{"id":9466,"date":"2003-06-07T19:49:46","date_gmt":"2003-06-07T17:49:46","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9466"},"modified":"2025-05-07T15:26:28","modified_gmt":"2025-05-07T13:26:28","slug":"matthaeus-16","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-16\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 16,13\u201319"},"content":{"rendered":"<h3>Pfingstmontag | 9. Juni 2003 | Mt 16,13\u201319 | Jan Ulrik Dirkj\u00f8b |<\/h3>\n<p>&#8222;Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesem Felsen will<br \/>\nich bauen meine Gemeinde, und die Pforten der H\u00f6lle sollen sie nicht \u00fcberw\u00e4ltigen.<br \/>\nIch will dir des Himmelreichs Schl\u00fcssel geben, und alles, as du<br \/>\nauf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und was du<br \/>\nauf Erden l\u00f6sen wirst, soll auch im Himmel los sein&#8220;.<\/p>\n<p>Jesus nennt Petrus einen Felsen. Das ist ein Wortspiel. Denn der Name<br \/>\nPetrus bedeutet &#8222;Felsen&#8220;. Das ist der Name, den Jesus dem Fischer<br \/>\nSimon gegeben hat, als er ihn seinen J\u00fcnger nannte. Das wird vom<br \/>\nEvangelisten Johannes erz\u00e4hlt. Jesus sagt also in Wirklichkeit:<br \/>\nIch habe dich Felsen genannt. Du hei\u00dft Felsen. Und du bist ein<br \/>\nFelsen.<\/p>\n<p>Was Jesus sagt, sind starke Worte. Er gebraucht ein sehr starkes Bild.<br \/>\nJesus entnimmt das Bild aus den Schriften des alten Bundes, die sowohl<br \/>\ndie J\u00fcnger als auch er selbst seit ihrer Kindheit kennen. Und dort<br \/>\nwird das Bild immer von Gott gebraucht. Der Felsen, das ist das Starke<br \/>\nund Feste und Unersch\u00fctterliche. Das kann nur Gott selbst sein.<\/p>\n<p>&#8222;Es ist niemand heilig wie der Herr, au\u00dfer dir ist keiner,<br \/>\nund ist kein Fels, wie unser Gott ist&#8220;. So hei\u00dft es im Lobgesang<br \/>\nder Hanna im ersten Buch Samuel (2,2) Das ist ein Grundtext im alten<br \/>\nIsrael. &#8222;Sei mir ein starker Hort, zu dem ich immer fliehen kann,<br \/>\nder du zugesagt hast, mir zu helfen, denn du bist mein Fels und meine<br \/>\nBurg&#8220;, so lautet das Gebet des Psalmisten (Ps. 71,3), und der Prophet<br \/>\nJesaja ermahnt: &#8222;Verla\u00dft euch auf den Herrn immerdar; denn<br \/>\nGott der Herr ist ein Fels ewiglich&#8220; (26,4).<\/p>\n<p>Aber Jesus will sicher auch, da\u00df wir an einen bestimmten Felsen<br \/>\ndenken, der f\u00fcr Israel von gro\u00dfer Bedeutung war. Er will,<br \/>\nda\u00df wir an den Tempelberg in Jerusalem denken, den Berg Zion, den<br \/>\nFels Zions. Auf diesem Berg und diesem Fels hat Gott seine Wohnung gebaut.<br \/>\nAuf diesem Felsgrund ruht der Tempel Israels. Der Berg Zions: Das ist<br \/>\ndie Wohnung Gottes. Das ist der Mittelpunkt der Welt. Dort sollen sich<br \/>\nalle V\u00f6lker versammeln.<\/p>\n<p>Jesus sagt zu Peter und den anderen J\u00fcngern, da\u00df sie der<br \/>\nneue Felsgrund sein sollen. Sie sollen von nun an der Grund f\u00fcr<br \/>\ndie Gegenwart Gottes in der Welt sein. Sie sollen der Ort sein, wo die<br \/>\nKraft Gottes und der Geist Gottes von nun an wirken sollen. Sie sollen<br \/>\nsein wie ein neuer Tempel f\u00fcr das neue Gottesvolk.<\/p>\n<p>Sie sollen der unersch\u00fctterliche und feste Mittelpunkt mitten<br \/>\nin der Ver\u00e4nderlichkeit und Verg\u00e4nglichkeit der Welt sein.