{"id":9556,"date":"2003-09-07T19:49:52","date_gmt":"2003-09-07T17:49:52","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9556"},"modified":"2025-05-08T17:45:21","modified_gmt":"2025-05-08T15:45:21","slug":"matthaeus-6-24-34","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-6-24-34\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 6, 24-34"},"content":{"rendered":"<h3><b><span style=\"color: #000099;\">15. Sonntag nach Trinitatis | 28. September 2003 | Matth\u00e4us 6, 24-34 |<\/span><\/b><b><span style=\"color: #000099;\"> Hanne Sander |<\/span><\/b><\/h3>\n<p>Immer wieder taucht das auf im Alten wie im Neuen Testament: Sorget nicht! Man denke an die Erz\u00e4hlung vom Manna in der W\u00fcste, wie es schief ging, als die Israeliten hamsterten und sich nicht damit begn\u00fcgen wollten, Manna f\u00fcr einen Tag zu sammeln, wie ihnen gesagt worden war. Oder die Erz\u00e4hlung vom reichen Mann und dem armen Lazarus, wo der reiche Mann ein Narr genannt wird, weil er nun sterben mu\u00df, gerade jetzt, wo er beschlossen hatte, es etwas langsamer angehen zu lassen und zu leben. Oder wir k\u00f6nnen an die Geschichte vom reichen J\u00fcngling denken. Er kommt zu Jesus und fragt nach einem sinnvollen Leben, aber wenn es drauf ankommt, kann er sich nicht von seinem materiellen \u00dcberflu\u00df trennen.<\/p>\n<p>Und nun hier in dem Teil der Bergpredigt Jesu, dem heutigen Predigttext: Sorget nicht um euer Leben. Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen.<\/p>\n<p>In den biblischen Erz\u00e4hlungen wird also auff\u00e4llig oft der enge Zusammenhang zwischen Besitz und Unfreiheit hervorgehoben. Der Drang, etwas zu besitzen und sich zu sichern, wird schnell zu einer d\u00e4monischen und tyrannischen Begierde, die uns bindet und unfrei macht und besorgt. Vielleicht sind das auch die Texte, die am verschiedensten gelesen werden, denn je nach Auslegung hat das zu Phantasten und Tr\u00e4umern gef\u00fchrt, es sind weltfremde Asketen daraus hervorgegangen.<\/p>\n<p>Menschen haben den Text hier geh\u00f6rt und ihn als Begr\u00fcndung daf\u00fcr benutzt, von allem Weltlichen Abstand zu nehmen und das Dasein in eine geistliche und eine sinnliche Welt aufzuteilen, wobei man die letztere verachten mu\u00dfte. Sie hatten ja geh\u00f6rt, da\u00df sie nicht sorgen sollten, sondern erst nach dem Reiche Gottes trachten sollten. Das konnte auch zu religi\u00f6ser und kirchlicher Bequemlichkeit und Faulheit f\u00fchrten. Verantwortungslosigkeit gegen\u00fcber der Gesellschaft und der politischen Welt, in der wir leben.<\/p>\n<p>Meist aber wird der Text hier wohl als ein sch\u00f6ner Text und ein bewegendes Bild wahrgenommen, aber so fern von der Wirklichkeit, in der wir leben, da\u00df es uns schwer f\u00e4llt ihn ernst zu nehmen.