{"id":9478,"date":"2003-06-07T19:49:53","date_gmt":"2003-06-07T17:49:53","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9478"},"modified":"2025-05-07T16:51:15","modified_gmt":"2025-05-07T14:51:15","slug":"lukas-16-19-31-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-16-19-31-2\/","title":{"rendered":"Lukas 16, 19-31"},"content":{"rendered":"<h3>Die Wende von blind und taub ohne Technik zum Sehen und H\u00f6ren | 1. Sonntag nach Trinitatis | 22. Juni 2003 |\u00a0Lukas 16, 19-31 |\u00a0Ulrich Nembach |<\/h3>\n<p class=\"p\"><em><sup class=\"v\">19<\/sup><span class=\"verse part\" data-verse-org-id=\"LUK.16.19\">Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und kostbares Leinen und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. <\/span><sup class=\"v\">20<\/sup><span class=\"verse part\" data-verse-org-id=\"LUK.16.20\">Ein Armer aber mit Namen Lazarus lag vor seiner T\u00fcr, der war voll von Geschw\u00fcren <\/span><sup class=\"v\">21<\/sup><span class=\"verse part\" data-verse-org-id=\"LUK.16.21\">und begehrte sich zu s\u00e4ttigen von dem, was von des Reichen Tisch fiel, doch kamen die Hunde und leckten an seinen Geschw\u00fcren. <\/span><sup class=\"v\">22<\/sup><span class=\"verse part\" data-verse-org-id=\"LUK.16.22\">Es begab sich aber, dass der Arme starb, und er wurde von den Engeln getragen in Abrahams Scho\u00df. Der Reiche aber starb auch und wurde begraben.\u00a0<\/span><sup class=\"v\">23<\/sup><span class=\"verse part\" data-verse-org-id=\"LUK.16.23\">Als er nun in der H\u00f6lle war, hob er seine Augen auf in seiner Qual und sah Abraham von ferne und Lazarus in seinem Scho\u00df. <\/span><sup class=\"v\">24<\/sup><span class=\"verse part\" data-verse-org-id=\"LUK.16.24\">Und er rief und sprach: Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus, damit er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und k\u00fchle meine Zunge; denn ich leide Pein in dieser Flamme. <\/span><sup class=\"v\">25<\/sup><span class=\"verse part\" data-verse-org-id=\"LUK.16.25\">Abraham aber sprach: Gedenke, Kind, dass du <\/span><span class=\"verse part\" data-verse-org-id=\"LUK.16.25\">dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, Lazarus dagegen hat B\u00f6ses empfangen; nun wird er hier getr\u00f6stet, du aber leidest Pein. <\/span><sup class=\"v\">26<\/sup><span class=\"verse part\" data-verse-org-id=\"LUK.16.26\">Und in all dem besteht zwischen uns und euch eine gro\u00dfe Kluft, dass niemand, der von hier zu euch hin\u00fcberwill, dorthin kommen kann und auch niemand von dort zu uns her\u00fcber. <\/span><sup class=\"v\">27<\/sup><span class=\"verse part\" data-verse-org-id=\"LUK.16.27\">Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, dass du ihn sendest in meines Vaters Haus; <\/span><sup class=\"v\">28<\/sup><span class=\"verse part\" data-verse-org-id=\"LUK.16.28\">denn ich habe noch f\u00fcnf Br\u00fcder, die soll er warnen, damit sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual. <\/span><sup class=\"v\">29<\/sup><span class=\"verse part\" data-verse-org-id=\"LUK.16.29\">Abraham aber sprach: Sie haben Mose und die Propheten; die sollen sie h\u00f6ren.