{"id":9475,"date":"2003-06-07T19:49:51","date_gmt":"2003-06-07T17:49:51","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9475"},"modified":"2025-05-07T16:45:36","modified_gmt":"2025-05-07T14:45:36","slug":"lukas-16-19-31-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-16-19-31-4\/","title":{"rendered":"Lukas 16, 19-31"},"content":{"rendered":"<h3><b><span style=\"color: #000099;\">1. Sonntag nach Trinitatis | 22. Juni 2003 | Lukas 16, 19-31 | Andreas Pawlas |<\/span><\/b><\/h3>\n<p><em>&#8222;Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und kostbares Leinen und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. Es war aber ein Armer mit Namen Lazarus, der lag vor seiner T\u00fcr voll von Geschw\u00fcren und begehrte, sich zu s\u00e4ttigen mit dem, was von des Reichen Tisch fiel; dazu kamen auch die Hunde und leckten seine Geschw\u00fcre. Es begab sich aber, dass der Arme starb, und er wurde von den Engeln getragen in Abrahams Scho\u00df. Der Reiche aber starb auch und wurde begraben. Als er nun in der H\u00f6lle war, hob er seine Augen auf in seiner Qual und sah Abraham von ferne und Lazarus in seinem Scho\u00df. Und er rief: Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus, damit er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und mir die Zunge k\u00fchle; denn ich leide Pein in diesen Flammen. Abraham aber sprach: Gedenke, Sohn, dass du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, Lazarus dagegen hat B\u00f6ses empfangen; nun wird er hier getr\u00f6stet, und du wirst gepeinigt. Und \u00fcberdies besteht zwischen uns und euch eine gro\u00dfe Kluft, dass niemand, der von hier zu euch hin\u00fcber will, dorthin kommen kann und auch niemand von dort zu uns her\u00fcber. Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, dass du ihn sendest in meines Vaters Haus; denn ich habe noch f\u00fcnf Br\u00fcder, die soll er warnen, damit sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual. Abraham sprach: Sie haben Mose und die Propheten; die sollen sie h\u00f6ren. Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn einer von den Toten zu ihnen ginge, so w\u00fcrden sie Bu\u00dfe tun. Er sprach zu ihm: H\u00f6ren sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie sich auch nicht \u00fcberzeugen lassen, wenn jemand von den Toten auferst\u00fcnde.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>In diesem popul\u00e4ren Gleichnis begegnen sie uns wieder, die altbekannten Bilder von Himmel und H\u00f6lle, von arm und reich, und gut und b\u00f6se. Und wir kennen diese Bilder nur zu gut, denn sie sind tief in unsere Alltagssprache und in unsere Alltagskultur eingedrungen: Sagen wir nicht z.B. \u201eIch f\u00fchle mich wohl wie in Abrahams Scho\u00df\u201c? Oder was den Namen Lazarus angeht, so wissen doch nicht nur Soldaten, was ein Lazarett ist, n\u00e4mlich ein Milit\u00e4r-Krankenhaus, in dem eben Verwundete und Kranke wie der arme Lazarus gepflegt werden.<\/p>\n<p>Aber es ist ja nicht nur unsere Alltagssprache, in die dieses Gleichnis eingegangen ist, sondern offenbar sind und bleiben wir hier in Europa untergr\u00fcndig und ob wir wollen oder nicht, irgendwie durch christliche Werte gepr\u00e4gt. Woran wir das merken k\u00f6nnen? Doch allein daran, dass in diesem Gleichnis unsere Herzen eben vom Geschick des armen Lazarus anger\u00fchrt werden. Dagegen l\u00e4sst uns doch der Reiche ziemlich kalt, dieser offenbar durchaus widerliche und hartherzige Kerl, der alle Tage herrlich und in Freuden lebte und dabei kein Erbarmen hatte mit dem armen Gepeinigten vor seiner T\u00fcr.