{"id":9501,"date":"2003-07-07T19:49:51","date_gmt":"2003-07-07T17:49:51","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9501"},"modified":"2025-05-08T10:26:39","modified_gmt":"2025-05-08T08:26:39","slug":"matthaeus-28-16-20-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-28-16-20-3\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 28, 16-20"},"content":{"rendered":"<h3><b><span style=\"color: #000099;\">6. Sonntag nach Trinitatis | 27. Juli 2003 | Matth\u00e4us 28,16-20 | Karl W. Rennstich |<\/span><\/b><\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Der junge Missionar war viel unterwegs auf schlechten Strassen. Oft hatte das Auto eine Panne. Reifenwechseln war die Regel. Doch immer wenn die Reifen gewechselt werden mussten, setzten sich die einheimischen Mitfahrer unter einen Baum und lie\u00dfen den jungen Missionar allein in der Hitze arbeiten. Der Missionar wollte niemand verletzen und dachte, wenn die Leute mir helfen wollten, dann w\u00fcrden sie es tun. Er sagte deshalb kein Wort, sondern \u00e4rgerte sich nur.<\/p>\n<p>Eines Tages platzte ihm nach dem zweiten Reifenwechsel dann doch der Kragen und erschimpfte voller Zorn in seiner Heimatsprache \u2013 Schw\u00e4bisch! Die Leute konnten zwar die Worte nicht verstehen, sehr wohl aber, dass der Missionar w\u00fctend war. Warum er denn so zornig sei, erkundigte sich ein \u00e4lterer Mitfahrer sehr besorgt. Als der junge Missionar den Grund seines Zorns erkl\u00e4rte und vorwurfsvoll hinzuf\u00fcgte: \u00bbIhr wollt immer blo\u00df mitfahren, aber nie helft ihr mir. Ich finde das nicht sch\u00f6n\u00ab brachte ihn die Antwort des alten Mannes aus dem Gleichgewicht: \u00bbDu hast uns ja noch nie gebeten, dir zu helfen\u00ab.<\/p>\n<p>Damals lernte der junge Missionar die wichtigste Lektion seines Lebens: Wer nicht bittet, kann nicht erwarten, dass Menschen und Gott ihm helfen. Von diesem Augenblick an musste der junge Missionar seine Reifen nie mehr allein wechseln.<\/p>\n<p>Die Mission Jesu beginnt immer mit der Bekehrung des Missionars. Das musste Petrus lernen und Paulus und nach ihnen alle anderen Missionare bis zum heutigen Tag. Hingehende Missionare im Sinne Jesu unterscheiden sich grunds\u00e4tzlich von solchen, die ein Missionsbewusstsein an den Tag legen und stolz auf alle Hilfe verzichten. Die Arroganz ist die Erstgeborene der Dummheit und macht den Menschen unf\u00e4hig zu lernen. Der Dumme wei\u00df ja schon alles! Hingehende Missionare im Sine Jesu sind lernbegierige, fragende Menschen. Ihr wichtigster Satz ist: Was ist das?<\/p>\n<p>Religion ist R\u00fcckversicherung der M\u00e4chtigen. Soziale Gerechtigkeit im Namen Gottes war urspr\u00fcnglich <em>frohe Botschaft<\/em> (Evangelium) f\u00fcr die Armen, sowohl in der christlichen als auch islamischen Glaubensbewegung. Es war deren religi\u00f6ses Kennzeichen. Heute ist es ein Fremdwort bei vielen wohlhabenden und m\u00e4chtigen Muslimen und Christen geworden.<\/p>\n<p>Unaufhaltbar erobert eine neue Kultur, die im Westen ihren Ausgang nahm, einer ganzen Welt. Ein <em>Kennzeichen<\/em> dieser neuen Kultur ist der mit religi\u00f6sen Weihen geheiligte <em>Egoismus<\/em>. Der <em>rigide Individualismus<\/em> zeigt uns heute aber deutlich die Grenze unseres Seins. Wir haben die Freiheit halbiert, indem wir die Erinnerung entsorgten, dass zu den Maximen der Aufkl\u00e4rung neben Freiheit und Gleichheit auch Br\u00fcderlichkeit geh\u00f6ren sollte. Das wiederum sind die Grundwerte christlicher Freiheit nach dem Galaterbrief, der an die Kelten geschrieben wurde. So ist es nach Leonard Ragaz eigentlich selbstverst\u00e4ndlich, dass die Franz\u00f6sische Revolution im von Kelten bewohnten Frankreich ihren Ausgang nehmen musste.