{"id":9534,"date":"2003-08-07T19:49:51","date_gmt":"2003-08-07T17:49:51","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9534"},"modified":"2025-05-08T14:43:58","modified_gmt":"2025-05-08T12:43:58","slug":"lukas-189-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-189-14\/","title":{"rendered":"Lukas 18,9\u201314"},"content":{"rendered":"<h3>11. Sonntag nach Trinitatis | 31. August 2003 | Lukas 18,9\u201314 | Gerlinde Feine |<\/h3>\n<p><em>&#8222;Er sagte aber zu einigen, die sich anma\u00dften,<\/em>\u00a0<em>fromm zu sein, und verachteten <\/em><em>die andern, dies Gleichnis: Es gingen<\/em>\u00a0<em>zwei Menschen<\/em>\u00a0<em>hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharis\u00e4er, der andere<\/em>\u00a0<em>ein Z\u00f6llner. Der Pharis\u00e4er stand f\u00fcr sich und betete so:<\/em>\u00a0<em>Ich danke dir, Gott, da\u00df ich nicht bin wie die andern Leute, R\u00e4uber,<\/em>\u00a0<em>Betr\u00fcger, Ehebrecher oder auch wie dieser Z\u00f6llner. Ich faste<\/em>\u00a0<em>zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme.<\/em>\u00a0<em>Der Z\u00f6llner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben<\/em>\u00a0<em>zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir S\u00fcnder<\/em>\u00a0<em>gn\u00e4dig! Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein<\/em>\u00a0<em>Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erh\u00f6ht, der wird erniedrigt<\/em>\u00a0<em>werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erh\u00f6ht werden.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Diese Geschichte ist sprichw\u00f6rtlich. Jedes Kind kennt sie; selbst<br \/>\nvon Kirchenfernen wird sie gerne erz\u00e4hlt und ihre Moral am liebsten<br \/>\nanderen unter die Nase gerieben! Denken Sie nur einmal daran, welch schlechten<br \/>\nRuf \u201ePharis\u00e4er\u201c haben, was ihnen alles angedichtet wird<br \/>\nund wof\u00fcr sie herhalten m\u00fcssen: Selbstgerechtigkeit, Fr\u00f6mmelei,<br \/>\nDoppelmoral, sogar Heuchelei, mit der Unglaube kaschiert wird: all das<br \/>\nsind Kennworte f\u00fcr pharis\u00e4isches Wesen geworden, und nur allzu<br \/>\nschnell sind wir bereit, jemanden einen \u201ePharis\u00e4er\u201c zu<br \/>\nhei\u00dfen, dem wir die frommen Reden nicht abnehmen, dem wir unterstellen<br \/>\nwollen, da\u00df es hinter der Fassade dieser Reden und Handlungen ganz<br \/>\nanders, eben ganz unfromm aussieht. Da\u00df es sich mit diesem Menschen<br \/>\nverh\u00e4lt wie mit dem Getr\u00e4nk gleichen Namens: Sieht aus wie<br \/>\nCappuccino; ist aber Schnaps drin\u2026<\/p>\n<p>Eigentlich h\u00f6chste Zeit f\u00fcr eine Ehrenrettung! Denn dieses<br \/>\nGleichnis ist nicht erz\u00e4hlt worden, um die einen, die ausgewiesen<br \/>\nFrommen im Lande, diejenigen, die mit ihrer ganzen Lebensf\u00fchrung<br \/>\nsehr bewu\u00dft versuchen, die biblischen Gebote zu erf\u00fcllen,<br \/>\num die als Heuchler zu diffamieren und im gleichen Atemzug die anderen,<br \/>\ndie \u201eZ\u00f6llner\u201c, zu Vorbildern zu machen. Die haben sich<br \/>\nschlie\u00dflich durch Betr\u00fcgereien und Wucher unter ihren Zeitgenossen<br \/>\neinen eher unr\u00fchmlichen Namen gemacht. Die Z\u00f6llner, das mu\u00df man<br \/>\nsich heute klarmachen, das waren zur Zeit Jesu die Kollaborateure der<br \/>\nr\u00f6mischen Besatzungsmacht, diejenigen, die sich bereicherten an<br \/>\nder Besetzung des Heimatlandes, die mithalfen, das Geld f\u00fcr die<br \/>\nUnternehmungen