{"id":9488,"date":"2003-07-07T19:49:50","date_gmt":"2003-07-07T17:49:50","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9488"},"modified":"2025-05-08T09:45:32","modified_gmt":"2025-05-08T07:45:32","slug":"lukas-15-8-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-15-8-10\/","title":{"rendered":"Lukas 15, 8-10"},"content":{"rendered":"<h3 align=\"left\"><b><span style=\"color: #000099;\">3. Sonntag nach Trinitatis | 6. Juli 2003 | Lukas 15, 8-10 | Christian Tegtmeier |<\/span><\/b><\/h3>\n<p align=\"left\"><strong>\u201eWiederfinden bereitet \u00fcberschw\u00e4ngliche Freude!\u201c<\/strong><\/p>\n<p>so k\u00f6nnte ich heute die frohe Botschaft benennen oder noch einmal klassisch, in Worten von Paul Gerhard:<\/p>\n<p>\u201eLa\u00df mich mit Freuden ohn alles Neiden<br \/>\nsehen den Segen, den du wirst legen<br \/>\nin meines Bruders und N\u00e4hesten Haus.\u201c<\/p>\n<p>Um diese Freude und um einen gl\u00fccklichen Menschen soll es gehen &#8211; eigentlich eine ganz selbstverst\u00e4ndliche Sache, die Jesus da berichtet und f\u00fcr unseren Glauben auslegt. Dabei hat das jeder schon einmal erlebt: da habe ich einen Schl\u00fcssel oder die Geldb\u00f6rse oder gar die Brille so gut verlegt, dass ich suchen mag, solange ich will \u2013 sie l\u00e4sst sich nicht finden. So wie die Frau, die einen Dukaten vermisst und ihn nun sucht und dabei alles durch und aus kramt: alle Schr\u00e4nke und Kommoden, alle Schubladen und Borde; sie nimmt Licht, Besen und Stangen zu Hilfe um irgendwo diesen einen Dukaten wieder zu finden, der ihr verloren gegangen ist. Sie bedenkt alle M\u00f6glichkeiten, schaut in jeden Winkel und bleibt solange beharrlich bei ihrer Suche, bis sie ihn, den verschwundenen Dukaten endlich entdeckt hat. Dar\u00fcber ist sie gl\u00fccklich: n\u00e4mlich dass ihr Suchen erfolgreich war, dass sie nicht vergeblich und umsonst alles um und um ger\u00e4umt hat. Dieses Gl\u00fcck und diese Freude m\u00f6chte sie nicht allein f\u00fcr sich behalten, sondern teilen: Sie feiert diesen guten Ausgang der Suche und l\u00e4dt die ein, die sie kennt, ihre Freundinnen und Nachbarn. Und alle kommen und freuen sich mit ihr.<\/p>\n<p>Warum erz\u00e4hlt uns Jesus diese Geschichte? Damit wir uns freuen sollen mit der Frau \u00fcber ihren Fund, \u00fcber die gelungene Suche? Gewi\u00df \u2013 das mag stimmen und richtig sein. Wir sollen nicht mit Neid und Missgunst das Gl\u00fcck und Wohlergehen des anderen mit ansehen, sondern es ihm g\u00f6nnen, wenn er gl\u00fccklich ist und seine Freude alles umgibt und durchstr\u00f6mt, worin er lebt. Eben getreu den Worten Paul Gerhards, die ich bereits oben genannt habe.<\/p>\n<p>Mag sein, dass da beide richtig gesehen haben, Jesus ebenso wie Jahrhunderte sp\u00e4ter Paul Gerhard, dass sie die Menschen kannten, die so oft und gern des anderen Gl\u00fcck mit neidvollen Augen betrachten, das Leben anklagen, und ihr eigenes Gl\u00fcck nicht suchen und finden wollen. Eher bleiben sie unzufriedene Menschen und B\u00fcrger, so dass andere unter ihrer Missgunst leiden. Mag sein, dass diese Geschichte \u00fcberliefert wird, um den Neidern und Missg\u00f6nnern Mores zu lehren. Doch wollen die sich auch \u00e4ndern und g\u00fctige Menschen werden?<\/p>\n<p><strong>\u201eWiederfinden bereitet \u00fcberschw\u00e4ngliche Freude!\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Die Geschichte ist ein Gleichnis, es erz\u00e4hlt mit einfachen, leicht verst\u00e4ndlichen Worten wie Gott sich freut \u00fcber jeden, der umkehrt, der Bu\u00dfe tut und sein bisheriges Leben \u00e4ndert! \u2013 Nun bekommt die Botschaft schon eine andere Wendung. Sollte Gott etwa einen besonderen Grund haben, sich zu freuen? Sollte er sich nicht vielmehr dar\u00fcber freuen, dass es einige Berufschristen gibt und die breite Masse ihn in Frieden l\u00e4sst? Wer so denkt und spricht, der kennt Gott nicht, der hat Gott nicht bei sich und in seiner Welt. Gott freut sich \u00fcber die, die umkehren, die ein neues Leben mit ihm beginnen wollen.<\/p>\n<p>Gott freut sich einen Menschen, der neu anf\u00e4ngt wie jemand, der einen Schiffbr\u00fcchigen in letzter Sekunde vor dem Ertrinken gerettet hat; wie jemand, der einen Schwerkranken vom Krankenlager wieder auf die Beine bringt, ihm zur Gesundheit verhilft. Da wird ja auch ein neuer Anfang gemacht, Leben neu geschenkt, kann die Freude dar\u00fcber mit anderen geteilt werden. Ich denke, liebe Gemeinde, so ist dieses Gleichnis auch zu lesen und zu verstehen.