<\/p>\n<p>Die Folgen des Verlustes dieser dreifachen Freiheit von Gleichheit, Br\u00fcderlichkeit und Solidarit\u00e4t seien, meint der amerikanische Philosoph Dworkins, die Zunahme von Ungleichheit, die Aush\u00f6hlung des Gemeinsinns. Das autonome, (seiner!) Natur und der Gemeinschaft entfremdete Ich der neuzeitlichen Subjektivit\u00e4t, die nur das Rechnen und Machen gelten l\u00e4sst, sei mit seinem Herrschaftswillen an die Grenze zur Selbstzerst\u00f6rung gelangt.<\/p>\n<p>Die Kirche der ersten 300 Jahre war eine Kirche von M\u00e4rtyrern. Es war von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung f\u00fcr das \u00dcberleben der Kirche, dass Christen und die Institution Kirche ihren Glauben im Sinne Jesu <em>lebten<\/em>. Die Kirche hatte keinen staatlichen Schutz. Sie war sich bewusst, dass sie eine Minderheit war. Doch diese Minderheit forderte immer wieder den Staat heraus. Der Untergang des heidnischen Reiches, der damit verbundene \u00bbSieg des Christentums\u00ab und die Entstehung der christlichen Zivilisation hatte aber im Laufe der Zeit auch die fatale Konsequenzen, dass die Kirche ihre Macht missbrauchte. Viele Menschen wurden Christen, um an der Macht- und nicht an dem Weg Jesu- zu partizipieren. Der Glaube wurde zur billigen Gnade. Hoffnungslos ist heute nun wiederum der Staat oft religi\u00f6sen Fanatikern oder nationalen Bewegungen ausgeliefert. R\u00fccksichtslos greift die wirtschaftliche Ausbeutung um sich. Der Staat scheint immer mehr zum Selbstbedienungsladen f\u00fcr die M\u00e4chtigen zu werden. Was kann, was soll die Kirche tun? Die \u00bb Bekehrung der Kirche\u00ab hin zu Christus ist ihre wichtigste Arbeit, weil die Kirche nur so der Welt helfen kann.<\/p>\n<p><strong>Wo der Glaube heute lebt- die dritte Kirche<br \/>\n<\/strong>Die Ver\u00e4nderung der Weltchristenheit in den letzten Jahren ist nicht nur demographisch wichtig. In einer relativ kurzen Zeit verloren die bestimmenden Faktoren, die das Christentum etwa 1000 Jahre lang bestimmten, ihre Kraft. Nach Jahrhunderten, in denen die Normen der christlichen Kirchen von der Mittelmeerkultur und von den Gegenden n\u00f6rdlich und \u00f6stlich davon bestimmt worden waren, wurde der Proze\u00df der weiteren Entwicklung in eine ganz neue Richtung gewiesen. Die <em>Zukunft<\/em> der christlichen Kirchen entscheidet sich unter <em>afrikanischen<\/em> und <em>asiatischen<\/em> Bedingungen. Daraus resultieren eine ganze Reihe von <em>Ver\u00e4nderungen<\/em> im Denken der Weltchristenheit, der kirchlichen Strukturen und Formen der Praxis in der Leitung der Kirchen. Die entscheidenden Ver\u00e4nderungen der Christenheit kommen vom fundamental wichtigen Wechsel vom Norden zum S\u00fcden!<\/p>\n<p>Ohne die moderne Missionsbewegung w\u00e4re das \u00f6kumenische Bewusstsein nicht m\u00f6glich geworden, auch wenn nur ganz wenige westliche christliche Theologen es vorauszusehen vermochten.<\/p>\n<p><strong>Heil, Heilung und heilende Gemeinschaft <\/strong><br \/>\nKennzeichen der missionierenden Kirche war in den ersten drei Jahrhunderten die aus dem christlichen Heilsverst\u00e4ndnis erwachsende <em>heilende Gemeinschaft<\/em>. Das Thema \u00bbHeilung und heilende Gemeinschaft\u00ab wird Schwerpunkt der Weltmissionskonferenz des \u00d6kumenischen Rats der Kirchen im Jahre 2005 in Ghana sein. Damit bestimmt der Heilungsauftrag Jesu zusammen mit dem Sendungsauftrag der J\u00fcnger die Zusammengeh\u00f6rigkeit von Wort und Tat die christliche Missionst\u00e4tigkeit der Zukunft, nachdem Heilung zu einer vernachl\u00e4ssigten Dimension von Mission verkommen war. Doch eine Religion, die keine heilende und rettende kraft hat, ist bedeutungslos. Der heutige Mensch ist empf\u00e4nglich f\u00fcr die christliche Botschaft in der Heillosigkeit seiner ganzen Existenz mit seinem intensiven Bed\u00fcrfnis nach Heilung.