{"id":9498,"date":"2003-07-07T19:49:52","date_gmt":"2003-07-07T17:49:52","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9498"},"modified":"2025-05-08T10:12:04","modified_gmt":"2025-05-08T08:12:04","slug":"lukas-5-1-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-5-1-11\/","title":{"rendered":"Lukas 5, 1-11"},"content":{"rendered":"<h3><b><span style=\"color: #000099;\">5. Sonntag nach Trinitatis | 20. Juli 2003 | Lukas 5, 1-11 (und Galater 1, 11-24) | Christoph Dinkel |<\/span><\/b><\/h3>\n<p>Im Mittelpunkt der Predigt stehen heute die Berichte von der Berufung der Apostel Petrus und Paulus aus Lukas 5 und Galater 1. Die Predigttexte sind als Erz\u00e4hlung in die Predigt integriert.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>was bedeutet der christliche Glaube f\u00fcr Ihr Leben? Was bedeutet der Glaube f\u00fcr Euer Leben? So direkt gestellt l\u00e4sst sich die Frage gar nicht so leicht beantworten. \u00dcber den Glauben und seine Bedeutung f\u00fcr unser Leben zu reden f\u00e4llt uns mitteleurop\u00e4isch gem\u00e4\u00dfigten Menschen im Allgemeinen eher schwer. Der Glaube gilt als etwas Intimes, zumal im Protestantismus als etwas, das sich verborgen im stillen K\u00e4mmerlein oder tief im Herzen zwischen Gott und dem Einzelnen abspielt. \u00dcber den Glauben, \u00fcber das Beten, \u00fcber das Vertrauen zu Gott zu reden, das \u00fcberlassen wir lieber anderen.<\/p>\n<p>Oder aber wir w\u00e4hlen Formen \u00fcber den Glauben zu reden, die nicht ganz so direkt sind oder nicht gar so authentisch daher kommen. Viele, die \u00fcber ihren Glauben zwar nicht wirklich reden, die aber wiederum auch nicht v\u00f6llig schweigen wollen, w\u00e4hlen die Musik als Form der Glaubenskommunikation. Beim Singen eines Chorals oder beim H\u00f6ren auf ein Werk der christlichen Musiktradition schl\u00fcpfen wir gleichsam in den Glauben eines fremden Menschen hinein. Vorsichtig tastend benutzen wir Worte der Tradition und des Glaubens vergangener Zeiten und schauen, ob sie uns passen, ob sie uns angemessen sind und helfen. Manches empfinden wir dabei als fremd und veraltet, vieles aber erleben wir als kostbar und wertvoll, obwohl die Sprache so alt und die Bilder manchmal fremd sind. \u201eGeh aus mein Herz uns suche Freud\u201c, dieses 350 Jahre alte Lied werden wir am Ende des Gottesdienstes gemeinsam singen. Trotz des gro\u00dfen zeitlichen Abstands \u2013 das Lied und seine Glaubensworte kommen uns nahe. Viele von uns werden sich beim Singen in den Gef\u00fchlen und in den Worten des Liedes wiederfinden.<\/p>\n<p>\u00dcber den Weg der Musik den Glauben auszudr\u00fccken f\u00e4llt uns im Allgemeinen leichter als direkt dar\u00fcber zu reden. Ja, oft ist es so, dass selbst erkl\u00e4rte Heiden und bekennende Agnostiker, die vorgeben an gar nichts zu glauben, mit Inbrunst und viel Gef\u00fchl den gro\u00dfen Werken der christlichen Musiktradition lauschen. Sich vom Glauben oder sich von der Musik getragen wissen, das ist manchmal dasselbe. In der Musik k\u00f6nnen wir uns selbst verlieren und wieder neu entdecken. Und das ist es ja auch, was beim Glauben und in der Religion immer wieder geschieht. Die Sprache der Musik erschlie\u00dft uns wesentliche Inhalte des Glaubens oft besser als viele Worte es k\u00f6nnen. Vom Wunder der Auferstehung l\u00e4sst sich viel leichter singen als reden. Jedenfalls wirken Bachs Passionsmusiken in Bezug auf die Auferstehung Christi sehr viel \u00fcberzeugender als die meisten B\u00fccher, die man dar\u00fcber lesen kann.