{"id":9516,"date":"2003-08-07T19:49:44","date_gmt":"2003-08-07T17:49:44","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9516"},"modified":"2025-05-08T11:12:45","modified_gmt":"2025-05-08T09:12:45","slug":"matthaeus-5-13-16-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-5-13-16-7\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 5, 13-16"},"content":{"rendered":"<h3>8. Sonntag nach Trinitatis | 10. August 2003 | Mt 5,13\u201316 | Hanne Sander |<\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>In der Ged\u00e4chtniskirche von Berlin &#8211; der Kirche,<br \/>\nwo man nach dem zweiten Weltkrieg einen Teil der zerbomten Kirche stehen<br \/>\nlie\u00df und daneben eine neue Kirche baute &#8211; sind der Altar und die<br \/>\nAusschm\u00fcckung des Altars sehr markant. Als ich einmal die Kirche<br \/>\nin den Ferien besuchte, kam mir der Gedanke, wie anschaulich der Altarraum<br \/>\nist in bezug auf diesen Text aus dem Matth\u00e4usevangelium und die<br \/>\nGedanken, die sich aus ihm ergeben. Ged\u00e4chtnis bzw. Erinnerung bezieht<br \/>\nsich ja nicht nur auf die Kirchenruine, die dazu beitr\u00e4gt, die Erinnerung<br \/>\nan den Krieg lebendig zu erhalten. \u00dcber dem Altar befindet sich<br \/>\neine m\u00e4chtige Christusfigur, die das Bild aus der Abendmahlsliturgie<br \/>\nvom &#8222;gekreuzigten und auferstandenen Heiland, unserem Herrn Jesus<br \/>\nChristus&#8220;, wie es in der d\u00e4nischen Abendmahlsliturgie hei\u00dft,<br \/>\nzusammenfa\u00dft. In der Darstellung liegt nach meiner Meinung mehr<br \/>\nAuferstehung und Himmelfahrt als Kreuzigung und damit wird deutlich,<br \/>\nda\u00df Ged\u00e4chtnis nicht nur Erinnerung bedeutet, sondern auch<br \/>\nAnsatz zu einem neuen Leben.<\/p>\n<p>Auf dem Altar selbst befindet sich eine Reihe von kr\u00e4ftigen, hohen<br \/>\nLeuchtern &#8211; und als ich begann, sie zu z\u00e4hlen, wurde mir schnell<br \/>\nklar, da\u00df es zw\u00f6lf sind. In der Tat, es sind zw\u00f6lf.<\/p>\n<p>Da ist ein Licht f\u00fcr jeden der zw\u00f6lf Apostel, und zu ihnen<br \/>\nwurden ja diese Worte zuerst gesprochen: &#8222;Ihr seid das Licht der<br \/>\nWelt. Es kann eine Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen<br \/>\nsein. Man z\u00fcndet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen<br \/>\nScheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause<br \/>\nsind&#8220;.<\/p>\n<p>Das klingt so unendlich selbstverst\u00e4ndlich &#8211; und dennoch so \u00fcberraschend.<br \/>\nH\u00e4tte Jesus nur gesagt: Versucht, das Licht der Welt und das Salz<br \/>\nder Erde zu sein, oder strengt euch an, das zu werden &#8211; dann k\u00f6nnten<br \/>\nwir damit vielleicht etwas leichter umgehen, um unserem Streben eine<br \/>\nRichtung zu geben. Aber der Text handelt offenbar nicht von einem Streben.<br \/>\nEs h\u00e4ngt scheinbar nichts daran, da\u00df wir uns zusammenrei\u00dfen<br \/>\nund so Licht in der Welt und Salz in der Erde werden.<\/p>\n<p>Es ist eher umgekehrt, so wie wir dies in vielen Berufungsgeschichten<br \/>\nim Alten Testament h\u00f6ren. In der Erz\u00e4hlung von Moses, der ausersehen<br \/>\nwird als der, der die Israeliten aus \u00c4gypten f\u00fchren soll &#8211;<br \/>\nund in mehreren F\u00e4llen, wo von der Berufung eines Propheten erz\u00e4hlt<br \/>\nwird, h\u00f6ren wir von einem Sich entziehen und Sich entschuldigen:<br \/>\neinmal wegen der Jugend, einmal wegen des Alters, dann wegen fehlender<br \/>\nF\u00fchrungsqualit\u00e4ten oder auch ganz allgemein: Das m\u00fcssen<br \/>\nandere besser k\u00f6nnen als ich. Jedes Mal ist da auf Seiten Gottes<br \/>\neine gewisse Ungeduld, weil ja niemals daran gedacht war, da\u00df Moses<br \/>\noder die Propheten alles allein machen sollen. Gott will mit ihnen gehen.