\u00a0<\/span><sup class=\"v\">30<\/sup><span class=\"verse part\" data-verse-org-id=\"LUK.16.30\">Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn einer von den Toten zu ihnen ginge, so w\u00fcrden sie Bu\u00dfe tun. <\/span><sup class=\"v\">31<\/sup><span class=\"verse part hovered\" data-verse-org-id=\"LUK.16.31\">Er sprach zu ihm: H\u00f6ren sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie sich auch nicht \u00fcberzeugen lassen, wenn jemand von den Toten auferst\u00fcnde.<\/span><\/em><\/p>\n<p>(Luther 2017, Lukas 16, 19-31)<\/p>\n<p>*Abendgottesdienst in der Kirche von Erbsen,\u00a0ein kleines Dorf bei G\u00f6ttingen<\/p>\n<p><strong>Die Wende von blind und taub ohne Technik zum Sehen und H\u00f6ren.<\/strong><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"left\">I.<\/p>\n<p>die Geschichte des Predigttextes kennen wir. Wir haben sie schon geh\u00f6rt\u00a0oder auch selbst gelesen. Zwei M\u00e4nner leben nebeneinander. Der eine\u00a0ist reich. Er lebt herrlich. Der andere ist arm. Es geht ihm schlecht.\u00a0Er ist obendrein noch schwer krank. Der Reiche sieht den kranken Armen\u00a0nicht, d.h. er sieht ihn mit den Augen, aber \u00fcber-sieht ihn mit<br \/>\ndem Gehirn. Er weigert sich zu sehen, was er sieht. Das meint, jemanden\u00a0zu \u00fcber-sehen.<\/p>\n<p>Auch das anschlie\u00dfende Gespr\u00e4ch zwischen Abraham und dem\u00a0Reichen kennen wir. Der Reiche ist nun der Arme. Die Umst\u00e4nde haben\u00a0alles ver\u00e4ndert. Der Tod verwandelte die Situation. Das Alte ist\u00a0vergangen. Der Reiche m\u00f6chte eine Verbesserung der neuen Situation,\u00a0wenigsten eine geringe Verbesserung seiner Situation. Als das abgelehnt\u00a0wird, bittet er um eine Verbesserung f\u00fcr seine Br\u00fcder. Auch\u00a0das kennen wir: Dass Zeiten sich \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Neben Lukas erz\u00e4hlen auch andere Autoren von solchen oder \u00e4hnlichen\u00a0Begebenheiten. Forscher machten sich die M\u00fche und suchten nach solchen\u00a0Geschichten. Sie wurden f\u00fcndig. In den USA erz\u00e4hlt eine solche\u00a0Geschichte Mark Twain, der Autor von Tom Sawyer. Mark Twain schreibt\u00a0in seiner Erz\u00e4hlung \u201ePrinz und Bettelmann\u201c vom Tausch\u00a0der Rollen der Beiden und wie es ihnen danach ergeht. Schon vor Tausenden\u00a0von Jahren wurden solche Geschichten erz\u00e4hlt im alten \u00c4gypten.<\/p>\n<p>Und auch wir kennen solche Geschichten. Da lebt der Direktor einer gro\u00dfen\u00a0Bank herrlich und in Freuden. Er verdient gut. Der Bank geht es nicht\u00a0gut. Darum entl\u00e4sst der Direktor Mitarbeiter. Er selbst l\u00e4sst\u00a0sich sein Gehalt, sein hohes Gehalt, erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Da gibt es Firmen, die bilden nicht aus. Ausbildung ist ihnen zu teuer.\u00a0Und \u2013 auch das muss gesagt werden \u2013 da sind M\u00e4del und\u00a0Jungen, die wollen keinen Ausbildungsplatz. Die angebotenen Berufe gefallen\u00a0ihnen nicht. Sie m\u00fcssten zu fr\u00fch aufstehen. Die Arbeit ist\u00a0zu schwer. Die Bezahlung ist ihnen nicht hoch genug.