{"id":9557,"date":"2003-09-07T19:49:46","date_gmt":"2003-09-07T17:49:46","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9557"},"modified":"2025-05-08T17:47:42","modified_gmt":"2025-05-08T15:47:42","slug":"matthaeus-6-24-34-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-6-24-34-3\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 6, 24-34"},"content":{"rendered":"<h3>15. Sonntag nach Trinitatis | 28. September 2003 | Mt 6,24\u201334 | Karl W. Rennstich |<\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Gott und Mammon sind die tiefsten Gegens\u00e4tze. Die Macht des G\u00f6tzen<br \/>\nMammon ist die Sorge. Was bedeutet Sorge?<\/p>\n<p>\u201dAls einst die \u00bbSorge\u00ab \u00fcber einen Fluss ging,<br \/>\nsah sie tonhaltiges Erdreich: sinnend nahm sie davon ein St\u00fcck und<br \/>\nbegann es zu formen. W\u00e4hrend sie bei sich dar\u00fcber nachdenkt,<br \/>\nwas sie geschaffen, tritt Jupiter hinzu. Ihn bittet die \u00bbSorge\u00ab,<br \/>\ndass er dem geformten St\u00fcck Ton Geist verleihe. Das gew\u00e4hrt<br \/>\nihr Jupiter gern.<\/p>\n<p>Als sie ihrem Gebilde nun ihren Namen beilegen wollte, verbot das Jupiter<br \/>\nund verlangte, dass ihm sein Name gegeben werden m\u00fcsse.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend er den Namen die \u00bbSorge\u00ab und Jupiter um den<br \/>\nNamen stritten, erhob sich die Erde (Tellus) und begehrte, dass dem Gebilde<br \/>\nihr Name beigelegt werden, da sie ja doch ihm ein St\u00fcck ihres Leibes<br \/>\ndargeboten habe. Die Streitenden nahmen Saturn zum Richter. Und ihnen<br \/>\nerteilte Saturn folgende anscheinend gerechte Entscheidung:\u00bbDu,<br \/>\nJupiter, weil du den Geist gegeben hast, sollst bei seinem Toden den<br \/>\nGeist, du, Erde, weil du den K\u00f6rper geschenkt hast, sollst den K\u00f6rper<br \/>\nempfangen. Weil aber die\u00bbSorge\u00ab dieses Wesen zuerst gebildet,<br \/>\nso m\u00f6ge, solange es lebt, die \u00bbSorge\u00ab es besitzen. Weil<br \/>\naber \u00fcber den Namen Streit besteh, so m\u00f6ge es \u00bbHomo\u00ab hei\u00dfen,<br \/>\nda er aus Humus (Erde) gemacht ist.\u201c<\/p>\n<p>( Die Cura Fabel des Hyginus, in: Martin Heidegger, Sein und Zeit,<br \/>\n8. Aufl. 1957, S. 198).<\/p>\n<p>\u00bbSorge\u00ab (Cura) ist \u00e4ngstliche Bem\u00fchung, Sorgfalt<br \/>\nund Hingabe. Sie geh\u00f6rt zum Wesen des Menschen. Der Mensch sorgt sich um die Zukunft<br \/>\nund um sein Leben. Er macht sich Sorgen. Das gr\u00f6\u00dfte Sorgenkind<br \/>\ndes modernen Menschen ist die Zukunftssicherung. Sorge f\u00e4llt nicht<br \/>\num und man sorgt sich eher alt als reich. Sorgen macht graue Haare und<br \/>\naltert ohne Jahre und frisst den Weisen wie Rost das Eisen. Wen Sorgen<br \/>\ngrau machen, der ist wirklich arm, denn mit blo\u00dfen Sorgen kann<br \/>\nman keinen Strohhalm zerbrechen.<\/p>\n<p>Jesus war ein Jude. Er sprach und dachte also hebr\u00e4isch und aram\u00e4isch.