{"id":9567,"date":"2003-10-07T19:49:47","date_gmt":"2003-10-07T17:49:47","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9567"},"modified":"2025-05-08T18:10:38","modified_gmt":"2025-05-08T16:10:38","slug":"lukas-12-13-21","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-12-13-21\/","title":{"rendered":"Lukas 12, 13-21"},"content":{"rendered":"<h3>16. Sonntag nach Trinitatis \/ Erntedank | 5. Oktober 2003 | Lukas 12,13\u201321 | Manfred Wussow |<\/h3>\n<p>1.<br \/>\nDer gr\u00f6sste Unternehmer des Dorfes war in der Nacht gestorben. Ihm<br \/>\ngeh\u00f6rten die L\u00e4ndereien, soweit die Augen reichten \u2013 und<br \/>\nso schien es, auch die Menschen. F\u00fcr ihn arbeiteten hier alle. \u201eEin<br \/>\narmes Schwein\u201c, sagten die Leute. Was hat er jetzt? Dass er sich<br \/>\nnoch vergr\u00f6ssern wollte (oder musste), wie die Leute sagten \u2013 war<br \/>\nder Traum von gestern. Wer ihn n\u00e4her kannte, wusste von seinen Pl\u00e4nen.<br \/>\nDie guten Gesch\u00e4ftszahlen legten eine Expansion nahe. Die Risiken<br \/>\nwaren \u00fcberschaubar. Aber wer konnte sagen, was das f\u00fcr ein<br \/>\nMensch war, der mit seinem Namen, seinen Ideen und seinem schier unergr\u00fcndlichen<br \/>\nElan dahinter stand? Wer wusste, was in seinem Kopf umging? Wer kannte<br \/>\nseine Einsamkeit? Geredet wurde viel. Nicht immer gut. War wohl auch<br \/>\nmanches H\u00fchnchen zu rupfen. Aber dass am Ende der reiche Kornbauer<br \/>\nwie ein armes Schwein da steht, liegt wie ein Schatten \u00fcber ihm.<br \/>\nDie ganzseitigen Todesanzeigen werden das zu verbergen wissen.<\/p>\n<p>Predigttext:<br \/>\n16 Und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Mensch,<br \/>\ndessen Feld hatte gut getragen. 17 Und er dachte bei sich selbst und<br \/>\nsprach: Was soll ich tun? Ich habe nichts, wohin ich meine Fr\u00fcchte<br \/>\nsammle. 18 Und sprach: Das will ich tun: Ich will meine Scheunen abbrechen<br \/>\nund gr\u00f6\u00dfere bauen und will darin sammeln all mein Korn und<br \/>\nmeine Vorr\u00e4te 19 und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele,<br \/>\ndu hast einen gro\u00dfen Vorrat f\u00fcr viele Jahre; habe nun Ruhe,<br \/>\niss, trink und habe guten Mut! 20 Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr!<br \/>\nDiese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird dann<br \/>\ngeh\u00f6ren, was du angeh\u00e4uft hast? 21 So geht es dem, der sich<br \/>\nSch\u00e4tze sammelt und ist nicht reich bei Gott.<\/p>\n<p>2.<br \/>\nJesus, der die Geschichte erz\u00e4hlt, h\u00f6rt nicht, was die Leute<br \/>\nso sagen \u2013 auf dem Marktplatz, bei der Arbeit, da, wo der reiche<br \/>\nKornbauer eigentlich auftauchen k\u00f6nnte. Jesus h\u00f6rt dem reichen<br \/>\nKornbauern zu. Der f\u00fchlt sich unbeobachtet. Niemand ist bei ihm.