des jeweiligen r\u00f6mischen Kaisers einzutreiben, und<br \/>\ndie selbst nicht schlecht daran verdienten. Vorbildlich war ihr Lebenswandel<br \/>\nsicher nicht, und wenn Jesus bei einem von ihnen, Zach\u00e4us, einkehrte,<br \/>\ndann bestimmt nicht, um ihn in seinem Tun zu best\u00e4rken, sondern<br \/>\num ihn durch seine Zuwendung davon abzubringen. Oder um mit Paulus auf<br \/>\ndiese Geschichte zu reagieren (R\u00f6m 6,1\u20134): &#8222;Was sollen wir<br \/>\nnun sagen? Sollen wir denn in der S\u00fcnde beharren, damit die Gnade<br \/>\numso m\u00e4chtiger werde? Das sei ferne! Wie sollten wir in der S\u00fcnde<br \/>\nleben wollen, der wir doch gestorben sind? Oder wi\u00dft ihr nicht,<br \/>\nda\u00df alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in<br \/>\nseinem Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in<br \/>\nden Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit<br \/>\ndes Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln.&#8220;<\/p>\n<p>Und damit sind wir beim eigentlichen Problem der Geschichte: Nicht um \u201efromm\u201c oder \u201eunfromm\u201c,<br \/>\num selbstgemachte oder um geschenkte Rechtfertigung geht es, sondern<br \/>\ndarum, wie Leben in der Nachfolge gestaltet werden kann. Es geht um die<br \/>\nArt und Weise, mit Gott zu reden und von ihm, um die Ausdrucksformen,<br \/>\ndie das Geschenk findet, das Glaube hei\u00dft, und um das Verh\u00e4ltnis<br \/>\nder Menschen zueinander, die dieses Geschenk bekommen haben und die dennoch<br \/>\nunterschiedlich darauf reagieren. \u00c4hnlich haben wir es vorhin auch<br \/>\nin der Lesung aus dem Epheserbrief geh\u00f6rt: &#8222;Aus Gnade seid ihr selig<br \/>\ngeworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht<br \/>\naus Werken, damit sich nicht jemand r\u00fchme&#8220; \u2013 soweit h\u00e4tte<br \/>\ndie Pharis\u00e4erbeschimpfung dann doch ihr Recht, denn da\u00df der<br \/>\nPharis\u00e4er sich im Angesicht Gottes f\u00fcr etwas Besseres halten<br \/>\nkann als der Z\u00f6llner, das ist nun wirklich tadelnswert. Aber die<br \/>\nEpistel geht noch ein wenig weiter: &#8222;Wir sind sein Werk, geschaffen in<br \/>\nChristus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, da\u00df wir<br \/>\ndarin wandeln sollen&#8220;. Da ist sie dann doch, die Ehrenrettung f\u00fcr<br \/>\nalle, die sich dar\u00fcber im Klaren sind, da\u00df Gott sie aus purer<br \/>\nGnade gerecht gemacht und zum Glauben an ihn gebracht hat &#8211; und die trotzdem<br \/>\nseine Gebote halten und sie wom\u00f6glich auch noch gerne tun, weil<br \/>\nsie f\u00fcr sie Ausdruck der Dankbarkeit sind, Antwort auch auf das<br \/>\nGeschenk Gottes und nur billiger Ausdruck ihrer Zugeh\u00f6rigkeit zu<br \/>\nseiner Gemeinde.<\/p>\n<p>Um vielleicht etwas deutlicher zu machen, was ich damit meine, m\u00f6chte<br \/>\nich Ihnen zwei Herren vorstellen, die den im Gleichnis vom Pharis\u00e4er<br \/>\nund vom Z\u00f6llner nur angedeuteten Konflikt dazu benutzt haben, ihre<br \/>\nLebensgestaltung nebeneinander und aneinander zu entwickeln. Zwei Theologieprofessoren<br \/>\nsind es, Wilhelm Amesius hie\u00df der eine, Johannes Maccovius der<br \/>\nandere &#8211; und beide sind schon mehr als 350 Jahre tot. An der Universit\u00e4t<br \/>\nFraneker in den Niederlanden haben sie gemeinsam, wenn auch zerstritten,<br \/>\ngelehrt. Doch obwohl die beiden aus der Distanz betrachtet vielleicht<br \/>\nkeine zentrale Rolle in der Geschichte der Theologie gespielt haben m\u00f6gen,<br \/>\nist die Frage, \u00fcber der sie sich voneinander entfernt und miteinander<br \/>\nzerstritten haben, auch f\u00fcr uns von zentraler Bedeutung, und mit<br \/>\nletzter Sicherheit wird sie sich erst am Tage der Wiederkunft Christi<br \/>\nbeantworten lassen.