<\/p>\n<p>Und was ist nun eigentlich die Botschaft dieses Gleichnisses f\u00fcr uns heute morgen? Hei\u00dft das Gleichnis nun f\u00fcr alle Reichen dieser Welt: \u201ePech gehabt, dass ihr jetzt f\u00fcr eure kurze Lebenszeit so reich seid; denn ihr werdet daf\u00fcr ewige Pein erleiden!\u201c Und sollte es nun umgekehrt f\u00fcr alle, die arm sind auf dieser Welt, hei\u00dfen: \u201eGl\u00fcck gehabt, dass ihr jetzt f\u00fcr so eine kurze Lebenszeit arm seid; denn ihr werdet daf\u00fcr nach eurem Tod ewige Freuden gewinnen!\u201c<\/p>\n<p>Nein, eine solche Botschaft \u00fcberzeugt mich nicht. Denn nur zu leicht w\u00fcrde sie alle Reichen und M\u00e4chtigen dieser Welt dazu ermuntern, die Armen vor ihrer T\u00fcr durch eine schnelle und billige Jenseitsvertr\u00f6stung ruhig zu halten und zu manipulieren. Nein, f\u00fcr mich hat dieses Gleichnis mit seinen alarmierenden Bildern von Himmel und H\u00f6lle, von arm und reich und gut und b\u00f6se eine ganz andere Aufgabe. Ich f\u00fchle mich durch dieses Gleichnis angesto\u00dfen, ganz drastisch und ganz pers\u00f6nlich dar\u00fcber nachzudenken, auf welche Weise ich denn nun meinen Lebensweg zu gehen habe zwischen gut und b\u00f6se, zwischen arm und reich, zwischen Verhei\u00dfung und Versuchung. Und da wird im Gleichnis wirklich Klartext geredet, da wird un\u00fcberh\u00f6rbar deutlich gesagt, woher die rechte Weisung und die richtige Ausrichtung kommt.<\/p>\n<p>Aber ehe wir uns das genauer vor Augen f\u00fchren, kurz eine Besinnung darauf, woher sie nicht kommt: Die richtige Ausrichtung f\u00fcr mein Leben kommt eben nicht daher, dass ich das richtige Waschmittel kaufe, Fan des richtigen Fu\u00dfballvereins bin oder die richtige Automarke fahre. Damit will ich nat\u00fcrlich \u00fcberhaupt nichts gegen Waschmittel, Fu\u00dfballvereine oder Automarken sagen, die entweder notwendig sind oder eine Menge Spa\u00df machen. Aber wie k\u00f6nnten sie wirklich das sein, was uns in unserem Leben heilig ist? Aber wie sollten sie wirklich helfen k\u00f6nnen beim unserem Leben und Sterben, auf unserem Weg durch Lebens-, Berufs- und Beziehungskrisen?<\/p>\n<p>Jedoch jetzt konkret zum Klartext unseres Gleichnisses: Woher erfahren wir also nun, was uns wirklich heilig sein soll? Das erfahren wir aus Gottes Wort, und zwar allein aus Gottes Wort. Genauso sagt es Christus dem Reichen, der sich doch eigentlich in r\u00fchrender Weise um seine f\u00fcnf Br\u00fcder sorgt, dass sie nicht auch h\u00f6llische Qualen im Gericht \u00fcber ihr Leben und in der Bilanz \u00fcber ihr Leben erleiden m\u00fcssen. Genauso sagt Christus dem Reichen: \u201eSie haben Gottes Wort, Sie haben Mose und die Propheten; die sollen sie h\u00f6ren.\u201c Ja, und heute hat man mittlerweile In jedem Winkel dieser Erde Gottes Wort durch Mose und die Propheten wie es sich dann un\u00fcberbietbar in Jesus Christus erf\u00fcllt. Und da kann wirklich niemand sagen, er h\u00e4tte es nicht geh\u00f6rt!