<br \/>\nSeine Gedanken w\u00e4gen die Gesch\u00e4ftsperspektiven ab. Die Bilanzzahlen<br \/>\nliegen vor ihm, die betriebswirtschaftliche Auswertung, die kurz- und<br \/>\nmittelfristige Planung. Seine Leute haben ganze Arbeit geleistet. Eine<br \/>\ngute Ernte! Gleich in mehrfacher Hinsicht.<br \/>\nEr wird die Lagerh\u00e4user erweitern, mehr noch: die alten abreissen<br \/>\nund neue bauen. Es sieht nach Neuanfang aus und stellt doch nur das Erreichte<br \/>\nf\u00fcr alle dar, qm um qm, drinnen und draussen. Die Strecke bis hierhin<br \/>\nwar nicht leicht. Sequenz f\u00fcr Sequenz erobern Erinnerungen die Gedanken,<br \/>\nverfliessen geradezu ineinander. Es ist geschafft. Ein Sto\u00dfseufzer<br \/>\ntief aus der Seele. Du kannst es jetzt leichter angehen, sagt sich der<br \/>\nreiche Kornbauer. Jetzt ist Konsolidierung angesagt. Wachstum in der<br \/>\nBreite. Langfristig gesichert. Morgen schon wird er es seinen Leuten<br \/>\nsagen, erst seinen F\u00fchrungskr\u00e4ften, dann allen. Mit neuen Zielen,<br \/>\nversteht sich.<br \/>\nDie Geschichte, wie sie Jesus erz\u00e4hlt, nimmt ab da eine unerwartete,<br \/>\ngeradezu befremdliche Wendung. Anstatt das Erreichte zu w\u00fcrdigen,<br \/>\nheisst es nur lapidar: \u201eDu Narr! Diese Nacht wird man deine Seele<br \/>\nvon dir fordern.\u201c Ob der reiche Kornbauer das geh\u00f6rt \u2013 oder<br \/>\nverstanden \u2013 hat? Ob es einfach unterging, wie ein Gedanke, der<br \/>\nweggewischt wird? Ob \u00fcberhaupt die Bereitschaft da war, noch auf<br \/>\netwas anderes zu h\u00f6ren als auf Zahlen, Pl\u00e4ne und Tr\u00e4ume?<br \/>\nWenn \u2013 muss es wie ein Blitz eingeschlagen sein: \u201eDu Narr\u201c.<br \/>\nAber keine Zeit mehr f\u00fcr ein Aha-Erlebnis, keine Einsicht, die Leben<br \/>\nneu formen k\u00f6nnte. \u201eDu Narr\u201c als letztes Urteil. Als<br \/>\nTodes-Urteil.<\/p>\n<p>Mir wird unbehaglich. Ich kenne Menschen, die stolz und zufrieden davon<br \/>\nerz\u00e4hlen, was sie erreicht haben, die die Widerst\u00e4nde, die<br \/>\nArbeit, die M\u00fchen schildern und ganz gl\u00fccklich sind, aus dem<br \/>\nGr\u00f6bsten raus zu sein, ja, an Schwierigkeiten gewachsen zu sein \u2013 wie<br \/>\nsie sagen. Ich h\u00f6re ihnen zu, verstehe sie. Schliesslich k\u00f6nnte<br \/>\nich meine Geschichte dazu tun. Sieht sie denn wirklich so anders aus?<br \/>\nMir ist doch auch nichts in den Schoss gefallen. Abends beim Gl\u00e4schen<br \/>\nWein zu sagen: Habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut \u2013 dass<br \/>\nk\u00f6nnte eine Offenbarung sein. Nach vielen kleinen und grossen Erfahrungen,<br \/>\nEntt\u00e4uschungen, Versuchen und und \u2026. Die Freiheit, sich die<br \/>\nTretm\u00fchle einmal von aussen anzusehen, wom\u00f6glich auszusteigen.<br \/>\nEinfach Mensch zu sein.