<\/p>\n<p>Was bedeutet der christliche Glaube f\u00fcr Ihr, was bedeutet der Glaube f\u00fcr Euer Leben? \u2013 Am besten l\u00e4sst sich diese Frage wohl biographisch beantworten, indem man aus seinem Leben erz\u00e4hlt und darstellt, in welchen Situationen einem Gott nahe war oder auch: wann man sich Gott fern und von ihm verlassen gef\u00fchlt hat. Was uns der Glaube bedeutet, das begreifen wir, wenn wir auf unser Leben blicken, wenn wir uns erinnern, in welchen Gefahren und N\u00f6ten wir waren und \u00fcberlegen, ob uns in diesen Situationen Gott nahe war mit seinem Trost.<\/p>\n<p>Was bedeutet der christliche Glaube f\u00fcr Ihr, was bedeutet der Glaube f\u00fcr Euer Leben? \u2013 Wenn sich diese Frage am besten biographisch, durch das Erz\u00e4hlen der eigenen Lebensgeschichte beantworten l\u00e4sst, dann w\u00e4re es fast das Beste, wenn wir uns alle jetzt mit unserem Nachbarn oder unserer Nachbarin hier in der Kirche \u00fcber unsere Glaubenserfahrungen unterhalten w\u00fcrden. Allerdings w\u00fcrde das den Rahmen dieses Gottesdienstes sprengen. Ich muss Sie daher bitten, diese Gespr\u00e4che auf die Zeit nach dem Gottesdienst zu verlegen.<\/p>\n<p>Weil wir hier in der Kirche zu viele sind, um alle zu Wort zu kommen, berichten heute exemplarisch zwei der gro\u00dfen Gestalten der Bibel \u00fcber ihren Glauben. Die eine ist der Apostel Paulus, die andere ist Simon Petrus, den Jesus Kephas, den Fels genannt hat. Zun\u00e4chst kommt Paulus zu Wort. Er berichtet eher n\u00fcchtern davon, was f\u00fcr ihn der Glaube bedeutet. Den Gemeinden in Galatien schreibt er:<\/p>\n<p>Die rettende Botschaft, die ich euch gelehrt habe, ist keine menschliche Erfindung. Ich habe sie ja auch von keinem Menschen \u00fcbernommen, und kein Mensch hat sie mich gelehrt. Jesus Christus selbst ist mir erschienen und hat mir seine Botschaft offenbart. Ihr wisst sicherlich, wie ich als strenggl\u00e4ubiger Jude gelebt habe, dass ich die Christen \u00fcberall mit gl\u00fchendem Hass verfolgte und ihre Gemeinden zerst\u00f6ren wollte. Mein Einsatz f\u00fcr den j\u00fcdischen Glauben \u00fcbertraf den aller meiner Altersgenossen in unserem Volk. Mehr als alle anderen setzte ich mich daf\u00fcr ein, dass die \u00fcberlieferten Gesetze unserer Vorfahren buchstabengetreu erf\u00fcllt w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Aber Gott hatte mich in seiner Gnade schon vor meiner Geburt dazu bestimmt ihm einmal zu dienen. Als die Zeit daf\u00fcr gekommen war, lie\u00df er mich seinen Sohn erkennen. Die anderen V\u00f6lker sollten durch mich von ihm erfahren. Ohne Z\u00f6gern habe ich diesen Auftrag angenommen und keinen Menschen um Rat gefragt. Ich bin nicht einmal nach Jerusalem gereist, um die nach ihrer Meinung zu fragen, die schon vor mir Apostel waren. Nein, ich bin sofort nach Arabien gezogen und von dort wieder nach Damaskus zur\u00fcckgekehrt.