<\/p>\n<p>Beginnen wir jedoch zun\u00e4chst mit dem, worin sich Maccovius und<br \/>\nsein Kollege Amesius einig waren! F\u00fcr beide stand fest, worin auch<br \/>\nwir uns einig sind, n\u00e4mlich: Gott regiert in einer Gnade, die st\u00e4rker<br \/>\nist als alles andere. Gott ist absolut souver\u00e4n in dem, was er tut,<br \/>\nund deshalb steht es ihm frei, aus Gnaden selig zu machen, wen er will,<br \/>\nganz egal, welches Leben dieser Mensch gef\u00fchrt hat. Allein aus Gnade!<br \/>\nF\u00fcr unsere beiden Kontrahenten war diese Feststellung enorm wichtig;<br \/>\nsie hatte Konsequenzen nicht nur f\u00fcr dieses Leben, sondern \u00fcber<br \/>\nden Tod hinaus. Uns modernen Menschen sind diese Konsequenzen nicht bewu\u00dft;<br \/>\nsie werden auch vielfach grunds\u00e4tzlich bezweifelt. Aber es gibt<br \/>\nsie, und das zu wissen, war f\u00fcr Maccovius und Amesius Grundvoraussetzung<br \/>\nihrer Lebensgestaltung. Man mu\u00df aber noch etwas wissen: Die beiden<br \/>\ngingen davon aus, da\u00df das Schicksal eines Menschen im Bezug auf<br \/>\nGott schon vor Beginn aller Zeit vorherbestimmt wurde und da\u00df sie<br \/>\nselbst darauf keinen Einflu\u00df nehmen k\u00f6nnten, ob ihr Weg zum<br \/>\newigen Heil oder zur ewigen Verdammnis f\u00fchren w\u00fcrde. Das aber<br \/>\nhatte dann bei beiden ganz unterschiedliche Auswirkungen!<\/p>\n<p>Amesius, der von seiner eigenen Erw\u00e4hlung felsenfest \u00fcberzeugt<br \/>\nwar \u2013 w\u00e4re er sonst Professor geworden? \u2013 , sah sich<br \/>\ndurch dieses Geschenk Gottes besonders herausgefordert: War es nicht<br \/>\nseine Pflicht, Gott f\u00fcr diese Gnadengabe durch einen entsprechenden<br \/>\nLebenswandel zu danken? Nicht, um sich Gottes Gnade zu verdienen, sondern<br \/>\num sich ihrer w\u00fcrdig zu erweisen. Und so lebte Amesius untadelig,<br \/>\nvielleicht eine Spur zu streng, wie sein Portr\u00e4t erz\u00e4hlt. Seine<br \/>\nAmtsgesch\u00e4fte f\u00fchrte er tadellos. Nie feierte er einen Tag<br \/>\nkrank. Schulden hatte er nicht, sondern teilte sein Geld so ein, da\u00df noch<br \/>\ngen\u00fcgend f\u00fcr den Zehnten blieb, f\u00fcr die freiwillige Abgabe<br \/>\nvon 10 % des Einkommens f\u00fcr die Kirche (nicht 7% von soundsoviel<br \/>\n%, wie das jetzt bei der Kirchensteuer ist). Wie der Pharis\u00e4er im<br \/>\nGleichnis gab er Geld f\u00fcr die Armen und betete h\u00e4ufig. Auch<br \/>\nseine Familie hielt er dazu an. Alles h\u00e4tte in Ordnung sein k\u00f6nnen,<br \/>\nw\u00e4re da nicht Maccovius gewesen, sein Kollege.<\/p>\n<p>Der n\u00e4mlich machte eine ganz andere Rechnung auf. Wenn, so sagte<br \/>\ner sich, ohnehin alles von Gottes Gnade abh\u00e4ngt, die ich mir nicht<br \/>\nverdienen kann und auf die ich ganz und gar angewiesen bin, dann will<br \/>\nich auch nicht den Anschein erwecken, als k\u00f6nne man \u201edurch<br \/>\ndes Gesetzes Werke\u201c etwas dazutun zum eigenen Heil. Im Gegenteil,<br \/>\nwenn Gott dem S\u00fcnder gn\u00e4dig ist, dann kommt es auf eine ausreichende<br \/>\nZahl von S\u00fcnden an! Und Maccovius bem\u00fchte sich, seine Sache<br \/>\nebenso recht zu machen wie sein Kollege, nur eben anders. Zur Vorlesung<br \/>\nkam er meistens zu sp\u00e4t, er war schlecht gekleidet, h\u00e4ufig<br \/>\nbetrunken und hatte jede Menge Spielschulden, daf\u00fcr aber auch einige<br \/>\nFreundinnen, die sich den Spa\u00df was kosten lie\u00dfen. Wegen seines<br \/>\neher unsoliden Lebenswandels war auch sein Privatleben alles andere als<br \/>\nharmonisch \u2013 heute w\u00fcrden wir sagen: eine gescheiterte Existenz.