{"id":9464,"date":"2003-06-07T19:49:44","date_gmt":"2003-06-07T17:49:44","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9464"},"modified":"2025-05-07T15:23:38","modified_gmt":"2025-05-07T13:23:38","slug":"matthaeus-1613-19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-1613-19\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 16,13-19"},"content":{"rendered":"<h3>Pfingstmontag | 9. Juni 2003 | Mt 16,13\u201319 | Ulrich Wiesjahn |<\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Die sogenannte Globalisierung bringt es mit sich, da\u00df Menschen<br \/>\nverschiedenster Religionen und Weltanschauungen aufeinandertreffen. Dieses<br \/>\nZusammentreffen kann, wie wir wissen, Krieg bedeuten. Und Krieg ist die<br \/>\nSprache der Waffen. Wenn es gut geht, dann spricht man mit dem Mund,<br \/>\nmit dem Verstand und vielleicht auch mit dem Herzen. Ob wir uns dann<br \/>\nverstehen, ist noch lange nicht gesagt, denn religi\u00f6se Verst\u00e4ndigung<br \/>\ngeh\u00f6rt vermutlich zum Schwierigsten auf der Welt.<\/p>\n<p>Ja, und nun beginnt das Gespr\u00e4ch mit der Frage: Wer ist ein Christ?<br \/>\nWas ist ein Christ? Und die Antwort darauf ist ein Bekenntnis, ein Bekenntnis<br \/>\nzu Jesus Christus. Anders geht es nicht. Denn das Bekenntnis ist die<br \/>\neinzig angemessene Form, um sich auszudr\u00fccken und verst\u00e4ndlich<br \/>\nzu machen. Nat\u00fcrlich kann man sagen, da\u00df man den wahren Christen<br \/>\nviel eher an seinen guten Taten und an seiner Haltung erkennt. Aber die<br \/>\ngute Tat und die vorbildliche Haltung m\u00fcssen durch das Wort erl\u00e4utert<br \/>\nwerden. Und dieses Wort nimmt dann notwendig den Charakter des Bekenntnisses<br \/>\nan.<\/p>\n<p>Nun wird innerhalb der christlichen Kirchen immer wieder um das wahre<br \/>\nBekenntnis gestritten. Und es gibt auch in unserer Kirche eine sogenannte &#8222;Bekenntnisbewegung&#8220;.<br \/>\nAusgangspunkt ist oft das Apostolische Bekenntnis und seine zeitgem\u00e4\u00dfe<br \/>\nAuslegung. Wenn bei diesen Streitigkeiten vieles sehr lebensfremd und<br \/>\nkaum verst\u00e4ndlich erscheint, so wird doch daran eines ganz klar:<br \/>\nEs ist nicht einfach und schon gar nicht selbstverst\u00e4ndlich, ein<br \/>\nBekenntnis zu sprechen. Denn wer ein Bekenntnis spricht, der verschreibt<br \/>\nsich ja mit Haut und Haaren. Wer ein Bekenntnis spricht, der gibt seine \u00dcberzeugung<br \/>\nder \u00d6ffentlichkeit preis. Wer ein Bekenntnis spricht, der mu\u00df darauf<br \/>\ngefa\u00dft sein, da\u00df man seine Ehrlichkeit unter die Lupe nimmt.<br \/>\nUnd in der Tat ist das f\u00fcr jeden Menschen eine Mutprobe.<\/p>\n<p>Zweifellos ist Jesus eine der eindrucksvollsten Pers\u00f6nlichkeiten<br \/>\nin der gesamten Menschheitsgeschichte, vielleicht <strong>die<\/strong> eindrucksvollste.<br \/>\nAber solch eine Beurteilung reicht nicht aus. Die Frage: Wer ist Jesus<br \/>\nChristus? wird damit noch kaum beantwortet. Als eine lebendige und damit<br \/>\nweit interessierende Frage mu\u00df sie erweitert werden: Wer ist Jesus<br \/>\nChristus f\u00fcr mich? Nun wird sie bedeutungsvoll.<\/p>\n<p>Als Jesus seine J\u00fcnger fragt: F\u00fcr wen haltet ihr mich? da<br \/>\nist ihnen vielleicht ein Schauer \u00fcber den R\u00fccken gelaufen.<br \/>\nDenn nun mu\u00dften sie ihrem Herzen einen Sto\u00df geben, weil sie<br \/>\nsich nun an eine \u00dcberzeugung zu binden hatten. Jetzt mu\u00dften<br \/>\nsie Farbe bekennen. Es stand ihnen allerdings die M\u00f6glichkeit offen,<br \/>\nwie viele andere zu sagen: Du bist so etwas wie der wiedererstandene<br \/>\nT\u00e4ufer oder Elias oder Jeremias. Du bist ein edler Mensch oder ein<br \/>\ngro\u00dfer Prophet oder ein religi\u00f6ser Rebell. Aber sie \u00fcbernehmen<br \/>\ndiese Antworten nicht, sondern binden sich viel fester.<\/p>\n<p>Es ist Petrus, der antwortet: &#8222;Du bist Christus, der Sohn des lebendigen<br \/>\nGottes!&#8220;<\/p>\n<p>Ausgerechnet Petrus sagt das, den uns derselbe Evangelist Matth\u00e4us<br \/>\nin einer Geschichte als besonders kleingl\u00e4ubig beschreibt (14,31).