<br \/>\nDas Wort, das wir in unserem Text finden \u2013 merimnao- hat eine vom<br \/>\ndeutschen Wort \u00bbsorgen\u00ab abweichende Bedeutung. Aus der Wurzel<br \/>\n(s)mer w\u00e4chst neben gedenken, sorgen auch marturea und martus, bezeugen<br \/>\nund Zeugnis. Wie im lateinischen Wort cura sollen \u00e4ngstliches Bem\u00fchen,<br \/>\nSorgfalt und Hingabe ihre Bl\u00fcten treiben und Fr\u00fcchte bringen.<\/p>\n<p>Die umfangreichste Zusammenfassung zum Thema Sorge finden wir in unserem<br \/>\nText und in der so genannten Feldrede (Lukas 12,22-31). Beide wenden<br \/>\nsich gegen Irrtum, der Mensch k\u00f6nne durch kurzfristige Sicherung<br \/>\nder Lebensbed\u00fcrfnisse seine Zukunft sichern. Sorgen ist deshalb<br \/>\nt\u00f6richt, weil das Leben mehr als die Speise ist. Der Sorgende kann<br \/>\nsein Leben und seine Zukunft letztlich nicht sichern.<\/p>\n<p>Den engen Zusammenhang von Gott und Mammon hat Franziskus von Assisi<br \/>\nim Gespr\u00e4ch mit dem Bischof von Assisi auf einen Nenner gebracht:<\/p>\n<p>Der Bischof von Assisi sagte eines Tages zu Franziskus: \u201dEure<br \/>\nArt, ohne Besitz zu leben, scheint mir sehr hart und schwer.\u201c \u201dHerr\u201c,<br \/>\nantwortet er, \u201dwenn wir G\u00fcter bes\u00e4\u00dfen, h\u00e4tten<br \/>\nwir Waffen zu unserer Verteidigung n\u00f6tig; denn da ist die Quelle<br \/>\nder Streitigkeiten und der Prozesse, und die Liebe Gottes und der N\u00e4chsten<br \/>\npflegt daran viele Hindernisse zu finden. Das ist der Grund, warum wir<br \/>\nkeine zeitlichen G\u00fcter haben wollen.\u201c (L. Ragaz, Die Bergpredigt<br \/>\nJesu, GTB Siebenstern 451,S. 133).<\/p>\n<p>Der s\u00e4kularisierte Jude Karl Marx war der Meinung, alles B\u00f6se<br \/>\nkomme vom Privateigentum und der korrumpierenden Macht des Geldes &#8211; daher<br \/>\nsei das Problem des B\u00f6sen mit der Abschaffung des Eigentums automatisch<br \/>\ngel\u00f6st. Dies hat sich als schwerer Irrtum erwiesen.<\/p>\n<p>Heute fordern Neoliberale &#8211; wie Hans-Olaf Henkel eine \u201eEthik des<br \/>\nErfolgs und sehen das Heil der Welt in der Umsetzung dieser Ethik. Gordon<br \/>\nA. Craig sieht Deutschland als \u201eeine Gesellschaft, die mittels<br \/>\nGeld Werte in Ware umwandeln konnte&#8220;. (\u00dcber die Deutschen,<br \/>\nM\u00fcnchen 1985, 2, S.124) Dieses Verst\u00e4ndnis von F\u00fchrertum<br \/>\nund gnadenloser Ausbeutung besteht bis heute in der globalen Form des \u201eRaubtierkapitalismus\u201c weiter.<\/p>\n<p>Hier geht es letztlich um die Gegen\u00fcberstellung von \u201eReligion<br \/>\nund Glaube.\u201c Dahinter versteckt sich die Frage nach dem wahren<br \/>\noder falschen Gott. Glaube, Vertrauen\u201c (pistis) stehen im Zentrum<br \/>\nder Bibel. Die fr\u00fchen Christen lehnten den r\u00f6mischen Begriff<br \/>\nreligio (Religion) ab und benutzten daf\u00fcr bewusst den Begriff pistis.