<\/p>\n<p>Erst drei Jahre sp\u00e4ter kam ich nach Jerusalem, weil ich Petrus kennen lernen wollte. F\u00fcnfzehn Tage bin ich damals bei ihm geblieben. [\u2026] Die christlichen Gemeinden in Jud\u00e4a haben mich damals noch nicht pers\u00f6nlich gekannt. Nur vom H\u00f6rensagen wussten sie: \u201eDer Mann, der uns fr\u00fcher verfolgt hat, ruft jetzt selbst zu dem Glauben auf, den er einst so bitter bek\u00e4mpfte.\u201c Und sie dankten Gott f\u00fcr alles, was er an mir getan hat. (\u00dcbersetzung: Hoffnung f\u00fcr alle, die Bibel, 2002)<\/p>\n<p>Mit d\u00fcrren Worten beschreibt Paulus seine Berufung zum Apostel Jesu Christi. Wenn man vergleicht, wie dramatisch das Ereignis in Damaskus in der Apostelgeschichte erz\u00e4hlt wird, so ist man von den Worten, die Paulus selbst daf\u00fcr findet, fast entt\u00e4uscht. Ganz n\u00fcchtern gibt Paulus einen knappen Bericht von der grundlegenden Wende in seinem Leben. Und nur die Zusammenfassung am Schluss l\u00e4sst erkennen, welch gewaltiger Umbruch sich da vollzogen hat: \u201eDer Mann, der uns fr\u00fcher verfolgt hat, ruft jetzt selbst zu dem Glauben auf, den er einst so bitter bek\u00e4mpfte.\u201c So beschreiben die fr\u00fchen Christen die unglaubliche Umkehr des Paulus und loben Gott dar\u00fcber. Was f\u00fcr ein Bruch in der Biographie. Nichts ist mehr wie vorher. Aus dem Leben als pharis\u00e4ischer Jude wird Paulus radikal herausgerissen. Aus dem gelehrten Schultheologen wird ein Wanderprediger. Er macht sich auf, Jesus Christus zu verk\u00fcndigen, den er gerade noch zu verfolgen suchte. Und Paulus ist sich seiner Sache sehr sicher. Er h\u00e4lt es gar nicht f\u00fcr n\u00f6tig, mit den anderen Anh\u00e4ngern des Auferstandenen Kontakt zu kn\u00fcpfen. Erst drei Jahre sp\u00e4ter zog es ihn nach Jerusalem. Zwei Wochen blieb er dort, um Petrus kennen zu lernen.<\/p>\n<p>Wie mag sich die Begegnung zwischen Petrus und Paulus damals in Jerusalem abgespielt haben? Zwei ganz verschiedene Menschen treffen zusammen: Auf der einen Seite Petrus, ein Fischer vom See Genezareth. Von Jesus war er zum J\u00fcnger, zum Menschenfischer berufen worden. Auf der anderen Seite Paulus der Zeltmacher und Gelehrte, der seine fr\u00fcheren Lehren um Christi Willen verworfen hat.<\/p>\n<p>Ich stelle mir das Treffen der beiden vor. Paulus ist nach Jerusalem gekommen und hat das Haus des Petrus gefunden. Er klopft an die T\u00fcr. Eine Frau tritt heraus und fragt den Unbekannten, was er will. Paulus nennt sein Anliegen und wird zu Petrus ins Haus gef\u00fchrt. Petrus sitzt am Tisch beim Abendbrot. Als Paulus hereingef\u00fchrt wird, steht er auf und schaut den Fremden erwartungsvoll an.<\/p>\n<p>\u201eMein Name ist Paulus. Vielleicht hast du schon von mir geh\u00f6rt, vielleicht nicht nur Gutes. Ich stamme aus Tarsus. Mein Beruf ist Zeltmacher. Aber das tut nichts zur Sache. Viel wichtiger ist, dass ich auch ein Apostel Jesu Christi bin und dich, Kephas, kennen lernen m\u00f6chte.