<br \/>\nAusgerechnet Petrus, der den Herrn in seiner Angst verleugnet (26,34).<br \/>\nAusgerechnet Petrus, dieser schwache Mann, den Paulus wegen seiner Unschl\u00fcssigkeit<br \/>\ntadeln mu\u00df (Gal. 2,11-21). Dieser schwache Petrus soll der Fels<br \/>\nsein, auf dem die Kirche gegr\u00fcndet werden soll? Jawohl, es sind<br \/>\nganz schwache Menschen, denen das Wohl der Kirche anvertraut ist. Das<br \/>\nLob und Bekenntnis Gottes ert\u00f6nt seit je aus dem Mund der Unm\u00fcndigen,<br \/>\nder Kinder und auch der Versager. Und genau von diesem Bekenntnis lebt<br \/>\ndie Gemeinschaft der Christen.<\/p>\n<p>\u00dcber den Inhalt und die Formulierung von Bekenntnissen ist nun<br \/>\nallerdings noch nichts gesagt worden. Schon das Neue Testament kennt<br \/>\nhierin eine Vielzahl. Und auch die lange Geschichte unserer christlichen<br \/>\nKirche \u00e4u\u00dfert sich nicht einheitlich. Jede Generation mu\u00df ihre<br \/>\nErfahrung machen. Denn ein Bekenntnis ist nur aufgrund von Erfahrungen<br \/>\nm\u00f6glich. Unsere Zeit neigt ja sehr zur Zur\u00fcckhaltung und zu<br \/>\nVorbehalten. Das hat wohl zwei Gr\u00fcnde. Einmal setzt sie sich in<br \/>\nverst\u00e4rktem Ma\u00dfe mit der Vernunft und der modernen Wissenschaftlichkeit<br \/>\nauseinander. Und zum zweiten fragt sie; Welchen Bezug zum praktischen<br \/>\nLeben hat solch ein Bekenntnis? Doch sollte man nicht meinen, in unserer<br \/>\nZeit fehlten die Bekenntnisse. Vielleicht ist sogar das Gegenteil der<br \/>\nFall: Es gibt ein weitverbreitetes Bem\u00fchen, neue und eigene Bekenntnisse<br \/>\nzu formulieren. erzwingen kann man hier nichts. Auch Petrus wurde das<br \/>\nBekenntnis offenbart. Wir k\u00f6nnen uns von uns aus nur auf jenen Weg<br \/>\nbegeben, an dessen Ende die v\u00f6llige Hingabe steht. Wir sollten nicht<br \/>\ndiejenigen verachten oder verunsichern oder \u00fcberfordern, die am<br \/>\nAnfang dieses Weges stehen. Das einzige, was wir k\u00f6nnen, ist, uns<br \/>\ngegenseitig auf dem Weg des Bekennens und der Hingabe weiterzuhelfen.<br \/>\nJeder von uns ist in der Gefahr, wie Petrus ein Verleugner zu werden.<br \/>\nAber das Bekenntnis eines jeden von uns ist ein Felsstein, auf dem diese<br \/>\nunsere Kirche gebaut wird.<br \/>\nAmen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Ulrich Wiesjahn, Goslar<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pfingstmontag | 9. Juni 2003 | Mt 16,13\u201319 | Ulrich Wiesjahn | Liebe Gemeinde! Die sogenannte Globalisierung bringt es mit sich, da\u00df Menschen verschiedenster Religionen und Weltanschauungen aufeinandertreffen. Dieses Zusammentreffen kann, wie wir wissen, Krieg bedeuten. Und Krieg ist die Sprache der Waffen. Wenn es gut geht, dann spricht man mit dem Mund, mit dem [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8543,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[36,1,727,157,853,114,433,349,3,392,109,257],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-9464","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-matthaeus","category-aktuelle","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-kapitel-16-chapter-16","category-kasus","category-nt","category-pfingstmontag","category-predigten","category-ulrich-wiesjahn"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9464","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9464"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9464\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23612,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9464\/revisions\/23612"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8543"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9464"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9464"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9464"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=9464"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=9464"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=9464"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=9464"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}