<\/p>\n<p>Gott sucht den Menschen, der verloren geht: auf seinem Lebensweg, bei Krankheit oder in Zweifeln, in Not oder Sorgen. Er sucht sie, geht ihnen nach, m\u00f6chte sie aus all ihren Sackgassen zur\u00fcckbringen ins Leben auf gute Wege, die zum Menschen f\u00fchren, leben und gl\u00fccklich bleiben lassen. So wie ein Hirte, der einem verlorenen Schaf nachgeht; so wie die Frau, die ihren verlorenen Dukaten sucht und keine M\u00fche scheut, bis sie ihn endlich gefunden und in Sicherheit gebracht hat. So geht Gott dem Menschen nach. So m\u00f6chte er ihn vor schlimmerem Schaden bewahren, ihn im Guten leben lassen. Ob das die Menschen immer so mitbekommen? Und ob so das wollen?<\/p>\n<p>Manchmal habe ich da meine Zweifel, denn viele Menschen sagen, dass sie auch ohne direkten Bezug zu Gott, auch ohne ein f\u00fcr sie sichtbares und erlebbares Band gut leben k\u00f6nnen \u2013 bis zu dem Tag, wo alle anderen Stricke rei\u00dfen. Wenn sie selbst mit ihrem Latein am Ende sind, dann suchen und rufen sie nach ihm und wundern sich, dass er nicht gleich kommt, dass sie nicht gleich befriedigt werden. Sich selbst zu erl\u00f6sen, sich selbst gl\u00fccklich zu machen, das entspricht ihrem Denken und Wollen. Sich selbst aus eigenen Kr\u00e4ften zu entschulden und von allen Fehlern zu befreien \u2013 als wenn das so ohne weiteres ginge und zum Erfolg f\u00fchrte. Mit ist bisher noch niemand begegnet, dem dieses gegl\u00fcckt ist, der sich als Verlorener selbst wieder gefunden hat. Menschen, die das versuchen sind irgendwo immer ungl\u00fccklich und traurig \u00fcber ihre Erfolglosigkeit und Dummheit.<\/p>\n<p>Um es noch einmal nach alledem auf den Punkt zu bringen:<\/p>\n<p>*Gott bringt zur\u00fcck, was verloren gegangen ist:<\/p>\n<p>Er m\u00f6chte es zur\u00fcckbringen ins Leben. Das erlebe und erfahre ich da, wo ich aus vollem Herzen mit offenen Augen und Ohren Vertrauen schenke, Gott glaube. Erst da und nur da gelingt, was das Gleichnis erz\u00e4hlt:<\/p>\n<p><strong>Wiederfinden bereitet \u00fcberschw\u00e4ngliche Freude.<\/strong><\/p>\n<p>*Gott macht mich frei von der Hypothek des Misserfolges und der Schuld.<\/p>\n<p>Ich kann mich selbst ein Leben lang abstrampeln und suchen, wie ich die Loch, die L\u00fccke, das Defizit eben das verlorenen Gut wieder finden und zur\u00fcckbekommen kann. Es wird mit menschenm\u00f6glichen Mitteln immer ein unerreichbares Ziel bleiben, keine Erf\u00fcllung geben und kein neuer Anfang sein. Wo jedoch Gott das Verlorenen in die Ausgangsposition des Lebens bringt, da darf ich hoffen. Mit anderen Worten: wo Menschen aus welchen Gr\u00fcnden auch immer mit und in ihrem Leben gescheitert sind, m\u00fcssen sie mit dem Schatten ihrer Biographie leben. Gott befreit sie, wenn sie umkehren, wenn sie sich auf ihn einlassen. Er befreit sie zu einem neuen, erfolgreichen Start ohne Schatten aber mit dem Wissen, dass alles Wiedergefundene eine wunderbare Freude bereitet.<\/p>\n<p>Nichts anderes tut Jesus: er will das Verlorenen zu seinem Vater zur\u00fcckbringen. Und nicht anderes tun die J\u00fcnger nach ihm bis heute:<\/p>\n<p>Zu lehren, wie der Mensch in der Ferne und Fremde sich zu Gott wendet und damit zugleich sich selbst, sein Gl\u00fcck und seinen Frieden wieder findet.<\/p>\n<p>Zu warnen vor dem verlockenden Gedanken, ich w\u00e4re meine eigenen Gl\u00fcckes Schmied und k\u00f6nnte mich in allem selbst befriedigen und selbst erl\u00f6sen. Das ist ein frommer Irrtum und ein unsinniges kostspieliges Unterfangen. Mein Erl\u00f6ser bleibt mein Herr, mein Heiland.<\/p>\n<p>Gott m\u00f6chte mich wieder finden als verlorenen Teil seiner Sch\u00f6pfung, dar\u00fcber darf und soll und kann ich gl\u00fccklich sein. Diese Freude teilt er mit mir und ich darf die mit anderen teilen, die ebenso glauben.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Christian Tegtmeier<br \/>\nPfarrer in Kirchberg\/Seesen<br \/>\n<a href=\"mailto:gabriele.tegtmeier@t-online.de\">E-Mail: gabriele.tegtmeier@t-online.de<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3. Sonntag nach Trinitatis | 6. 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