<br \/>\nSie sollen der Mittelpunkt der Welt sein. Sie sollen alle Menschen sammeln.<br \/>\nIn ihrer Gemeinschaft, in ihren Gedanken und Worten, in ihrem Leben soll<br \/>\nes nur Frieden und Vers\u00f6hnung mit Gott und Frieden und Vers\u00f6hnung<br \/>\nzwischen Menschen geben.<\/p>\n<p>Wie kann Jesus denn das zu diesen schwachen Menschen sagen? Sie sind<br \/>\nihm gefolgt, und sie haben ihn geh\u00f6rt, aber vieles haben sie nicht<br \/>\nbegriffen. Und sie sind genau so unbest\u00e4ndig wie alle anderen Menschen.<\/p>\n<p>Es zeigt sich gerade in diesem Gespr\u00e4ch in C\u00e4sarea Philippi,<br \/>\nda\u00df Petrus gar nicht verstanden hat, worauf das alles hinausl\u00e4uft<br \/>\n&#8211; und wenn Peter das nicht verstanden hat, dann die anderen sicher auch<br \/>\nnicht.<\/p>\n<p>Jesus sagt sein Leiden voraus, seinen Tod und seine Auferstehung. Und<br \/>\nsofort sagt Petrus entsetzt, da\u00df das um alles in der Welt nicht<br \/>\ngeschehn darf. Und nun wird er ein Satan genannt! Und er bekommt geradeheraus<br \/>\nzu wissen, da\u00df er nicht will, was Gott will, sondern was Menschen<br \/>\nwollen.<\/p>\n<p>Das ist ein unglaublich harter Lernproze\u00df, in den Petrus und<br \/>\ndie anderen J\u00fcnger von Jesus gef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Sie werden zu etwas phantastisch Gro\u00dfem ernannt. Sie erhalten<br \/>\neine unglaubliche Aufgabe. Sie erhalten die geistliche Macht \u00fcber<br \/>\ndie Welt bis hin zum Ende der Welt: &#8222;Was du auf Erden binden wirst,<br \/>\nsoll auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden l\u00f6sen wirst,<br \/>\nsoll auch im Himmel los sein&#8220;.<\/p>\n<p>Aber ihnen wird auch gesagt, da\u00df diese Ernennung voraussetzt,<br \/>\nda\u00df der Grund v\u00f6llig ger\u00e4umt werden mu\u00df. Der Mensch,<br \/>\nder vor ihnen steht, mu\u00df zerst\u00f6rt und aus dem Wege ger\u00e4umt<br \/>\nwerden. Und sie werden selbst ihr Leben verlieren &#8211; in jedem Sinne dieses<br \/>\nWortes.<\/p>\n<p>Sie werden direkt mit Kreuz und Auferstehung konfrontiert. Ihnen wird<br \/>\nnichts anderes angeboten als eben dies: Kreuz und Auferstehung!<\/p>\n<p>Da kann nichts \u00fcbrigbleiben von ihm. Der kann nichts \u00fcbrigbleiben<br \/>\nvon ihnen. Es kann nichts mehr geben, was ihr Wille oder ihre Tr\u00e4ume<br \/>\nund ihre Bed\u00fcrfnisse hei\u00dft. Alles mu\u00df sterben, damit<br \/>\ndas Leben siegen kann. Alles mu\u00df zugrunde gehen, damit die Herrlichkeit<br \/>\nhervortreten kann. Alles mu\u00df weichen, damit Gott die Macht und<br \/>\ndie ganze Macht \u00fcbernehmen kann.<\/p>\n<p>Und nur so k\u00f6nnen sie Fundament werden. Nur so k\u00f6nnen sie<br \/>\nKirche werden. &#8222;Wer sein Leben findet, der wird&#8217;s verlieren; und<br \/>\nwer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird&#8217;s finden&#8220; (Matth.<br \/>\n10,39). Das ist der Grundsatz des Christenlebens. Du bekommst alles.<br \/>\nAber du mu\u00dft auch alles geben. Alles wirst du verlieren. Du wirst<br \/>\nauch dich selbst verlieren. Aber dann hast du auch Teil am Leben Gottes<br \/>\nselbst. Weder mehr oder weniger.<\/p>\n<p>Sind wir dazu bereit? Sind wir wirklich bereit, Gottes Kirche auf Erden<br \/>\nzu sein?