<\/p>\n<p>Doch wurde Maccovius darauf angesprochen, wurde ihm gar sein Kollege<br \/>\nAmesius als Vorbild hingestellt, dann reagierte er meist mit einem Hinweis<br \/>\nauf unseren Predigttext. Ein Pharis\u00e4er sei der andere, der seine<br \/>\nFr\u00f6mmigkeit zur Schau stelle und sich \u201eallzu fromm\u201c f\u00fchlte.<br \/>\nAmesius pflegte dann sofort zu kontern und von der Scheinheiligkeit der<br \/>\nZ\u00f6llner zu sprechen, die Gottes Gnade weidlich ausnutzten, indem<br \/>\nsie sich einfach hinstellten und mit dem Satz: \u201eGott, sei mir S\u00fcnder<br \/>\ngn\u00e4dig\u201c alles rechtfertigten, was sie angestellt h\u00e4tten.<br \/>\nAls ob Glaube nicht eine Lebens\u00e4nderung, eine Umkehr zum Guten in<br \/>\nsich tr\u00fcge\u2026 .<\/p>\n<p>Wer mag den Streit der beiden entscheiden? Wer von beiden hat den Sinn<br \/>\ndes Gleichnisses vom Pharis\u00e4er und vom Z\u00f6llner verstanden?<br \/>\nIch denke: Keiner von beiden! Und ich sage das nicht, weil mir diese<br \/>\nMenschen wie Amesius immer suspekt waren, die so unheimlich sicher durchs<br \/>\nLeben gehen, bei denen es keine Kompromisse, keine Br\u00fcche in der<br \/>\nBiographie gibt und nicht den Hauch eines Zweifels. Ich sage das aber<br \/>\nauch nicht, weil es mir fadenscheinig und ungerecht vorkommt, die Unverf\u00fcgbarkeit<br \/>\nder Gnade Gottes als Ausrede f\u00fcr einen grunds\u00e4tzlichen Mangel<br \/>\nan Selbstdisziplin und Verbindlichkeit zu benutzen. Ich sage: Keiner<br \/>\nvon beiden hat Recht, und: keiner von beiden hat das Gleichnis wirklich<br \/>\nverstanden, weil Jesus selbst am Schlu\u00df des Predigttextes weder<br \/>\nden allzu Frommen noch den hartn\u00e4ckig Unfrommen recht gibt: &#8222;Denn<br \/>\nwer sich selbst erh\u00f6ht, der wird erniedrigt werden; und wer sich<br \/>\nselbst erniedrigt, der wird erh\u00f6ht werden.&#8220; Zwar ist es tats\u00e4chlich<br \/>\nproblematisch, durch eigenes frommes Tun pl\u00f6tzlich aus dem Anspruch<br \/>\nGottes an uns \u2013 Gutes zu tun, mit anderen zu teilen, die 10 Gebote<br \/>\nhalten und was alles mehr \u2013 aus diesem Anspruch von au\u00dfen<br \/>\nalso einen eigenen Anspruch zu machen, den Anspruch n\u00e4mlich, da\u00df man<br \/>\nvon sich aus dem von Gott Geforderten selber gen\u00fcgen k\u00f6nne<br \/>\nund wolle. Aber genau das ist ja auch das Mi\u00dfverst\u00e4ndnis des<br \/>\nProfessor Maccovius. Der bringt sich selbst in die Position des Z\u00f6llners<br \/>\nund stellt sich unter die Gnade Gottes, aber nicht, weil ihm sein vergangenes<br \/>\nLeben nun auf einmal falsch und verfehlt vork\u00e4me, sondern weil er<br \/>\nsich diese Z\u00f6llner-Position bewu\u00dft ausgesucht hat und in ihr<br \/>\nwohl f\u00fchlt &#8211; und sich deshalb genauso \u201eselbst erh\u00f6ht\u201c wie<br \/>\nder Kollege Pharis\u00e4er. Aber die \u201eMoral\u201c unseres Predigttextes<br \/>\nlautet nicht: Werdet alle Z\u00f6llner, werdet alle korrupt, habgierig,<br \/>\nr\u00fccksichtslos, ohne R\u00fcckgrat, \u201edamit die Gnade um so<br \/>\nreichlicher wirke\u201c. Und sie hei\u00dft auch nicht: \u201eWehe<br \/>\neuch, wenn ihr euch um das Einhalten der Gebote Gottes m\u00fcht, weh<br \/>\neuch, wenn ihr Geld f\u00fcr die Armen spendet und feste Zeiten des Gebetes<br \/>\neinhaltet.