{"id":9486,"date":"2003-07-07T19:49:47","date_gmt":"2003-07-07T17:49:47","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9486"},"modified":"2025-05-08T09:41:31","modified_gmt":"2025-05-08T07:41:31","slug":"lukas-15-1-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-15-1-10\/","title":{"rendered":"Lukas 15, 1-10"},"content":{"rendered":"<h3><b><span style=\"color: #000099;\">3. Sonntag nach Trinitatis | 6. Juli 2003 | Lukas 15, 1-10 | Hanne Sander |<\/span><\/b><\/h3>\n<p>Wer kann sich noch erinnern, wie es in der Tanzschule war, wenn man einer der letzten war, die zum Tanz aufgefordert wurden, oder noch schlimmer, wenn der Lehrer fast einem anderen dr\u00e4ngen mu\u00dfte, einen zum Tanz aufzufordern. Oder in der Sportstunde, wenn man Mannschaften bilden mu\u00dfte, und man immer flehte: Nehmt mich doch, nehmt mich doch, und dann war man vielleicht der letzte, der nicht einmal gew\u00e4hlt, sondern einfach verteilt wurde. Ich h\u00e4tte vielleicht fragen sollen: Wer kann sich an so etwas nicht erinnern? Und genau so erinnert ihr euch vermutlich auch daran, wie selig man war, wenn man als erster gew\u00e4hlt wurde, wie erleichtert man sein konnte, und wie man sich vielleicht ein wenig aufbl\u00e4hte und auf die herabsah, die noch immer dastanden und trippelten. Wenn wir uns das in Erinnerung rufen k\u00f6nnen &#8211; und ich vermute, die meisten k\u00f6nnen das &#8211; dann sagt das etwas dar\u00fcber, wie wichtig es f\u00fcr ein Menschenkind ist, sich gefunden und erw\u00e4hlt zu f\u00fchlen. Und davon handelt der heutige Evangelientext, denn auch. Jesus war nach der Meinung der f\u00fchrenden Juden nicht sehr gut, sich seinen Umgangskreis auszuw\u00e4hlen. Er w\u00e4hlte in ihren Augen die falschen Leute und sa\u00df mit ihnen zu Tische. Sie fingen an, sich dar\u00fcber zu beschweren, erz\u00e4hlt Lukas. Jesus a\u00df ja auch zusammen mit den f\u00fchrenden Juden, f\u00fcr ihn ging es also nicht darum, da\u00df er die eine Gruppe der anderen vorzog. Aber es ist, als meinten die Juden, ihnen w\u00fcrde etwas genommen oder da\u00df es auch f\u00fcr sie peinlich ist, wenn Jesus S\u00fcnder annimmt und mit ihnen i\u00dft.<\/p>\n<p>In der j\u00fcdischen Gesellschaft war es wichtig, da\u00df man seinen Platz kannte, sowohl im Gottesdienst als auch bei festlichen Gelegenheiten. Wehe dem, der sich weiter vorwagte als sein Ansehen ihn berechtigte. Das wurde ihm nie vergeben. Und wehe dem, der zu niedrig eingeordnet wurde, er mu\u00dfte sich \u00fcbergangen f\u00fchlen, sein Leben verfluchen und seine Umgebung hassen. So wird von der j\u00fcdischen Gesellschaft berichtet, wo die Position, die man einnahm, eine geradezu schicksalhafte Bedeutung hatte &#8211; aber ganz fremd ist uns das wohl auch heute nicht .<\/p>\n<p>In dieser Situation aber erz\u00e4hlt Jesus nun zwei kleine Gleichnisse vom Schaf und der M\u00fcnze, die verschwunden waren und wiedergefunden wurden und heimgetragen wurden als etwas ganz Besonderes und Auserw\u00e4hltes. Und wieder erhalten die Freude und das Fest ihren gro\u00dfen Platz: Eine Freude dar\u00fcber, da\u00df die Gemeinschaft nun wieder ganz ist, eine Freude dar\u00fcber, da\u00df die, die zusammengeh\u00f6ren, zusammen sind. Das war ja von Anfang an der Wille Gottes, wo Gott seine Freude an dem hatte, was er geschaffen hatte und Menschen gerne teilhaben lassen wollte an seiner Freude \u00fcber die Welt, die er liebte.