<br \/>\nEs ist ein Gl\u00fccksfall (und Vertrauensbeweis), wenn ein Mensch davon<br \/>\nerz\u00e4hlt, was er zu sich selbst sagt, wenn er sein Innerstes \u00f6ffnet,<br \/>\nsich auf den Grund der Seele blicken l\u00e4sst. Ich k\u00e4me doch nie<br \/>\nauf die Idee, ihn (oder mich) einen Narren zu schimpfen. Manchmal denke<br \/>\nich es. Dann wird mir noch unbehaglicher. Aber in Worte zu fassen, f\u00e4llt<br \/>\nmir schwer. Wer ist ein Narr?<\/p>\n<p>3.<br \/>\nLukas, Evangelist, Berichterstatter und Herausgeber in einer Person,<br \/>\nhat klare Vorstellungen von dem, was Narrheit ist \u2013 und er scheut<br \/>\nsich auch nicht, einen Menschen als \u201eNarr\u201c zu bezeichnen,<br \/>\nmenschliches Feingef\u00fchl hin, seelsorgerliche Diskretion her. Was<br \/>\nich nicht kann \u2013 oder darf \u2013 Lukas hat den Freimut dazu und<br \/>\ndie Erfahrung auf seiner Seite. Jetzt k\u00f6nnen wir dar\u00fcber reden,<br \/>\nunsere Vorstellungen vom Leben abw\u00e4gen, ja, uns etwas sagen lassen.<br \/>\nLetztlich liegt viel Weisheit in dem, was der Evangelist mit seinem Namen<br \/>\nbezeugt. Narr ist, wer sich ausliefert: an Reichtum, Ansehen und Erfolg.<br \/>\nLukas weiss etwas, was unter uns nicht unumstritten ist. Nicht der Mensch<br \/>\nbesitzt Geld, einen Ruf oder seine gesellschaftliche Stellung \u2013 es<br \/>\nsind diese Dinge, die ihn besitzen, mehr noch: ihn besetzen und besetzt<br \/>\nhalten. Die Gedanken, Entscheidungen, Hoffnungen. Es kann dann auch kein \u201ezur\u00fcck\u201c mehr<br \/>\ngeben. Ein + sollte immer vor den Zahlen stehen. Zumindest muss der Standard<br \/>\ngehalten werden. Die Konflikte sind vorprogrammiert. Die st\u00e4ndige<br \/>\nBeobachtung des Marktwertes, das Taxieren von M\u00f6glichkeiten, immer<br \/>\nam Ball bleiben. Dass das gesundheitlich an die Substanz gehen kann,<br \/>\nk\u00f6nnen Menschen erz\u00e4hlen, die einen Infarkt hinter sich haben \u2013 ungef\u00e4hrlich<br \/>\nist das Unternehmen nicht, die Dinge im R\u00fccken, ein Getriebener<br \/>\nzu sein. Nein, der reiche Kornbauer war auf einem guten Weg: Ruhe finden,<br \/>\nZeit f\u00fcr Essen und Trinken haben, guten Mutes sein.<br \/>\nDarum verstehe ich den Schluss nicht: \u201eDu Narr!\u201c Hier, an<br \/>\ndieser Stelle? Kommt das Urteil nicht \u2013 zu sp\u00e4t? M\u00fcsste<br \/>\nes jetzt nicht ermutigend heissen: Mach hier weiter \u2026<\/p>\n<p>Ehrlich gesagt: ich erwarte eine Ermutigung. F\u00fcr mich. F\u00fcr<br \/>\nandere. Es tut gut, Ruhe zu finden, Zeit haben, aufatmen. Aber dem Evangelist<br \/>\nreicht das nicht. K\u00f6nnte es sein, dass meine Gedanken in eine andere \u2013 falsche<br \/>\n&#8211; Richtung gehen? F\u00fcr \u00dcberraschungen ist Lukas immer gut. Seine<br \/>\nAbneigung Reichen gegen\u00fcber l\u00e4sst sich nicht einmal sch\u00f6n<br \/>\nreden. Nein, da hat er schon an den Anfang des Evangeliums, im Lobgesang<br \/>\nder Maria, den Ton vorgegeben: \u201e\u2026 er st\u00f6sst die Gewaltigen<br \/>\nvom Thron und erhebt die Niedrigen, er f\u00fcllt die Hungrigen mit G\u00fctern<br \/>\nund l\u00e4sst die Reichen leer ausgehen \u2026\u201c Er: Gott. Ist<br \/>\nwohl nichts, sich mit \u201eRuhe\u201c zufriedenzugeben. Oder einem<br \/>\nges\u00fcnderen Leben. Oder gereifter Lebenserfahrung \u2026<\/p>\n<p>Was die Dinge (ich nenne sie jetzt einfach so) mit \u2013 oder auch:<br \/>\naus einem Menschen machen, ist eine Sache, was der Mensch mit \u2013 oder<br \/>\nauch: aus ihnen macht, die andere. Ob hier die Spur zu finden ist?<br \/>\nH\u00f6ren wir noch einmal in die Geschichte. Der Evangelist legt sein<br \/>\nOhr auf die Seele diesen reichen Kornbauern. Er spricht zu sich selbst: \u201eLiebe<br \/>\nSeele, du hast einen grossen Vorrat f\u00fcr viele Jahre; habe nun Ruhe,<br \/>\niss, trink und habe guten Mut.\u201c<br \/>\nGrosser Vorrat \u2026 viele Jahre \u2026 habe nun Ruhe \u2026 guten<br \/>\nMut.<br \/>\nDie Worte hinterlassen einen Geschmack. Sie schmecken nach Sicherheit.<br \/>\nSie suggerieren Sicherheit. Das ist\u00b4s: Was eingefahren werden kann,<br \/>\nneue Scheunen braucht \u2013 soll die Zukunft sichern. Was ein Mensch<br \/>\nerreicht hat, fest in H\u00e4nden und Herzen h\u00e4lt \u2013 soll das<br \/>\nLeben sichern. Bewahren. Und \u2013 kann es nicht. \u201eDu Narr!\u201c Glaubtest<br \/>\ndu, du k\u00f6nntest dein Leben so bewahren? Deine Zukunft in der neuen<br \/>\nScheune lagern? Dein Vertrauen auf die Dinge setzen?<br \/>\nKorn ist verg\u00e4nglich. Alle Dinge sind verg\u00e4nglich. Sollten<br \/>\nverg\u00e4ngliche Dinge dem Menschen Halt geben? Er vergeht mit ihnen.<br \/>\nNimmt ab. Wird leer. Verbraucht, verschliessen, abgeschrieben. Eine neue<br \/>\nScheune \u2013 ein alter Tod. Jetzt \u00fcberschlagen sich Bilder, Erfahrungen,<br \/>\nBef\u00fcrchtungen. Am Ende k\u00f6nnte das Urteil tats\u00e4chlich nicht<br \/>\nzu vermeiden sein: \u201eDu Narr!\u201c \u2013<\/p>\n<p>Der reiche Kornbauer hatte es mit Wissen, Erfahrungen und einer guten<br \/>\nPortion Bauernschl\u00e4ue weit gebracht. Er res\u00fcmiert sein Leben,<br \/>\nwill auf der H\u00f6he Frieden mit sich machen \u2013 und geht mit den<br \/>\nDingen unter. Im Dorf redet man schon \u00fcber ihn \u2013 wie \u00fcber<br \/>\neinen, der war. Aber das Wichtige verschwindet unter den Worten. Auch<br \/>\nunter der Trauer. In den Nachrufen sowieso.<br \/>\nJesus erz\u00e4hlt eine Geschichte, Lukas gibt ihr eine Gestalt. Sie<br \/>\nist einmalig und kommt so auch nicht wieder. Wer klug ist, f\u00e4ngt<br \/>\nan, seine Tage abzuw\u00e4gen \u2013 schon der Psalmens\u00e4nger wusste,<br \/>\ndass so ein weises Herz zu gewinnen ist.