{"id":9519,"date":"2003-08-07T19:49:49","date_gmt":"2003-08-07T17:49:49","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9519"},"modified":"2025-05-08T14:11:02","modified_gmt":"2025-05-08T12:11:02","slug":"matthaeus-5-13-16-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-5-13-16-3\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 5, 13-16"},"content":{"rendered":"<h3><b><span style=\"color: #000099;\">8. Sonntag nach Trinitatis | 10. August 2003 | Matth\u00e4us 5, 13-16 | Bert Hitzegrad |<\/span><\/b><\/h3>\n<p>Jesus sagt:<br \/>\n<em>\u201e 13 Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr n\u00fctze, als dass man es wegsch\u00fcttet und l\u00e4sst es von den Leuten zertreten. <\/em><br \/>\n<em>14 Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein.<\/em><br \/>\n<em>15 Man z\u00fcndet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. <\/em><br \/>\n<em>16 So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.\u201d<\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<br \/>\nWer hat es nicht im Haus &#8211; Salz? Ein gro\u00dfes Paket gleich neben dem Herd, um beim Kochen die richtige Menge zur Hand zu haben. Und dann f\u00fcr den Tisch ein kleiner Salzstreuer, f\u00fcr das Fr\u00fchst\u00fccksei, zum Nachw\u00fcrzen, wenn die Suppe mal wieder etwas fade schmeckt. Und Licht &#8211; nat\u00fcrlich haben wir viel Licht: 100 Watt, Halogen, Energiesparlampen und auch die Kerzen, die jeden Festtag begleiten und jeden Abend in eine gem\u00fctliche Atmosph\u00e4re tauchen. Salz und Licht &#8211; es gibt kaum etwas, was allt\u00e4glicher ist, was so selbstverst\u00e4ndlich zu unserem Leben hinzugeh\u00f6rt. Und es gibt kaum etwas, was schon in kleinsten Mengen solch eine gro\u00dfe Wirkung zeigt. Wenige K\u00f6rnchen Salz lassen die Freude des Gaumens h\u00f6her springen. Und die Wirkung eines einzigen Lichtes wei\u00df der zu sch\u00e4tzen, der sich beim n\u00e4chtlichen Stromausfall durch seine Wohnung tasten muss.<br \/>\nDass Salz und Licht so selbstverst\u00e4ndlich zu unserem Leben geh\u00f6ren, und dass beides bei geringster Menge eine gro\u00dfe Wirkung zeigt, hat ihnen einen besonderen Platz in der Bergpredigt Jesu eingebracht.<br \/>\n\u201e Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt!\u201d<br \/>\nSo selbstverst\u00e4ndlich kommt es aus dem Munde Jesu, dass man gar keine Zeit hat, sich zu wehren: \u201eMeister, wir h\u00e4tten gern die Wirkung von Salz und Licht, aber &#8230;? Wo tragen wir als Christen in dieser Welt dazu bei, dass das Leben seine Fadheit verliert, dass das Grau des Alltags mit der Festtagsfreude wechselt? Wo sind wir so unverzichtbar wie Salz in der Suppe oder das Licht in der Dunkelheit? Meister, willst du nicht sagen: Ihr sollt so sein? Strengt Euch an mit Eurer W\u00fcrzkraft der Liebe, lasst Eure Energien flie\u00dfen in Eure Werke der Barmherzigkeit, damit sie endlich gesehen werden, als Vorbild, als Orientierung, als Optimierung der Verh\u00e4ltnisse auf dieser Welt!\u201d<\/p>\n<p>So selbstverst\u00e4ndlich wie Jesus seine Worte sagt, so sehr scheint er \u00fcberzeugt zu sein, dass diejenigen, die in seiner Nachfolge leben, so wirkungsvoll sind wie Salz und Licht: \u201eIhr seid das Salz, keine Frage! Kann denn Salz wirklich seine Wirkung verlieren? Wenn Ihr Euch zu mir bekennt, dann wird das auch nach au\u00dfen dringen &#8230; Salz, das nicht salzt, das gib es nicht. Licht, das nicht scheint, ist kein Licht. Helligkeit, W\u00e4rme, Liebe, kann nicht im verborgenen bleiben. Deshalb &#8211; Ihr seid es! Oder ihr seid es nicht, das Salz f\u00fcr den Wohlgeschmack, das Salz, das reinigt und auch vor F\u00e4ulnis bewahrt. Und ihr seid das Licht, das den Weg zeigt, keine Tranfunzeln, sondern klares, deutliches, helles Licht, das Richtung und Orientierung gibt.\u201d<br \/>\nSind wir es &#8211; oder sind wir es nicht?