<\/p>\n<p>So gesehen ist das ja nicht etwas, wozu wir von uns selbst aus bereit<br \/>\ndrin k\u00f6nnen. Jesus sagt zu Petrus, da\u00df sein Bekenntnis nicht<br \/>\nvon ihm selbst stammen kann &#8222;Du bist Christus, des lebendigen Gottes<br \/>\nSohn&#8220;. Das kann Petrus nicht von sich aus sagen. Das kann er nur<br \/>\nsagen, weil Gott selbst ihn dazu gebracht hat, das zu sehen.<\/p>\n<p>Und wir k\u00f6nnen auch nicht aus uns selbst unser Kreuz auf uns nehmen<br \/>\nund Jesus folgen. Das k\u00f6nnen wir nur, weil er uns \u00fcberwindet<br \/>\nund in wunderbarer Weise zu sich zieht. Das k\u00f6nnen wir nur, weil<br \/>\ner mitten unter uns kommt und mitten unter uns ist.<\/p>\n<p>Alles ist von Anfang bis Ende Gottes Werk in und durch Christus Jesus.<br \/>\nWir k\u00f6nnen nur Fels sein, weil der Felsgrund gelegt ist. Da ist<br \/>\nein &#8222;Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein<br \/>\ngeworden&#8220; (Matt. 21,42).<\/p>\n<p>Ist dann alles gut? K\u00f6nnen wir dann zuversichtlich Kirche sein<br \/>\n&#8211; in all unserer Unzul\u00e4nglichkeit? Ja und nein!<\/p>\n<p>Ja &#8211; weil wirklich nicht alles von uns abh\u00e4ngt. Ja &#8211; weil Gott<br \/>\nGott ist. Ja &#8211; weil Gott selbst seine Wahrheit in den Menschen aufkommen<br \/>\nl\u00e4\u00dft. Ja &#8211; weil Gott der Gott aller Menschen ist und in und<br \/>\ndurch alle Menschen wirkt. Ja &#8211; weil Gott nicht anders kann als das zu<br \/>\nvollenden, was er einmal begonnen hat.<\/p>\n<p>Aber nein &#8211; weil Gott nicht Gott sein kann f\u00fcr uns, ohne da\u00df wir<br \/>\nuns ihm zuwenden. Gott ist ja nicht ein Gott f\u00fcr Roboter. Wir sind<br \/>\nkeine gedankenlosen und willenlosen Mechanismen. Wir sind Menschen. Und<br \/>\nGott verlangt von uns, da\u00df wir uns ihm zuwenden. Da kann kein Gespr\u00e4ch<br \/>\nsein, ohne da\u00df da jemand ist, der antwortet. Da kann keine Liebe<br \/>\nsein ohne Gegenliebe.<\/p>\n<p>Nur Gott kann die Welt erl\u00f6sen, und nur Gott kann die Kirche am<br \/>\nLeben erhalten und sie dazu gebrauchen, das Heil zu bringen. Aber wird<br \/>\nsind es noch immer, die Kirche sind, und unser Leben ist der Schauplatz<br \/>\ndes Heils. Anders kann es nicht sein. Der Grund der Welt und der Grund<br \/>\nder Kirche sind ein Verh\u00e4ltnis, ein Verh\u00e4ltnis zwischen Gott<br \/>\nund uns.<\/p>\n<p>Und wir sind weit weggekommen von Gott. Alles, was in unserem Kulturkreis<br \/>\ngedacht und gesagt ist in den letzten drei- vierhundert Jahren, ist mehr<br \/>\noder weniger umsonst. Es ist nicht nichts. Es ist nicht gleichg\u00fcltig.<br \/>\nDa sind gro\u00dfe und notwendige Gedanken gedacht &#8211; in erster Linie<br \/>\ngro\u00dfe Gedanken von Freiheit und Menschenw\u00fcrde. Es sind gro\u00dfe<br \/>\nund wichtige Taten vollbracht worden. Viel Gro\u00dfes ist geschaffen<br \/>\nworden. Weder wollen noch k\u00f6nnen darauf verzichten &#8211; wenn wir ehrlich<br \/>\nsind.<\/p>\n<p>Und doch ist in gewisser Weise alles umsonst. Denn die Perspektive<br \/>\nwar nicht g\u00f6ttlich. Und wir bleiben zur\u00fcck mit einem leeren<br \/>\nHimmel und leeren Herzen. Die Leere hat uns ergriffen. Die Leere ist<br \/>\nin unser Innerstes vorgedrungen. Die Leere bedroht selbst das Heiligste<br \/>\nund Seligste, das wir kennen. Die Leere droht uns die F\u00fclle und<br \/>\ndie Seligkeit zu nehmen.