{"id":9473,"date":"2003-06-07T19:49:47","date_gmt":"2003-06-07T17:49:47","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9473"},"modified":"2025-05-07T16:41:27","modified_gmt":"2025-05-07T14:41:27","slug":"lukas-16-19-31-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-16-19-31-6\/","title":{"rendered":"Lukas 16, 19-31"},"content":{"rendered":"<h3>1. Sonntag nach Trinitatis | 22. Juni 2003 | Lukas 16,19\u201331 | Eberhard Busch |<\/h3>\n<p>Es ist eine anst\u00f6\u00dfige Geschichte, die uns da<br \/>\nvon Lukas \u00fcberliefert wird: so anst\u00f6\u00dfig, dass es einen<br \/>\nwundern kann, wie sie jemals in die Bibel geraten konnte und in ihr dann<br \/>\nauch stehen gelassen blieb. Hingegen kann es einen nicht wundern, wenn<br \/>\nman sie in der Christenheit oft schnell \u00fcbersehen hat, so wie der<br \/>\nReiche den Lazarus in dieser Geschichte. Ich habe noch von keiner Evangelisationsversammlung<br \/>\ngeh\u00f6rt, in der ernstlich das laut geworden w\u00e4re, was diese Geschichte<br \/>\nsagt. Aber auch in der modernen kritischen Wissenschaft der Theologie hat<br \/>\nman diese Geschichte aus dem Neuen Testament auszuklammern versucht, weil<br \/>\nsie Ausdruck einer unterchristlichen Fantasie sei. Und in wieviel Predigten<br \/>\nauf den Kanzeln aller Konfessionen wird das unterschlagen, was diese Geschichte<br \/>\nso \u00fcberdeutlich sagt.<\/p>\n<p>Aber was ist denn so anst\u00f6\u00dfig an ihr? Ist es dies, dass es<br \/>\nallzu schlicht t\u00f6nt, wie hier diese zwei gegen\u00fcbergestellt<br \/>\nwerden? \u2013 ein Reicher, der es einfach alle Tage sorglos sch\u00f6n<br \/>\nhat, und ein Armer, dem es einfach alle Tage miserabel schlecht geht?<br \/>\nUnd klingt es nicht erst recht primitiv, wie dann nach dem Tod der beiden<br \/>\nHimmel und H\u00f6lle ausgemalt werden: der Himmel als ein behagliches<br \/>\nAusruhen in Abrahams Scho\u00df und die H\u00f6lle als ein Schmoren<br \/>\nin hei\u00dfer Flamme? Und ist es nicht allzu kindlich gedacht, wenn<br \/>\nes hei\u00dft: Nach dem Tod drehe sich das irdische Los kurz um. F\u00fcr<br \/>\nden Lebensgenie\u00dfer werde es dann sehr verdrie\u00dflich, f\u00fcr<br \/>\nden Pechvogel daf\u00fcr h\u00fcbsch vergn\u00fcglich? Kann es nicht<br \/>\nabsto\u00dfen, dass hier so grob mit dem dicken Pinsel gemalt wird?<br \/>\nUnser Erz\u00e4hler versteht anscheinend nur, schwarz-wei\u00df zu malen,<br \/>\nund mutet einem Dinge zu, die man als moderner Mensch nun einmal nicht<br \/>\nmehr f\u00fcr wahr halten kann.<\/p>\n<p>Aber seien wir ehrlich: Ist es wirklich das, was uns diese Geschichte<br \/>\nanst\u00f6\u00dfig macht? Wir wissen doch sehr genau, dass sie ein Bild,<br \/>\nein Gleichnis ist. Nun gut, das Bild ist \u00fcberdeutlich gezeichnet,<br \/>\ngemalt mit den Farben einer vergangenen Weltanschauung, aber gemalt,<br \/>\num uns etwas Bestimmtes zu <em>sagen<\/em>. Auf das m\u00fcssen wir achten, und<br \/>\ndas k\u00f6nnen wir auch ganz gut verstehen. Tun wir das, dann zeigt<br \/>\nsich: In dieser Geschichte steckt etwas anderes, das uns noch anst\u00f6\u00dfiger<br \/>\nsein mag. N\u00e4mlich dies, dass Gott hier so <em>parteiisch<\/em> dargestellt<br \/>\nwird \u2013 dass er nicht blo\u00df ein bi\u00dfchen, sondern so hundertprozentig<br \/>\nPartei ergreift, hier f\u00fcr den armen