<\/p>\n<p>Den Zusammenhang von Heil und Heilung in der Wirklichkeit des afrikanischen (und dar\u00fcber hinaus allen Lebens in der Welt) beschreibt Pfarrer Emanuel N. Arnim vom Nsawam- Heilungszentrum in Ghana. Sein Weg war keineswegs selbstverst\u00e4ndlich. Er selber erz\u00e4hlt diese Entwicklung so:<\/p>\n<p>\u00bb Seit meiner Jugend geschah es, dass immer, wenn ich f\u00fcr die Kranken betete, diese allm\u00e4hlich Heilung erfuhren. Die Kraft zu heilen wurde sichtbar als der Herr mich dazu gebrauchte, meine Frau von Herzproblemen zu heilen. Meine Frau tr\u00e4umte, jemand h\u00e4tte ihr mit einem Gewehr ins Herz geschossen. Wenige Tage sp\u00e4ter wurde der Traum zur Wirklichkeit. Weder einheimische Heilkr\u00e4uter noch wissenschaftliche Medizin konnten ihr helfen. Vier Krankenh\u00e4user, das Missionskrankenhaus in Agogo eingeschlossen, konnten die Krankheit nicht diagnostizieren. Immer wenn sie Essen zu sich nahm, das Salz enthielt, wurde die Krankheit so schlimm, dass sie die ganze Nacht aufrecht sitzen musste. Als ich am Trinity College studierte, befahl mir der Herr heimzugehen und sie mit Salz zu heilen. Ich gab ihr Salzl\u00f6sungen, und nachdem sie getrunken hatte, war sie sofort geheilt. Das geschah 1980, und seither ist sie frei von ihrer Herzkrankheit\u00ab.<\/p>\n<p>Als Emanuel Anim als Gemeindepfarrer in den Kwahu- Bergen t\u00e4tig war, wurde er von Gott berufen, zwei sterbenskranke Menschen mit Wasser und Salz zu heilen. Als diese entgegen \u00e4rztlicher Erwartung gesund wurden, verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer. Die Leute kamen in ihrer Not zu ihm. Seither sind unz\u00e4hliche Menschen von allen erdenklichen Krankheiten und Leiden befreit worden.<\/p>\n<p>Alle Heilungen sind eingebettet in den Gottesdienst. Heilung umfasst den Menschen in k\u00f6rperlicher und geistig- seelischer Hinsicht. Deshalb sieht auch Pfarrer Anim in einem Dieb oder einem Alkoholiker ebenso eine Heilungsbed\u00fcrftigen wie in einem k\u00f6rperlich oder seelisch kranken Menschen. Das Ziel der Heilung ist eine Ver\u00e4nderung des gesamten Lebens in der Verbindung mit Jesus. Hinter Pfarrer Anim stehen 22 Gemeindeglieder, die an jedem Freitag mit ihm heilen, beten und helfen.<\/p>\n<p>Pfarrer Anim spricht von zwei Arten der Heilung: \u00bbDie eine geschieht, wenn man Arznei und Heilpflanzen gebraucht. Gott gibt den Menschen den Verstand, um gewisse Geheimnisse zu erforschen und zu entdecken. Das ist der normale Weg einer Heilung. Daneben gibt es auch nach Anim Wunderheilung durch Gebete. Sie will Menschen helfen die Macht Gottes kennen zu lernen, damit sie wissen, dass Gott da ist, damit sie sein Wirken sch\u00e4tzen und seinen Namen verherrlichen\u00ab.<\/p>\n<p>Pfarrer Anim kennt aber auch die Gefahr des geistlichen Hochmuts und bekennt von sich: \u00bbIch glaube\u00ab. Sagt er. \u00bbwenn ich prahlerisch werde, wird der Herr die Gabe der Heilung von mir nehmen. Ich m\u00f6chte bescheiden bleiben und den Ruhm Jesus \u00fcberlassen\u00ab.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p><strong><a name=\"dogm\"><\/a>Dogmatische und homiletische Entscheidung<\/strong><\/p>\n<p>Das Evangelium kennt keine Grenzen. In der Geschichte der Ausbreitung des christlichen Glaubens seit nunmehr 2000 Jahren begegnen uns Frauen und M\u00e4nner, die in ihrem Leben m\u00fchsam lernen mussten, geographische, soziale, kulturelle und sprachliche Grenzen zu \u00fcberschreiten.