<\/p>\n<p>4.<br \/>\nWie kommt es eigentlich zu dieser Geschichte? Einen Anlass hat es gegeben:<br \/>\nden Streit zwischen Br\u00fcder \u00fcber das zu verteilende Erbe der<br \/>\nEltern. Ein weites Feld! Ein Streit, der die Akten dick macht. Und sprachlos,<br \/>\nlieblos, leblos \u2026<\/p>\n<p>13 Es sprach aber einer aus dem Volk zu ihm: Meister, sage meinem Bruder,<br \/>\ndass er mit mir das Erbe teile. 14 Er aber sprach zu ihm: Mensch, wer<br \/>\nhat mich zum Richter oder Erbschlichter \u00fcber euch gesetzt? 15<br \/>\nUnd er sprach zu ihnen: Seht zu und h\u00fctet euch vor aller Habgier;<br \/>\ndenn niemand lebt davon, dass er viele G\u00fcter hat.<\/p>\n<p>Die letzten S\u00e4tze haben es immer in sich.<br \/>\nNiemand lebt davon, dass er viele G\u00fcter hat. Das ist Jesu Wort.<br \/>\nEr legt es selbst auch aus. Er erz\u00e4hlt die Geschichte von dem reichen<br \/>\nKornbauern. Sie endet: So geht es dem, der sich Sch\u00e4tze sammelt<br \/>\nund ist nicht reich bei Gott.<\/p>\n<p>Unschwer ist zu erkennen, wof\u00fcr diese Geschichte \u2013 sie wird<br \/>\ngemeinhin als \u201eGleichnis\u201c bezeichnet \u2013 eintritt. Ihr<br \/>\nThema ist: Reich sein bei Gott. Aber was sie erz\u00e4hlt, ist, was es<br \/>\nheisst, nicht reich zu sein bei Gott. Sozusagen im Spiegel verkehrt.<br \/>\nIrritierend.<br \/>\nIch z\u00fcrnte schon mit Lukas. Warum so negativ? H\u00e4tte die Geschichte<br \/>\nnicht auch positiv erz\u00e4hlt werden k\u00f6nnen? Der reiche Kornbauer<br \/>\nals nachahmenswertes Beispiel, als Identifikationsangebot, als Vorbild.<br \/>\nF\u00fcr viele Menschen, die sich \u2013 wie er \u2013 m\u00fchen und<br \/>\nviele Sorgen machen.<br \/>\nAber w\u00e4re dann herausgekommen, was die Geschichte unbedingt loswerden<br \/>\nwill: dass die Dinge Menschen gefangen nehmen \u2013 und Menschen mit<br \/>\nihnen ihre Zukunft verlieren? Die Geschichte kommt mit wenigen S\u00e4tzen<br \/>\naus. Sie l\u00e4dt ein, unsere Erfahrungen auszusprechen \u2013 und<br \/>\nauszusetzen. Es ist eine Geschichte von uns.<br \/>\nWenn ich den Weg \u00fcberblicke, den die Geschichte uns abverlangt,<br \/>\nkommt sehr viel zur Sprache: die Arbeit mit ihrem Ertrag, das Bed\u00fcrfnis<br \/>\nnach Ruhe und Distanz, der Vorsatz, noch einmal neu anzufangen \u2013 hier<br \/>\nmit dem Bild der neuen Scheune.<br \/>\nAber zur Sprache wird auch gebracht, dass Menschen Erfolg, Ansehen und<br \/>\nGeld Macht \u00fcber sich geben \u2013 und mit ihnen ihr Leben verlieren \u2013 hier<br \/>\nim Bild von der \u201egeforderten Seele noch in dieser Nacht\u201c.<br \/>\nBei aller Klugheit: Wir sind Narren!<\/p>\n<p>Wir feiern heute das Erntedankfest. Den Altar haben wir festlich geschm\u00fcckt<br \/>\nmit Feldfr\u00fcchten, Obst und Korn. Was die Lebensmittelindustrie verarbeitet,<br \/>\nhaben wir daneben gelegt. Die Lieder, die wir singen, preisen den Sch\u00f6pfer.