Lazarus und dort gegen den namenlos<br \/>\nReichen. Das irritiert. Wir haben uns daran gew\u00f6hnt, in der Kirche<br \/>\nvom <em>lieben<\/em> Gott zu h\u00f6ren. Ja, wir haben schon recht geh\u00f6rt,<br \/>\nGott <em>ist<\/em> der liebe Gott, er <em>ist<\/em> barmherzig und gn\u00e4dig. Aber &#8211; seine<br \/>\nBarmherzigkeit und Gnade ist nicht das Langweilige, das wir gern aus<br \/>\nihr machen, nicht das Harmlose, das niemand unter die Haut geht. Gottes<br \/>\nGnade hei\u00dft nicht, dass er alles und jedes, unsere Gegens\u00e4tze<br \/>\nvon reich und arm, von ungerecht und benachteiligt, von satt und hungrig<br \/>\nmit einer rosa Brille ansieht und dann auf sich beruhen l\u00e4sst. Gottes<br \/>\nGnade hei\u00dft nicht, obwohl es in unserem Gesangbuch missverstehbar<br \/>\nsteht: \u201cSprich deinen milden Segen zu allen unseren Wegen&#8220; \u2013 zu<br \/>\n<em>allen<\/em> unseren Wegen? Das k\u00f6nnte uns so gefallen, das kann aber Gott<br \/>\nnicht gefallen. Gottes Gnade hei\u00dft vielmehr: Gott will, dass allen<br \/>\nMenschen geholfen werde. Gottes Gnade hei\u00dft, dass Jesus unter uns<br \/>\ntritt und sagt: \u201cIch bin gekommen, dass die Menschen das Leben<br \/>\nund volle Gen\u00fcge haben&#8220; (Joh. 10,11). Und so hei\u00dft Gnade<br \/>\nGottes: dass er Partei ergreift immer f\u00fcr die Hilfsbed\u00fcrftigen,<br \/>\nf\u00fcr die Unbeholfenen, f\u00fcr die Hilflosen \u2013 und Partei<br \/>\nentschieden gegen die, die <em>ohne<\/em> den Beistand Gottes Leben und volle Gen\u00fcge<br \/>\nhaben zu k\u00f6nnen glauben. Einen anderen Gott gibt es nicht als den,<br \/>\nder so parteiisch gn\u00e4dig ist. Wir wollten einen anderen Gott, wenn<br \/>\nwir Gott anders haben wollten. Und es w\u00e4re am Ende so, dass wir<br \/>\ngar keinen Gott haben wollten. Es w\u00e4re praktisch Atheismus, schlimmer<br \/>\nals alle direkte Leugnung Gottes, wenn wir einen neutralen Gott haben<br \/>\nwollten. Aber dass Gott so parteiisch ist, das ist eben anst\u00f6\u00dfig.<\/p>\n<p>Es gibt in unserer Geschichte etwas, das uns noch anst\u00f6\u00dfiger<br \/>\nwerden kann \u2013 nicht nur dies, dass Gott <em>parteiisch<\/em> ist, sondern<br \/>\ndass er gerade <em>so<\/em> parteiisch ist, wie wir es da h\u00f6ren. Daran k\u00f6nnen<br \/>\nwir uns reiben, dass er gerade <em>diesen<\/em> Ma\u00dfstab hat, nach dem er<br \/>\nf\u00fcr den einen und gegen den anderen ist. Denn der Ma\u00dfstab,<br \/>\nnach dem hier der eine hochgehoben wird und der andere in die Tiefe f\u00e4llt,<br \/>\nist schlicht der, ob man arm oder reich ist. Keine Rede davon, dass der<br \/>\nLazarus fromm, bekehrt, erweckt, gl\u00e4ubig war. Es hei\u00dft nur:<br \/>\ner war arm und kam darum in den Himmel. Und auch keine Rede davon, dass<br \/>\nder Reiche besonders b\u00f6se, ungl\u00e4ubig, unbekehrt, s\u00fcndig<br \/>\nwar. Vielleicht war er ebenso gut, wie wir es von uns selbst meinen.<br \/>\nEs hei\u00dft nur: er war reich und kam darum in die H\u00f6lle.