<br \/>\nMuslime nennen ihren Glauben Islam und verstehen darunter die freiwillige<br \/>\nUnterwerfung unter den Willen Allahs. Deshalb nennen sie sich Muslime.<br \/>\nDie klassische Form von \u201eReligion\u201c in der westlichen Gesellschaft<br \/>\nist heute der Kapitalismus. Der Konsum als Wesensmerkmal des Kapitalismus<br \/>\nbeansprucht alle Menschen und wird zum Gott, \u201ean den der Mensch<br \/>\nsein Herz h\u00e4ngt\u201c (M. Luther).<\/p>\n<p>Die Zukunft liege in der Hand dieses neuen Glaubens und nicht mehr in<br \/>\nGottes Hand wie einst nach christlicher Tradition. Das dem Selbsterhaltungstrieb<br \/>\ndes Menschen dienende Geld tr\u00e4gt quasi-religi\u00f6se Z\u00fcge.<br \/>\nDiesen heute weithin versch\u00fctteten und fremd anmutenden Gott der<br \/>\nBibel m\u00fcssen wir Christen in Deutschland wieder entdecken.<\/p>\n<p>Schon der englische \u00d6konom John Maynard Keynes (1883- 1946) hat<br \/>\nmit theologischer Pr\u00e4zision den Gegensatz des biblischen und koranischen<br \/>\nGottesverst\u00e4ndnisse zum kapitalistischen Gottesverst\u00e4ndnis<br \/>\nder \u201eReligion ohne Gott\u201c herausgearbeitet. Das System der<br \/>\nreligi\u00f6sen Macht der Kapitalismus- Religion ist nach Keynes die<br \/>\nGeldwirtschaft. Sie ist nicht neutral. Gott dieser neuen Religion ist<br \/>\ndas Geld. Es ist allm\u00e4chtig und allgegenw\u00e4rtig. Alles ist f\u00fcr<br \/>\nGeld zu haben. Auch dieser Geld-Gott ist auf Glauben angewiesen. Geld<br \/>\nwird durch den Glauben an das Geld gedeckt. Auf ihn richten sich Vertrauen,<br \/>\nTreue, Sicherheit, Geborgenheit, Mut zur Zukunft, Liebe, Hoffnung, uners\u00e4ttliches<br \/>\nBegehren, Haltungen die religionsph\u00e4nomenologisch gegen\u00fcber<br \/>\nGott gelten. Geld ist zum \u201eSakrament der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft\u201c geworden,<br \/>\nzum sichtbaren Zeichen der unsichtbaren Gnade.\u201c<\/p>\n<p>Weltanschauung ist heute Geldanschauung (G. Fuchs, Geldanschauung. Aufgabenbeschreibung<br \/>\nf\u00fcr eine konkrete Theologie, in: Diakonia 19 (1988) , S. 256). Der<br \/>\nneue Geld-Gott bestimmt alle Ma\u00dfst\u00e4be, er entscheidet \u00fcber<br \/>\ngelingendes oder gescheitertes Leben, er ist Vorsehung und er vermittelt,<br \/>\nwie einst die kirchlichen Sakramente, zwischen Immanenz und Transzendenz.<br \/>\nGeld wird zum absoluten Wert: Es kann nicht beherrscht werden, es herrscht<br \/>\naber \u00fcber allen Dingen. Als alles bestimmende metaphysische Wirklichkeit<br \/>\nist es das Medium, das die Welt im Innersten zusammenh\u00e4lt. Geld<br \/>\nwird zum god-term, zum Gottesbegriff der Moderne und ersetzt als Bindungskraft<br \/>\nfortan die bisherige Religion, \u201edenn die Bedeutung des Geldes r\u00fchrt\u201c nach<br \/>\nJ. M. Keynes (Allgemeine Theorie der Besch\u00e4ftigung des Zinses und<br \/>\ndes Geldes, VI , Berlin 5 1974, S. 248) \u201eim wesentlichen daher,<br \/>\ndass es ein Verbindungsglied zwischen der Gegenwart und der Zukunft darstellt\u201c.