<br \/>\nEr steht hinter ihnen als der, der sendet, und er ist vor ihnen als der,<br \/>\nder den Weg weist. So verstehe ich auch den Text hier. Wenn zu den ersten<br \/>\nJ\u00fcngern und allen anderen sp\u00e4ter gesagt wird: Ihr seid das<br \/>\nLicht der Welt und das Salz der Erde &#8211; dann auch hier nicht um zu sagen,<br \/>\nda\u00df ihr so und so gut seid, sondern um zu sagen, da\u00df euer<br \/>\nLeben eine Bestimmung hat, denn es ist da zusammen mit allen Gesch\u00f6pfen.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen versuchen, an die Bilder des Sch\u00f6pfungsberichts<br \/>\nzu denken: Die W\u00f6lbung soll die Wasser trennen, das Wasser soll<br \/>\nsich sammeln, damit die Erde zum Vorschein kommt, die Pflanzen sollen<br \/>\nSamen ausstreuen, die B\u00e4ume solle Frucht tragen, Sonne und Mond<br \/>\nsollen den Rhythmus des Tages und des Jahres anzeigen, die Fische sollen<br \/>\ndie Wasser f\u00fcllen &#8211; und die V\u00f6gel sollen zahlreich auf Erden<br \/>\nwerden. Alles hat seine Bestimmung, und die Bestimmung des Menschen ist<br \/>\nes, sich der anderen Gesch\u00f6pfe anzunehmen und Mitarbeiter der Sch\u00f6pfung<br \/>\nzu sein.<\/p>\n<p>Und erst dort, wo der Mensch Mensch ist nach seiner Bestimmung und<br \/>\nseinem Wesen wie der Baum Baum ist nach seinem Wesen, wird Gott deutlich<br \/>\nin der Welt, als Ursprung und Herkunft, als der Grund aller Dinge. Von<br \/>\nhier aus verstehe ich die Worte Jesu: &#8222;Ihr seid das Licht der Welt<br \/>\nund das Salz der Erde. Das ist unserer Bestimmung: Licht zu sein in der<br \/>\nWelt als Reflexe des g\u00f6ttlichen Lichts.<\/p>\n<p>Die zw\u00f6lf Lichter auf dem Altar erinnern zwar in erster Linie<br \/>\nan die ersten zw\u00f6lf J\u00fcnger, aber ich vermute, da\u00df wir<br \/>\nalle, jeder von uns, Menschen haben, die Salz und Licht in unserem Leben<br \/>\nwurden &#8211; die mit ihrem Leben dazu beigetragen haben, da\u00df das Dasein<br \/>\nreicher und tiefer wird, und die uns dankbar gemacht haben f\u00fcr ihr<br \/>\nund unser eigenes Leben.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich greift der Text auch einer Wirklichkeit vor, die<br \/>\neinstweilen nur in der Hoffnung und im Glauben lebendig ist, in der aber<br \/>\nGott etwas mit uns vorhat, das \u00fcber unseren Tod hinausreicht.<\/p>\n<p>Das kann man in Bildern und Visionen entfalten, so wie dies der Prophet<br \/>\nJesaja getan hat, als er seine Vision von der kommenden Herrlichkeit<br \/>\nJerusalems hatte: &#8222;Es wird der Berg des Herrn h\u00f6her sein als<br \/>\nalle Berge und \u00fcber alle H\u00fcgel erhaben, &#8230; da\u00df er uns<br \/>\nlehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen &#8230; Und er wird richten<br \/>\nunter den Heiden und zurechtweisen viele V\u00f6lker. Da werden sie ihre<br \/>\nSchwerter zu Pflugscharen und ihre Spie\u00dfe zu Sicheln machen. Denn<br \/>\nes wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden<br \/>\nhinfort nicht mehr lernen, Kriege zu f\u00fchren. Kommt nun, ihr vom<br \/>\nHause Jakob, la\u00dft uns wandeln im Licht des Herrn&#8220; (Jes. 2,2-5).<\/p>\n<p>Die Ged\u00e4chtniskirche steht zu Recht da, da\u00df wir festgehalten<br \/>\nwerden in unserer Verantwortung gegen\u00fcber den Opfern aller menschlichen<br \/>\nFinsternis in der Welt. Aber die Finsternis und die Schatten werden bestritten<br \/>\nund \u00fcberwunden von dem Leben und dem Licht, das Gott und in Christus<br \/>\ngezeigt und in uns angez\u00fcndet hat. Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pfarrerin Hanne Sander<br \/>\nPrins Valdemarsvej 62<br \/>\nDK-2820 Gentofte<br \/>\nTel.: 39 65 52 72<br \/>\n<a href=\"mailto:sa@km.dk\">e-mail: sa@km.dk<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>8. 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