<\/p>\n<p>Leider hat sich bei Lukas eine moralisierende Pointe eingeschlichen, die nicht ins Bild pa\u00dft. Das Bild sagt nichts dar\u00fcber, da\u00df sich das Schaf und die M\u00fcnze bekehren. Das Schaf k\u00f6nnte ja zur Not zur Herde zur\u00fcckfinden, aber die M\u00fcnze kann nun wirklich nicht in den Geldbeutel zur\u00fcckfinden. Und da steht tats\u00e4chlich, da\u00df es dem Schafsbesitzer und einer Frau um alles in der Welt darum ging, das Vermi\u00dfte zu finden, sie geben keine Ruhe, bis sie das Schaf und die M\u00fcnze, die verschwunden waren, wiedergefunden haben.<\/p>\n<p>Das, worum es Jesus geht, ist denn auch vielmehr dies: Es gibt Dinge in deinem Leben, die du nicht selbst erlangen kannst, wie sehr du dich auch anstrengst: Gefunden werden, an einem Ort zu Hause zu sein, geliebt zu sein und gesch\u00e4tzt, da\u00df dich jemand vermi\u00dft und sich um dich bem\u00fcht. Es gibt grundlegende Dinge im Dasein, die uns umschlie\u00dfen und die uns gegeben werden ohne Bedingungen und Vorbehalte.<\/p>\n<p>Diese Verst\u00e4ndnis finde ich best\u00e4tigt beim Evangelisten Matth\u00e4us, denn er schlie\u00dft sein Gleichnis von dem verlorenen Schaf mit Jesusworten, die sagen: So ist es mit dem Willen eures himmlischen Vaters, da\u00df nicht ein einziges dieser Kleinen verloren gehen soll. Von daher m\u00fcssen wir glauben, da\u00df es einen Sinn f\u00fcr jeden von uns gibt, da\u00df wir von einer Wirklichkeit aufrechterhalten werden, die hinter allen Unterschieden steht. Diese Wirklichkeit \u00fcbersehen wir oft, weil wir uns auf die Unterschiede konzentrieren, wenn wir uns mit anderen vergleichen. Entweder falle ich selbst durch und meine, da\u00df die anderen besser und t\u00fcchtiger sind als ich selbst, oder die anderen fallen durch, weil ich finde, da\u00df ich besser bin und kl\u00fcger als sie.<\/p>\n<p>Warum konnte ich mich als Kind ein wenig dar\u00fcber aufbl\u00e4hen, da\u00df ich vor anderen f\u00fcr die Mannschaft gew\u00e4hlt wurde? Warum konnte ich als Kind darum betteln: Nehmt mich, nehmt mich, nur um nicht als letzter \u00fcbrig zu bleiben? Warum ist es so schwer zu sehen, da\u00df die Gemeinschaft zwischen Menschen das Entscheidendste ist? Warum wird das Wichtigste immer wieder durch etwas erstickt, was weniger wichtig ist? Warum finden wir, da\u00df es so notwendig ist, einander zu beobachten und auf uns und unser Ansehen zu achten, statt uns von der gemeinsamen Freude ergreifen zu lassen? Warum ist es so schwer zu sehen, da\u00df hinter allen Unterschieden, die sichtbar sind: die sozialen, religi\u00f6sen, ethnischen auch ein Mensch wie man selbst ist? Ein Mensch, der gerne gefunden werden will, der sp\u00fcren will, da\u00df er gesehen wird und erw\u00e4hlt ist.<\/p>\n<p>Das ist schwer, aber wir k\u00f6nnen uns jedenfalls darin \u00fcben, uns selbst und andere so zu sehen, wie Gott uns sieht: Als die, die er gerne bei sich haben will. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pfarrer Hanne Sander<br \/>\nPrins Valdemarsvej 62<br \/>\nDK-2820 Gentofte<br \/>\nTel.: 39 65 52 72<br \/>\n<a href=\"mailto:sa@km.dk\">e-mail: sa@km.dk<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3. Sonntag nach Trinitatis | 6. Juli 2003 | Lukas 15, 1-10 | Hanne Sander | Wer kann sich noch erinnern, wie es in der Tanzschule war, wenn man einer der letzten war, die zum Tanz aufgefordert wurden, oder noch schlimmer, wenn der Lehrer fast einem anderen dr\u00e4ngen mu\u00dfte, einen zum Tanz aufzufordern. 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