\u201c<\/p>\n<p>Paulus streckt Petrus die Hand entgegen. Z\u00f6gernd ergreift Petrus seine Hand und sch\u00fcttelt sie vorsichtig. \u201eSo, Paulus ist dein Name. Ich glaube nicht, dass ich dich kenne. Der einzige Paulus aus Tarsus, den ich kenne, ist ein schlimmer Verfolger unserer Gemeinde. Unser Bruder Stephanus ist eines seiner Opfer. Zum Gl\u00fcck ist dieser Paulus seit drei Jahren verschwunden. Mit ihm hast du sicher nichts zu tun?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDoch, ich habe etwas mit ihm zu tun. Ich selbst bin genau jener Paulus, der euch fr\u00fcher verfolgte.\u201c Petrus wird bleich. Ihm zittern die Knie: \u201eDu bist dieser Paulus und du wagst es, einfach so hier aufzutauchen! Und nennst Dich auch noch einen Apostel Jesu Christi. Ja wei\u00dft du denn, was du da sagst?\u201c Paulus tritt einen halben Schritt zur\u00fcck. Er ist ein wenig erschrocken. Hatte es sich so wenig herumgesprochen, dass er vom Verfolger zum Anh\u00e4nger Jesu geworden ist? Oder will ihn Petrus nur auf die Probe stellen?<\/p>\n<p>Laut antwortet Paulus: \u201ePetrus, ich verstehe gut, dass du nicht glauben kannst, was ich dir sage. Ich habe euch gro\u00dfes Leid zugef\u00fcgt. Aber es ist wirklich so. Jesus Christus ist mir erschienen. Vor drei Jahren hat er sich mir offenbart und hat mich beauftragt sein Apostel zu werden. Ich soll seinen Namen in der ganzen Welt bekannt machen, auch unter den Heiden.\u201c<\/p>\n<p>Petrus schaut Paulus weiter misstrauisch an: \u201eUnd wenn das nur ein gemeiner Trick ist, um dich bei uns einzuschleichen? Am Ende lieferst du uns dann alle ans Messer.\u201c<\/p>\n<p>Aber Paulus l\u00e4sst sich nicht abbringen: \u201eIch wei\u00df, dass du das denken musst, Kephas. Und ich wei\u00df, was damals mit Stephanus passiert ist. Du kannst sicher sein, dass ich meine fr\u00fcheren Taten bitter bereue. Ich habe F\u00fcrchterliches getan. Aber nun hat sich mir Christus offenbart und mein Leben ist ganz neu geworden. Lass dir davon berichten!\u201c<\/p>\n<p>Und dann erz\u00e4hlt Paulus Petrus alles, was in den letzten drei Jahren geschehen ist. Wie ihm vor Damaskus der Auferstandene erscheint, wie er blind und dann wieder sehend wird, wie Christus ihn zum Apostel beruft und wie er sich gleich von Damaskus nach Arabien aufmacht, den Namen Jesu Christi zu verk\u00fcndigen.<\/p>\n<p>Petrus h\u00f6rt ihm gebannt zu. Er hat in den Jahren mit Jesus viele wunderbare und erstaunliche Dinge erlebt. Aber was Paulus hier berichtet, ist etwas ganz Besonderes. Aus dem Verfolger ist ein Anh\u00e4nger geworden. Eine solche Bekehrung \u2013 das hat er nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehalten. Bei ihm war das alles nicht so dramatisch gewesen.