<\/p>\n<p>Gerda D\u00f6ring war es &#8211; Salz der Erde, Licht der Welt. Ich habe von ihr in diesem Sommer gelesen in einem kleinen B\u00fcchlein, das einen Ausschnitt aus ihrem Leben wiedergibt (F. Grotjahn, Eine Gerechte, Bochum 2002). Als ich aus ihrem Leben las und gleichzeitig schon den Predigttext vor Augen hatte, da wusste ich: Hier wird etwas erz\u00e4hlt von diesem Salz, wie es w\u00fcrzen kann, vielleicht auch brennt in den Wunden, die gerissen wurden, und hier wird ein Licht beschrieben, ein kleines, unscheinbares Licht, dass sich aber gegen die ganze Dunkelheit der Nazi-Zeit behaupten kann.<\/p>\n<p>Gerda D\u00f6ring war Pfarrfrau in der N\u00e4he von Hildesheim. 1939 hatte ihr Mann dort seine erste Pfarrstelle \u00fcbernommen, kurz danach wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. Bei der Schlacht um Stalingrad wurde er vermisst. Die Gemeinde ohne Pastor wurde von der Pfarrfrau versorgt, am Sonntag hielt Gerda D\u00f6ring die Gottesdienste. Zwei kleine Kinder hatten die D\u00f6rings, Georg und Dorothea. Und &#8211; Gerda D\u00f6ring nahm 1943 ein drittes Kind zu sich: Sarah Herzberg. Sarah kam aus Berlin, war vier Jahre alt. Nach au\u00dfen hie\u00df es: Sie kommt aus der von Bomben bedrohten Gro\u00dfstadt auf das Land. Doch der eigentliche Grund war: Der nationalsozialistische Rassenwahn machte auch vor Kindern nicht halt. Sarahs Vorname machte es schon deutlich: Sie war ein j\u00fcdisches Kind. Sarah &#8211; diesen Namen mussten in der Nazi-Zeit alle Frauen zus\u00e4tzlich zu ihrem eigenen Namen im Ausweis tragen, Hinweis darauf, dass sie Nachkommen der biblischen Sarah, Ahnfrau des Volkes Israel, sind.<br \/>\nDie vierj\u00e4hrige Sarah liebte ihren Namen. Doch von nun an sollte sie &#8211; um nicht aufzufallen &#8211; Magdalene hei\u00dfen. Zum Schutz des Kindes nimmt Gerda D\u00f6ring den Kampf auf sich. Den Kampf mit dem kleinen M\u00e4dchen, das die Welt nicht versteht und noch weniger die Pflegemutter; den Kampf mit der Dorfbev\u00f6lkerung, die ahnt, wer in Wahrheit das Kind ist, aber den Mut der Pastorenfrau anerkennt; und den Kampf gegen den linientreuen B\u00fcrgermeister und Polizisten des Dorfes &#8230; Ein Kampf, der ihr schlaflose N\u00e4chte beschert.<\/p>\n<p>Magdalene &#8211; Sarah Herzberg hat den Krieg \u00fcberlebt, dank Gerda D\u00f6ring. Doch gedankt hat sie ihr daf\u00fcr nicht. Gerda D\u00f6ring konnte es verstehen: \u201eImmer die Gefahr, dass sie sich verraten k\u00f6nnte. Und so lebte sie entweder im Haus wie in einem Kindergef\u00e4ngnis, oder, wenn wir ins Dorf gingen, hatte ich sie an der Hand\u201d sagt Gerda D\u00f6ring. \u201eSie muss sich wie an mich gekettet gef\u00fchlt haben, wie eine Gefangene an die sie begleitende Aufseherin.\u201d<\/p>\n<p>Wenn man ihr, Gerda D\u00f6ring, sagen w\u00fcrde, sie war so ein Salz, das w\u00e4hrend der Nazizeit die W\u00fcrde und die W\u00fcrze des Lebens bewahrt hat, ob sie es auch so gesehen h\u00e4tte? Und dass sie als Licht gegen die braune Tr\u00fcbung der Zeit Richtung und Orientierung gegeben hat, so dass sogar der B\u00fcrgermeister kurz vor Ende des Krieges sich vertrauensvoll in den Lichtkreis stellt, den die couragierte Pfarrfrau umgab? Vielleicht w\u00fcrde Gerda D\u00f6ring eher von den Schatten sprechen, von den K\u00e4mpfen, von dem fehlenden Dank und von dem Wunsch Sarah Herzbergs, nach dem Krieg keinen Kontakt mehr zu ihr zu haben.<\/p>\n<p>Salz der Welt und Licht der Erde &#8211; sie sind nicht, <em>noch nicht<\/em> so eindeutig und klar zu finden.<br \/>\nVielleicht kommt daher die Unsicherheit, die entsteht, wenn wir die Worte Jesu h\u00f6ren: \u201eIhr seid es!\u201d Und wir wissen doch, dass so viel an Kraft und Liebe noch fehlt.<br \/>\nUnd dennoch: Ohne diejenigen, die die Liebe Jesu in diese Welt tragen, w\u00e4re das Leben hoffnungsloser und die Erde noch dunkler. Denn mit dem Zuspruch Jesu hat sein Reich schon l\u00e4ngst begonnen &#8211; \u201eIhr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt.\u201d Gegen die Meinungen, dass alles schlechter wird, auch in unseren Kirchengemeinden, das Salz, das den Wohlgeschmack des Reiches Gottes verbreitet; gegen den Anschein, dass in unserer Gesellschaft jeder nur noch an sich denkt, der Lichtschein, der von jedem ausgeht, der in seinem N\u00e4chsten das Ebenbild Gottes sieht.