<br \/>\nDer Missionsauftrag ist keine christliche Sonderart.<br \/>\n<strong>Muslime<\/strong> haben beispielsweise den Auftrag, ihren Glauben weiterzugeben in Wort und Tat. Das koranische Wort f\u00fcr \u00bbMission\u00ab hei\u00dft \u00bbdawah\u00ab und bedeutet: \u00bb<em>Einladung, Ruf und Aufforderung<\/em>\u00ab. Dieser Auftrag geschieht nach dem Willen Allahs:<br \/>\n\u00bb In der Religion gibt es keinen Zwang\u201c (Sure 2, 256)Der islamische Glaube soll freiwillig durch den pers\u00f6nlichen Einsatz der Glaubenden weitergegeben werden. Deshalb kennt der Koran ein zweites Wort f\u00fcr \u00bbMission\u00ab: \u00bb<em>jihad<\/em>\u00ab. Nach Muhammad Moghaddam bedeutet jihad \u00bbpermanente Auseinandersetzung des Gl\u00e4ubigen mit dem B\u00f6sen in der Welt\u00ab. (Muhammad Moghaddam, Jihad- nicht \u00bbHeiliger Krieg\u00ab . Islamisches Echo in Europa. Siebte Folge. Islamisches Zentrum Hamburg eV. Sch\u00f6ne Aussicht 36 2000 Hamburg 76, Hamburg 1984).<br \/>\nUnd diejenigen, die sich m\u00fchen auf diesem Weg nennen sich <em>Mujaheds<\/em>. Die wichtigsten Merkmale eines Mujahed sind <em>erstens<\/em> der <em>Glaube<\/em>. Dieser bef\u00e4higt den Glaubenden, die gro\u00dfe Verpflichtung zum jihad zu erf\u00fcllen. Dabei geh\u00f6ren Glaube und Werk zusammen und bilden eine untrennbare Einheit. <em>Zweitens<\/em> die <em>Geduld<\/em> (sabr) und <em>Standfestigkeit<\/em>. <em>Drittens<\/em> die <em>Aufrichtigkeit<\/em>, deren einziges Motiv die Liebe zu Gott zu Gott sein soll (Sure 8:45-47). Der Gehorsam gegen\u00fcber Allah ist dem Gl\u00e4ubigen ans Herz gelegt. Als <em>viertes<\/em> Merkmal gilt das <em>Gottvertrauen<\/em>. Auf einem Menschen, der Gott ganz vertraut, ruht der Segen Gottes (Sure 9:50-5. Als die gr\u00f6\u00dften Hindernisse auf dem rechten Weg des Glaubens gelten nach dem Koran: Egoismus (Sure 9:24). Die sch\u00f6nen Dinge des Lebens soll der Mensch zwar nicht verachten. Aber sie k\u00f6nnen nicht Endziel des Lebens sein. Schwierigkeiten k\u00f6nnen den Menschen auf diesem Weg nicht aufhalten, denn Allah wird, so steht in Sure 2: 155-157, dem Glaubenden helfen. Die <em>Angst<\/em> h\u00e4lt nach Sure 4:77 den Menschen oft ab, sich f\u00fcr die Wahrheit und Gerechtigkeit einzusetzen. Sie kommt nach Sure 9:13 aus dem fehlenden Glauben. Die <em>Bequemlichkeit<\/em> f\u00fchrt dazu, dass viele lieber zu Hause bleiben (Sure 9:81. 86-87). Der <em>Missbrauch des Reichtums<\/em> und die Anh\u00e4ufung von Besitz schw\u00e4cht die Gl\u00e4ubigen, ihr Hab und Gut f\u00fcr die gerechte Sache einzusetzen (Sure 61: 12. Jihad ist Ausdruck des Glaubens, der aus dem Vertrauen in Gott kommt. Die Gl\u00e4ubigen sollen Gott f\u00fcrchte und versuchen, ihm nahe zu kommen und sich<em> f\u00fcr ihn einsetzen<\/em> (jihad).<\/p>\n<p>Als \u00bbHauptsache Gottes\u00ab stellte sich f\u00fcr die junge muslimische Gemeinde der existentielle Kampf gegen diejenigen heraus, die den Islam verspotteten, ablehnten, seine Entwicklung behinderten und ihn sogar aktiv bek\u00e4mpften: die Mekkaer. Im jihad k\u00e4mpfte die umma, die muslimische Gemeinde gegen die Versuchung.