\u201c Die Moral des Predigttextes lautet: Wenn ihr Gutes<br \/>\ntut oder betet, so schaut nicht nach links oder rechts, um euch mit anderen<br \/>\nzu vergleichen und euch selbst zu versichern, da\u00df ihr eure Sache<br \/>\nbesonders gut macht. Wenn ihr Gutes tut oder betet, dann wi\u00dft,<br \/>\nda\u00df ihr gemeinsam unterwegs seid mit denen, die gerade erst angefangen<br \/>\nhaben auf dem Weg des Glaubens, die zum ersten Mal vor Gott standen mit<br \/>\ndem Satz \u201eHerr, sei mir S\u00fcnder gn\u00e4dig.\u201c \u2013 Ich<br \/>\nmu\u00df das gar nicht weiter auf unsere Situation \u00fcbertragen.<br \/>\nJede und jeder von uns mag bei sich selbst bedenken, wie es sich verh\u00e4lt.<br \/>\nIn unseren Gruppen und Kreisen etwa, ob da auch nachgefragt und nachgez\u00e4hlt<br \/>\nwird, wie t\u00fcchtig und engagiert die anderen sind. Im Kirchengemeinderat<br \/>\noder beim Gemeindefest, an unseren Arbeitspl\u00e4tzen und in den Familien<br \/>\ngilt\u2019s: Jeder und jede tue das seine oder ihre dazu, ohne zu messen<br \/>\nund zu vergleichen, in dem Bewu\u00dftsein, da\u00df Pharis\u00e4er<br \/>\nund Z\u00f6llner bei ihrem Gebet im Tempel nebeneinander stehen und miteinander<br \/>\nangewiesen sind auf die Gnade Gottes. Dieses gemeinsame Gebet kann dann<br \/>\nschon dazu beitragen, da\u00df einer dem anderen hilft, sein Leben neu<br \/>\nzu organisieren \u2013 aber nur dann, wenn der andere schon soweit ist,<br \/>\nda\u00df er das auch will. Dieses gemeinsame Gebet lenkt den Blick weg<br \/>\nvom Nachbarn und bewahrt davor, ihn st\u00e4ndig zu vergleichen und einzuordnen,<br \/>\naus ihm wahlweise einen Pharis\u00e4er oder einen Z\u00f6llner zu machen.<br \/>\nDies gemeinsame Gebet richtet uns aus auf unseren Herrn und lehrt uns,<br \/>\nso zu leben, wie er es will &#8211; als die Auserw\u00e4hlten und Geheiligten,<br \/>\nals die Hilfreichen und Mitleidenden, als die Schuldbeladenen und Dankbaren:<br \/>\nzweifelnd und glaubensstark, kraftlos und mutig zugleich. Nicht mehr<br \/>\nund nicht weniger. Wenn wir das begriffen haben, dann ist die Geschichte<br \/>\nvom Pharis\u00e4er und vom Z\u00f6llner \u201eentsch\u00e4rft\u201c und<br \/>\nkann nicht mehr als Waffe gegen andere gerichtet werden. Dann k\u00f6nnen<br \/>\nwir gemeinsam einstimmen in das Lob Gottes, wie es auch im n\u00e4chsten<br \/>\nLied (wenn Sie wollen, sogar vierstimmig) zum Ausdruck kommt: \u201eIch<br \/>\nsinge dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Lust, ich sing und<br \/>\nmach auf Erden kund, was mir von dir bewu\u00dft.\u201c Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pfarrerin Gerlinde Feine<br \/>\nRohrgasse 4<br \/>\n72131 Ofterdingen<br \/>\n<a href=\"mailto:gerlinde.feine@cityinfonetz.de\"> gerlinde.feine@cityinfonetz.de<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>11. Sonntag nach Trinitatis | 31. August 2003 | Lukas 18,9\u201314 | Gerlinde Feine | &#8222;Er sagte aber zu einigen, die sich anma\u00dften,\u00a0fromm zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis: Es gingen\u00a0zwei Menschen\u00a0hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharis\u00e4er, der andere\u00a0ein Z\u00f6llner. 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