<\/p>\n<p>Wem k\u00f6nnen diese S\u00e4tze gefallen? Denn sie widersprechen der<br \/>\ngem\u00fctlichen Unterscheidung, die noch immer in unseren K\u00f6pfen<br \/>\nspukt: die zwischen einem seelischen und einem leiblichen Bereich. Diese<br \/>\nUnterscheidung haben wir immer gern f\u00fcr christlich gehalten. Anhand<br \/>\nvon ihr haben wir gemeint: der Glaube sei etwas nur f\u00fcr die K\u00f6pfe<br \/>\nder Menschen, aber er h\u00f6re am Geldbeutel auf \u2013 Gottes Liebe<br \/>\nsei etwas f\u00fcrs Herz, aber sie gehe nicht auch durch den Magen derer,<br \/>\ndie uns ans Herz gelegt sind \u2013 man k\u00f6nne eine gr\u00f6\u00dfere<br \/>\noder auch kleinere Geldgier haben, wenn man nur innerlich recht stehe;<br \/>\nund es sei genug, den Menschen seelischen Trost zu bringen, auch wenn<br \/>\nman sie weiter in ihrem Elend l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Die Bibel schert sich aber nicht um diese saubere und in Wahrheit lebensfeindliche<br \/>\nUnterscheidung. Sie sagt nach dem Monatsspruch dieses Monat Juni: \u201cWer<br \/>\ndem Geringsten Gewalt tut, l\u00e4stert dessen Sch\u00f6pfer; aber wer<br \/>\nsich des Armen erbarmt, der ehrt Gott\u201d (Spr. 14,31). Und noch einmal:<br \/>\nChristus ist gekommen, damit die Menschen das <em>Leben<\/em> haben, nicht nur<br \/>\ninnerlich, sondern auch \u00e4u\u00dferlich, und <em>volle<\/em> Gen\u00fcge,<br \/>\nund also nicht nur genug, um glaubensvolle Herzen zu haben, sondern auch<br \/>\ngenug, um f\u00fcr alle volle Teller zu haben. Christus ist gekommen,<br \/>\ndas hei\u00dft ja: Gottes Liebe ist f\u00fcr Gott selbst keine blo\u00df innerliche<br \/>\nSache. Gottes Liebe ist in Christus auch ganz \u00e4u\u00dferlich, ganz<br \/>\nleiblich, ganz sp\u00fcrbar und sichtbar geworden. Christus ist das Ende<br \/>\nund die Aufhebung unserer ganzen unseligen Scheidung zwischen Seelischem<br \/>\nund Leiblichem. Und was Gott zusammengef\u00fcgt hat, das soll der Mensch<br \/>\nnicht scheiden.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen noch einen Schritt weitergehen, und damit st\u00f6\u00dft<br \/>\nunsere Geschichte mit ihrer Spitze direkt bei uns an: Sie fordert uns<br \/>\nauf, uns mit einer der genannten Personen zu vergleichen. Stehen wir<br \/>\nauf der Seite des Lazarus oder auf der des reichen Mannes? Nun, wer wird<br \/>\nsich schon reich nennen? Von den Reichen gilt der Spruch: \u201cJe mehr<br \/>\ner hat, je mehr er will, nie stehen seine Sorgen still.\u201d Allerdings,<br \/>\nje mehr er hat, desto unerbittlicher krampft sich seine Hand um das,<br \/>\nwas er hat, so dass niemand dran r\u00fchren darf. Sagen wir einfach:<br \/>\nReiche sind solche, die geben k\u00f6nnten, aber nicht geben wollen!<br \/>\nUnd &#8211; wer von uns kennt wirklich Vertreter jenes Millionenheeres von<br \/>\nHabenichtsen, die am heutigen Tag hungern und verhungern? &#8211; Frauen, M\u00e4nner,<br \/>\nKinder. Sie tauchen in den Medien fast nie auf und, wenn doch, dann,<br \/>\num schnell wieder daraus zu verschwinden; und was man nicht auf dem Bildschirm<br \/>\nsieht, das existiert f\u00fcr uns nicht. Aber k\u00f6nnten wir sie nicht<br \/>\ndoch sehen? Denn man hat unterdes die Vorz\u00fcge von Arbeit in Billiglohn-L\u00e4ndern<br \/>\nsich nutzbar gemacht und hat daf\u00fcr Massenarbeitslosigkeit an unseren<br \/>\nStra\u00dfen. Aber merkw\u00fcrdig, je n\u00e4her Lazarus uns vor Augen<br \/>\nr\u00fcckt, desto mehr r\u00fcckt er uns von der Tagesordnung. Sagen<br \/>\nwir einfach: Arme sind solche, deren Armut wir sehen m\u00fcssten, aber<br \/>\nvon der wegsehen.