<\/p>\n<p>Ja, unser Predigttext erz\u00e4hlt uns eine bekannte Geschichte. Das\u00a0Problem ist darum nicht die Geschichte, sondern die Frage: Warum ist\u00a0das so? Warum verhalten sich Menschen ungerecht, unsozial ihren Mitmenschen\u00a0gegen\u00fcber? Ist das eine Virusepidemie? Wurde noch immer kein Mittel\u00a0dagegen gefunden?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">II.<\/p>\n<p>Ich denke, das Verhalten ist nicht die Folge einer Epidemie. Wieder\u00a0m\u00f6chte ich zwei Beispiele erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Ich lag neulich im Krankenhaus. Da kam ich ins Gespr\u00e4ch mit jungen\u00a0Krankenschwestern und Krankenpflegern. Sie waren in der Ausbildung. Ich\u00a0sagte zu ihnen ganz direkt: \u201eSie haben sich einen schweren Beruf\u00a0ausgesucht, und bezahlt wird er auch nicht gut.\u201c<\/p>\n<p>Ja, sagten sie. Sie wussten das alles sowieso viel besser als ich. Warum\u00a0w\u00e4hlten sie dann diesen Beruf? Sie hatten das Abitur. Sie h\u00e4tten\u00a0sp\u00e4ter mehr verdienen k\u00f6nnen. Sie waren anderer Meinung. Die\u00a0Bezahlung war f\u00fcr sie nicht entscheidend. Sie wollten etwas Vern\u00fcnftiges\u00a0tun. Die Arbeit sollte sich f\u00fcr sie lohnen. Arbeit, schwere Arbeit\u00a0ist f\u00fcr sie nicht Malochen, sondern bietet die M\u00f6glichkeit,\u00a0f\u00fcr andere da zu sein, anderen zu helfen.<\/p>\n<p>Das zweite Beispiel: Das kennen Sie wahrscheinlich, denn davon wird\u00a0immer wieder im Fernsehen berichtet. Junge Frauen und M\u00e4nner sind\u00a0in Afghanistan als Soldaten im Einsatz. Das ist nicht ungef\u00e4hrlich.\u00a0Auch davon berichtete das Fernsehen. Die Frauen und M\u00e4nner wissen\u00a0um die Gefahr, eine st\u00e4ndige Gefahr, denn die Gefahr ist immer da.\u00a0Sie ist morgens da, mittags, abends, ja, selbst nachts w\u00e4hrend des\u00a0Schlafens. Dennoch gehen diese Frauen und M\u00e4nner dorthin. Warum\u00a0tun sie das? Sie sehen, dass die Afghanen Hilfe brauchen. Allein k\u00f6nnen\u00a0sie sich nicht helfen. Sie sind dazu so wenig in der Lage wie wir, wenn\u00a0wir ins Krankenhaus m\u00fcssen. Oder unsere Gro\u00dfv\u00e4ter und\u00a0Gro\u00dfm\u00fctter brauchten Hilfe. Am Abend des 17. Juni konnten\u00a0sich die Deutschen im Osten allein nicht helfen. Zuvor konnten wir, alle\u00a0Deutschen, allein nicht Hitler los werden. Wegen dieser notwendigen Hilfe\u00a0fliegen heute Menschen nach Afghanistan. Sie erz\u00e4hlen davon. Wir\u00a0sehen im Fernsehen, wie sie mit Kindern und Erwachsen sprechen. Die Leute,\u00a0alle \u2013 auch die Deutschen \u2013 machen gl\u00fcckliche Gesichter.<\/p>\n<p>Ihnen allen, den jungen Krankenpflegern und den Soldaten, ist eins gemeinsam.\u00a0Sie helfen. Sie haben gelernt, die anderen zu sehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">III.<\/p>\n<p>Wie lernen wir, so zu sehen? Der Text, unser Predigttext, hat auch darauf\u00a0eine Antwort. Er sagt: Hinh\u00f6ren. Von Mose bis zum Neuen Testament\u00a0wird geredet und geredet, hinzusehen. Jesus sah hin und half. Ein gro\u00dfer\u00a0Aufwand, spektakul\u00e4re Aktionen sind nicht n\u00f6tig. Der Reiche\u00a0will ein Event. Der tote Lazarus soll seine Br\u00fcder warnen. Unn\u00f6tig,\u00a0zwecklos, sagt Abraham. Wer nicht h\u00f6rt, der h\u00f6rt nicht. Ein\u00a0Direktor entl\u00e4sst Leute und erh\u00f6ht sich selbst das Gehalt!