\ndamit zu leben. Nichts anders will Gott. Nimm die Worte Jesu, nimm seine<br \/>\nArt zu leben und auch seinen Leidensweg ernst und richte dein Leben daran<br \/>\naus. Dann werden Gott und Jesus Christus in dir Wohnung nehmen und ihr<br \/>\nGeist, der Tr\u00f6ster, werden dir Gewissheit schenken und einen ganz<br \/>\ntiefen Frieden. Dann wirst du in der Welt zu Hause sein, ja, dann wirst<br \/>\ndu \u00fcberall zu Hause sein. Denn wer in sich selbst zu Hause ist,<br \/>\nist \u00fcberall zu Hause und braucht sich vor nichts und niemandem mehr<br \/>\nzu f\u00fcrchten.<\/p>\n<p>Davon spricht Jesus zu seinen J\u00fcngern in diesem Abschnitt der Abschiedsreden<br \/>\nim Johannes-Evangelium. Und wenn wir das so h\u00f6ren und in uns hineinlassen,<br \/>\nsetzen lassen, wirken lassen, merken wir, wie dieser Friede Christi sich<br \/>\nwirklich in uns auszubreiten beginnt. Und wenn wir dann noch einmal einen<br \/>\nBlick auf die Pfingstgeschichte der Apostelgeschichte werfen, merken<br \/>\nwir, dass wir irgendwie viel offener die Anfragen, die sie an uns stellt,<br \/>\nwahrnehmen und in den Blick nehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>W\u00e4re es nicht wirklich wichtig, dass ein ganz neuer Geist bei uns<br \/>\nEinzug h\u00e4lt. Bei uns, das hei\u00dft, in uns selbst, in unserem<br \/>\nLeben, aber auch in unserer Kirche, in unserer Gemeinde und in der gesamten<br \/>\nLandeskirche. Ja, und wenn wir diesen Kreis noch weiter ausziehen, dann<br \/>\nbetrifft das unsere ganze Gesellschaft und unsere Weltordnung und es<br \/>\nf\u00e4llt uns auf einmal auf, wie viel da schief l\u00e4uft und wie<br \/>\nuns das bedr\u00fcckt und belastet.<\/p>\n<p>So gehen mir ganz viele Gedanken im Kopf herum, z.B. im Hinblick auf<br \/>\ndie Agenda 2010. Vieles in unserem Land wird sich \u00e4ndern m\u00fcssen.<br \/>\nKeine Frage. Aber ich habe viele Fragen an den jetzt eingeschlagenen<br \/>\nWeg. Ich bef\u00fcrchte, dass durch die geplanten Reformen die gesellschaftliche<br \/>\nSpaltung in Arm und Reich noch wird. Wir leben \u00fcber unsere Verh\u00e4ltnisse,<br \/>\nwird uns erz\u00e4hlt. Nur wer ist das? Sie und ich scheinen daf\u00fcr<br \/>\nverantwortlich zu sein. Aber die gro\u00dfe Zahl der unternehmerischen<br \/>\nMisserfolge haben nicht Sie und ich und auch nicht die Gewerkschaften<br \/>\nzu verantworten, sondern es waren weithin schwere Fehler des Managements,<br \/>\ndie oft mit millionenschweren Abfindungen vergoldet wurden. Erinnern<br \/>\nSie sich: die globale Wirtschaft, Senkung der Steuern (21,6 % betr\u00e4gt<br \/>\ndie Steuerlast in der BRD, eine der niedrigsten) die Forderung, den Markt<br \/>\ndem freien Spiel der Kr\u00e4fte zu \u00fcberlassen, wurde uns und wird<br \/>\nuns als die L\u00f6sung all unserer Probleme versprochen &#8211; mehr Arbeitspl\u00e4tze<br \/>\nund Wohlstand f\u00fcr alle. Merken Sie in unserer Stadt etwas davon?<br \/>\nDadurch, dass es heute von denn Politikern aller Parteien nachgebetet<br \/>\nwird, wird es nicht wahrer. Wenige sind in den letzten 12 Jahren dadurch<br \/>\nreicher geworden, die meisten sind \u00e4rmer geworden und Arbeitspl\u00e4tze<br \/>\nwurden dadurch keine geschaffen. Wie auch!<\/p>\n<p>Friedhelm Hengsbach, Jesuit und Volkswirtschaftler an der kath. Hochschule<br \/>\nin Frankfurt am Main, hat die derzeitige Diskussion treffend charakterisiert: &#8222;Soziale<br \/>\nDemontage in der gegenw\u00e4rtigen Situation ist eine Kriegserkl\u00e4rung<br \/>\nder Machteliten an die Schwachen und Benachteiligten der Gesellschaft.&#8220; Das<br \/>\nist sehr krass gesagt, aber die Habenden beteiligen sich nicht an den<br \/>\nnotwendigen Ver\u00e4nderungen. Die notwendigen Ver\u00e4nderungen, Verzicht<br \/>\nund Opfer werden einseitig auf die Schwachen abgew\u00e4lzt. Das kann<br \/>\nes doch wirklich nicht sein! Aber ich will nicht nur politisieren. Bleiben<br \/>\nwir ruhig im Raum unserer Kirche. Auch da wird umgebaut, auch da werden<br \/>\nOpfer gefordert. Und schaffen wir es als Kirche, hier wirklich solidarisch<br \/>\nzu sein?<\/p>\n<p>Gottes Geist will verkrustete Strukturen aufbrechen und neues Leben<br \/>\nerm\u00f6glichen. Ja, Gottes Geist befreit zum Leben, und haben wir das<br \/>\nnicht bitter n\u00f6tig. Auch Sie und ich, wir ganz pers\u00f6nlich &#8211;<br \/>\nin unsrer Familie, am Arbeitsplatz, im Freundeskreis und in der Nachbarschaft.<br \/>\nUnd in in uns selbst, ganz tief drin, wie sieht es da aus? Haben Sie<br \/>\nMut! Es wird Pfingsten und wir feiern, dass sein Geist uns ansteckt,<br \/>\ndiese Welt und uns selbst zu ver\u00e4ndern. Joachim von Fiore, ein Mystiker<br \/>\ndes Mittelalters, hat es so meditiert:<\/p>\n<p>Vonn\u00f6ten ist, dass wandle<br \/>\nUnser Denken der Heilige Geist.<br \/>\nDamit wir nicht jetzt sind,<br \/>\nWas wir waren,<br \/>\nSondern beginnen, andere zu sein.<br \/>\nVonn\u00f6ten ist es, zu ver\u00e4ndern<br \/>\nDas Leben, da notwendig zu \u00e4ndern<br \/>\nDer Zustand der Welt.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Dekan Wolfgang Butz &#8211; Prodekanat N\u00fcrnberg S\u00fcd<br \/>\n<a href=\"mailto:Prodekanat.Sued@t-online.de\"> Prodekanat.Sued@t-online.de<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pfingstsonntag | 8. Juni 2003 | Johannes 14,23-27 | Wolfgang Butz | &#8222;Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. Wer aber mich nicht liebt, der h\u00e4lt meine Worte nicht. 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