{"id":9489,"date":"2003-07-03T19:49:55","date_gmt":"2003-07-03T17:49:55","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9489"},"modified":"2025-05-08T09:48:19","modified_gmt":"2025-05-08T07:48:19","slug":"100-jaehriges-bestehens-des-turnvereins-guts-muths","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/100-jaehriges-bestehens-des-turnvereins-guts-muths\/","title":{"rendered":"100-j\u00e4hriges Bestehens des Turnvereins Guts Muths"},"content":{"rendered":"<h3>Ansprache beim Sportfest | 3. Sonntag nach Trinitatis | 6. Juli 2003 | Friedrich Seven |<\/h3>\n<p>Ansprache im Gottesdienst bei den Dorfmeisterschaften<br \/>\nim Jahr des 100-j\u00e4hrigen Bestehens des Turnvereins Guts Muths; Scharzfeld<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde hier auf dem Schulhof,<\/p>\n<p>diese Dorfmeisterschaften sind<br \/>\ngut besucht wie immer und werden heute Abend sicher wieder der volle<br \/>\nErfolg gewesen sein, \u00fcber den wir uns noch jedes Jahr freuen konnten;<br \/>\nund doch gibt\u2019s es in diesem Jahr auch etwas besonderes: Zum einen<br \/>\nfeiert der Scharzfelder Turnverein in diesem Jahr sein 100-j\u00e4hriges<br \/>\nBestehen.- den Festkommers in der vorigen Woche werden wir so schnell<br \/>\nnicht vergessen- und zum ersten mal k\u00f6nnen auch die Gottesdienstbesucher<br \/>\nvon Anfang an bei den Dorfmeisterschaften dabei sein. Wir haben uns im<br \/>\nKirchenvorstand sehr dar\u00fcber gefreut, als der Vorsitzende des Turnvereins<br \/>\nbeim Kirchfest im vergangenen Jahr auf zu uns zukam, und vorschlug, die<br \/>\nDorfmeisterschaften mit einem Gottesdienst zu beginnen.<\/p>\n<p>Das ist ein sch\u00f6nes Zeichen f\u00fcr die guten Beziehungen zwischen<br \/>\nKirche und Dorf und wir kommen der Bitte gerne nach.<\/p>\n<p>Wir freuen uns dar\u00fcber, endlich wieder einmal mit einer so gro\u00dfen<br \/>\nGemeinde Gottesdienst halten zu k\u00f6nnen und als Kirchengemeinde davon<br \/>\nprofitieren zu d\u00fcrfen, dass die Meisterschaften stets gro\u00dfe<br \/>\nResonanz in unserem Dorf finden.<\/p>\n<p>Auch sehe ich keineswegs blo\u00df aktive Sportlerinnen und Sportler<br \/>\nheute morgen. Vielmehr haben sich alle Generationen hier versammelt,<br \/>\nund mancher ist von weither angereist, um zu diesen Meisterschaften wieder<br \/>\neinmal in seinem Heimatdorf zu sein.<\/p>\n<p>F\u00fcr viele \u00c4ltere ist dieser Tag mit Erinnerungen verbunden,<br \/>\nErinnerungen, die sich am besten dann pflegen lassen, wenn nun J\u00fcngere<br \/>\ndie Wettk\u00e4mpfe austragen, an denen man vor Jahrzehnten selbst teilgenommen<br \/>\nhat. Die Dorfmeisterschaften geh\u00f6ren zur Geschichte unseres Dorfes<br \/>\nund zur Lebensgeschichte vieler unter uns.<\/p>\n<p>Und doch: bei aller Gemeinschaftlichkeit kann nicht \u00fcbersehen werden,-<br \/>\nund die Unruhe unter den J\u00fcngeren zeigt dies schon- dass wir heute<br \/>\nzusammengekommen sind, um Unterschiede zu ermitteln: am Ende werden Sieger<br \/>\nund Verlierer dastehen, und auch wer nicht aktiv dabei ist, wird sich \u00fcber<br \/>\nmanchen Sieg freuen, \u00fcber manche Niederlage aber etwas traurig sein<br \/>\noder \u00e4rgern.<\/p>\n<p>Ohne Wettkampf w\u00e4re der ganze Tag heute nur halb so spannend.<\/p>\n<p>Doch enden, das ist auch sicher, soll der Tag nicht im Hader zwischen<br \/>\nSiegern und Verlierern, sondern in dem Einklang, in dem wir heute Nachmittag<br \/>\nbei buntem Programm feiern wollen.<\/p>\n<p>Vielleicht ist uns das gar nicht so bewusst, welch hohes Gut das eigentlich<br \/>\nbedeutet und auch welch sportliche Leistung, dass wir an solch einem<br \/>\nTag, der doch im Zeichen des Wettkampfs beginnt, nachmittags und abends<br \/>\nwieder gemeinsam feiern.<\/p>\n<p>Sport kann nur Sport bleiben, wenn nach dem Wettkampf nicht zwischen<br \/>\nSiegern und Verlieren getrennt werden muss.<\/p>\n<p>\u201eLieber tot als Zweiter\u201c, so war es letztens in unserer<br \/>\nZeitung zu lesen, als \u00fcber Entwicklungen im Leistungsport geschrieben<br \/>\nwurde, die dann tats\u00e4chlich dazu gef\u00fchrt hatten, dass ein Radsportler<br \/>\nwegen Doping sein Leben lassen musste.<\/p>\n<p>Doch nicht nur im Hochleistungssport gibt es diese Versuchung, den Sieg \u00fcber<br \/>\nalles zu setzen.<\/p>\n<p>Sicher spornt der Siegswille die Leistung an, und wer antritt und nicht<br \/>\nerster werden will, der wird vermutlich nicht einmal zweiter oder dritter.