<\/p>\n<p>Helmut Gollwitzer schrieb vor gut 30 Jahren ein Buch unter dem Titel: \u201cWir<br \/>\nreichen Christen und der arme Lazarus.\u201d Einen solchen Titel k\u00f6nnen<br \/>\nwir ja nicht h\u00f6ren, ohne tief zu erschrecken. Denn wenn das so ist,<br \/>\ndann haben nicht sie, die Armen in der Ferne, in der N\u00e4he, dann<br \/>\nhaben wir, die Christen, Grund zur Ersch\u00fctterung. Von einem drohenden<br \/>\nH\u00f6llenfeuer ist da die Rede. Meinen wir nur ja nicht, das sei weit<br \/>\nentfernt, ausgedacht zum Bangemachen vor einem Jenseits, das es gar nicht<br \/>\ngibt! Wenn die armen Menschen, die armen L\u00e4nder ihre Katastrophe<br \/>\nnicht \u00fcberleben sollten, dann wehe uns, den <em>jetzt<\/em> \u00dcberlebenden!<br \/>\nUnser \u00dcberleben wird dann bereits eine H\u00f6lle sein \u2013 darum<br \/>\neine H\u00f6lle, weil wir dann unter dem Fluch des \u201cunstet und<br \/>\nfl\u00fcchtig\u201d leben werden wie Kain, nachdem er seinen Bruder<br \/>\nAbel umbrachte (Gen. 4,12) \u2013 eine H\u00f6lle, weil wir dann leben<br \/>\nm\u00fcssen ohne Lazarus, ohne unseren schwarzen und gelben, braunen<br \/>\nund hellh\u00e4utigen Mitmenschen und leben ohne &#8211; Gott, der sich gerade<br \/>\nmit diesen unseren Mitmenschen verb\u00fcndet hat.<\/p>\n<p>Aber jetzt stehen wir vor dem Wichtigsten, das zu sagen ist: Die Geschichte<br \/>\nvom reichen Mann und vom armen Lazarus ist uns nicht erz\u00e4hlt, um<br \/>\nuns zu sagen: der Arme werde schon noch im Jenseits Trost finden. Gewiss<br \/>\nist das wahr, dass jedenfalls Gott sich all der zahllosen Verk\u00fcmmernden<br \/>\nhilfreich annehmen wird. Aber der Sinn unserer Geschichte ist nicht,<br \/>\ndie Armen vom Diesseits abzulenken durch die Vertr\u00f6stung auf ein<br \/>\nbesseres Jenseits. Sie redet vom Jenseits, um die Menschen in ein besseres<br \/>\n<em>Diesseits<\/em> zu stellen. Und darum ist diese Geschichte auch nicht darum<br \/>\nerz\u00e4hlt, um uns, den reichen Christen, Strafe und Verdammung zu<br \/>\nprophezeien. Sondern darum ist sie uns gesagt, um uns auf eine Rettung<br \/>\naufmerksam zu machen: auf die einzige, die uns vor dem drohenden Chaos<br \/>\nbewahren kann. Jawohl, es gibt f\u00fcr uns alle eine Rettung. Und unsere<br \/>\nGeschichte l\u00e4dt uns dazu ein, sie zu erkennen und zu ergreifen.<\/p>\n<p>Achten wir genau auf ihr Pointe: In der Liebe Gottes zum ganz und gar<br \/>\nbed\u00fcrftigen Lazarus wird uns gezeigt, dass kein Nachteil auf Seiten<br \/>\ndes Menschen ihn von ihr trennen muss und trennen kann. Und in dem Ernst<br \/>\ngegen\u00fcber dem satten-nimmersatten Reichen wird uns gezeigt, dass<br \/>\nkein Vorteil auf Seiten des Menschen seinen Anspruch auf Gottes Liebe<br \/>\nbegr\u00fcnden darf und kann. Und das ist nicht so, weil etwa Gott willk\u00fcrlich<br \/>\nverf\u00e4hrt. Das ist so, weil Gott so unbedingt gn\u00e4dig und barmherzig<br \/>\nist. Darum k\u00f6nnen wir reichen Christen, wenn wir nicht ganz von<br \/>\nGott geschieden sein wollen, uns nicht anders zu Gott bekennen, als indem<br \/>\nwir in Verbundenheit mit Lazarus leben. Lazarus ist nicht unser Heiland.