<\/p>\n<p>Aber mit diesem Hinweis auf Gottes Wort h\u00f6rt dieses Gleichnis ja nicht auf. Sondern es geht ganz lebendig und realistisch weiter. Denn nat\u00fcrlich haben die Br\u00fcder des reichen Mannes &#8211; und ich denke, das gilt auch genauso f\u00fcr die Schwestern einer reichen Frau &#8211; ab und zu einmal Gottes Wort geh\u00f6rt, wie man das eben nun einmal gewohnt ist zu h\u00f6ren: Ins eine Ohr hinein und aus dem anderen wieder heraus. Nat\u00fcrlich, war man auch schon einmal im Gottesdienst, so, wie es sich geh\u00f6rt. Oder vielleicht hat man ja einmal bei einer Trauung oder sogar bei einer Beerdigung ein bisschen zugeh\u00f6rt, was so ein Pastor einem da zu erz\u00e4hlen hat. Aber Hand aufs Herz, die Gedanken und Gef\u00fchle die waren dabei doch ganz wo anders. Es ist ja auch so viel, was einem alles so laufend durch den Kopf galoppiert an Ideen oder Hoffnungen, an Sorgen oder Traurigkeiten. Oder eben auch an Waschmitteln, Fu\u00dfballvereinen oder Automarken Wie sollte man da ernsthaft auf Gottes Wort h\u00f6ren k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Mir haben zu dieser Frage Werbeleute gesagt, dass uns als Kirche da ein Spektakel fehlt, wie in den gro\u00dfen Fernsehshows &#8211; mit viel ohrenbet\u00e4ubender Musik und Rauch und Fernsehballett. Ja, dann w\u00fcrden wir aufmerksam werden, dann w\u00fcrden wir bestimmt zuh\u00f6ren. Schuld sind also allein wieder die Pastoren, die alles immer nur so langweilig machen.<\/p>\n<p>Aber jetzt einmal ehrlich, helfen solche Show-Einlagen wirklich, dass man auf Gottes Wort h\u00f6rt? Oder helfen Show-Einlagen \u00fcberhaupt dazu, dass man richtig zuh\u00f6rt? Machen Sie doch einmal die Probe aufs Exempel und pr\u00fcfen Sie sich doch einmal, ob sie von den vielen Fernseh-Shows, die sie bereits gesehen haben, irgendwelche Kerns\u00e4tze des Moderators behalten haben. \u2013 Mir fallen keine ein. Ihnen auch nicht? Damit helfen Show-Einlagen also auch nicht, wirklich Wichtiges zu behalten.<\/p>\n<p>Nun h\u00f6re ich aber schon Einw\u00e4nde! Sicher w\u00fcrde mir mancher entgegenhalten: Ja, wenn es in den Gottesdiensten Eine richtige Sensation g\u00e4be, dann w\u00e4re doch alles anders und dann w\u00fcrde man doch ganz bestimmt alles behalten! Wenn es z.B. gef\u00e4hrliche, halsbrecherische Verrenkungen w\u00e4ren, die man sehen k\u00f6nnte, oder rasante todesmutige Spr\u00fcnge oder Crash-Autofahrten, oder wenn gar einer von den Toten wiederk\u00e4me, dann w\u00fcrden wir uns die Augen aus dem Kopf gucken und h\u00f6ren. Und dann w\u00fcrden wir bestimmt auch Bu\u00dfe tun. &#8211;<\/p>\n<p>Ja, liebe Gemeinde, so oder so \u00e4hnlich w\u00fcrde es wohl heute klingen, was der Reiche aus der H\u00f6lle in der Sprache von damals gesagt hatte. Und mit welchem Ergebnis? Jesus Christus ist doch von den Toten wiedergekommen. Jesus Christus ist doch auferstanden und haben die Leute geh\u00f6rt? Haben denn da die Leute geh\u00f6rt, die immer nur Sensationen sehen wollen? Nein, das haben sie nicht! Nein, Sensationen, die man einmal begaffen und dann vergessen kann, die helfen nicht, um zu unterscheiden zwischen Himmel und H\u00f6lle, zwischen gut und b\u00f6se, zwischen Verhei\u00dfung und Versuchung.<\/p>\n<p>Aber was ist es um Gottes Willen dann, das hilft? Wann beginnt man denn nun wirklich auf Gottes Wort zu h\u00f6ren und auf Jesus Christus zu hoffen? Vielleicht ist das auf dieser Welt wirklich so, dass wir Menschen uns h\u00e4ufig erst dann um Gottes Wort scheren, wenn wir in eine pers\u00f6nliche Krise geraten sind, oder wenn wir vor Schmerzen oder Trauer einfach nicht mehr wohin wissen. Not lehrt beten, sagt dazu der Volksmund. Ja, wenn uns alles aus den H\u00e4nden geschlagen ist, womit wir uns sonst immer ablenken und wenn es uns schlecht geht, dann erst faltet so mancher seine H\u00e4nde und bittet und fleht zu Gott. Dann erst kommt die Erinnerung an Gottes Wort und die Hoffnung, dass Gott hilft, denn sonst kann niemand anderes helfen.