<br \/>\nAuch hat mancher Erfolg, gerade weil er sich einredet: heute muss ich<br \/>\ngewinnen.<\/p>\n<p>Entscheidender und gef\u00e4hrlicher scheint es mir zu sein, wenn dieser<br \/>\nDruck nach dem Wettkampf weitergeht und wenn der, der gesiegt hat, und<br \/>\nder, der verloren hat, den Weg zu den Konkurrenten nicht mehr sucht.<br \/>\nDann wird leicht vergessen, dass alle Leistung und gerade die sekunden-<br \/>\nund millimeterkleinen Fortschritte und Unterschiede, die schlie\u00dflich<br \/>\nzum hauchd\u00fcnnen Sieg f\u00fchren m\u00f6gen, sich nur entwickeln<br \/>\nk\u00f6nnen, weil andere mitk\u00e4mpfen und herausfordern.<\/p>\n<p>Um einen Sieger zu ermitteln, m\u00fcssen schlie\u00dflich alle erst<br \/>\neinmal loslaufen, und je ausgeglichener das Feld der Verfolger, umso<br \/>\nmehr wiegt der knappe Sieg.<\/p>\n<p>Sport, egal ob Einzel- oder Mannschaftssport, kann nur in Gemeinschaft<br \/>\ngedeihen.<\/p>\n<p>So kann der Sport etwas sehr sch\u00f6nes sein und vor allen Dingen<br \/>\ndem Menschen gem\u00e4\u00dfes: Johann Christoph Friedrich GutsMuths,<br \/>\nder vor \u00fcber 200 Jahren nicht weit von hier in Quedlinburg geboren<br \/>\nwurde, und der so viel f\u00fcr die Entwicklung des Sports getan hat,<br \/>\ndass noch heute viele Turnvereine wie der unsrige nach ihm benannt sind,<br \/>\nhat darin den Sinn des Turnunterrichts an den Schulen gesehen, dass sich<br \/>\nder Mensch seinen Anlagen gem\u00e4\u00df entwickeln kann. Turnunterricht<br \/>\nwar f\u00fcr ihn keine Wettkampfschmiede, sondern eine Bildungsaufgabe,<br \/>\ndie den Menschen als geistiges und k\u00f6rperliches Wesen f\u00f6rdern<br \/>\nwollte. GutsMuths liebte die Menschen und wollte, dass sie sich frei<br \/>\nentfalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Da f\u00e4llt es mir gar nicht schwer, mich auf ein passendes Bibelwort<br \/>\nzu besinnen:, das viele von uns sicher schon kennen: \u201eWas h\u00fclfe<br \/>\nes dem Menschen, wenn er die ganze Welt gew\u00f6nne und n\u00e4hme doch<br \/>\nSchaden an seiner Seele.\u201c(Mt. 16, 26).<\/p>\n<p>Jetzt im Gottesdienst vor den Wettk\u00e4mpfen kann uns dieses Wort<br \/>\nJesu die Chance geben, noch einmal kurz innezuhalten und uns darauf zu<br \/>\nbesinnen, was wir denn eigentlich gewinnen wollen f\u00fcr heute, aber<br \/>\nauch f\u00fcr morgen.<\/p>\n<p>Dabei sehen wir schnell, dass der Sport nicht die einzige Gelegenheit<br \/>\nim Leben ist, bei der wir unter solch einen Leistungsdruck und Siegswillen<br \/>\ngeraten k\u00f6nnen, dass f\u00fcr uns dann nur noch die Siege z\u00e4hlen<br \/>\nund wir jede Niederlage mehr als den Tod f\u00fcrchten m\u00fcssen.<\/p>\n<p>So steht pl\u00f6tzlich unser ganzes \u00fcbriges Leben mit auf dem<br \/>\nPr\u00fcfstand.<\/p>\n<p>Der Sohn Gottes will uns helfen, bei uns selbst zu bleiben, oder zu<br \/>\nuns zur\u00fcckzufinden, wenn er uns davor warnt, an die ganze Welt verloren<br \/>\nzu gehen. Denn dann drohen wir in der Tat unsere Seele zu verlieren,<br \/>\nwenn wir eigentlich nicht mehr wissen, warum und wozu wir etwas tun,<br \/>\nund uns vielleicht sogar danach sehnen, eine Kampfmaschine sein zu k\u00f6nnen,<br \/>\ndie nur noch unseren Namen tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Sch\u00f6n w\u00e4re es, wenn heute Abend jeder von uns, die Aktiven<br \/>\nebenso wie die Zuschauer, wieder etwas mehr \u00fcber sich w\u00fcsste, \u00fcber<br \/>\nseine Leistungen, \u00fcber seine Reserven und \u00fcber das, was er<br \/>\nmit den anderen noch erreichen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Schon die V\u00e4ter und M\u00fctter haben die Scharzfelder Dorfmeisterschaften<br \/>\nausgetragen, und ohne ihr Engagement g\u00e4be es vermutlich heute nichts<br \/>\nzu feiern<\/p>\n<p>Auch die Geschichte des Sports in unserem Dorf handelt zwar von Siegen<br \/>\nund Niederlagen, aber in der Hauptsache von Menschen, die im Sport immer<br \/>\nwieder die Balance zwischen Arbeit und Freizeit gesucht haben, ohne die<br \/>\nes keiner Seele gut gehen kann..<\/p>\n<p><strong>Dr. Friedrich Seven<br \/>\nIm Winkel 6<br \/>\n37412 Scharzfeld<br \/>\nTel: 05521\/2429<br \/>\n<a href=\"mailto:friedrichseven@compuserve.de\">e-mail: friedrichseven@compuserve.de<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ansprache beim Sportfest | 3. 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