\u00a0Jeder denkt, das kann doch nicht wahr sein. Es ist aber wahr. Auch davon\u00a0berichtet das Fernsehen. Als die Aktion\u00e4re seiner Bank Krach schlagen,\u00a0ficht den Direktor selbst das nicht an.<\/p>\n<p>So wenig der reiche Mann den armen, kranken Lazarus vor seiner eigenen\u00a0Haust\u00fcr sah, so wenig h\u00f6rt dieser Direktor auf seine eigenen\u00a0Aktion\u00e4re. Andererseits h\u00f6ren die Krankenpfleger und die Soldaten\u00a0gut. An der Evolution kann der H\u00f6rschaden nicht liegen. Auch haben\u00a0wir es hier nicht mit einem Umweltschaden zu tun. Der Schaden existiert\u00a0schon lange. Es gab den Schaden auch zu einer Zeit, als die Umwelt noch\u00a0in Ordnung war.<\/p>\n<p>Die Therapie, die Hilfe besteht in der Freiheit. Menschen m\u00fcssen\u00a0frei werden, um sehen bzw. h\u00f6ren zu k\u00f6nnen. Darum geht es in<br \/>\nunserem Predigttext. Er redet von der Freiheit, nur davon. Der Text gebraucht\u00a0dabei nicht das Wort \u201eFreiheit\u201c. Die Krankenpfleger sagen\u00a0auch nicht zu ihren Patienten: \u201eIch will dir helfen\u201c, und\u00a0die Soldaten sagen nicht zu den Afghanen: \u201eWir wollen euch helfen\u201c.\u00a0Die Soldaten sprechen in der Regel nicht einmal Afghanisch.<\/p>\n<p>Freiheit hei\u00dft, neue Wege gehen zu k\u00f6nnen. Die Wege sind\u00a0sehr unterschiedlich. Der eine Weg f\u00fchrt ins Krankenhaus, ein anderer\u00a0nach Afghanistan. Die Wege sind verschieden weitreichend.<\/p>\n<p>Lassen Sie mich Ihnen noch eine Geschichte erz\u00e4hlen. Der Predigttext\u00a0erz\u00e4hlt zwei Geschichten und im Laufe der Zeit kamen mehr dazu,\u00a0bis hin zu Mark Twain. Meine f\u00fcnfte Geschichte ist aktuell, obwohl\u00a0sie in einem Monat 27 Jahre alt wird. Sie ist aktuell in diesen Tagen.\u00a0Der 17. Juni 1953 j\u00e4hrt sich zum 50. Mal. \u201eAm Anfang der Herbstrevolution\u00a01989 stand der Pfarrer Br\u00fcsewitz. Mit seiner \u00f6ffentlichen Selbstverbrennung\u00a0am 18. August 1976 &#8230;\u201c, so kann man im Internet lesen. Recht haben\u00a0die Autoren. Der 17. Juni 1953 war gescheitert. Russen und DDR-F\u00fchrung\u00a0waren oben, herrschten, lie\u00dfen ihre Gewalt die Menschen, besonders\u00a0die Kirchen und die Jugend f\u00fchlen. Pastor Br\u00fcsewitz protestierte\u00a0immer wieder. Dabei ging es ihm besonders um die Jugend. Sie wurde vom\u00a0Staat in dessen Richtung gezwungen. Schlie\u00dflich wurde Br\u00fcsewitz\u00a0den DDR-Oberen seines Kreises \u2013 er war Pfarrer in einem kleinen\u00a0Dorf \u2013 zuviel, und sie verlangten von der Kirchenleitung seine\u00a0Versetzung. Die Kirche gehorchte. Br\u00fcsewitz sollte gehen. Die schlimmen\u00a0Verh\u00e4ltnisse sollten bleiben. Da tat er etwas Ungew\u00f6hnliches.\u00a0Auch seine Familie wusste nichts davon. Er fuhr in die nahe Kreisstadt,\u00a0entrollte Transparente mit Protesten zugunsten der Jugend, \u00fcbergoss<br \/>\nsich mit Benzin und z\u00fcndete sich an. Passanten erstickten die Flammen\u00a0mit einer Decke. Er wurde ins Krankenhaus gebracht und starb wenig sp\u00e4ter.