<\/p>\n<p>Woher hatte Gerda D\u00f6ring die Kraft, das Versteckspiel durchhalten, bis dann im Fr\u00fchjahr 1945 das kleine Dorf durch die Amerikaner befreit wurde und Sarah Herzberg als \u201eGerette\u201d nach Israel \u00fcbersiedeln konnte?<\/p>\n<p>Ich denke, es war ihr Glaube, der einfach da war und der ausstrahlen musste. Nein, Gerda D\u00f6ring wollte keine Heldin sein und keine gl\u00e4nzende Gestalt in der sonst so tr\u00fcben Zeit.<br \/>\nSie wollte sich selbst nicht ins rechte Licht setzten, sondern dem j\u00fcdischen M\u00e4dchen in aller Dunkelheit der Zeit einen Hoffnungsschimmer geben &#8211; in aller Gebrochenheit, in aller Zweideutigkeit.<\/p>\n<p>Weil Christus selbst das Licht ist, deshalb kann unser Leben hell werden, deshalb k\u00f6nnen wir durchscheinend sein wie ein buntes Fensterglas f\u00fcr seine Liebe.<br \/>\nWeil Christus selbst Heil und Heilung bringt, deshalb ist unser Leben voll vom Salz des Lebens, mit dem wir wirken und w\u00fcrzen k\u00f6nnen in dieser Welt.<br \/>\nEs kommt also nicht auf unsere Kraft an, auf unseren guten Willen und unseren Wunsch zu helfen. Es geht um die Frage des Glaubens und des Vertrauens. Ein Vertrauen, das sich unter den Segen Gottes stellt, von ihm alles erwartet, von ihm alles erh\u00e4lt. Ein Glaube, der einfach da ist und dann ausstrahlt &#8211; Licht, reichlich Licht, weil Christus es in unsere Herzen gibt, und ein Glaube der austeilt, Salz, nicht in dicken Klumpen die Suppe versalzend, sondern fein und wohlschmeckend, damit ein k\u00f6stlicher Vorgeschmack des Reiches Gottes auf unserer Zunge liegt.<br \/>\nEin Glaube &#8211; so selbstverst\u00e4ndlich, so hilfsbereit, mit soviel Liebe und soviel Mut wie bei Gerda D\u00f6ring. Ein Glaube &#8211; so selbstverst\u00e4ndlich wie Salz und Licht.<\/p>\n<p>\u201eIhr seid das Salz der Erde,\u201d hat Rudolf Otto Wiemer einmal gedichtet, \u201evielleicht nur ein Korn, aber das Korn, man wird es schmecken.\u201d<br \/>\nIhr seid das Licht der Welt, vielleicht nur ein Funke, aber der Funke f\u00e4llt hell auf den Weg.\u201d Amen.<\/p>\n<p>Liedvorschlag:<br \/>\n\u201e Ihr seid das Salz der Erde\u201d mit dem Text von R.O.Wiemer nach der Melodie von Fritz Baltruweit.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pastor Bert Hitzegrad<br \/>\nClaus-Meyn-Stra\u00dfe 11<br \/>\n21781 Cadenberge<br \/>\n<a href=\"mailto:BHitzegrad@aol.com\">eMail: BHitzegrad@aol.com<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>8. Sonntag nach Trinitatis | 10. August 2003 | Matth\u00e4us 5, 13-16 | Bert Hitzegrad | Jesus sagt: \u201e 13 Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr n\u00fctze, als dass man es wegsch\u00fcttet und l\u00e4sst es von den Leuten zertreten. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":13360,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[36,462,1,727,157,481,853,114,150,349,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-9519","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-matthaeus","category-8-so-n-trinitatis","category-aktuelle","category-archiv","category-beitragende","category-bert-hitzegrad","category-bibel","category-deut","category-kapitel-5-chapter-5","category-kasus","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9519","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9519"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9519\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23721,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9519\/revisions\/23721"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/13360"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9519"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9519"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9519"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=9519"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=9519"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=9519"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=9519"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}