<br \/>\nSeit altersher wird als Evangelium die Geschichte vom reichen Kornbauern<br \/>\ngelesen. Von Dankbarkeit ist in ihr eigentlich nicht die Rede \u2013 das<br \/>\nWort kommt nicht einmal vor. Aber es hat einen tiefen Sinn, an diesem<br \/>\nTag zu feiern, was es heisst, reich zu sein bei Gott: Ihn preisen. Bei<br \/>\nihm Zuflucht nehmen. Auf ihn das Vertrauen setzen. Von ihm die Zukunft<br \/>\nerbitten. Und dazu geh\u00f6rt, die Dinge, die von ihm kommen, dankbar<br \/>\naus seiner Hand zu nehmen \u2013 und sie das sein zu lassen, was sie<br \/>\nsind: geschenktes Leben.<br \/>\nZu der \u201elieben Seele\u201c \u00fcbrigens kann kein Mensch beten,<br \/>\nvon ihr auch keine Antwort erwarten \u2013 zumindest nicht die Antwort,<br \/>\ndie weiter f\u00fchrt als das, was ein Mensch schon hinter sich gebracht<br \/>\nhat. Die \u201eliebe Seele\u201c kann nur mit sich reden, alles mit<br \/>\nsich ausmachen, am Ende verstummen.<br \/>\nGott selbst l\u00e4dt zu seinem Mahl ein. Er sagt: Liebe Seelen, ich<br \/>\nhabe euch viel gegeben, kommt zur Ruhe, esst, trinkt, habt guten Mut!<br \/>\nAn der Stelle sind wir auch nicht mehr allein. Hier kommen wir zusammen,<br \/>\njeder mit seiner eigenen Geschichte. In der Vorrede zum Mahl wird es<br \/>\nheissen: Recht und w\u00fcrdig ist es, angemessen und heilsam, dass wir<br \/>\ndir, allm\u00e4chtiger Gott, barmherziger Vater, an allen Orten und zu<br \/>\nallen Zeiten danken \u2026<\/p>\n<p>5.<br \/>\nAls der reiche Kornbauer beerdigt wurde, gaben ihm viele Menschen das<br \/>\nletzte Geleit. Der B\u00fcrgermeister r\u00fchmte den bedeutendsten<br \/>\nArbeitgeber in der Region, der Vertreter der Landwirtschaftskammer<br \/>\npries die unternehmerische Weitsicht, der Betriebsratsvorsitzende erz\u00e4hlte<br \/>\nvon konstruktiver und kritischer Zusammenarbeit. Der Pfarrer predigte \u00fcber<br \/>\ndie Verg\u00e4nglichkeit und befahl den Toten der Barmherzigkeit Gottes.<br \/>\nZu einem Eklat kam es nicht. Niemand nannte ihn einen Narren. Die eine<br \/>\nNacht, die letzte, bleibt das Geheimnis, dass Gott mit den Menschen<br \/>\nteilt.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Manfred Wussow<br \/>\nKgm. Aachen<br \/>\n<a href=\"mailto:M.Wussow@gmx.de\">M.Wussow@gmx.de<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>16. Sonntag nach Trinitatis \/ Erntedank | 5. Oktober 2003 | Lukas 12,13\u201321 | Manfred Wussow | 1. Der gr\u00f6sste Unternehmer des Dorfes war in der Nacht gestorben. Ihm geh\u00f6rten die L\u00e4ndereien, soweit die Augen reichten \u2013 und so schien es, auch die Menschen. F\u00fcr ihn arbeiteten hier alle. \u201eEin armes Schwein\u201c, sagten die Leute. 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