<\/p>\n<p>Petrus schaut zu Paulus und sagt zu ihm: \u201eIch will dir erz\u00e4hlen, wie es mir damals erging, als ich Jesus zum ersten Mal begegnete. Ich war Fischer am See Genezareth. Die ganze Nacht hatte ich mit meinen Leuten vergeblich gefischt. Als wir am Morgen unsere Netze wuschen, trat Jesus heran. Er bat uns, von unserem Schiff aus zu seinen Anh\u00e4ngern reden zu d\u00fcrfen. Da wir nichts Besseres zu tun hatten, taten wir ihm den Gefallen. Doch was er zu sagen hatte, das war gewaltig. Vom Reich Gottes predigte er, von Gottes Liebe, von Gottes Wirken unter uns Menschen, von den Lilien auf dem Feld und von einem kostbaren Schatz im Acker, den es zu entdecken gilt. So eine Rede hatte ich noch nie geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Als Jesus seine Rede beendet hatte, forderte er uns auf, nochmals mit dem Boot hinauszufahren und unsere Netze auszuwerfen. Ich war sehr skeptisch. Trotz unserer Erfahrung hatten wir die ganze Nacht nichts gefangen und er schickt uns am helllichten Tag zum Fischen. Aber seine Rede hat mich irgendwie gepackt und ber\u00fchrt. Ich sagte: \u201eWeil du es sagst, will ich es wagen.\u201c Wir warfen also unsere Netze aus. Und du kannst dir ja denken, wie es weiterging: Wir konnten die Netze kaum wieder einholen, so voller Fische waren sie. Ich war v\u00f6llig ersch\u00fcttert. Ich wusste sofort, dass er ein heiliger Mensch ist. Mir wurde angst und bange. Ein Heiliger in meinem Boot, wo ich doch nur ein einfacher Fischer bin, ein Mensch voller S\u00fcnden. Aber Jesus richtete mich auf, sah mich liebevoll an und sprach zu mir. Er sagte nur einen einzigen Satz \u2013 den habe ich mir gemerkt: \u201eF\u00fcrchte dich nicht, von nun an wirst du Menschen fischen.\u201c Von diesem Augenblick an wusste ich, was ich tun musste. Ich zog mit Jesus und verk\u00fcndigte mit ihm die Botschaft von Gottes Reich.\u201c (nach Lukas 5,1-11)<\/p>\n<p>Paulus sieht Petrus bewegt an. Nat\u00fcrlich hat er diese Geschichte schon einmal geh\u00f6rt. Aber sie direkt von Petrus zu h\u00f6ren, ist doch etwas ganz anderes. Er sagt zu Petrus: \u201eKephas, ich beneide dich sehr um die Zeit, die du zusammen mit Jesus verbracht hast. Ich war damals noch dumm und verblendet. Dass aus mir so sp\u00e4t noch ein Apostel geworden ist! Aber gerade deshalb will ich besonders viel arbeiten. Ich will mit allem Eifer das Evangelium ausbreiten und den Namen Christi verk\u00fcndigen.\u201c<\/p>\n<p>Das Misstrauen, das Petrus anfangs noch hatte, ist inzwischen verflogen. Paulus hat auch noch einige Empfehlungsschreiben von christlichen Gemeinden mitgebracht, die den letzten Zweifel vertreiben. So wagt es Petrus, noch eine andere Geschichte zu erz\u00e4hlen, eine schwierige und unangenehme.<\/p>\n<p>\u201eMein lieber Paulus, auch bei mir ist es mit dem Glauben nicht immer glatt und einfach gegangen. Vielleicht hast Du schon davon geh\u00f6rt. Jesus hat mir ja den Namen Kephas, der Fels gegeben. Ich sollte wie der Fels in der Brandung sein, der Fels auf dem die Gemeinde gr\u00fcnden kann. Aber ich habe f\u00fcrchterlich versagt. Ich habe meinen Herrn verraten, als es am Schlimmsten war. Als er verh\u00f6rt und gefoltert wurde, habe ich behauptet: ich kenne ihn nicht. Er hat das vorausgesagt und ich habe ihm nicht geglaubt. Erst als der Hahn kr\u00e4hte, wurde mir klar, dass ich ihn dreimal verraten habe. Ich sch\u00e4mte mich so. Kephas, der Fels, ist beim ersten heftigen Sto\u00df umgefallen. Ich habe versagt. Ich habe so stark und mutig sein wollen und dann habe ich feige behauptet: Ich kenne ihn nicht. Wenn ich daran denke, wird mir immer noch elend.