<br \/>\nAber der Heiland ist nicht ohne ihn und so ist er nicht ohne den Heiland,<br \/>\nsondern der ist mit ihm und bei ihm. Und der ist es so bestimmt, da\u00df wir<br \/>\nnicht an Christus teilhaben k\u00f6nnen, ohne sie mitzuhaben: die Armen,<br \/>\ndie Hungernden, die Verk\u00fcmmernden. Er ist ihr Bruder geworden \u2013 darum<br \/>\nkann er nicht auch unser Bruder sein, ohne dass wir sie sehen und bejahen<br \/>\nals unsere Schwestern und Br\u00fcdern.<\/p>\n<p>Wie k\u00f6nnten wir sie dann \u00fcbersehen und vergessen oder denn<br \/>\nals den Abfallkorb f\u00fcr unseren \u00dcberfluss behandeln: die Frau<br \/>\nirgendwo in dem notd\u00fcrftigen Elendsquartier, der Bettler, der vor<br \/>\nallem um Arbeit bettelt und keine kriegt, die Lepra kranke Alte, der<br \/>\nauf eine Mine getretene Knabe, der nie ein Erwachsener werden wird, das<br \/>\nCholera kranke M\u00e4dchen, der ebenso \u00fcberbesch\u00e4ftigte und<br \/>\nunterbezahlte Arbeiter &#8230; Ich nehme den Mund nicht zu voll, wenn ich<br \/>\nsogar sage: In all diesen Menschen tritt uns unser Heiland entgegen.<br \/>\nSo hat er es ja selbst gesagt: \u201cWas ihr einem von diesen meinen<br \/>\ngeringsten Geschwistern getan habt, das habt ihr mir getan.&#8220; Tritt<br \/>\nuns in seiner Verbundenheit mit diesen Geringsten die Wahrheit seiner<br \/>\nGnade und Barmherzigkeit entgegen, so treibt uns das wie selbstverst\u00e4ndlich<br \/>\nzur Dankbarkeit. Und diese Dankbarkeit gegen ihn statten wir so ab, dass<br \/>\nwir uns wie selbstverst\u00e4ndlich an die Seite dieser Geringsten stellen.<br \/>\nUnd dann wird uns das jeweils Beste in den Sinn kommen, das dort zu tun<br \/>\nund zu sagen und zu denken ist. Aller Glaube an Gott ist wertlos, der<br \/>\nGott in irgendeinem privaten, beschaulichen, stillen K\u00e4mmerlein<br \/>\noder Herzenswinkel f\u00fcr sich allein haben will, statt ihm zu dienen<br \/>\nunter den innerlich und \u00e4u\u00dferlich Armen, Hungernden, Benachteiligten.<\/p>\n<p>Wir haben vorhin geh\u00f6rt, unsere Geschichte sei anst\u00f6\u00dfig.<br \/>\nDas Wort Ansto\u00df hat in unserem Sprachgebrauch einen doppelten Sinn \u2013 den<br \/>\nvon \u201c\u00c4rgernis erregen&#8220;, aber auch den von \u201cin Bewegung<br \/>\nsetzen&#8220;. Wir haben das Gleichnis Jesu verstanden, wenn wir gemerkt<br \/>\nhaben, es will uns zuletzt im zweiten Sinn des Wortes Ansto\u00df geben.<br \/>\nEs will uns im Grunde nicht \u00e4rgern. Es will uns in Bewegung versetzen.<br \/>\nWohin? Der Reformator Huldrych Zwingli hat in der Z\u00fcrcher Disputation<br \/>\nvon 1523, durch die sich die Reformation in Z\u00fcrich durchsetzte,<br \/>\ndas als die Aufgabe der Leitung einer staatlichen Gemeinschaft erkl\u00e4rt:<br \/>\nEs sollten \u201calle ihre Gesetze dem g\u00f6ttlichen Willen gleichf\u00f6rmig<br \/>\nsein, n\u00e4mlich so, dass sie die Bedr\u00fcckten beschirmen, auch<br \/>\nwenn sie nicht klagten.\u201d Und wenn eine Regierung das schuldig bleibt?<br \/>\nDann \u2013 so sagte es Johannes Calvin, der Genfer Reformator, &#8211; dann<br \/>\nmuss eine christliche Gemeinde da sein, die sich danach richtet: \u201cWir<br \/>\nk\u00f6nnen nicht Christus lieben, ohne ihn in unseren Geschwistern zu<br \/>\nlieben.\u201d<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Prof. Dr. Eberhard Busch, G\u00f6ttingen<br \/>\n<a href=\"mailto:ebusch@gwdg.de\">ebusch@gwdg.de<\/a> <\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Sonntag nach Trinitatis | 22. 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