\u00a0Die SED versuchte, seine Frau und seine \u00e4lteste Tochter, die damals\u00a0auch noch jung war, zu zwingen, ihren Mann bzw. ihren Vater f\u00fcr\u00a0verr\u00fcckt zu erkl\u00e4ren. Der rang zu diesem Zeitpunkt mit dem\u00a0Tode. Frau und Kinder durften nicht zu ihm, sondern wurden bearbeitet,\u00a0ihn f\u00fcr verr\u00fcckt zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Was hat Br\u00fcsewitz getan? Er traf die DDR t\u00f6dlich. Die vorhin\u00a0von mir vorgelesene Feststellung stimmt. 1976 = damals war der Vietnam-Krieg\u00a0gerade seit einem Jahr zu Ende. Die Amerikaner hatten in einem jahrelangen,\u00a0blutigen Krieg in Vietnam verloren und mussten abziehen. Gegen die Amerikaner\u00a0protestierten damals u.a. buddhistische M\u00f6nche, indem sie sich mit\u00a0Benzin \u00fcbergossen und selbst anz\u00fcndeten. Die Russen und die\u00a0DDR standen auf Seiten der Buddhisten. Nun protestiert so, auf diese<br \/>\nWeise, jemand gegen sie und tut dies auf dem Boden der DDR! Die Medien\u00a0verbreiteten die Nachricht blitzschnell weltweit. Da die Familie ihren\u00a0Mann, ihren Vater nicht f\u00fcr verr\u00fcckt erkl\u00e4rte = auch die\u00a0Kirche tat das nicht =, musste die DDR nachgeben. Die Kirche wurde fortan\u00a0nicht mehr so hart verfolgt wie bisher. Mit der Jugend ging man etwas\u00a0vorsichtiger um. 1953 gelang es nicht, die DDR-F\u00fchrung los zu werden.\u00a0Die 1953 best\u00e4tigte, weil neu errungene Macht konnte nach 1976 dann\u00a0nicht mehr voll ausge\u00fcbt werden.<\/p>\n<p>Warum erz\u00e4hle ich diese Geschichte? Sie passt zum Jahrestag: 50\u00a0Jahre seit dem 17. Juni 1953. Haupts\u00e4chlich erz\u00e4hle ich diese<br \/>\nGeschichte noch aus einem anderen Grund. Br\u00fcsewitz sah hin. Er \u00fcber-sah\u00a0nicht, er \u00fcber-sah auch nicht, als andere ihn zwingen wollten, zu \u00fcber-sehen.\u00a0Ja, wir k\u00f6nnen selbst \u00fcber-sehen wollen wie der reiche Mann\u00a0in unserem Predigttext, und wir k\u00f6nnen gezwungen werden zu \u00fcber-sehen.<\/p>\n<p>Wer sieht und nicht \u00fcber-sieht, muss gute Augen und einen entsprechenden\u00a0Willen zum Sehen haben. Wer im Wald unterwegs ist, wer im Hochgebirge\u00a0wandert, muss schauen, wo er hin tritt. Dazu brauchen wir Freiheit. Wir\u00a0m\u00fcssen frei von uns und anderen sein.<\/p>\n<p>Jugendgruppen sangen fr\u00fcher und nicht wenige singen noch heute\u00a0etwa am Lagerfeuer: \u201e Aus grauer St\u00e4dte Mauern zieh\u2019n<br \/>\nwir durch Wald und Feld, &#8230;\u201c<\/p>\n<p>Aufbruch, die Freiheit zu diesem Aufbruch ist angesagt.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens gilt das nicht nur f\u00fcr junge Leute. Auch Alte, Kranke\u00a0k\u00f6nnen sehen und \u2013 das sei hinzugef\u00fcgt: h\u00f6ren. Die\u00a0Brille daf\u00fcr kann man nicht beim Optiker, das H\u00f6rger\u00e4t\u00a0nicht beim Akustiker kaufen. Aber heute Abend biete ich Ihnen Brille<br \/>\nund H\u00f6rger\u00e4t an \u2013 zum Nulltarif.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Prof. Dr. Dr. Ulrich Nembach<br \/>\n<a href=\"mailto:ulrich.nembach@theologie.uni-goettingen.de\"> ulrich.nembach@theologie.uni-goettingen.de<\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wende von blind und taub ohne Technik zum Sehen und H\u00f6ren | 1. Sonntag nach Trinitatis | 22. 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