<br \/>\nEs verursacht die geringsten Unerhaltskosten und kann nicht verderben.<br \/>\nGleichzeitig hat es die h\u00f6chste Liquidit\u00e4t. Es dient vor allem<br \/>\nder Vorsorge f\u00fcr die Zukunft. Damit ist das zentrale Moment des<br \/>\nKapitalismus beschrieben. Er ist darin religi\u00f6s, dass er mittels<br \/>\nGeld Zukunftsvorsorge betreibt.<\/p>\n<p>\u201eSorge\u201c nennt Walter Benjamin die Geisteskrankheit des Kapitalismus<br \/>\nim Zusammenhang mit Knappheit. Religionen waren immer mit dem Ph\u00e4nomen<br \/>\ndes Todes und der Sorge um die Zeit nach dem Tod besch\u00e4ftigt. Im<br \/>\ns\u00e4kularen Zeitalter des Kapitalismus schrumpft die Vorsorge f\u00fcr<br \/>\ndie Zukunft auf den \u00fcberschaubaren Zeitraum von finanziellen Transaktionen<br \/>\nzusammen. Die Religion des Kapitalismus konzentriert sich mit Hilfe des<br \/>\nGeldes auf die Sorge vor der nicht beherrschbaren Zukunft. Vorsorge wird<br \/>\nhier zur Religion. Die zentrale Anweisung der Bergpredigt \u201eSorget<br \/>\neuch nicht!\u201c (Matth\u00e4us 6,25) steht bei Jesus im Zusammenhang<br \/>\nmit dem Reich Gottes und damit der Gerechtigkeit. Sorgen ist Kennzeichen<br \/>\nder \u201eHeiden\u201c. Die \u201eReich-Gottes\u201c- Anh\u00e4nger<br \/>\nbitten um das, was zum Leben notwendig ist (Matth\u00e4us 6, 11), sie<br \/>\nbeschr\u00e4nken sich auf die ausreichende t\u00e4gliche Ration. Das<br \/>\nist das Kennzeichen der biblischen \u00d6konomie und hat das Manna (2.<br \/>\nMose 16) zum Vorbild, von dem wir lernen, dass alles, was \u00fcber den<br \/>\nTag hinaus gehend gesammelt wird, verfault und f\u00fcr die Verbraucher<br \/>\nsch\u00e4dlich wird. Der Glaube an die Knappheit f\u00fchrt zu Ungerechtigkeit;<br \/>\nder Verzicht auf Vorsorge dagegen kommt aus dem Glauben an die F\u00fclle<br \/>\ndes g\u00f6ttlichen Segens, der die Lilien auf dem Feld pr\u00e4chtiger<br \/>\nkleidet als der weise und umsichtige Herrscher Salomo. Diese Form von<br \/>\nVorsorge dient dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit.<\/p>\n<p>Keynes sieht den Weg in die Zukunft darin, die alten Forderungen nach<br \/>\nder Abschaffung der Zinsen, wie sie im Judentum, im Islam und in der<br \/>\nKirche bis zum ausgehenden Mittelalter vorhanden sind, nicht mehr\u201eals<br \/>\neinen praktischen Ausweg aus einer t\u00f6richten Theorie\u201c zu betrachten,<br \/>\nsondern \u201eals eine ehrliche, intellektuelle Bem\u00fchung, auseinander<br \/>\nzu halten, was die klassische Theorie unaufl\u00f6slich durcheinander<br \/>\ngebracht hat, n\u00e4mlich den Zinsfu\u00df und die Grenzleistungsf\u00e4higkeiten<br \/>\ndes Kapitalismus. Das biblische Zinsverbot (2. Mose 22, 24; 3. Mose 25,<br \/>\n35-37; 5. Mose 23, 20-21) will die Bereicherung einiger weniger in der<br \/>\nZukunft auf Kosten der Not der Armen in der Gegenwart verhindern. Grund<br \/>\nund Boden geh\u00f6ren Gott und nicht dem Menschen. F\u00fcr alle ist<br \/>\ngenug da, wenn nicht einige auf Kosten anderer ihre Zukunft sichern.