<\/p>\n<p>Ja es ist recht leicht, den Text umzukehren, indem man ihn kritisiert und sagt, da\u00df er unsere Wirklichkeit und unseren Alltag nicht ernst nimmt. Denn wo f\u00fchrt das hin, wenn wir uns keine Sorgen machen? Wie w\u00fcrde die Welt aussehen, wenn wir nicht \u00fcber den heutigen Tag hinausblicken w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Wir haben ja schon l\u00e4ngst kapituliert und dem Eigentumsrecht und dem Drang zum Besitz nachgegeben, und wir haben deshalb weithin akzeptiert, da\u00df Begier und ihr Begleiter der Neid das sind, was unsere Gewohnheiten bestimmt und die Art und Weise, inder wir unser Dasein einrichten. Und dann mu\u00df man sich nat\u00fcrlich sorgen und etwas nachsichtig \u00fcber ein Evangelium den Kopf sch\u00fctteln, das etwas anderes \u00fcber die Wirklichkeit sagt.<\/p>\n<p>Oder ist das noch eine andere M\u00f6glichkeit: Statt da\u00df wir den Text umkehren &#8211; lassen wir uns selbst vom Text umkehren.<\/p>\n<p>Denn wenn wir im Ernst damit anfangen, auf den Text zu h\u00f6ren, dann betreffen die Worte, da\u00df wir nicht sorgen sollen, ganz entscheidend das, was wir gew\u00f6hnlich die Wirklichkeit nennen. Denn wo ist der, der sich sorgt, eigentlich &#8211; in Wirklichkeit? Ja der, der sich sorgt, ist eigentlich selten wirklich gegenw\u00e4rtig. Denn entweder h\u00e4ngt er fest am gestrigen Tag &#8211; in Sorge &#8211; oder er ist schon beim morgigen Tag &#8211; in Sorge.<\/p>\n<p>Im heutigen Tag &#8211; der wirklich ist &#8211; da ist der, der sich sorgt, nur scheinbar.<\/p>\n<p>In dieses Schneinleben bricht Jesus ein mit seiner Hilfe &#8211; mit Worten, die zugleich scharf und trostreich sind:<\/p>\n<p>Ihr Kleingl\u00e4ubigen: Das ist kennzeichnend f\u00fcr unser Leben, da\u00df wir kein Vertrauen haben zu anderen als uns selbst, da\u00df wir keinen Glauben haben an andere Sicherheit als die, die wir selbst aufbauen k\u00f6nnen, da\u00df wir nicht mit dem Reich Gottes rechnen, sondern nur mit unserem eigenen Reich, und da\u00df wir uns deshalb mit unserem sorgenden Sichern unserer selbst vom Leben und von einander entfernen.<\/p>\n<p>Aber dann h\u00e4lt uns Jesus daf\u00fcr das helle uns starke Bild vor Augen: Seht die V\u00f6gel des Himmels. Seht, wie die Liljen des Feldes wachsen. Er will damit sagen: Versucht, darauf aufmerksam zu sein, da\u00df ihr im tiefsten Sinne von dem lebt, wof\u00fcr ihr nicht selbst gesorgt habt &#8211; das Leben geh\u00f6rt in diesem Sinne nicht uns, sondern Gott. Wir sollen es ausf\u00fcllen, in der Tat, aber beachte wieder, wie diese Form der Abh\u00e4ngigkeit eine unendliche Befreiung bedeutet.<\/p>\n<p>Der Vogel lebt sein Vogelleben voll aus, er singt aus Freude \u00fcber das Licht, und er sorgt f\u00fcr den heutigen Tag, sorgt f\u00fcr das Nest und f\u00fcr die Jungen.<\/p>\n<p>Die Blumen leben ihr Blumenleben voll aus: Sie strecken sich aus nach der Sonne mit ihrem warmen Licht, \u00f6ffnen sich f\u00fcr den Regen, entfalten sich, solange es Tag ist.<\/p>\n<p>Sie k\u00f6nnen in der Tat unsere Lehrmeister sein &#8211; und deshalb wollen wir nun singen:<\/p>\n<p>Nun lob, mein Seel, den Herren,<br \/>\nwas in mir ist, den Namen sein.<br \/>\nSein Wohltat tut er mehren,<br \/>\nvergi\u00df es nicht, o Herze mein.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pfarrerin Hanne Sander<br \/>\nPrins Valdemarsvej 62<br \/>\nDK-2820 Gentofte<br \/>\nTel.: 39 65 52 72<br \/>\n<a href=\"mailto:sa@km.dk\">e-mail: sa@km.dk<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>15. 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