\u201c<\/p>\n<p>Paulus ist von diesem Gest\u00e4ndnis ersch\u00fcttert. \u201eAlso auch bei dir lief nicht alles einfach und glatt. Ich habe immer gedacht, dass ich der einzige Apostel bin, der so einen gewaltigen Bruch im Leben erlebt hat. Offenbar musst auch du mit so einer dunklen Stelle in deiner Vergangenheit leben. Dass Gott gerade uns einen so gro\u00dfen Auftrag gibt, obwohl wir so voller Fehler sind, obwohl wir uns so gewaltig geirrt haben und so schwach sind. Manchmal denke ich, dass Gottes Macht gerade in den Schwachen m\u00e4chtig ist.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas hast du gut gesagt,\u201c antwortet Petrus. \u201eOft sind es gerade die Schwachen, durch die Gott wirkt. Obwohl ich so versagt habe, hat Jesus zu mir gehalten. Ich habe sp\u00e4ter dann fast noch einmal dasselbe erlebt wie bei dem ersten Fischzug. In den Tagen nach Ostern ist mir Jesus als Auferstandener erschienen. Es war wieder beim Fischen. Wieder hatten wir die ganze Nacht \u00fcber nichts gefangen. Als wir morgens mit unseren Booten ans Land kamen, stand Jesus am Ufer. Wieder sagte er, wir sollten unsere Netze auswerfen und wieder machten wir einen gro\u00dfen Fang. Wir a\u00dfen und tranken mit ihm zusammen und dann fragte mich Jesus dreimal: \u201aSimon\u2019, er sagte nicht Kephas, er sagte nur: Simon. \u201aSimon, hast du mich lieb, liebst du mich mehr als die anderen?\u2019 Ich war so besch\u00e4mt. Innerlich h\u00f6rte ich wieder den Hahn kr\u00e4hen. Ich liebe ihn so und habe ihn doch verraten. Aber Jesus hat mir verziehen und gab mir den Auftrag, die Gemeinde zu leiten. Obwohl ich so versagt habe, sollte ich wieder der Fels sein.\u201c (nach Johannes 21,1-19)<\/p>\n<p>Paulus hat Petrus genau zugeh\u00f6rt. \u201eEs ist doch wunderbar,\u201c dachte er bei sich, \u201ewelche Menschen Gott in seinen Dienst stellt. Ich selbst habe f\u00fcrchterlich geirrt und wurde doch zum Apostel berufen. Und Petrus hat im entscheidenden Moment versagt. Und doch ist er Kephas, der Fels. In ihm wirkt Gottes Macht.\u201c<\/p>\n<p>Die beiden M\u00e4nner sehen sich lange in die Augen. Aus ganz verschiedenen Lebensgeschichten hat Jesus sie herausgerufen. Sie sollen seine Zeugen sein. Sie sollen von Gottes Liebe erz\u00e4hlen und den Menschen den Weg zum Leben zeigen. Paulus und Petrus ahnen, dass sie keinen leichten Weg vor sich haben. Doch sie vertrauen darauf, dass Jesus sie auf ihrem Lebensweg begleitet und ihnen nahe ist. \u2013 Amen.<\/p>\n<p>Vorschlag Predigtlied: EG 295, 1-4, Wohl denen, die da wandeln<\/p>\n<p>Vorschlag Schriftlesung: Lukas 5,1-11 (Luther\u00fcbersetzung)<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>PD Dr. Christoph Dinkel<br \/>\nPfarrer<br \/>\nG\u00e4nsheidestra\u00dfe 29<br \/>\n70184 Stuttgart<br \/>\n<a href=\"mailto:christoph.dinkel@arcor.de\">christoph.dinkel@arcor.de<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>5. Sonntag nach Trinitatis | 20. 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