<\/p>\n<p>Hier wird der Gegensatz deutlich zwischen einem \u201everschuldenden<br \/>\nKultus\u201c, der das Schuldbewusstsein auf alles ausdehnt und sogar<br \/>\nGott darin einbezieht (Benjamin), und einem Gott, der die Schuld vergibt,<br \/>\nauf dass auch wir vergeben unseren Schuldigern.<\/p>\n<p>Thomas Ruster (Der verwechselbare Gott. Herder, Freiburg i.Br. 2001)sieht<br \/>\nden gro\u00dfe Unterschied zwischen dem christlichen Glauben und der<br \/>\nherrschenden \u201dReligion des Geldes\u201c. Vorsorge und Nicht-sorgen-<br \/>\nzu brauchen sind die Trennungslinie zwischen dem \u201eGott\u201c der<br \/>\nBibel und \u201eMammon\u201c, dem Gott der s\u00e4kularen Kapitalismus-Religion.<\/p>\n<p>Sorge und Vorsorge k\u00f6nnen wir treffen, aber oft kommt alles dann<br \/>\nganz anders. Sch\u00f6n fasst das eine Chinesische Parabel zusammen,<br \/>\ndie wir bei Hermann Hesse (Mit der Reife wird man immer j\u00fcnger,<br \/>\ninsel taschenbuch 2857,S. 133f) finden:<\/p>\n<p>\u201dEin alter Mann mit Namen Chunglang, das hei\u00dft \u00bbMeister<br \/>\nFelsen\u00ab, besa\u00df eine kleines Gut in den Bergen. Eines Tages<br \/>\nbegab es sich, dass er eins von seinen Pferden verlor. Da kamen die Nachbarn,<br \/>\num ihm zu diesem Ungl\u00fcck ihr Beileid zu bezeigen.<\/p>\n<p>Der Alte aber fragte: \u00bbWoher wollt ihr wissen, dass das ein Ungl\u00fcck<br \/>\nist?\u00ab Und siehe da: einige Tage darauf kam das Pferd wieder und<br \/>\nbrachte ein ganzes Rudel Wildpferde mit. Wiederum erschienenen die Nachbarn<br \/>\nund wollten ihm zu diesem Gl\u00fccksfall ihre Gl\u00fcckw\u00fcnsche<br \/>\nbringen.<\/p>\n<p>Der Alte vom Berge aber versetzte: \u00bbWoher wollt ihr wissen, dass<br \/>\nes ein Gl\u00fccksfall ist?\u00ab<\/p>\n<p>Seit nun so viele Pferde zur Verf\u00fcgung standen, begann der Sohn<br \/>\ndes Alten eine Neigung zum Reiten zu fassen, und eines Tages brach er<br \/>\ndas Bein. Da kamen sie wieder, die Nachbarn, um ihr Beileid zum Ausdruck<br \/>\nzu bringen. Und abermals sprach der Alte zu ihnen:\u201dWoher wollt<br \/>\nihr wissen, dass dies ein Ungl\u00fccksfall ist?\u00ab<\/p>\n<p>Im Jahr darauf erschien die Kommission der \u00bbLangen Latten\u00ab in<br \/>\nden Bergen, um kr\u00e4ftige M\u00e4nner f\u00fcr den Stiefeldienst des<br \/>\nKaisers und als S\u00e4nftentr\u00e4ger zu holen. Den Sohn des Alten,<br \/>\nder noch immer seinen Beinschaden hatte, nahmen sie nicht. Chunglang<br \/>\nmusste l\u00e4cheln.\u201c<\/p>\n<p>Wahr ist: \u201dSuchet vielmehr zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit,<br \/>\nso wird euch das alles hinzugef\u00fcgt werden.