<\/p>\n<p>Jedoch schlimme Erfahrungen m\u00f6gen wir doch um Gottes Willen niemandem w\u00fcnschen. Aber was bleibt uns anderes, als nach Gottes Wort in allen Lebenskrisen von Herzen f\u00fcr uns selbst und andere um Schutz und Bewahrung zu bitten. Und wenn wir dann das so tun, und wenn wir uns dann und sie sich darauf verlassen, was uns im Evangelium zugesagt ist, dann wird es auch so geschehen wie wir und sie glauben! Und genau mit diesen Bitten und diesem Vertrauen haben wir dann ganz konkret auf Gottes Wort geh\u00f6rt, wie es durch Mose und die Propheten zuerst gesagt wurde und wie es sich in Jesus Christus erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Das ist wirklich eine frohe Botschaft. Aber sollte das so einfach sein, sein Leben nach Gottes Wort auszurichten? Denn wir sind es doch gewohnt, gro\u00dfe lebenswichtige Dinge mit viel M\u00fche, Schwei\u00df und Flei\u00df zu erdenken oder zu erk\u00e4mpfen. So werden wir doch vielfach geschult und erzogen, Und vielleicht ist das auch in allen weltlichen Dingen richtig so. Allerdings ist es doch selbst in der Liebe schon nicht mehr so. Denn wie wollte ein Verehrer sich die Liebe seiner Auserw\u00e4hlten je erarbeiten oder verdienen k\u00f6nnen? Nein, wahre Liebe kann ihm doch nur frei geschenkt werden und er muss an sie glauben.<\/p>\n<p>Und genau so ist es nach Gottes Wort f\u00fcr unseren Lebensweg zwischen gut und b\u00f6se, zwischen Verhei\u00dfung und Versuchung. und mit der F\u00fcllung unseres Lebens mit Gottes G\u00fcte und Liebe. Das Evangelium von Jesus Christus sagt uns, dass man sich Gottes Liebe und G\u00fcte niemals erarbeiten oder verdienen, sondern allein schenken lassen kann &#8211; eben so, wie wir es als T\u00e4uflinge uns in der Taufe nur haben schenken lassen k\u00f6nnen, wie wir die Zusage nur hatten empfangen k\u00f6nnen, schon jetzt in Gottes ganz anderem Lebensraum fest verankert und geborgen zu sein, so dass uns eigentlich nichts Schlimmes mehr von unserem Lebensweg zu Gott abbringen kann.<\/p>\n<p>Aber wenn man eine solche Zusage bekommen hat und wenn man sich dann in seinem Leben darauf verl\u00e4sst, dass Gott f\u00fcr einen wunderbar sorgt, wie sollte man dann eigentlich noch so hartherzig und raffgierig sein k\u00f6nnen, wie der reiche Mann unseres Gleichnisses? Wenn man so von Gottes Liebe umfangen und angesteckt ist, wie sollte man es dann mit ansehen k\u00f6nnen, wie es anderen schlecht geht, so wie dem Lazarus? Nein, um Gottes Willen, das geht nicht mehr, weil Gottes Wort und seine Liebe uns genauso umschlie\u00dft wie unseren N\u00e4chsten, jetzt in unserem Alltag und Sonntag und bis in Ewigkeit. Gott sei Dank! Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pastor Dr. Andreas Pawlas<br \/>\nEv.-luth. Kirchengemeinde Barmstedt<br \/>\nErlenweg 2<br \/>\n25365 Kl. Offenseth-Sparrieshoop<br \/>\n<a href=\"mailto:Andreas.Pawlas@t-online.de\">Andreas.Pawlas@t-online.de<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Sonntag nach Trinitatis | 22. Juni 2003 | Lukas 16, 19-31 | Andreas Pawlas | &#8222;Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und kostbares Leinen und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. 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