<\/p>\n<p>Auch die <strong>Buddhisten<\/strong> haben einen solchen Auftrag. Der Buddhismus fragt nach dem <em>Werden des Menschen. <\/em>Der Mensch ist in erster Linie ein \u201eEreignis&#8220;; er stehe in einem Proze\u00df. Wichtig sind die Handlungen des Menschen. Menschen sind, was sie aus sich machen k\u00f6nnen, durch die Aus\u00fcbung ihrer eigenen Freiheit und Anstrengung. Dharma ist Inbegriff der nat\u00fcrlichen wie der sittlichen Weltordnung. Die Evidenz des ethischen Ma\u00dfstabes erkennt der Mensch an dem erfahrbaren Zusammenhang von Tat und Folge. Den Gesellschaftsbezug der Buddhalehre begr\u00fcndet der buddhistische Lehrer Jayatilleke aus dem buddhistischen &#8222;Missionsbefehl&#8220;, der Aussendungsrede Buddhas, in der Buddha die M\u00f6nche auffordert:<br \/>\n\u00bb Geht auf die Wanderschaft, M\u00f6nche, zum Heile der Vielen, zum Segen der Vielen, aus Mitleid f\u00fcr die Welt, zum Nutzen, zum Heile, zum Segen f\u00fcr G\u00f6tter und Menschen. Geht nicht zu zweit zusammen! Zeigt, M\u00f6nche, die Lehre, die im Anfang gut ist, in der Mitte gut ist, am Ende gut ist, im Geiste (wie) im Wort. Legt zutage einen voll erf\u00fcllten, reinen Tugendwandel! Es gibt Wesen, die mit nur wenig Staub auf den Augen geboren sind; wenn sie nicht von der Lehre h\u00f6ren, werden sie verderben. Sie werden die Lehre verstehen\u00ab.<\/p>\n<p>Sowohl Ferdinand Hahn als auch Martin Hengel kommen in ihren Untersuchungen \u00fcber<strong>Urchristentum und Mission <\/strong>zum Ergebnis, dass die <em>Urchristenheit eine missionierende Kirche gewesen ist<\/em> und die gesamte Verk\u00fcndigung, die Lehre und das Handeln dem Ziel der Weitergabe des Glaubens untergeordnet war. Einen einheitlichen Begriff \u00bbMission\u00ab gibt es im Neuen Testament nicht, sondern wir haben nach Rudolf Pesch eine mindestens hundert Begriffe umfassende Terminologie im Neuen Testament zur Beschreibung der Mission.<br \/>\nDie Didache ist neben den Evangelien die wichtigste Quelle missionarischer Aktivit\u00e4ten der zw\u00f6lf Apostel.<br \/>\nUnser Text wird oft \u00bbMissionsbefehl\u00ab genannt. Die englischen Theologen gebrauchen lieber, &#8211; wie James LaGrand (The Earliest Christian Mission to \u201aAll Nations\u2019 in the Light of Matthew\u00b4s Gospel. University of South Florida. International Studies in Formative Christianity and Judaism. 1995, S. 235ff)- den Ausdruck \u00bbThe Great Commission\u00ab und erinnern daran, dass der Text Mt. 28, 16- 20 einen gro\u00dfen Einfluss auf die missionarische Bewegung der Kirche hatte.<br \/>\nSo publizierte beispielsweise William Carey 1792 sein wirkungsm\u00e4chtiges Buch, <em>An Enquiry into the Obligation of Christians to use Means for the Conversion of the Heathen<\/em> und beendete damit die bis dahin geltende reformatorische Auslegung, dass <em>die apostolic commission<\/em> nur auf die elf J\u00fcnger (und Paulus) bezogen gewesen sei. Damit begann die moderne Missionsbewegung. \u00bbThe Great Commission\u00ab ist auch der Titel der drei B\u00e4nde umfassenden <em>History of the Church Mission Society<\/em> (London 1944).<br \/>\nDie heftig diskutierte Frage, ob unser Text eine originale Formulierung des Verfassers des Matth\u00e4usevangeliums sei, oder eine sp\u00e4tere Hinzuf\u00fcgung, wird heute von den meisten Theologen dahingehend beantwortet, dass dieser Text ein integraler Teil des Matth\u00e4usevangeliums ist. Deutlich ist aus dem Zusammenhang, dass die Geschichte der Kreuzigung und Auferstehung Jesu in enger Verbindung mit dem Text Mt. 28, 16- 20 steht. Damit erhebt sich als n\u00e4chstes die Frage, wie <em>poreuthentes<\/em> in Kapitel 28, 20 zu \u00fcbersetzen ist. Normalerweise wird \u00fcbersetzt: \u00bbDarum geht hin&#8230;\u00ab. Aber das Aorist- Partizip kann auch, mit James LaGrand \u00fcbersetzt werden: \u00bbGoing therefore\u00ab. Es handelt sich nicht um einen \u00bbabsoluten Missionsbefehl\u00ab zu allen Heiden, sondern die Elf beginnen ihre Mission so wie Jesus, der vor ihnen her nach Galil\u00e4a zog (28, 7; Markus 16.7). Die Mission der Elf geschieht also so, dass sie an der Mission Jesu partizipieren sollen. Deshalb sind sowohl die Orte als auch der Auftrag gleich:\u00bb &#8230;. machet zu J\u00fcngern!