<\/p>\n<p>Man m\u00f6chte hier gerne einen modernen gro\u00dfen Autor aus dem<br \/>\nNorden zitieren, der schon vor Jahrzehnten sagte: &#8222;Es gibt nur die<br \/>\nLust des Fleisches und die unerbittliche Einsamkeit der Seele&#8220;.<br \/>\nDas war eines der Worte, die gleichsam zu einem Slogan des modernen Menschen<br \/>\nwurden.<\/p>\n<p>Und Menschen jagen nach Sinn und Lebenserf\u00fcllung. Aber sie finden<br \/>\nsie nicht. Oder sie finden sie nur zwischenzeitlich. Was sie finden,<br \/>\nh\u00e4lt nicht. Denn der Felsgrund ist verschwunden.<\/p>\n<p>Und wir machen die Kirche zu Kultur und Freizeitbesch\u00e4ftigung.<br \/>\nWir passen sie unseren Bed\u00fcrfnissen an. Und wir verlieren uns in \u00c4u\u00dferlichkeiten<br \/>\nund Nebens\u00e4chlichkeiten. Wir klammern uns an Traditionen. Wir halten<br \/>\nfest an Trennungslinien zwischen Kirchen.<\/p>\n<p>Und worum geht es dann in Wirklichkeit? Es geht um Bekehrung. Und wohlgemerkt<br \/>\neine Bekehrung, mit der wir nicht fertig werden. Es geht darum, da\u00df wir<br \/>\nuns immer wieder Gott zuwenden und alles in seine H\u00e4nde legen. Und<br \/>\nJesu Wort mit offenen Sinn und offenem Herzen h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Es geht darum, da\u00df wir uns auf alles besinnen, was uns jeden<br \/>\nTag gegeben wird. Uns auf die unfa\u00dfbare Gr\u00f6\u00dfe Gottes<br \/>\nbesinnen. Uns auf die Herrlichkeit besinnen, die uns gegeben ist, und<br \/>\nauf die Herrlichkeit, die auf uns wartet. Es geht darum, da\u00df wir<br \/>\nuns selbst pr\u00fcfen und uns mit Gott vers\u00f6hnen und mit einander.<\/p>\n<p>Es geht darum, da\u00df das Gebet der Grundrhytmus in unserem Leben<br \/>\nvon Tag zu Tag wird, nicht Gebet mit vielen Worten, sondern nur dies,<br \/>\nda\u00df wir alle die heiligen Namen nennen und uns in die richtige<br \/>\nRichtung wenden und dem Licht entgegensehen und uns der Lebensquelle \u00f6ffnen<br \/>\nund dem Geist, der weht, wo er will.<\/p>\n<p>&#8222;Seid allezeit fr\u00f6hlich, betet ohne Unterla\u00df, seid<br \/>\ndankbar in allen Dingen!&#8220; (1. Thess. 5,16). Warum sagt Paulus das<br \/>\nwohl? Das ist die \u00e4lteste christliche Ermahnung, die wir aus dem \u00e4ltesten<br \/>\nBrief des Paulus haben, den wir kennen. Er sagt dies nat\u00fcrlich,<br \/>\nweil er wei\u00df das es wichtig ist. Er wei\u00df, da\u00df es lebenswichtig<br \/>\nist. Er sagt es, weil er es meint!<\/p>\n<p>Betet ohne Unterla\u00df! Ja, denn dann geht es nicht um uns. Dann<br \/>\nist das Zentrum woanders. Dann kann Gott in uns und mit uns wirken. Dann<br \/>\nk\u00f6nnen wir Felsgrund sein. Dann k\u00f6nnen wir Gottes Kirche in<br \/>\nder Welt sein. Und dann k\u00f6nnen die Tore der H\u00f6lle keine Macht \u00fcber<br \/>\nuns gewinnen. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pfarrer Jan Ulrik Dyrkj\u00f8b<br \/>\nKnud Hjorts\u00f8vej<br \/>\nDK-3500 V\u00e6rl\u00f8se<br \/>\nTel.: ++ 45 &#8211; 44 48 06 04<br \/>\n<a href=\"mailto:jukd@vaerloesesogn.dk\">e-mail: jukd@vaerloesesogn.dk<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pfingstmontag | 9. Juni 2003 | Mt 16,13\u201319 | Jan Ulrik Dirkj\u00f8b | &#8222;Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesem Felsen will ich bauen meine Gemeinde, und die Pforten der H\u00f6lle sollen sie nicht \u00fcberw\u00e4ltigen. 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