\u201c<\/p>\n<p>Amen.<br \/>\n<a name=\"dogm\"><\/a><\/p>\n<p><strong>Dogmatische und homiletische Entscheidung<\/strong><\/p>\n<p>Wir gehen davon aus, dass Matth\u00e4us 5-7 eine Einheit bilden. Diese<br \/>\nEinheit ist bekannt unter dem Namen Bergpredigt. Sie ist weder ein moralisches<br \/>\nGesetz noch eine Utopie, sondern nach L. Ragaz (Die Bergpredigt Jesu,<br \/>\nG\u00fctersloher Taschenb\u00fccher GTB 451, 1987, S. 8f) durchaus realistisch<br \/>\nund beschreibt den Weg Gottes im Gegensatz zum Weg der Welt und religi\u00f6sen<br \/>\nMoral. In der Bergpredigt sind Ordnung und Gesetz des Reiches Gottes<br \/>\nzusammengefasst.<br \/>\nDie Bergpredigt ist wie W. D. Davies, (Die Berg Predigt, M\u00fcnchen 1970)<br \/>\nsch\u00f6n herausarbeitet, Teil des Matth\u00e4usevangeliums und eingebettet<br \/>\nin dieses Evangelium, das eine klare Struktur aufweist 1-2 (Prolog, Geburtsgeschichte:3,1-<br \/>\n425 Erz\u00e4hlendes Material; 5,1-7,27 die Bergpredigt. Dem folgen Buch 2<br \/>\nbis 5, eingeleitet durch bestimmte Formeln (7,28f; 11,1; 13,53; 19, 1; 26,1).<br \/>\nDer neue Mose, der neue Exodus und die \u00dcberbietung der mosaischen Kategorien<br \/>\nsind die wichtigsten Punkte, wenn man der Pentateuchtheorie folgt. Im Kontext<br \/>\nder j\u00fcdischen Messiaserwartung stehen der neue Bund und die Tora, der<br \/>\nKnecht Gottes und sein Gesetz, sowie Zion und die Tora im Vordergrund.<br \/>\nJesus war ein Lehrer. Er rief J\u00fcnger zu sich. Seine Autorit\u00e4t war<br \/>\nautonom. Er dr\u00fcckte seine Lehre im Imperativ aus- nicht in der unter Rabbinen \u00fcblichen<br \/>\nPartizipform- und ben\u00fctzte die Heilige Schrift als Zeuge f\u00fcr sich<br \/>\nselbst. Das Wesen der J\u00fcngerschaft Jesu erwuchs als Antwort auf den Ruf<br \/>\nJesu in die Nachfolge.<br \/>\nDas Konzept der Liebe ist zweifellos die beste Zusammenfassung der ethischen<br \/>\nLehre Jesu. Das Wesen der Liebe offenbart Jesus selbst. Beim genauen Hinsehen<br \/>\nwird deutlich, dass die Imperative der Bergpredigt in sich selbst Indikative<br \/>\nsind. So besteht das Evangelium zugleich aus Gabe und Forderung und zwar einer<br \/>\nForderung, die verwirklicht werden muss: \u201dAn ihren Fr\u00fcchten sollt<br \/>\nihr sie erkennen.\u201c<br \/>\nWir konzentrieren uns hier auf die Sorge.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Prof. Dr. Karl W. Rennstich<br \/>\nBei der Kirche 2<br \/>\n72574 Bad Urach-Seeburg<br \/>\nTel: +49-(0)7381-3215 Fax: +49-(0)7381-501234<br \/>\nE-mail: kwrennstich@gmx.de <\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>15. Sonntag nach Trinitatis | 28. September 2003 | Mt 6,24\u201334 | Karl W. Rennstich | Liebe Gemeinde! Gott und Mammon sind die tiefsten Gegens\u00e4tze. Die Macht des G\u00f6tzen Mammon ist die Sorge. 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