\u00ab. Der Befehl ist eine \u00bbreaffirmation of the incarnational pattern of mission already exemplified by Jesus\u00ab (James LaGrand, 1997, S. 240). Die zwei Partizipien \u00bbtaufend\u00ab und \u00bblehrend\u00ab fassend en Auftrag Jesu auf Erden zusammen, das nun weltweite Geltung bekommt. Es steht unter der Verhei\u00dfung, \u00bballe Tage\u00ab oder \u00bbden ganzen Tag\u00ab und meint, heute und morgen bis zum Ende der Tage. Diese Zusage hat eine tiefere Bedeutung, wenn man bedenkt, dass die Elf J\u00fcnger nach Galil\u00e4a zu den Gojim (Heiden) gehen sollen. Die tr\u00f6stende Gewissheit, dass die J\u00fcnger auf ihrem Weg nicht allein sein werden ist zusammengefa\u00dft in den Worten: \u00bbSiehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende\u00ab. Diese Worte erinnern an Matth\u00e4us 1, 23 \u00bbsein Name ist Immanuel- Gott mit uns\u00ab. Die J\u00fcnger Jesu erleben zu allen Zeiten das Ereignis Jesu aus der Vergangenheit in der Gegenwart. Das Mandat: \u00bbseid Hingehende\u00ab gilt allen V\u00f6lkern, aber es hat seinen Anfang bei den j\u00fcdischen Landsleuten und geht weiter zu den Gojim in Galil\u00e4a. Alle, die das Evangelium geh\u00f6rt haben, werden gesandt mit der Marschordnung: \u00bbAs you go make disciples of all nations &#8230;\u00ab (James LaGrand, S. 247).<br \/>\nDie Mission Jesu Christi ist <em>Missio Dei<\/em>. Die Gemeinde f\u00fchrt diese Sendung weiter unter den gleichen Bedingungen wie der Meister. Die Begleiterscheinung der Ausbreitung des christlichen Glaubens war die Verfolgung und Unterdr\u00fcckung der Gemeinde wie die Apostelgeschichte berichtet.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Prof. Dr. Karl W. Rennstich<br \/>\nLerchenstrasse 17<br \/>\nD-72672 Reutlingen<br \/>\n<a href=\"mailto:kwrennstich@gmx.de\">Email: kwrennstich@gmx.de<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>6. Sonntag nach Trinitatis | 27. Juli 2003 | Matth\u00e4us 28,16-20 | Karl W. Rennstich | Liebe Gemeinde! Der junge Missionar war viel unterwegs auf schlechten Strassen. Oft hatte das Auto eine Panne. Reifenwechseln war die Regel. Doch immer wenn die Reifen gewechselt werden mussten, setzten sich die einheimischen Mitfahrer unter einen Baum und lie\u00dfen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":7924,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[36,440,1,727,157,853,114,305,1639,349,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-9501","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-matthaeus","category-6-so-n-trinitatis","category-aktuelle","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-kapitel-28-chapter-28","category-karl-w-rennstich","category-kasus","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9501","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9501"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9501\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23687,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9501\/revisions\/23687"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7924"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9501"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9501"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9501"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=9501"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=9501"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=9501"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=9501"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}